Der Çarşamba Çayı ist ein perennierender Fluss im südwestlichen Inneranatolien in der türkischen Provinz Konya. Er dient in erster Linie der lokalen und überregionalen Versorgung mit Bewässerungs- und Trinkwasser vor allem in der Konya-Ebene. Er spielte darüber hinaus in der Geschichte eine Rolle auf dem Hintergrund zahlreicher Überschwemmungs-Katastrophen.
Flussverlauf und Quellgebiet links|mini|Blick vom Belpınarbeli-Pass auf die Geyik Dağları, das Quellgebiet des Çarşamba Çayı.
Das Einzugsgebiet des Çarşamba Çayı (auch als Bozkır Çayı bekannt) verläuft weitgehend langgestreckt von Südwesten nach Nordosten. Sein Lauf führt dabei durch drei verschiedene Landschaftsbereiche: die Senke von Bozkır, den Mavi-Boğaz-Durchbruch und die Konya-Çumra Ovası, einen Teil der Konya-Ereğli Ovası. Seine höchsten Erhebungen liegen mit 2481 m im Taurusgebirge; die niedrigsten bei etwa 1000 m ü. NN im Hotamış-See in der Konya-Ebene nördlich von Adakale. Das Gewässer sammelt sich mit verschiedenen Quellen an den Ost- und Nordhängen von Akdağ (2419 m), Gül Dağı (2490 m) und Haydar Dağı (2249 m) des Gebirgsmassivs der Geyik Dağları, die den westlichen Rand des Zentralen Taurusgebirges innerhalb des Landkreises Bozkır bilden. Der Fluss wird hauptsächlich durch Schmelzwasser und Niederschläge gespeist und durch Karstquellen verstärkt. Eine seiner wichtigsten Quellen, Aygır Pınarı (37°06'51.00''N, 32°08'27.80''O), liegt oberhalb südlich des Dorfes Karacahisar (Gemeinde Sorkun bei Bozkır) auf dem von typischer Karstlandschaft geprägten Gebiet um den Gebirgspass Aygır Gediği und die Sugözü Yaylası, eine malerische Hochplateaulandschaft (Sugözü = Wasserauge) mit dem Wasserfall des Aygır Dibi Şelalesi als touristischer Hauptattraktion im Landkreis Bozkır.
Oberlauf (Senke von Bozkır) mini|Die Kartenskizze zeigt den Lauf des Çarşamba Çayı in seinem Umfeld vom Quellgebiet in den Geyik Dağları bis in die Senke der Konya Ovası.
Die oberen Einzugsgebiete des Çarşamba Çayı liegen im Südwesten des Großen Konya-Beckens, genauer in der Senke von Bozkır. Diese wird im Osten vom Eşenler-Gebirge (Eşenler Dağı, 1951 m) und im Westen vom Geyik-Gebirge (Geyik Dağları, mit dem Geyik Dağı 2877 m) begrenzt. Das Einzugsgebiet umfasst eine Fläche von ca. 425 km². Sie gehören größtenteils zum Landkreis Bozkır in der Provinz Konya. Im Norden grenzen sie an die Suğla-Senke mit dem Suğla-Gölü, im Süden und Osten an das Flussbecken des Göksu Nehri (in der Antike Kalikadnos) und im Westen an schlecht entwässerte Karstlandschaften in den Hochlagen des Geyik-Gebirges (Geyik Dağları). Die geologischen Formationen im oberen Abschnitt des Flusses umfassen Gesteine aus allen geologischen Zeitaltern vom Paläozoikum bis zum Holozän. Sie bestehen im Allgemeinen aus der autochthonen Hadim-Einheit und den allochthonen Göksu-Decken sowie der Bozdağ-Einheit, also aus lithologischen Sedimenten, die in unterschiedlichen Ablagerungsmilieus entstanden sind. Insbesondere unter dem Einfluss der alpinen Orogenese entwickelte das Becken eine gefaltete, verwerfungsreiche Überschiebungsstruktur. Weit verbreitete Kalke weisen eine klastische Klüftung auf, was zur Häufung von Karstphänomenen und -formen geführt hat.
Nach der Alpenfaltung, in die auch das Taurusgebirge eingebunden war, hatten epirogene Hebungen zu einer erheblichen Vertiefung der Flussbetten geführt, und intensive Erosionsprozesse prägten das Becken bis heute. Voralpine Formationen aus dem Paläozoikum finden sich vorwiegend im westlichen und südwestlichen Teil der Senke, deren dominierende lithologische Einheit (unter anderem auch metamorpher) Kalkstein ist. Daneben kommen Gesteine wie Schiefer, Marmor, Tonschiefer und Quarzite vor. Das neogene Gelände um Bozkır besteht aus Sedimentgesteinen wie Tonstein, Sandstein und Mergel. Quartäres Terrain hingegen findet sich als Alluvium nur in sehr schmalen Streifen in den engen Talsohlen des Çarşamba Çayı. Die Gebirge sind stark von Tälern durchzogen, ausgedehnte Schwemmlandebenen sind kaum anzutreffen, lediglich das Kreiszentrum Bozkır liegt in einem solchen Gebiet. In den höher gelegenen, durch Karst-Erosion entstandenen Tälern finden sich relativ flache Reliefpartien. Dementsprechend sind auch die Siedlungslagen. Sie finden sich zumeist in den Talsohlen entlang der Flussufer, wo sie anfällig für Überschwemmungen sind (siehe unten). Fast 55 % (227,1 km²) der Region liegt über 1500 Meter Höhe.
