Die Kraut-Mühle am Westufer der südlichen Düssel im heutigen Düsseldorfer Stadtteil Unterbilk im Stadtbezirk 3 wurde seit dem Mittelalter bis 1867 betrieben. Anschließend siedelten sich auf dem Gelände Industriebetriebe an, heute befinden sich auf dem Grundstück zwischen Reichsstraße, Konkordiastraße und Kronprinzenstraße, auf dem die Düssel eine kurze Strecke oberirdisch fließt, keine Gebäudereste der Mühle mehr.
Geschichte Die Bilker Mühlen im Mittelalter In einer – möglicherweise im 12. Jahrhundert verunechteten – Urkunde König Konrads III. († 1152) für Äbtissin Hizeka werden schon für 1144 zwei Mühlen (duo molendina) im Dorf Bilk (in uilla Bilike) erwähnt, die beide dem Stift Vilich gehörtenUrkunde von 1144, ausgestellt in Bamberg; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Vilich Stift, Urkunden 4); vgl. Paul Derks: Die Urkunde König Konrads III. (MGH. D Konrad III 105) für Stift Vilich a. 1144. In: Heimat-Jahrbuch Wittlaer 15 (1994), S. 19–22.Vgl. Ulrich Brzosa: Die Geschichte der katholischen Kirche in Düsseldorf. Von den Anfängen bis zur Säkularisation. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2001, S. 104f. und wahrscheinlich vom Fronhof des Stiftes in Himmelgeist (Humilgis) verwaltet wurden.Hugo Weidenhaupt, Manfred Fey: Düsseldorf. Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert, Bd. I. Schwann / Patmos, Düsseldorf 1988, S. 170. Die beiden Bilker Wassermühlen hießen später bis in die Neuzeit hinein Kraut-Mühle und RompeltzHeinrich Rumpold war 1303 Bürgermeister von Düsseldorf, 1368 war Johannes Rumpold Pächter einer Mühle in Bilk; vgl. Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf, Bd. I Darstellung. Bagel, Düsseldorf 1921, S. 26, 122 u. ö.- oder Rumbol-Mühle u. ä.
Die Besitzungen in Bilk wurden vom Stift Vilich schon im Mittelalter aufgegeben.Vgl. Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf, Bd. I Darstellung. Bagel, Düsseldorf 1921, S. 241. Das Dorf wurde 1384 nach Düsseldorf eingemeindet. Im 15. Jahrhundert waren die Bilker Mühlen im Besitz der Herzöge von Jülich-Berg. Während die Rumpolds-Mühle 1451 von Herzog GerhardVgl. Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf, Bd. I Darstellung. Bagel, Düsseldorf 1921, S. 122, vgl. S. 98. und erneut 1489 von dessen Nachfolger Herzog Wilhelm der Stadt Düsseldorf in Erbpacht überlassen wurde,Vgl. Heinrich Eschbach: Zur Verfassungsgeschichte der Stadt Düsseldorf. In: Düsseldorfer Geschichtsverein (Hrsg.): Geschichte der Stadt Düsseldorf. (Festschrift zum 600jährigen Jubiläum). Kraus, Düsseldorf 1888, S. 52–65, bes. S. 56 (Digitalisat der Landes- und Universitätsbibliothek Düsseldorf); lies: „1489“ statt „1483“; vgl. ders.: Heinrich Eschbach (Hrsg.): Urkunden zur Geschichte der Stadt Düsseldorf, Teil II. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins 5 (1890), S. 35 und S. 52. behielten sich die jülich-bergischen Herzöge außer der Schallings- oder Scheidlings-Mühle in der angrenzenden Gemarkung Stoffeln auch den Zugriff auf die zweite Bilker Wassermühle vor, die nicht vererbpachtet wurde.Vgl. Friedrich-Wilhelm Henning: Düsseldorf und seine Wirtschaft. Zur Geschichte einer Region, Bd. I. Droste, Düsseldorf 1981, S. 72. Sie lag „in der vurschreven burgerschaff up der oeverster bech; beneden Rompels moelen (= in der genannten BürgerschaftGemeint ist im Kontext die Außenbürgerschaft von Düsseldorf, nicht das innere Stadtgebiet. auf dem ober(st)en Strand,Zur bech vgl. 1637 parallel Strand; ähnlich englisch beach, isländisch bakki „Flussufer“. Der Superlativ (oeverste) hat mundartlich oft eine eher komparative Bedeutung. unterhalb von Rompels Mühle)“ und war 1449 als Walk- und Ölmühle an Evert von Boichem (Bockum),1437, 1442/43, 1448–1451 und 1455–1457 Bürgermeister von Düsseldorf; 1430–1445 als Zollknecht Pfennigwart des Johann VI. von Salm-Reifferscheidt-Dyck († 1475).Vgl. Georg Bloos: Die Bürgermeister von Düsseldorf. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins 6 (1892), S. 20–27, bes. S. 21 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf), (Google-Books; eingeschränkte Vorschau); Hans Mosler: Der Düsseldorfer Rheinzoll bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins 21 (1906/07), S. 97–275, bes. S. 134 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). einen Sohn von Ailff (Adolf) Groenewalt,1422 und 1429 Bürgermeister von Düsseldorf und 1449 Pächter der herzoglichen Walk- und Ölmühle innerhalb der Stadt Düsseldorf. und an Heinrich Werd verpachtet.Vgl. Heinrich Eschbach (Hrsg.): Urkunden zur Geschichte der Stadt Düsseldorf, Teil I. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins 4 (1889), S. 93–150, S. 94. Herzog Gerhard übergab sie an die Stadt Düsseldorf und stellte in Aussicht, dass nach seinem eventuellen kinderlosen Tod die Pacht auf Dauer erlassen werden würde. Evert von Boichem (Groenewald), Ailffs Sohn, war in diesem Jahr Bürgermeister von Düsseldorf.Vgl. Georg Bloos: Die Bürgermeister von Düsseldorf. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins 6 (1892), S. 20–27, bes. S. 21. Aus dieser Walk- und Ölmühle ist später die Krautmühle geworden.
Herzogliche Pulvermühle Im 16. Jahrhundert stand „oberhalb Düsseldorf auf dem oberen Strand von der Düssel“ in unmittelbarer Nähe einer steinernen Düsselbrücke die fürstliche Pulvermühle,1637 heißt die Flur: „Platz …, wo vordem die fürstliche Pulvermühle gestanden … hat“. in der Salpeter, Schwefel und Holzkohle für die Herstellung von Schießpulver gemahlen wurden. Bei der Mühle befand sich eine Wohnung für den Wildschützen des Herzogs von Jülich-Kleve-Berg.
Aus einem unbekannten Grund war die Pulvermühle Ende des 16. Jahrhunderts abgegangen, und die Flur lag wüst. In einem undatierten Düsseldorfer Memorandum, das zwischen 1594 und 1596 entstanden sein dürfte, wird vorgeschlagen, „das … gemacht werdt ein … olichsmoelen, plistmoelen, volmoelen, kruitmoelen (= Ölmühle, Schleifmühle, Voll- oder Walkmühle, Krautmühle)“.Vgl. Bedenken zur Bauordnung der Stadt Düsseldorf. Ohne Datum (um 1594/96). In: Heinrich Eschbach (Hrsg.): Urkunden zur Geschichte der Stadt Düsseldorf, Teil II. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins 5 (1890), S. 15–90, bes. S. 35–38. „Krautmühle“ war die Bezeichnung für eine Pulvermühle. Seit dem Mittelalter wurde Schwarzpulver besonders im niederdeutschen Sprachraum auch als Krût (Kraut, Donnerkraut, Büchsenkraut, herbae tonitruales) bezeichnet, vgl. den Ausdruck „Kraut und Lot“ für „Pulver und Blei“.
Neuerrichtung als Pulver- und Sägemühle Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1578–1653) übertrug 1637 seinem Artillerieverwalter und Mühlenmeister Arnolt Hückelhoven das Gelände der früheren Mühle, das ungefähr 60 Ruten umfasste,Es sind vermutlich Ruten nach Rheinischem (14,19 m2) oder Nürnberger Standard-Maß (13,31 m2) gemeint, so dass die Fläche von Mühle, Hof und Garten in etwa den gleichen Gesamtumfang wie 1839 hatte. Nach Kölnischen oder Bergischem Maß (21,12 m2) Maß käme die Fläche auf ca. 1270 m2. in Erbpacht mit der Erlaubnis, dort eine neue Pulvermühle und eine Sägemühle mit Gewerbe- oder Mühlenrädern (2 Gelaufen und Wasserrädern) anzulegen. Der Pächter übernahm die Verpflichtung, diese Mühle in guten Stand zu bringen und sie ohne fürstliche Erlaubnis nicht zu veräußern. Gegen einen „Kanon“ (Erbzins) von 2 Goldgulden durfte er jährlich 2000 Fuß Eichenholz frei schneiden und hatte gegen Empfang von 100 Pfund Salpeter 108 Pfund guten Musketen-Pulvers auf Probe zu liefern.Urkunde vom 14. August 1637; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Düsseldorf, Jesuiten, Urkunden Nr. 61).
