mini|Judenburg von Süden (2009) mini|Judenburg von Südwesten (Grünhübl) (2008) mini|Judenburg West (Grünhübl) (2008)
Judenburg ist eine Stadtgemeinde im Bezirk Murtal in der Steiermark mit Einwohnern (Stand ).
Geographie mini|Blick vom Falkenberg auf Judenburg Ost mit Bahnhof, „Stahl Judenburg“ und Murdorf (2008) Judenburg hat eine Fläche von km² und liegt auf einer Seehöhe von 737 maeiou.at. am südlichen Rand des Aichfeldes, eines weiträumigen Beckens der Alpen gegenüber von Fohnsdorf.
Durch die Stadt fließt der längste Fluss der Steiermark, die Mur. In der Nähe mündet der Granitzenbach in die Mur. Südlich der Stadt liegen die Seetaler Alpen mit ihrem höchsten Berg, dem Zirbitzkogel, westlich liegt der Falkenberg.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende zehn Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus sechs Katastralgemeinden (Fläche Stand ):
Eingemeindungen 10. Juni 1940: Ein Teil der Gemeinde Murdorf 1. Jänner 1963: Gemeinde Waltersdorf bei JudenburgStatistik Austria: Auflösungen bzw. Vereinigungen von Gemeinden ab 1945. Am 1. Jänner 2015 wurden im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform die Gemeinden Oberweg und Reifling mit Judenburg fusioniert.Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 10. Oktober 2013 über die Vereinigung der Stadtgemeinde Judenburg und der Gemeinden Oberweg und Reifling, alle politischer Bezirk Murtal. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 15. November 2013, Nr. 117, 32. Stück, , S. 630.
Nachbargemeinden Eine der sechs Nachbargemeinden liegt im Bezirk Murau (MU).
Geschichte Das Stadtgebiet war bereits zur Hallstattzeit besiedelt, wie der Fund des Strettweger Kultwagens belegtHallstattzeitliche Funde rund um den „Kultwagen von Strettweg“, derstandard.at, 28. Juni 2013, abgerufen am 21. September 2021..
Judenburg wurde in der Nähe der Burg Eppenstein gegründet. Die erste urkundliche Erwähnung dieser Burg als mercatum Judinburch stammt aus dem Jahr 1074 – jüdische Händler spielten zu dieser Zeit eine wichtige Rolle im transalpinen Handel und gründeten Handelsposten in der Region (→ Geschichte der Juden in Österreich oder Geschichte der Juden in der Steiermark). Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts ist urkundlich erwähnt, dass Juden in erster Linie als Geldverleiher in Judenburg tätig waren. Ihr Wohnort war die Judengasse im Gehag (im Bereich der heutigen Heiligengeistgasse), in der sich auch die Synagoge und das Judenbad befanden. Der Judenfriedhof lag außerhalb der Stadt in der Nähe des Schlosses Weyer.
Die Ersterwähnung ist auch das älteste Stapelrecht Österreichs, die Eppensteiner sind zu dieser Zeit schon mit weitreichenden Zollrechten ausgestattet. Wichtig war Judenburg insbesondere für den Handel obersteirischen Eisens (Erzberg). Die besondere Bedeutung dieser Niederlassung liegt sicherlich auch im Speik-Handel (Valeriana celtica, „Alpenbaldrian“ oder Maria Magdalenen-Blume). Speik ist ein im Orient begehrtes Parfüm, das über Venedig gehandelt wurde – ein Handelsweg, der im frühen Hochmittelalter den Christen nicht offenstand., kleinezeitung.at, 17. September 2011.
Im frühen 12. Jahrhundert ging Judenburg in den Besitz der Traungauer und dann der Babenberger über. 1224 erhielt Judenburg die Stadtrechte. In der Nähe von Judenburg kam es 1292 zu den letzten Kämpfen des Landsberger Bundes gegen Herzog Albrecht I., die mit einem Sieg des Herzogs endeten. Die Stadt Judenburg wuchs im 13. und 14. Jahrhundert zu einem überregional bedeutenden Handelszentrum heran, das Handel unter anderem mit Venedig trieb. So galt der Judenburger Gulden als die erste, lange auch als die wichtigste Goldmünze Österreichs. 1460 verlieh Friedrich III. der Stadt Judenburg das Monopol für den weltweiten Handel mit dem Speik. Die Stadt behielt das Monopol über 100 Jahre. Nach mehreren Pogromen im 14. und 15. Jahrhundert wurden 1496 auf Anweisung von Maximilian I. alle steirischen Juden des Landes verwiesen.