mini|Das Stadtzentrum von Bozkır mit seiner historischen Brücke|links
Der Çarşamba Çayı (im Oberlauf auch Ulu Çay = großer Bach) vereint sich in seinem Oberlauf nordwärts mit dem Toplar Çayı und dem Kozlu Çayı, durchfließt die Orte/Regionen Karacahisar, Toplar, Kızılçam, İsalı und Sorkun, nimmt dabei den Kuruçay aus dem Westen auf und erreicht Dereköy (ehemals Gederet). Dort wendet er sich nach Osten. Er passiert Çağlayan (ehemals Çatköy), wo er den Yayla Çayı fasst, der sich südlich von Çağlayan mit dem Kayapınar Çayı vereinigt, bevor er schließlich – erneut nach Norden fließend – das Landkreiszentrum Bozkır erreicht. Dort vereint er sich mit dem Ahırcı Çayı und dem Kanlıdere Çayı aus Üçpınar im Süden, um anschließend zahlreiche kleinere Bäche aufzunehmen, zu denen als wichtigste Söğüt Deresi, Kaya Pınarı und Çökelez Deresi zählen, die im Sommer nur wenig Wasser führen. Nordostwärts passiert der Çarşamba Çayı Yolören (ehemals Fart) und vereinigt sich unterhalb des Dorfes Pınarcık bei Suçatı mit dem Kozdere, der von Westen her kommt und in den Beyşehir-Suğla-Kanal (BSA-Kanal, auch Beyşehir-Kanal) mündet, der das überschüssige Wasser von Beyşehir Gölü und Suğla Gölü ableitet. Weitere wichtige Zuflüsse, deren Wassermenge in den Sommermonaten allerdings deutlich abnimmt und die in Perioden verstärkter sommerlicher Trockenheit austrocknen können, sind der Sarnıçboğazı bei İsalı, der Karabelen Çayı in Kozağaç, der Çökelez Çayı aus Kanlıböğet kommend sowie der Kuru Çay bei Pınarcık.
Mittellauf (Mavi Boğaz) links|mini|Durchbruch des Çarşamba Çayı zur Apa-Talsperre. mini|Blick in den Mavi Boğazı, Canyon des Çarşamba Çayı bei Avdan. links|mini|Fluss-Schleife des Çarşamba Çayı im Engtalbereich des Mavi Boğaz bei Kuşça mini|Steilabfall am Mavi Boğaz (Blaue Schlucht) bei Avdan.
Im anschließenden zentralen Einzugsgebiet des Çarşamba fließt der Fluss ost-nordostwärts und passiert dabei die Gemarkungen der Dörfer Pınarcık und Kuşça. Bereits bei Pınarcık hat er das Wasser des BSA-Kanals (auch Beyşehir-Kanal) aufgenommen. Dieser Kanal, der von Nordwesten kommend zahlreiche Zuflüsse vom Erenler-Gebirge aufgenommen hat, durchfließt ab Balıklava im Südwesten der Suğla-Ebene die Schlucht der Mavi Boğaz (Blaue Schlucht). Diese 35 km lange, enge und bis zu 250 m tiefe, gewundene canyonartige Talung, wird von den beiden vereinten Gewässern nordostwärts durchflossen. 14 km östlich von Pınarcık bei der Flur Suçatı („Wassermündung“) trifft er auf das von Süden kommende Leitungssystem Blauer Tunnel („Mavi Tünel“-Projekt). Im Kontext mit dem Hotamış Depo (Hotamış Depolaması), einem noch sehr jungen Bestandteil des Konya-Bewässerungsprojekts KOP (Konya Ovası Projesi), wird dabei ein Teil des Wassers des Göksu-Flusses, der südöstlich an das Einzugsgebiet des Çarşamba-Bachs angrenzt, in den Çarşamba Çayı umgeleitet, um den wachsenden Bedarf der Stadt Konya und der Çumra-Region an Bewässerungs- und Trinkwasser zu decken. Die Tiefe der Mavi-Boğaz-Schlucht, die an ihrem Grund deutliche Hangabbrüche und an ihren Rändern keinerlei Terrassen aufweist, nimmt von Suçatı bis zur Öffnung in die Konya-Ebene stellenweise um mehr als 250 Meter zu. Der westliche Canyon-Abschnitt nördlich von Kuşça zeigt stellenweise Mäanderformen und entstand offenbar auf Überschiebungslinien, wo allochthone GebirgsformationenBozkır- und Bolkar-Formation des Taurus: „Ophiolitische Bozkır Mélange“ als Überschiebungs-Gesteine aus der Trias bzw. Gesteine aus dem Perm bis zur Kreide. autochthone FormationenGeyik-Formation: Gesteinsschichten aus dem Paläozoikum, vorwiegend Kambrium bis Devon. überlagern.
links|mini|Die Talsperre der Apa Barajı sammelt neben den Wassern des Çarşamba Çayı auch die Zuflüsse des BSA-Kanals (Beyşehir-Suğla-Apa Kanalı) sowie der Ableitung des oberen Göksu über den Afşar-Bağbaşı Hadimi Tüneli (Mavi Tünel).
