mini|links|hochkant|Attentat von Sarajevo, zeitgenössische, nachempfundene Darstellung

zentriert|350px|Gavrilo Princip wird nach dem Attentat in Sarajewo von der Polizei verhaftet. Das Attentat von Sarajevo auf Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie löst die Julikrise aus. zentriert|167px|Deutsche Mobilmachung am 2. August Europaweit erfolgt die Mobilmachung der Streitkräfte. 173px|Der Auszug deutscher Soldaten aus ihrer Garnisonsstadt Der Erste Weltkriegbeginnt unter großerKriegsbegeisterung.

173px|Russische Gefangene nach der Schlacht bei Tannenberg Das Deutsche Reichbesiegt Russland in derSchlacht bei Tannenberg. 1914 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1362/63 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1906/07 (10./11. September) Baha'i-Kalender 70/71 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1319/20 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2457/58 (südlicher Buddhismus); 2456/57 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr des Holz-Tigers 甲寅 (seit 26. Januar, davor Wasser-Büffel 癸丑) Chuch’e-Ideologie (Nordkorea) Chuch’e 3 Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1276/77 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4247/48 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1292/93 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1332/33 (18./19. November) Japanischer Kalender Taishō 3 ();Kōki 2574 Jüdischer Kalender 5674/75 (20./21. September) Koptischer Kalender 1630/31 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1089/90 Minguo-Kalender (China) Jahr 3 der Republik Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1329/30 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2224/25 (Jahreswechsel April) Syrien: 2225/26 (Jahreswechsel Oktober) Suriyakati-Kalender (Thai-Solar-Kalender) 2456/57 (1. April) Tibetischer Kalender 1660 Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1970/71 (April)

Das Jahr 1914 stellt in mehrfacher Hinsicht eine historische Zäsur dar. Das Attentat von Sarajevo, bei dem serbische Nationalisten den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie ermorden, löst die Julikrise aus, und mit dem daraus resultierenden Ersten Weltkrieg schlittert die Menschheit in die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Damit endet unter anderem die Belle Époque und die von manchen als „Langes 19. Jahrhundert“ bezeichnete Ära der Emanzipation des Bürgertums und das Zeitalter des Imperialismus.

Der Krieg, der sich aufgrund einer Mischung aus Großmachtphantasien und vielfachen politischen Fehleinschätzungen von einem regionalen Konflikt auf dem Balkan rasch auf die meisten Länder Europas – und deren Kolonien – ausweitet, wird anfangs mit überwiegender Begeisterung und Patriotismus aufgenommen, während kritische Stimmen, unter ihnen der neu gewählte Papst Benedikt XV., kaum zu hören sind. Doch der allseits vorherrschende Optimismus, die Kampfhandlungen noch im selben Jahr siegreich beenden zu können, stellt sich bald als Illusion heraus. Und während sich langsam ein langwieriger Stellungs- und Grabenkrieg entwickelt, blitzt mit dem Weihnachtsfrieden ein letztes Mal so etwas wie Menschlichkeit an der Westfront auf.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Julikrise und Erster Weltkrieg

Das Attentat von Sarajevo und die Julikrise

mini|links|hochkant|Gavrilo Princip 28. Juni: Gavrilo Princip, Mitglied der Geheimorganisation Mlada Bosna, tötet in Sarajevo das Thronfolgerpaar Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie: Das Attentat und die (tatsächliche oder vermeintliche) Verbindung der Attentäter zu den serbischen Organisationen Schwarze Hand und Narodna Odbrana ist der Auslöser der Julikrise und in der Folge des Ersten Weltkrieges.

5./6. Juli: Der österreichisch-ungarische Diplomat Alexander Graf von Hoyos reist nach Berlin, um die Unterstützung des Deutschen Reichs für eine militärische Intervention Österreich-Ungarns gegen Serbien zu erlangen. Die Mission Hoyos ist eines der zentralen Ereignisse während der Julikrise. 20. bis 23. Juli: Die französische Regierung bestehend aus Raymond Poincaré, René Viviani und Pierre de Margerie befindet sich auf Staatsbesuch in Sankt Petersburg. 23. Juli: Österreich-Ungarn stellt 3 Wochen nach der Ermordung Erzherzog Franz Ferdinands ein Ultimatum von 48 Stunden an Serbien durch Außenminister Leopold Graf Berchtold. Es enthält umfangreiche Forderungen an den Nachbarstaat. Ihre weitgehende, aber unvollständige Erfüllung löst nach Fristablauf die österreichische Kriegserklärung und in der Folge den Ersten Weltkrieg aus.