Die politische Gemeinde Judenburg wurde 1849/50 errichtet.Allgemeines Landesgesetz- und Regierungsblatt für das Kronland Steiermark. 21. Stück, 7. Oktober 1850, Nr. 378. Von 1910 bis 1914 verkehrte in der Stadt die Gleislose Bahn Judenburg, einer der ersten Oberleitungsbus-Betriebe Österreichs. Bis zum Ersten Weltkrieg war Judenburg eine Garnison der k.u.k. Armee. 1914 befand sich hier das Mährische Feldjäger Bataillon Nr. 17.
Während der Herrschaft des Nationalsozialismus gab es Bestrebungen, den Namen der Stadt, der wegen des Worts „Jude“ bzw. „Juden“ als untragbar angesehen wurde, in „Zirbenstadt“ oder „Adolfburg“ zu ändern. Die Diskussion darüber wurde allerdings auf die Zeit nach dem Krieg verschoben, so dass eine Änderung nicht zustande kam.Michael Schiestl: „Zirbitz-“, „Adolf-“ oder „Jubelburg“. Dokumente des „gesunden Volksempfindens“. In: „Berichte des Museumsvereines Judenburg.“ 33 (2000), S. 23–32.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden 1.683 Kosaken-Offiziere, die auf deutscher Seite gekämpft hatten, auf der Murbrücke in Judenburg von den Briten an den sowjetischen Geheimdienst NKWD überstellt. Zuvor war ihnen noch zugesichert worden, dass ihnen als Emigranten keine Auslieferung drohe.Karl-Peter Schwarz: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 1. Juni 2015, S. 6: „Eine schändliche Operation. Stalin wollte Rache – und Churchill wollte das Einvernehmen mit ihm nicht gefährden: Wie die britische Armee in den Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Zehntausende Kosaken, Kaukasier, Slowenen und Kroaten aus Österreich an die Sowjetunion und an Titos kommunistische Partisanen auslieferte“.Eine schändliche Operation. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. Juni 2015 (faz.net), abgerufen am 13. Juli 2015. Ein Denkmal neben der Murbrücke, der „Kosakenstein“, erinnert an alle, die in der Lienzer Kosakentragödie in den Tod geschickt wurden. Für jüdische Displaced Persons wurde in Judenburg ein DP-Lager eingerichtet. Außenlager existierten in den Ortsteilen Dietersdorf, Liechtenstein, Kobenz und Murdorf.DP-Lager Judenburg.
Heute ist Judenburg eine Industrie- und Handelsstadt und verfügt unter anderem über ein Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium sowie über eine Handelsakademie und eine Bundesbildungsanstalt für Elementarpädagogik. Judenburg ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft des am 1. Jänner 2012 neu gegründeten Bezirks Murtal und war bereits davor Sitz des im Bezirk Murtal aufgegangenen Bezirks Judenburg.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Stadtturm mini|hochkant|Pfarrkirche St. Nikolaus mini|hochkant|Pfarrkirche St. Magdalena
Die Stadtbefestigung Judenburg in einer Terrassenspornlage nutzte die Steilabfälle an der Mündung des Purbaches in die Mur. Stadtturm: Wahrzeichen von Judenburg ist der knapp 76 Meter hohe Stadtturm, der einen Rundblick über das Aichfeld bietet. Mit dem Bau wurde im 15. Jahrhundert begonnen. Ursprünglich wurde er als Glockenturm für die benachbarte Stadtpfarrkirche St. Nikolaus gebaut, die keinen eigenen Kirchturm besitzt. Er diente aber auch als Wachturm in Bezug auf Brände, die bis ins 19. Jahrhundert hinein sowohl die Stadt als auch den Turm selbst heimsuchten. Sein heutiges Aussehen erhielt der Stadtturm nach dem letzten Großbrand im Jahr 1840. Heute befindet sich im Turm in 50 m Höhe eines der modernsten Planetarien Europas. Museum Murtal: Dieses Museum im ehemaligen Franziskanerkloster präsentiert die bedeutenden archäologischen Funde aus der hallstattzeitlichen Siedlung am nahen Falkenberg und den dazugehörigen reichen Grabhügeln. Puchmuseum: Dieses Museum ist in drei Themenbereiche gegliedert: Johann Puch und die Puch-Werke, Vierräder von Puch und Zweiräder von Puch.Puchmuseum Judenburg. Stadtmuseum Judenburg, vielseitige Sammlungen, „Masse mit Klasse“. Die Stadt Judenburg ist Mitglied im Verband Kleine historische Städte. Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus Katholische Pfarrkirche St. Magdalena Katholische Kalvarienbergkirche Judenburg Evangelische Pfarrkirche: Die 1928 nach Plänen des Architekten Walter Lehweß aus Berlin erbaute Kirche wurde 2008 durch einen modernen Neubau ersetzt.
