Bei den Olympischen Spielen 2016 wurden vom 6. bis 13. August 2016 in der Lagoa Rodrigo de Freitas im Stadtgebiet von Rio de Janeiro 14 Wettbewerbe im Rudern ausgetragen, sechs für Frauen und acht für Männer. In drei Bootsklassen galten die Gewichtslimits des Leichtgewichtsrudern, in den anderen elf Klassen war das Körpergewicht der Sportler nicht begrenzt. Das Wettkampfprogramm war seit den Olympischen Spielen von Atlanta im Jahr 1996 unverändert, einzig die Quotierung der Startplätze innerhalb der einzelnen Bootsklassen veränderte sich seitdem.
Die olympische Ruderregatta 2016 wurde über die Distanz von 2.000 Metern ausgefahren und stellte den sportlichen Höhepunkt des Olympiazyklus im internationalen Rudersport dar.
An der Regatta nahmen 546 Ruderer teil, die von 69 Nationen gestellt wurden. Die Zahl der teilnehmenden Nationen war damit in Rio de Janeiro so hoch wie nie zuvor bei einer olympischen Ruderregatta. Die Medaillen der 14 Wettbewerbe verteilten sich auf 21 Nationen, was ebenfalls einen neuen Rekord darstellte. Zehn Nationen konnten Goldmedaillen gewinnen. Als erfolgreichste Mannschaft gewannen die britischen Ruderer drei Gold- und zwei Silbermedaillen.
Qualifikation Eckpunkte Für die olympische Ruderregatta ist wie seit 1996 üblich eine Qualifikation notwendig gewesen, wobei fast alle Startplätze anhand sportlicher Kriterien vergeben wurden. Formell begann der Qualifikationsprozess im Jahr 2013, als dem Weltruderverband (FISA) durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) die gleichen Wettbewerbe (14) und dieselbe Gesamtteilnehmerzahl (550) wie 2012 in London zugesagt worden war. Die verschiedenen Qualifikationswege konnten danach in Zusammenarbeit mit den nationalen Mitgliedsverbänden der FISA definiert werden. Es wurde dabei seitens der FISA im Vergleich zu den Olympischen Spielen in London ausdrücklich angestrebt, die Zahl der teilnehmenden Mannschaften an der Regatta von 58 Nationen sowie am Qualifikationsprozess von 101 Nationen zu erhöhen, sowie die Geschlechterquotierung zugunsten der Frauen zu verändern. Im März 2014 wurde dann die finale Version der Qualifikationsregularien veröffentlicht, denen zufolge 219 Frauen und 331 Männer an der olympischen Regatta teilnehmen konnten. 40 % der Sportler waren damit weiblich. Jeder nationale Verband durfte lediglich ein Boot in jeder Wettbewerbsklasse nominieren, in der die Qualifikation gelungen war. Somit konnten im Falle der Qualifikation in allen 14 Klassen maximal 20 Frauen und 28 Männer je Nation entsendet werden, was jedoch keiner Nation gelungen ist.
Qualifikationswege Zwei Quotenplätze in den Einern wären dem Gastgeber Brasilien vorbehalten gewesen, falls sich keine Boote regulär qualifiziert hätten. Da sich brasilianische Mannschaften jedoch auch regulär qualifizierten, wurden diese Gastgeberplätze an Bahamas (Frauen) und Paraguay (Männer) weitergereicht. Je zwei weitere Quotenplätze im Einer der Männer und Frauen („“) vergab der Weltruderverband zusammen mit dem IOC, den Nationalen Olympischen Komitees (NOKs) und internationalen Sportverbänden per Einladung. Die nationalen Ruderverbände mussten dazu bis zum 15. Januar 2016 Kandidaten mit dem geeigneten Anforderungsprofil beim Weltruderverband anmelden, was für zwölf Männer und drei Frauen auch geschah. Die Einladungsplätze der Männer wurden an Al-Hussein Gambour aus Libyen und Luigi Teilemb aus Vanuatu vergeben. Zwei der drei angemeldeten Frauen qualifizierten sich regulär, so dass die einzig verbleibende Claire Ayivon aus Togo und Fie Udby Erichsen aus Dänemark als Viertplatzierte der abschließenden Qualifikation in Luzern die Plätze erhielten.