mini|links|Die Attentäter im Gerichtssaal 12. Oktober bis 23. Oktober: In Sarajewo findet die Gerichtsverhandlung gegen 25 Beteiligte am Attentat von Sarajevo wegen Hochverrats und Meuchelmordes statt. Alle Beteiligten bestreiten eine Verbindung zum offiziellen Serbien. Drei von ihnen werden im Verfahren zum Tod durch den Strang verurteilt, die meisten sind jedoch zu jung für ein Todesurteil.

Kriegsbeginn und Augusterlebnis

27. Juli: Der angebliche serbische Angriff bei Temes Kubin wird von Kreisen in Österreich-Ungarn benutzt, um Kaiser Franz Joseph I. dazu zu bringen, die Kriegserklärung an Serbien zu unterzeichnen. 28. Juli: Die Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien steht am Beginn des Ersten Weltkriegs. Schon in der folgenden Nacht beginnt die Beschießung Belgrads auf Befehl von General Oskar Potiorek. 30. Juli: Kaiser Nikolaus II. von Russland befiehlt die Generalmobilmachung. 31. Juli: Der sozialistische Politiker Jean Jaurès, ein führender Vertreter des französischen Reformismus und Kriegsgegner, wird in einem Pariser Café vom Nationalisten Raoul Villain ermordet. Der Attentäter wird später nach über vierjähriger Untersuchungshaft vom Gericht freigesprochen. 31. Juli/1. August: Der deutsche Kaiser Wilhelm II. hält zwei Balkonreden.

mini|Berliner Bevölkerung mit Extrablatt, August 1914 1. August: Gleichzeitig mit der Kriegserklärung des Deutschen Reiches an Russland erfolgt die Mobilmachung des Reichsheeres, Frankreich mobilisiert ebenfalls seine Armee. In weiten Teilen der deutschen Bevölkerung kommt es zu großer Kriegsbegeisterung, dem sogenannten „Augusterlebnis“. 2. August: Das Deutsche Reich richtet ein Ultimatum an Belgien, mit dem man freien Durchmarsch durch Belgien fordert, andererseits das Land als Feind betrachtet werde. Deutschland verstößt damit gegen das Londoner Protokoll aus dem Jahr 1839, das die belgische Neutralität garantiert. 3. August: Das Deutsche Reich erklärt Frankreich den Krieg. König Albert von Belgien weist das deutsche Ultimatum vom Vortag ab. Der britische Außenminister Edward Grey erklärt die Verletzung der Neutralität Belgiens als unvereinbar mit den Interessen Großbritanniens.

mini|links|hochkant|US-Propagandaplakat 1918 4. August: Deutsche Truppen rücken im Ersten Weltkrieg völkerrechtswidrig in das neutrale Belgien ein, was Großbritannien zu einem Ultimatum mit Kriegsandrohung gegenüber Deutschland veranlasst. Der deutsche Kanzler Bethmann Hollweg bedauert gegenüber dem britischen Botschafter, dass Großbritannien wegen eines „Fetzen Papiers“ (gemeint ist die belgische Neutralitätserklärung) bereit sei, gegen Deutschland in den Krieg zu ziehen. Belgien übermittelt eine Kriegserklärung an das Deutsche Reich. Der sogenannte „Rape of Belgium“ wird in der Folge zum Propagandabegriff der Alliierten.