Im Gegensatz dazu liegt der östliche Abschnitt zwischen Kuşça und dem Apa-Staudamm vollständig in autochthonen Kalksteinen, stellenweise entlang von in Nordost-Südwest-Richtung verlaufenden Verwerfungen innerhalb des Pliozäns. Dieser Abschnitt der Çarşamba-Çay-Schlucht zeichnet sich durch ein breiteres (100–150 m) und tieferes (stellenweise 250–300 m) Canyontal aus, durchschneidet eine stark karstige Region mit Paläo-Tälchen, Poljen, fluvio-karstischen Uvalas, Dolinen und Höhlensystemen. Dieser eindrucksvolle Taldurchbruch des Mavi Boğaz, der die Gebirgsketten des Erenler Dağı im Norden und des Eşenler Dağı im Süden trennt und dabei die wichtigsten orogenen und orographischen Linien der inneren Taurusketten zunächst in ost-westlicher, später in südwest-nordöstlicher Richtung kreuzt, wird als ehemaliges Karst-Höhlensystem interpretiert. Dieses entwickelte sich im späten Pliozän bis zum frühen Pleistozän und bildete durch den Einsturz des Höhlendaches im Pleistozän eine Schlucht. Wie Schwermineralien-Analysen im Konya-Becken belegen, erfolgte im späten Pleistozän durch diesen canyonartigen Durchlass ein Überlauf des Beyşehir-Suğla-Seebeckens in die Konya-Ereğli Ovası während eines Hochstand des Beyşehir-Sees vor etwa 25000 bis 21000 Jahren.
Unterlauf (Konya-Çumra Ovası) mini|Historische Brücke über den Çarşamba Çayı bei Dineksaray im Mai 2011. links|mini|Historische Brücke über den Çarşamba Çayı bei Dineksaray im Frühjahr 1984. links|mini|Die Konya-Ereğli Ovası bei Dineksaray.
Nach der Passage des Canyons Mavi Boğaz erreichen die vereinten Gewässer den Apa-Stausee und danach die Konya-Ebene. Dort quert der Çarşamba Çayı zunächst das Dorf Dineksaray mit seiner historischen Brücke. Die bis dahin zurückgelegte Strecke beträgt etwa 65 km, und dieser Abschnitt ist der erste und wichtigste Arm des Çarşamba. Der zweite, allerdings künstliche Zufluss zum Oberlauf ist der bereits oben erwähnte BSA-Kanal (siehe oben), der während der osmanischen Zeit von Avlonyalı Mehmet Ferit Pascha, dem damaligen Gouverneur (Vali) von Konya (1898 bis 1902) und späteren Großwesir (1908), initiierten Entwässerungskanal für den Beyşehir-See. Dieser künstliche Zufluss durchquert zuvor die Landkreise Seydişehir, Yalıhüyük und Ahırlı in der Suğla Ovası und benutzt im Mavi Boğaz streckenweise den Mittellauf des Çarşamba, ehe er den Apa-Staudamm erreicht. Er speist damit über den Çarşamba ebenfalls den Apa-Staudamm und bewässert dadurch zusätzlich einen Großteil der Konya-Ebene. Danach folgt der untere Teil des Flusses und seiner Zweigkanäle durch den Landkreis Çumra in nordnordöstlicher Richtung. Er spaltet sich bei Gökhüyük (37°29'20,36"N, 32°41'50,72"O) in mehrere Bewässerungskanäle auf und durchquert die Vororte von Çumra. Etwa 10 km nördlich von Çumra endet der natürliche Flusslauf südlich von Çatalhöyük (37°38'11.20''N-32°48'52.09''O). Er hat dort eine Länge von etwa 105 km. Mit dem Eintritt in die Schwemmlandlandschaft um die Kreisstadt Çumra (1016 m ü. N. N.) zeigen sich für den dritten Abschnitt des Çarşamba Çayı nicht nur andere geologisch-geomorphologische Landschaftsattribute, sondern auch solche hinsichtlich Klima, Vegetation und Siedlungsgeographie bzw. Siedlungsgeschichte, ja selbst der Klimageschichte. Und das betrifft – speziell aus geoarchäologischer Sicht – vor allem Gebiete um die weltbekannte archäologische Fundstätte Çatalhöyük.
Frühere Flussgeschichte