Die Pampatheriidae sind eine ausgestorbene Familie aus der Ordnung der Gepanzerten Nebengelenktiere, zu denen auch die heute noch bestehenden Gürteltiere gehören. Wie diese besaßen die Pampatherien einen Panzer, der den Oberteil des Kopfes, den Körper und den Schwanz bedeckte. Allerdings waren die Pampatherien deutlich größer als die Gürteltiere und erreichten ein Körpergewicht von bis zu 200 kg. Trotz ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit den Gürteltieren stellen die nächsten Verwandten aber die riesigen Glyptodontidae dar. Die Pampatherien entstanden höchstwahrscheinlich im Verlauf des Miozäns, die ältesten gesicherten Funde sind rund 18 Millionen Jahre alt. Ihr Ursprung liegt wie bei allen Nebengelenktieren in Südamerika. Im Verlauf des Pliozäns – mit der Entstehung einer Landbrücke nach Nordamerika – besiedelten sie auch nördlicher gelegene Regionen. Zum Ende des Pleistozäns starben die Pampatherien aus.

Im Vergleich zu den Glyptodonten und den Gürteltieren stellen die Pampatherien im Verlauf ihrer Stammesgeschichte eine eher formenarme Gruppe mit nur wenigen Vertretern dar. Sie bewohnten zumeist offenere sowie teils sehr trockene Landschaften und ernährten sich hauptsächlich pflanzlich. Der allgemeine Körperbau spricht eher gegen eine grabende Lebensweise, wie sie bei den heutigen Gürteltieren belegt ist. Allerdings ist es möglich, dass sie einzelne, von anderen Gräbern angelegte Baue weiternutzten. Insgesamt sind die Pampatherien aufgrund der eher seltenen Funde weitaus weniger gut erforscht als ihre Verwandten. Erstmals nachgewiesen wurden Vertreter der Pampatherien bereits in den 1830er Jahren mit Funden aus Höhlen im südlichen Brasilien. Der heute gültige Familienname stammt aus dem Jahr 1954.

Merkmale Allgemein und Körpergröße Die Vertreter der Pampatherien ähnelten äußerlich den heutigen Gürteltieren (Dasypoda). Sie besaßen einen Kopf mit leicht verlängerter Schnauze und einen Panzer, der sowohl den Oberkopf, den Körper als auch den Schwanz schützte. Jedoch waren sie deutlich größer als die Gürteltiere. So erreichten die größten Formen wie Holmesina und Pampatherium in der Spätphase ihrer Stammesgeschichte zum Ausgang des Pleistozän bis zu 3 m Gesamtlänge und wogen verschiedenen Berechnungen zufolge zwischen 176 und 195 kg bei ersteren sowie 214 und 240 kg bei letzteren Vertretern. Ein vollständiges Skelett von Holmesina aus der Gruta da Lapinha im östlichen Brasilien weist eine Gesamtlänge von 2,2 m auf. Frühere Formen wie Vassallia waren mit einer Körperlänge von rund 1 m und einem Gewicht von 60 bis 90 kg kleiner und besaßen etwa die Größe des Riesengürteltiers, das der größte Angehörige der heutigen Gürteltiere ist. Dieses besitzt im Vergleich dazu eine Gesamtlänge von 1,5 m und ein Gewicht von rund 50 kg. Aufgrund ihrer Größe und ihrer Panzergestaltung werden die Pampatherien teilweise auch giant armadillos („Riesengürteltiere“) genannt.

Schädel- und Gebissmerkmale mini|hochkant|Schädel von Holmesina in unterer (A), oberer (B) und rechter Seitenansicht (C) Der Schädel der Pampatherien gleicht in etwa dem der Gürteltiere, vor allem dem der euphractinen Formen mit näherer Beziehung zum Sechsbinden-Gürteltier (Euphractus sexinctus), war aber massiver, höher und breiter gebaut. Er wurde bei großen Vertretern zwischen 28 und 36 cm lang. Die Stirnlinie verlief häufig nach oben aufgewölbt, bei Kraglievichia bestand aber eine leichte Eindellung. Das Rostrum war lang ausgezogen, was deutlich von den nahe verwandten Glyptodontidae mit ihren stark verkürzten Schädeln abweicht. Dadurch erreichte das Nasenbein mit 14 bis 16 cm auch eine enorme Länge. Hinter den Augenfenstern befand sich eine starke Einschnürung des Schädels. Die Jochbögen luden seitlich weit aus. Sie besaßen einen kräftigen Bau mit hohen Knochen. In der Seitenansicht waren der vordere und hintere Bogenansatz stark nach unten orientiert, beide trafen sich etwa auf der Höhe der oberen Zahnreihe. Hier war die Oberfläche stark aufgeraut und markiert so Ansatzstellen für kräftige Muskeln. Auf den Scheitelbeinen bestand ein deutlich ausgeprägter Scheitelkamm.