Die Wiedererrichtung der Pulvermühle erfolgte drei Jahre nach der Explosion von 300 Fässern Schießpulver im Pulverturm der Stadtmauer, die den nordwestlichen Teil der Stadt Düsseldorf am 10. August 1634 großflächig zerstört hatte.Vgl. Verzeichniss der Häuser, welche bei der Pulver-Explosion 1634 beschädigt worden sind. In: Heinrich Ferber (Hrsg.): Das Landsteuerbuch Düsseldorf’s von 1632. W. Deiters, Düsseldorf 1881, S. 59–61 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). Krautmühle als Eigenname ist das erste Mal wahrscheinlich im Jahre 1640 in einem Prozess um das Erbe von Johann I. Hülshausen „an der Krautmühle“ bei der Residenzstadt Düsseldorf bezeugt.Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Reichskammergericht, 2847 - Az.: H 1908/6168).
Umwandlung zu einer Pulver-, Öl- und Walkmühle 1645 gestattete Herzog Wolfgang Wilhelm dem Düsseldorfer Ratsverwandten Johann II. Hulßhausen, die Schneid- und Pulvermühle beim Dorf Bilk an der Steinbrücke an sich zu bringen und in eine Öl- und Walkmühle zu verwandeln.Vgl. zum Folgenden Urkunde vom 5. Dezember 1645; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Düsseldorf, Kreuzbrüder, Urkunden Nr. 158). Weiterhin mussten 2 Goldgulden Pacht entrichtet werden. Die zur Schneidemühle gehörenden technischen Einrichtungen mussten abgeliefert und die Pulvermühle instand gehalten werden. Auf Anforderung waren auch weiterhin aus je 100 Pfund guten geläuterten Salpeters 108 Pfund guten Musketen-Pulvers fertigzustellen. Die Mühle erhielt ein „dreigeläufiges“ Mahlwerk.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Kraut-Mühle vor der Bergerpforte verschiedentlich urkundlich erwähnt, um bei Rechtsgeschäften bestimmte Grundstücke in ihrer Umgebung zu lokalisieren.Vgl. Urkunden vom 16. November 1645, 30. August 1646, 3. März 1681, 15. Oktober 1695, 27. Januar 1699, 24. März 1703 und 19. März 1720; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Düsseldorf, Kreuzbrüder, Urkunden Nr. 157, 158a, 187, 188d, 193 und 204a; Düsseldorf, Jesuiten, Urkunden Nr. 112). Etwas nördlich der Mühle begann die Krautstraße, die 1871 in Reichsstraße umbenannt wurde.
Die Kraut-, Walk und Ölmühle vor der Bergerpforte zu Düsseldorf mit zugehörigem Garten und „Bongard“ (Baumgarten) wurde 1691 von Jungfer Christina Hülsshausen dem Düsseldorfer Kreuzbrüder-Konvent gegen die Zusicherung von Unterhalt und einem standesgemäßen Begräbnis in der Klosterkirche übertragen.Urkunde vom 22. September 1691; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland (Düsseldorf, Kreuzbrüder, Urkunden Nr. 183). Nach ihrem Tod gelangte die Kraut-Mühle dauerhaft in das Eigentum bzw. die Erbpacht des Kreuzbrüder-Konventes.Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Düsseldorf, Kreuzbrüder, Akten Nr. 16 Düsseldorf: Häuser der Kanonie, 7).Akten 1776–1795; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland (Jülich-Berg, Hofrat Nr. B VII 143); vgl. Kreuzbrüder-Kanonie Düsseldorf gegen Hof- und Geheimen Rat [von] Francken: Gut "zur Hau" und Krautmühle, 1792 (Jülich-Berg, Oberappellationsgericht Nr. B XXIV 4). Zu der Mühle gehörten auch verschiedene kleinere Ländereien in ihrer Umgebung.Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland (Düsseldorf, Kreuzbrüder, Akten Nr. 12). An die jülich-bergische Oberkellerei mussten aus der Krautmühle bestimmte Abgaben (wie die Mahlsteuer) und Dienste geleistet werden. 1692 erhielten Prior Johann Holthausen – möglicherweise ein naher Verwandter der Christina Hülsshausen – und der Kreuzbrüder-Konvent zu Düsseldorf ein Darlehen von den Eheleuten Willrath und Clara Urbans, das unter anderem für den Ausbau der sogenannten Krautmühle bestimmt war.Urkunde vom 29. Oktober 1692; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Düsseldorf, Kreuzbrüder, Urkunden Nr. 185).