mini|Dieses von Peter Lely erstellte Porträt zeigt höchstwahrscheinlich Joseph Dudley mini|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Dudley Joseph Dudley (* 23. September 1647 in Roxbury, Massachusetts Bay Colony; † 2. April 1720 in Roxbury, Province of Massachusetts Bay) war ein englischer Kolonialverwalter in Neuengland. Er war der Sohn eines der Gründer seiner Geburtsstadt und führte 1686 für einige Monate das Dominion of New England als Ratspräsident an, das im Rahmen des Aufstands in Boston 1689 zu Fall gebracht wurde. Später war er auch im Rat der Province of New York tätig. In New York saß er dem Gerichtsverfahren vor, in dem über Jacob Leisler und die von ihm initiierte und nach ihm benannte Leisler’s Rebellion verhandelt wurde. In den 1690er Jahren war er acht Jahre lang Vizegouverneur der Isle of Wight und zu Beginn des 18. Jahrhunderts für ein Jahr Abgeordneter des britischen Parlaments. 1702 wurde er zeitgleich zum Gouverneur der Province of Massachusetts Bay und der Province of New Hampshire bestimmt und übte diese Ämter bis 1715 aus.
Seine Amtszeit in Massachusetts war von Spannungen und Feindseligkeiten geprägt, da seine politischen Gegner seine Bemühungen boykottierten, ein geregeltes Einkommen zu erzielen und sich regelmäßig über sein offizielles Verhalten sowie sein Privatleben beschwerten. In diese Zeit fiel auch der Queen Anne’s War, in dem sich das Dominion im Krieg mit Neufrankreich befand und unter ständigen Angriffen der Franzosen und Indianer zu leiden hatte. Dudley unternahm 1707 zunächst einen erfolglosen Versuch, die akadische Hauptstadt Port Royal zu erobern, konnte jedoch 1710 einen weiteren Eroberungsversuch erfolgreich durchführen. 1711 führte er einen erfolglosen Angriff gegen Quebec City an.
Während Dudleys Amtsperiode bildeten sich feindselige Verhaltensmuster der Bevölkerung gegen die königliche Verwaltung von Massachusetts, die sich regelmäßig an der Bezahlung der Kolonialbeamten entzündeten. Diese Feindschaft richtete sich allerdings gegen die meisten der Gouverneure von Massachusetts bis zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg; seine Amtszeit in New Hampshire verlief hingegen vergleichsweise unumstritten.
Frühes Leben und erste politische Erfahrungen Joseph Dudley wurde am 23. September 1647 in Roxbury, Massachusetts Bay Colony, geboren.Moore, S. 390. Seine Eltern waren Katherine Deighton Hackburne Dudley und Thomas Dudley, einer der Gründer und Anführer der Kolonie.Moore, S. 294–296. Bei seiner Geburt war sein Vater bereits 70 Jahre alt, so dass er von seiner Mutter und seinem Stiefvater John Allin aufgezogen wurde, den sie nach Thomas Dudleys Tod im Jahr 1653 geheiratet hatte.
Er erhielt 1665 einen Abschluss am Harvard College und wurde 1672 zu einem Freeman erklärt. Ab 1673 repräsentierte er Roxbury als Mitglied des Massachusetts General Court und wurde 1676 in den Kolonialrat gewählt. Mit dem Beginn des King Philip’s War 1675 begleitete Dudley die kolonialen Truppen in die Schlacht gegen die Indianer und war unter anderem in den sog. Great Swamp Fight involviert, in dem die Narraganset kriegsentscheidend zurückgeschlagen wurden.Moore, S. 391. Er diente für mehrere Jahre als Kommissionsmitglied der New England Confederation und wurde auf verschiedene diplomatische Missionen zu den benachbarten Indianerstämmen entsandt. Als Diplomat verhandelte er als Teil eines größeren Komitees auch den Grenzverlauf zwischen Massachusetts und der benachbarten Plymouth Colony.Kimball, S. 3.
Massachusetts Aufhebung der kolonialen Charta Die Kolonialverwaltung, die bereits Anfang der 1660er Jahre zunehmend in den Fokus von Karl II. geraten war, stand in den späten 1670er Jahren ernsthaft unter Druck. Der 1676 nach Neuengland zur Eintreibung von Steuern und zur Durchsetzung der Navigationsakten entsandte Edward Randolph dokumentierte eine Reihe von Vorfällen und Problemen und trug diese dem Board of Trade in London vor.Kimball, S. 6–10.