Auch der Unterkiefer besaß einen massigen Bau und war deutlich kräftiger als bei den Gürteltieren. Eine Verknöcherung der Symphyse kam nur bei sehr alten Individuen vor, ansonsten waren die beiden Unterkieferhälften in der Regel nicht fest verwachsen. Der Unterkieferkörper zeigte am Unterrand einen deutlich nach unten geschwungenen Verlauf, was an die Glyptodonten erinnert. Dadurch war der Unterkiefer hier auch sehr hoch. Die Gelenkenden reichten sehr weit nach oben. Das Gebiss wich wie bei allen Nebengelenktieren in seinem strukturellen Aufbau von dem der meisten Höheren Säugetiere ab. Je Kieferhälfte bestanden sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer 9 Zähne, somit setzte sich das Gebiss aus insgesamt 36 Zähnen zusammen. Alle ausgebildeten Zähne werden als molarenartig (molariform) betrachtet, Schneide- und Eckzähne sowie Prämolaren waren nicht vorhanden. Im Unterschied zu der jeweils homodonten Zahngestaltung der Gürteltiere und der Glyptodonten war das Gebiss bei den Pampatherien heterodont aufgebaut. Die vorderen Zähne bildeten eine kurze Reihe und waren nagelartig gestaltet mit rundlich-ovalem Querschnitt. Die hinteren wiesen eine deutliche Längsstreckung auf und besaßen an den jeweiligen Enden zwei quergestellte, lappen- oder zungenartige Verbreiterungen (Loben), was den Zähnen einen bilobaten Charakter gab. Den Zähnen fehlte der harte Zahnschmelz, was als allgemein üblich für die Nebengelenktiere gilt. Stattdessen bestanden sie aus Zahnbein, wobei im Inneren überwiegend harter Orthodentin ausgebildet war. Bei einigen Vertretern verlief entlang der Mittelachse der hinteren Zähne eine Rippe aus besonders hartem Osteodentin auf der Kaufläche, die im Bereich der Loben verdickt war. Die Verteilung der harten Bestandteile des Zahnbeins variierte jedoch innerhalb der einzelnen Vertreter der Pampatherien stark, was als Anpassung an bestimmte Ernährungsweisen gedeutet wird. Bei einigen Vertretern waren die hinteren Zähne in der Seitenansicht stufenartig angeordnet. Die Länge der Zahnreihe im Oberkiefer erreichte bis zu 20 cm.

Körperskelett mini|Oberschenkelknochen verschiedener Pampatherien: A–B: Kraglievicha; C–D und J–K: Holmesina; E–F: Scirrotherium; H–I: Pampatherium; jeweils Ansicht von vorn und hinten; Maßstab A–D 30 mm, E–K 50 mm Die Wirbelsäule eines vollständigen Individuums setzte sich aus 7 Hals-, 10 Brust-, 1 Lenden-, 11 Kreuzbein- und 22 Schwanzwirbeln zusammen. Besonderheiten des Körperskeletts finden sich vor allem an der Wirbelsäule. Die Halswirbel waren wie bei den Gürteltieren und den Glyptodonten auch miteinander verwachsen und bildeten eine knöcherne Röhre. Dies betrifft weitgehend den Axis (zweiter Halswirbel) und die darauf folgenden dritten bis fünften Halswirbel, während der Atlas (erster Halswirbel) frei beweglich stand. Eine besondere Ausnahme stellt dabei Vassallia dar, ein Vertreter der Pampatherien aus dem Oberen Miozän, bei dem der Axis ebenfalls frei beweglich und nicht mit der Halsröhre verwachsen war. Typisch für alle Nebengelenktiere sind zusätzliche Gelenkflächen (xenarthrische Gelenke oder Xenarthrale) an den seitlichen Fortsätzen der hinteren Brustwirbel und an den Lendenwirbeln. Der Bewegungsapparat zeigte nur wenige Besonderheiten. Am Mittelschaft des Oberschenkelknochens trat ein sehr prominenter Dritter Rollhügel (Trochanter) auf, der als Muskelansatzstelle fungierte und typisch für Nebengelenktiere ist; bei den verwandten Glyptodontidae saß dieser deutlich weiter unten nahe des Knies. Schien- und Wadenbein waren miteinander verwachsen. Hände und Füße zeigten sich weitgehend unspezialisiert, der innere und äußere Finger der Hand war jeweils in seiner Länge reduziert, die drei mittleren Finger besaßen jedoch keine deutlichen Längsstreckungen wie bei den Gürteltieren. Alle Strahlen trugen Krallen.