Die sportlichen Hauptqualifikationswettbewerbe waren die Ruder-Weltmeisterschaften 2015 auf dem Lac d’Aiguebelette in Frankreich vom 30. August bis 6. September 2015. Bei den Frauen erhielten die neun besten Einer, die elf jeweils besten Zweier, Doppelzweier und leichten Doppelzweier und die jeweils fünf besten Doppelvierer und Achter der Weltmeisterschaften Quotenplätze für die olympische Regatta. Weitere Quotenplätze wurden in kontinentalen Regatten an NOKs aus Afrika, Asien und Lateinamerika in den Wettbewerbsklassen Einer und Leichtgewichts-Doppelzweier vergeben. Abschließend wurden je Wettbewerbsklasse zwei bis vier Quotenplätze bei einer internationalen Qualifikationsregatta vergeben, die am Wochenende der zweiten Station des Ruder-Weltcups in Luzern im Mai 2016 stattfand. Hier durften NOKs nur in den Wettbewerbsklassen teilnehmen, in denen sie bis dahin noch keinen Quotenplatz erreichen konnten. Bei den Männern erhielten bei den Weltmeisterschaften die ersten neun Einer, die elf jeweils besten Zweier, Doppelzweier, Vierer, Leichtgewichts-Doppelzweier und Leichtgewichts-Vierer sowie die acht besten Doppelvierer und die fünf besten Achter Quotenplätze für ihr NOK. In kontinentalen Regatten für Afrika, Asien und Lateinamerika wurden danach ebenfalls weitere Quotenplätze in den Wettbewerbsklassen Einer und Leichtgewichts-Doppelzweier vergeben. Ähnlich wie bei der Qualifikation der Frauen wurden schließlich bei der internationalen Regatta noch einmal je zwei bis drei Quotenplätze pro Wettbewerbsklasse vergeben.
Bei den kontinentalen Qualifikationsregatten galt eine im Jahr 2013 eingeführte Regelung, die aufgrund der entstandenen Platzierungen in einigen Fällen für Unmut sorgte. Jede Nation durfte bei diesen Wettbewerben nur einen Quotenplatz je Geschlecht gewinnen, auch wenn in beiden Klassen (Einer und Leichtgewichts-Doppelzweier) sportlich die geforderte Platzierung erreicht wurde. Von dieser Regelung waren Ägypten, Mexiko und Belgien bei den Männern, Kuba, Südkorea, Vietnam bei den Frauen sowie der Gastgeber Brasilien und Chile bei beiden Geschlechtern betroffen. Die NOKs dieser Länder konnten dann nur jeweils eines der sportlich qualifizierten Boote nominieren und mussten den anderen Startplatz an eine andere Nation weiterreichen, wobei die Nachrücker ebenfalls anhand der Ergebnisse bei den Qualifikationsregatten ermittelt wurden. Hintergrund für die Einführung dieser Regelung war das Vorhaben des Weltruderverbandes, die Gesamtzahl der teilnehmenden Nationen an der olympischen Ruderregatta zu erhöhen.
Nach dem Hauptqualifikationswettkampf im September waren bereits 60 % aller Startplätze vergeben. Diese Qualifikation war allerdings noch nicht personengebunden, so dass die NOKs die Ruderer der qualifizierten Boote bis zu den Spielen noch komplett austauschen durften. Die Qualifikation bei den kontinentalen und internationalen Ausscheidungsregatten waren dagegen personengebunden. Doppelstarts einzelner Sportler in verschiedenen Wettbewerbsklassen waren erlaubt, und reduzierten entsprechend die Gesamtzahl der teilnehmenden Sportler.