Die Anführer in den Kolonien waren geteilter Ansicht darüber, wie auf diese Bedrohung zu reagieren sei. Dudley gehörte ebenso wie sein Schwager Simon Bradstreet und William Stoughton zu einer moderaten Fraktion, die auf die Forderungen des Königs eingehen wollte. Ihnen entgegen standen die Hardliner, die eine Einmischung der Krone in koloniale Angelegenheiten grundsätzlich ablehnten. Während die reicheren Landbesitzer die moderate Seite unterstützten, stimmten die offiziellen Repräsentanten eher mit den Hardlinern überein.Kimball, S. 3–5.
1677 wurde Dudley zum Mitglied der Ancient and Honorable Artillery Company of Massachusetts gewählt.
Im Jahr 1682 wurde Dudley gemeinsam mit John Richards nach London entsandt, um Massachusetts vor dem Board of Trade zu repräsentieren.Hall, S. 77. Dudley führte ein vom Gouverneur von Plymouth Thomas Hinckley verfasstes Empfehlungsschreiben mit, das an den Kolonialsekretär William Blathwayt gerichtet war. Mit diesem konnte er eine gute Beziehung aufbauen, die später viel zu seinem Erfolg als Kolonialverwalter beitrug. Zugleich jedoch rief sie innerhalb der Kolonie Gerüchte über seine Motive und seine Fähigkeit, die Interessen von Massachusetts wirksam zu vertreten, hervor.Kimball, S. 14. Die Befugnisse der beiden Gesandten waren allerdings begrenzt, so dass das Board of Trade bei der Kolonialverwaltung darauf bestand, Richards und Dudley für die Verhandlungen über Modifikationen der kolonialen Charta zu autorisieren.
Die von den Hardlinern dominierte Kolonie wies diese Aufforderung jedoch zurück,Hall, S. 78. was unmittelbar zu einer gerichtlichen Anordnung () führte, die koloniale Charta zurückzugeben. Als Dudley diese Nachricht Ende 1683 nach Boston brachte, begann darüber eine aufgeheizte Debatte in der Legislative, in der die Hardliner, zu denen unter anderem der einflussreiche Pfarrer Increase Mather gehörte, sich erneut durchsetzen konnten.Hall, S. 79–80. Insbesondere brandmarkten sie die Moderaten wie Dudley und Bradstreet als .Kimball, S. 17. Richards schlug sich auf die Seite der Hardliner, so dass sich die Aggressionen fokussiert auf Dudley richteten, was am Ende dazu führte, dass er nach den Wahlen zum Kolonialrat 1684 seines Amtes enthoben wurde.Kimball, S. 18.
Zudem gab es Anschuldigungen gegen ihn, dass er während seines Aufenthalts in London im Geheimen geplant habe, die Charta mit Blick auf seine persönlichen Vorteile annullieren zu lassen. Dudley hatte nach der Ausgabe der gerichtlichen Anordnung mit Edward Randolph über eine Ersatzregierung diskutiert, was als Beweis für seine Feindseligkeit gegenüber der aktuellen Führung der Kolonie und seine Arbeit entgegen seinem Auftrag als Repräsentant der Kolonie angesehen wurde.Kimball, S. 18–19. Randolph gelangte aufgrund der mit ihm geführten Gespräche zur Ansicht, dass der Verlust von Dudley bei den Wahlen diesen zu einem guten Diener der Krone machen würde. Daraus entstanden wiederum Gerüchte, dass Dudley zum Gouverneur ernannt und Randolph zu seinem Stellvertreter auswählen würde.Hall, S. 85.
1684 wurde die Charta von Massachusetts für ungültig erklärt,Hall, S. 83. und das Board of Trade arbeitete an Plänen zur Vereinigung aller Kolonien Neuenglands zu einer einzigen Provinz mit dem Namen Dominion of New England.Barnes, S. 30–35. Dieser Prozess war noch nicht abgeschlossen, als 1685 Jakob II. den englischen Thron bestieg. Es gab allerdings Schwierigkeiten bei der Besetzung der Kommission für den als Gouverneur vorgesehenen Edmund Andros, so dass Randolph einen Vorschlag für eine Übergangslösung machen musste.Barnes, S. 35, 47. Er empfahl Dudley für diesen Posten, und so wurde dieser am 8. Oktober 1685 als Präsident des Rates von Neuengland eingesetzt. Zu den von seinen Befugnissen umfassten Gebieten zählten Massachusetts, New Hampshire, Maine und das Narragansett Country, das heute im südlichen Rhode Island liegt.Barnes, S. 47–48. Randolph erhielt eine Vielzahl von untergeordneten Posten, darunter den des Kolonialsekretärs, was ihm eine gewisse Macht in der Kolonie sicherte.Hall, S. 93–96.