Panzer mini|hochkant|links|Osteoderme der beweglichen Bänder verschiedener Pampatherien: A–C: Scirrotherium; D: Kraglievichia; E, I–K: Holmesina; F: Plaina; G–H: Pampatherium; Maßstab = 30 mm (C = 10 mm) mini|hochkant|Osteoderme der festen Panzerteile verschiedener Pampatherien: A–C: Scirrotherium; D: Kraglievichia; E Vassallia; F: Plaina; G: Pampatherium; H–J: Holmesina; Maßstab = 30 mm (B = 10 mm) Wie alle Gepanzerten Nebengelenktiere besaßen auch die Pampatherien eine äußere, knöcherne Panzerung bestehend aus kleinen Knochenplättchen (Osteoderme). Der Panzer bedeckte den Oberteil des Schädels, den Rumpf und den Schwanz. Er setzte sich bei großen Vertretern wie Holmesina aus über 850 Einzelelementen zusammen, wovon mehr als 630 auf den Körperpanzer, über 50 auf den Kopf und rund 130 auf den Schwanz entfallen. Der Körperpanzer ähnelte dem der heutigen Gürteltiere und bestand aus einem festen Schulter- und Beckenteil mit dazwischen liegenden, beweglichen Bändern. Abweichend von den Gürteltieren mit ihrer variablen Anzahl an beweglichen Bändern wiesen die Pampatherien immer drei auf. Die starren und beweglichen Teile des Panzers waren aus quer verlaufenden Reihen von kleinen Knochenplättchen aufgebaut, die wohl eine Hornbedeckung trugen. Die Knochenplättchen des starren Panzers besaßen eine längliche, meist recht- oder mehreckige Form und wiesen auf der Oberfläche im Gegensatz zur teils komplexen Musterung der Gürteltiere und Glyptodonten nur eine zentrale, flache Erhebung auf, die von einer hufeisenförmig gestalteten Rille umgeben war, bei Vassallia und Pampatherium erschien sie nahezu flach. An den beweglichen Bändern waren die Knochenplättchen langgestreckt geformt und setzten sich aus zwei Abschnitten zusammen, einem kurzen Basisteil und einer längeren „Zunge“. Auf der Oberfläche befanden sich meist mehrere tiefe Löcher. Aufgrund der einfachen Oberflächengestaltung wird für die Pampatherien angenommen, dass nur eine Hornplatte ein Osteoderm überdeckte und nicht mehrere wie bei den Gürteltieren, deren Knochenplättchen eine komplexe Musterung auf der Oberfläche tragen. Der Schwanz war ebenfalls vollständig von einem Panzer umgeben. Die Knochenplättchen hier waren analog zum Rückenpanzer in Reihen angeordnet, die sich aber im Gegensatz zu den Gürteltieren nicht überlappten, sondern dicht aneinanderstießen.

Im Querschnitt wiesen die Osteoderme einen dreilagigen Aufbau auf. Oben und unten befand sich je eine feste Knochenschicht, die jeweils einen Bereich umschlossen, welcher aus zahlreichen Hohlräumen bestand. Er nahm etwa die Hälfte der Dicke des Knochenplättchens ein. In diese spongiose Struktur waren Schweißdrüsen und Haarfollikel eingelagert. Die feste Knochenschicht bestand abwechselnd aus harten Lagen und kollagenreichen Faserbündeln (Sharpeysche Fasern). Eine Besonderheit der Knochenplättchen der Pampatherien zeigte sich in dem Vorkommen und der Ausprägung dieser Faserbündel auch an den Seitenrändern der Plättchen des steifen Panzers, wo diese mit den benachbarten Plättchen verwachsen waren. Bei den Gürteltieren haben die Sharpeyschen Fasern in diesem Bereich eine andere Ausrichtung, bei Glyptodonten wurden sie bisher nicht beobachtet. Insgesamt gab der Aufbau der Knochenplättchen diesen eine gewisse Elastizität und schützte sie vor starken, von außen einwirkenden Kräften.

Verbreitung und Lebensraum