mini|hochkant|Ein Künstlerflugblatt Max Liebermanns aus dem August 1914 zeigt die Volksmenge vor einem Balkon des Schlosses und zitiert Wilhelms Worte vom 4. August: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“ 4. August: Der Reichstag des Deutschen Kaiserreichs schließt nach einer flammenden Rede von Kaiser Wilhelm II. den sogenannten „Burgfrieden“ und stimmt geschlossen für die Gewährung von Kriegsanleihen und beschließt ein Kriegsermächtigungsgesetz. Insgesamt kommen an diesem Tag 17 Kriegsgesetze zustande. Damit soll der Bundesrat beziehungsweise die Reichsleitung zu den kriegsnotwendigen wirtschaftlichen Maßnahmen ermächtigt werden, zur „Abhilfe wirtschaftlicher Schädigung“. 4. August: Der französische Staatspräsident Raymond Poincaré prägt in einer Rede den Begriff Union sacrée. 5. August: Mit der Kriegserklärung Großbritanniens an das Deutsche Reich befinden sich alle europäischen Großmächte außer Italien im Kriegszustand. Die britischen Kabinettsmitglieder John Morley und John Elliot Burns treten aus Protest gegen den Kriegseintritt ihres Landes von ihrem Amt zurück. 5. August: Aus Enttäuschung über die „Burgfriedenspolitik“ der SPD-Reichstagsfraktion gründet Rosa Luxemburg gemeinsam mit Hermann Duncker, Hugo Eberlein, Julian Marchlewski, Franz Mehring, Ernst Meyer und Wilhelm Pieck die Gruppe Internationale, der sich wenig später unter anderem auch Karl Liebknecht anschließt. 6. August: Österreich-Ungarn erklärt Russland den Krieg, am selben Tag erfolgt die Kriegserklärung Serbiens an das Deutsche Reich. 7. August: Montenegro unter König Nikola erklärt Österreich-Ungarn den Krieg. 13. August: Frankreich erklärt Österreich-Ungarn den Krieg. 16. August: Japan schließt sich der Entente an und erklärt dem Deutschen Reich am 23. August den Krieg.

Die „Heimatfront“

28. Juli: Das k.u.k. Kriegspressequartier wird als Abteilung des Armeeoberkommandos gegründet. Aufgabe des KPQ ist die Koordination aller Presseinformationen und Propagandatätigkeiten von Österreich-Ungarn während des Ersten Weltkrieges unter Einbeziehung sämtlicher damals verfügbarer Massenmedien. Kommandant des KPQ ist Maximilian von Hoen. 9. September: Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg legt in seinem Septemberprogramm die Kriegsziele des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg dar. 4. Oktober: 93 deutsche Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller unterzeichnen das auf den Ideen von 1914 basierende nationalistische Manifest der 93, in dem sie eine Schuld Deutschlands am Ausbruch des Kriegs zurückweisen. Wenige Tage später formuliert Georg Friedrich Nicolai als Antwort das antimilitaristische Manifest Aufruf an die Europäer, das jedoch nur von Albert Einstein, Otto Buek und Wilhelm Foerster unterzeichnet wird. 16. Oktober: Die Erklärung der Hochschullehrer des Deutschen Reiches wird veröffentlicht, mit der ein Großteil der deutschen Professoren und Dozenten den Weltkrieg rechtfertigt. Am 21. Oktober erscheint eine Antwort an die deutschen Professoren in der New York Times. 16. November: Mit dem Ziel, den Ersten Weltkrieg möglichst rasch mit einem Friedensschluss zu beenden, wird in Berlin der Bund Neues Vaterland gegründet. Vorsitzende des Bundes sind Kurt von Tepper-Laski und Georg Graf von Arco. Zu den Mitbegründerinnen gehört auch Elisabeth Rotten. 2. Dezember: Im deutschen Reichstag stimmt als einziger Abgeordneter Karl Liebknecht (SPD) gegen die erste Verlängerung der Kriegskredite. 20. Dezember: Konstantin von Gebsattel, stellvertretender Vorsitzender des Alldeutschen Verbandes, erklärt in einer Konferenz bei König Ludwig III. von Bayern die als „Lösung der Judenfrage“ bezeichnete Ausgrenzung und Vertreibung der deutschen Juden zu einem „deutschen Kriegsziel“.

Der Krieg in Europa

Der Einmarsch in Belgien und die Westfront mini|links|Schützenlinie belgischer Infanterie bei Herstal, nordöstlich von Lüttich August: Beim Einmarsch in Belgien und Nordfrankreich verüben deutsche Truppen zahlreiche Kriegsverbrechen, siehe Deutsche Gräueltaten im Jahr 1914. 4. August: Belgische Einheiten leisten dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der deutschen Truppen in ihr Land erbitterten Widerstand. Die als Handstreich geplante Eroberung von Lüttich dauert zur Überraschung des deutschen Generalstabs bis zum 16. August. 11. August: Die ersten Einheiten der British Expeditionary Force landen in Le Havre. 15. August: Bei der Beschießung von Fort Loncin im Festungsring Lüttich durch deutsche Einheiten mit der „Dicken Bertha“ explodiert die Munitionskammer, wobei 350 belgische Soldaten ums Leben kommen. mini|Die zerstörte Bibliothek