Qualifikationswettkämpfe mit Anzahl der Quotenplätze Übersicht Qualifikationswettkämpfe mit der Anzahl der Bootsquotenplätze Frauen Männer Wettkampf Austragungsort Datum W1x W2- W2x W4x W8+ LW2x M1x M2- M2x M4- M4x M8+ LM2x LM4- BooteGesamt AthletenGesamt Weltmeisterschaften 2015 30. Aug.–6. Sep. 2015 9 11 11 5 5 11 9 11 11 11 8 5 11 11 129 380Die Qualifikation bei den Weltmeisterschaften war nicht personengebunden, sondern bezog sich auf die Startberechtigung der NOKs in der Bootsklasse. Die Ruderer der qualifizierten Boote konnten deshalb zwischen den Weltmeisterschaften 2015 und der olympischen Ruderregatta 2016 ausgetauscht werden. Die tatsächliche Nominierung der Athleten musste bis zum 18. Juli 2016 erfolgen. Afrikanische Qualifikation 9.–11. Oktober 2015 4 – – – – 1 4 – – – – – 1 – 10Bei den kontinentalen Qualifikationsregatten erfolgte eine personengebundene Startberechtigung. Umbesetzungen von Sportlern waren danach nur in engen Ausnahmefällen erlaubt. 12 Lateinamerikanische Qualifikation 19./20. März 2016 6 – – – – 3 6 – – – – – 3 – 18 24 Asiatische Qualifikation 23.–25. April 2016 7 – – – – 3 7 – – – – – 3 – 20 26 Europäische QualifikationDie vier großen Überseenationen des Rudersportes Neuseeland, Australien, Kanada sowie die Vereinigten Staaten zählten im Kontext der kontinentalen Qualifikationsregatten zum Pool der Europäer. 22.–24. Mai 2016 3 – – – – 2 3 – – – – – 2 – 10 14 Internationale Qualifikation – 4 2 2 2 – – 2 2 2 2 2 – 2 22 88 Gastgeber und Einladung – Januar–Mai 2016 3 – – – – – 3 – – – – – – – 6 6 Gesamt 32 15 13 7 7 20 32 13 13 13 10 7 20 13 215 550
Anmerkungen
Doping-bedingte Disqualifikationen qualifizierter Ruderer und Mannschaften Am 30. Juni 2016 wurde der bereits qualifizierte Doppelvierer der Männer aus Russland wegen eines Dopingvergehens des Ruderers Sergei Fedorowzew von der Teilnahme an der olympischen Regatta ausgeschlossen. Die Mannschaft hatte sich erst bei der internationalen Qualifikation in Luzern am 24. Mai 2016 einen Startplatz gesichert. Bei einer Trainingskontrolle durch die russische Antidoping-Agentur (RUSADA) am 17. Mai 2016 wurde Fedorowzew jedoch positiv auf das verbotene Mittel Trimetazidin getestet. Nach der Öffnung der B-Probe am 30. Juni 2016 wurden alle Resultate Fedorowzews rückwirkend bis zum Tag der Kontrolle gestrichen, darunter auch die Qualifikation des russischen Doppelvierers. Auf den vakanten Startplatz rückte die bei der Qualifikationsregatta drittplatzierte Mannschaft aus Neuseeland nach, da die zweitplatzierten Kanadier bereits einen Startplatz sicher hatten. Die drei anderen Ruderer aus der gesperrten Mannschaft wurden vom russischen Verband zur Verstärkung anderer qualifizierter Teams eingesetzt.
Weitere russische Ruderer wurden im Juli 2016 von der Teilnahme ausgeschlossen. Nachdem eine Untersuchungskommission um den kanadischen Juristen und Sportrechtler Richard McLaren im sogenannten McLaren-Report ein vermutetes Staatsdopingsystem in Russland untersucht und am 18. Juli öffentlich bestätigt hatte, wurde der Ausschluss aller russischen Athleten von den Olympischen Spielen gefordert. Das IOC um Präsident Thomas Bach traf diese Entscheidung jedoch nicht, sondern delegierte sie an die für die olympischen Sportarten verantwortlichen internationalen Sportfachverbände weiter, und machte dabei Vorgaben, welche Athleten von den Spielen auszuschließen seien. Darunter befanden sich alle russischen Athleten, die im McLaren-Report auffällig geworden waren, alle in der Vergangenheit mit einem Dopingvergehen aufgefallenen russischen Athleten und alle bei durchzuführenden Nachtests von Proben der Jahre 2011 bis 2016 aufgefallene Athleten.