Ratspräsident in Neuengland mini|Diese Gravur zeigt die Verhaftung von Edmund Andros im Jahr 1689. Randolph brachte die Charta, die Dudley zum neuen Ratspräsidenten ermächtigte, am 14. Mai 1686 nach Boston, und Dudley übernahm am 25. Mai offiziell die Amtsgeschäfte.Barnes, S. 50, 54. Seine Regierungszeit begann jedoch glücklos, da einige in seinen Beraterkreis berufene Beamte die Aufnahme ihrer Arbeit verweigerten.Barnes, S. 51. Zudem konnte er sich nicht mit Increase Mather versöhnen, der sich weigerte, Dudleys Gesprächsangebote anzunehmen.Kimball, S. 26. Auch die Wahlen der kolonialen Militäroffiziere wurden beeinträchtigt, da viele von ihnen ihren Dienst verweigerten.Barnes, S. 55. Dudley musste daher Zwangsernennungen durchführen, in denen er die politisch Moderaten bevorzugte, die im Kampf um die alte Charta den Wünschen des Königs zugestimmt hatten.Barnes, S. 56. Er erneuerte die Verträge mit den Indianerstämmen im nördlichen Neuengland und reiste im Juni 1686 in das Narragansett Country, um sein Amt formal anzutreten.Kimball, S. 31.
Dudleys Arbeit wurde erheblich dadurch beeinträchtigt, dass er die Staatseinnahmen nicht erhöhen konnte, da sein Auftrag es ihm nicht erlaubte, neue Steuergesetze zu erlassen, und die alte Regierung von Massachusetts in Erwartung des Verlustes der Charta alle diesbezüglichen Gesetze bereits 1683 annulliert hatte.Barnes, S. 58. Darüber hinaus verweigerten viele Bürger die Zahlung der wenigen verbliebenen Steuern mit der Begründung, dass diese von der alten Regierung eingeführt worden waren und damit ungültig seien.Barnes, S. 59.
Dudley und Randolph versuchten zudem, die Church of England in der Kolonie zu etablieren, was jedoch aufgrund mangelnder Finanzierungsmöglichkeiten weitgehend fehlschlug.Barnes, S. 61. Sie setzten allerdings die Navigationsakten durch, wenngleich sie diese nicht buchstabengetreu einführten. Da sie erkannt hatten, dass einige Bestimmungen unfair waren, weil sie beispielsweise die mehrfache Zahlung von Steuern für ein und denselben Fall bedeuteten, wurden bestimmte Verstöße gegen die neuen Gesetze nicht geahndet. Sie empfahlen dem Board of Trade, die Gesetze entsprechend zu ändern, um sie der Realität anzupassen. Dennoch wurde die Wirtschaft von Massachusetts durch die Umsetzung der neuen Gesetze spürbar beeinträchtigt.Barnes, S. 62–63. Dudley und Randolph zerstritten sich schließlich über Fragen des Handels, der Verwaltung und der Religion;Barnes, S. 68.Kimball, S. 33, 36. so schrieb Randolph: , und verglich Dudley damit unvorteilhaft mit einem der Hardliner.Kimball, S. 36.
Während Dudleys Amtszeit entschied das Board of Trade auf der Grundlage einer Petition von Dudleys Rat, die Kolonien Rhode Island und Connecticut in das Dominion zu integrieren.Barnes, S. 64. Edmund Andros, dessen Ernennungsurkunde im Juni herausgegeben wurde, erhielt einen Anhang zu seiner Vollmacht, die ihn zur Integration dieser Gebiete berechtigte.Kimball, S. 41.
Tätigkeiten unter Gouverneur Andros mini|William Blathwayt unterstützte Dudleys Karriere nach dem Ende des Dominion. Mit seiner Ankunft im Dezember 1686 übernahm Edmund Andros unmittelbar die Amtsgeschäfte.Kimball, S. 44. Dudley war Teil seines Beraterstabs, Richter am superior court und Zensor der Presse. Er war ebenfalls Mitglied des Komitees, das an einer Harmonisierung der Gesetzgebung im Dominion arbeitete, um die bisher unterschiedlichen Regelungen der ehemaligen Einzelkolonien zu vereinheitlichen.Kimball, S. 45.