Naturdenkmäler Endmoräne bei Grünhübl, eine würmzeitliche Endmoräne
Regelmäßige Veranstaltungen Auf den Judenburger Sternenturm findet seit 2007 alljährlich ein internationaler Stiegenlauf statt. Die 256 Stufen bewältigte der Österreicher Wolfgang Miesbacher im Jahre 2011 mit 37,67 Sekunden bisher am schnellsten.
Sport Sportstadion Judenburg-Murdorf: Das Sportstadion Judenburg-Murdorf (seit 1970) ist mit einer Leichtathletikanlage für Wettkämpfe internationalen Formats ausgestattet. Der örtliche Fußballklub FC Judenburg trägt hier seine Heimspiele im Rahmen der Fußballmeisterschaft des steirischen Fußballverbandes aus. Ein Kunstrasenspielfeld (errichtet 2008) mit einer Flutlichtanlage steht ebenfalls zur Verfügung. Judenburg ist auch einer von fünf Standorten eines Leistungsausbildungszentrums des steirischen Fußballverbandes. Weiters ist im Stadion Judenburg auch ein Skatepark eingerichtet. Sporthalle Lindfeld: Die Sporthalle Lindfeld (seit 1974) beherbergt die Sektionen Badminton, Judo und Tischtennis des ATUS Judenburg. In den Wintermonaten werden dort auch Hallenfußballturniere ausgetragen, ebenso Meisterschaftsspiele der österreichischen Futsal-Bundesliga. Die Schulturnhalle der Volksschule Judenburg-Stadt bietet neben den schulischen Aktivitäten auch die Möglichkeit für Mitglieder Judenburger Vereine, ihren sportlichen Interessen nachzugehen. Erlebnisbad Judenburg: Das Judenburger Erlebnisbad (seit 1990) bietet Familien Spaß- und Kinderbecken, Kleinkinderbereich, Mutter-Kind-Bereich, Spielbach, Strömungs-Schwimmkanal und eine 70 Meter lange Wasserrutsche, aber auch ein Sportbecken (25 m × 15 m), Erlebnisbecken und ein Nichtschwimmerbecken. Liegewiesen, ein Naturrasen-Fußballplatz, ein Beachvolleyballplatz, ein Restaurant und ein Saunabereich (mit finnischen Kabinen, Dampfkabine, Biosauna mit Helarium, Infrarot-Wärmekabine, einer Kneippstraße, Massage und Solarium) runden das Angebot ab. Ebenso stehen ein Hallenbad mit einem 20-Meter-Sportbecken und ein Kleinkinderbereich mit Rutsche zur Verfügung. Tennishalle: Die Tennishalle in Judenburg-Strettweg bietet drei Teppich-Granulat-Plätze an. Kletterhalle Judenburg: Die Kletterhalle Judenburg, der Tennishalle angeschlossen, ist mit 820 m² Kletterfläche und einer Wandhöhe von bis zu 17 Metern eine der modernsten Indoor-Kletteranlagen in Österreich und Sportkletter-Stützpunkt des Landes Steiermark mit einer Schulungs- und Genusskletterwand, einer Vorstiegswand und dem Boulderbereich.Archiv der Stadtgemeinde Judenburg. Wanderwege: Durch Judenburg verläuft mit dem Eisenwurzenweg ein 580 Kilometer langer Weitwanderweg, auf dem vom nördlichsten Punkt Österreichs zum südlichsten Punkt gewandert werden kann.
Wirtschaft und Infrastruktur Seit einigen Jahren hat Judenburg, so wie die meisten ehemaligen Industriezentren der Mur-Mürz-Furche, mit der kontinuierlichen Abwanderung von Betrieben und Einwohnern zu kämpfen. Die Errichtung des Einkaufszentrums „Arena am Waldfeld“ in der Nachbargemeinde Fohnsdorf hat diese Tendenz noch verschärft und zu einer starken Ausdünnung des Handels geführt. mini|Judenburg mit Murdorf, Magdalenavorstadt, Bahnhof und „Stahl Judenburg“ (Ansicht von Nordwest) (2010)
Wirtschaftssektoren Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Anzahl der Betriebe und der Beschäftigten in den Wirtschaftssektoren: Wirtschaftssektor Anzahl Betriebe Erwerbstätige20212011 200120212011 2001Land- und Forstwirtschaft57 - -97106 83Produktion9576 7416201777 1777Dienstleistung638626 5243484431 4544
Verkehr Bus: In der Stadt verkehren die Linien 1 (nach Knittelfeld) und 2 (nach Fohnsdorf) des Regionalbusses Aichfeld. Bahn: Die Stadt hat einen Bahnhof an der Rudolfsbahn. Am Bahnhof hält alle zwei Stunden der Railjet nach Villach Hauptbahnhof und nach Wien Hauptbahnhof. Eine RJ-Garnitur verkehrt nach Venezia Santa Lucia.
Gesundheitswesen