Akira (jap. ) ist ein Anime-Kinofilm von 1988, der Cyberpunk und Body-Horror-Elemente vermischt. Neodystropia, abgerufen am 23. Mai 2021. Aus der vielfach ausgezeichneten Verfilmung des gleichnamigen Mangas entstanden darüber hinaus drei Videospiele. Die Produktion von Akira geschah mit deutlich höherem Aufwand als bei allen japanischen Animationsfilmen zuvor und es wurde mit neuen Stilmitteln experimentiert. Der Film gilt als Anime-Klassiker und als wesentlicher Auslöser für die ihm in den 1990er Jahren folgende Popularisierung der Animes in Amerika und Europa.Jonathan Clements, Helen McCarthy: The Anime Encyclopedia. Revised & Expanded Edition. Stone Bridge Press, Berkeley 2006, ISBN 1-933330-10-4, S. XIX, 13.

Der Science-Fiction- und Actionfilm spielt im Jahr 2019 in einem nach einer atomaren Explosion wieder aufgebauten Tokio. Kaneda und Tetsuo, jugendliche Mitglieder einer Motorradgang, werden in politische Machtkämpfe und in ein militärisches Forschungsprojekt verwickelt. Das Projekt erforscht Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten wie die von Tetsuo, die er durch einen Unfall bekam.

Handlung mini|Nachbau von Kanedas Motorrad 1988 erschütterte eine gigantische Explosion Tokio. Sie setzte eine gewaltige Energiemenge frei und vernichtete die Stadt vollständig. Da irrtümlicherweise angenommen wurde, es habe sich um einen Atomangriff gehandelt, löste das Ereignis schließlich den Dritten Weltkrieg aus. 30 Jahre später wurde die Stadt als Neo-Tokio wiederaufgebaut. In der futuristischen Stadt mit all ihren riesigen Wolkenkratzern hat sich wieder ein gewisser Wohlstand entwickelt, doch gibt es auch Banden und Gangs. In den Straßen kommt es immer wieder zu Studentenunruhen und Bombenanschlägen.

Der Jugendliche Shōtarō Kaneda () ist Anführer einer Motorradgang, in der auch sein Freund Tetsuo Shima () Mitglied ist. Beide wuchsen gemeinsam im Waisenhaus auf. Als sie eines Tages in einen Straßenkampf mit einer anderen Gang geraten, trifft Tetsuo einen alt aussehenden Jungen, den er beinahe überfährt und dadurch verunfallt. Dieser Junge war aus einer militärischen Forschungsanlage geflohen und gerade, als die Bande Tetsuo zu Hilfe kommt, erreicht auch das Militär, von einem Oberst geführt, zusammen mit einem weiteren alt aussehenden Jungen in einem Schwebesessel den Ort des Unfalls. Der Geflohene und Tetsuo werden vom Militär mitgenommen, die anderen werden der Polizei übergeben. In der militärischen Einrichtung wird Tetsuo untersucht und man stellt fest, dass er über die gleichen übernatürlichen Kräfte verfügt wie drei andere hier als Testobjekte lebenden Kinder. Einer von ihnen ist Masaro, der Junge im Schwebesessel, die anderen beiden sind Takashi, der ehemals Entflohene, und Kyoko, ein Mädchen mit hellseherischen Fähigkeiten. Alle drei sind noch klein, sehen aber dennoch sehr alt aus. Doch Tetsuos Kräfte sind besonders, seine Stärke wird mit der Akiras verglichen, der die Explosion 30 Jahre zuvor ausgelöst hat. Als Tetsuo wieder zu sich kommt, flieht er zu seiner Freundin Kaori, mit der er verschwinden will.

Die anderen Bandenmitglieder werden von der Polizei verhört, aber wieder freigelassen. Kaneda trifft das Mädchen Kei – Mitglied einer Revolutionsbewegung – und versucht mit ihr anzubandeln. Doch sie lässt ihn abblitzen und die Gruppe geht zurück zur Schule. Dorthin geht auch Tetsuo, der gemeinsam mit seiner Freundin Kanedas Motorrad nimmt und wegfährt, jedoch von einer anderen Gang angegriffen wird. Kaneda und die anderen folgen ihm und können ihn retten. Tetsuo ist wütend: Er ist es leid, dass Kaneda ihm immer aus der Klemme hilft. Einen Augenblick später wird er wieder vom Militär aufgegriffen. Als nach einem Bombenanschlag Kei flieht, rettet Kaneda sie vor einem Sicherheitsmann, der dabei getötet wird und lernt dann den Rest der Revolutionsbewegung kennen.

Der Oberst erfährt von Kyoko, dass durch Akira viele Menschen sterben werden. Er vergewissert sich daraufhin, dass Akira noch immer tiefgekühlt in einem unterirdischen Tresor aufbewahrt wird, in dem er vor 30 Jahren nach der Explosion deponiert wurde, um weiteren Schaden zu verhindern. Die Untersuchungen an Tetsuo werden fortgesetzt, um die in ihm steckenden Kräfte zu verstehen und für die Menschheit zu nutzen. Aus diesem Grunde wurden auch die Kräfte der anderen drei und die Akiras trainiert und untersucht. Sie müssen zudem viele Medikamente nehmen, damit ihre Kräfte nicht außer Kontrolle geraten. Tetsuo ist das alles zuwider und er gerät in Konflikt mit den drei anderen, die nicht wollen, dass er Schaden anrichtet. Er lernt nach und nach, wie er seine Kräfte nutzen kann. Bald will er sich wieder befreien und Akira suchen, den er für seine Misere verantwortlich macht.

Kaneda wird durch Kei in die Mission der Revolutionäre verwickelt: Sie wollen Informationen über das neue Testobjekt des Militärs, Tetsuo, sammeln. Er schließt sich ihnen an, um seinen Freund zu befreien. Sie dringen in das Forschungsgebäude ein und es gelingt ihnen schließlich, Tetsuo zu treffen. Dieser hat sich bereits durch das Gebäude gekämpft und befindet sich erneut im Streit mit den drei Anderen. Tetsuo verliert durch seine übernatürlichen Kräfte den Verstand und ist davon getrieben, Akira zu finden. Nachdem er erfahren hat, dass Akira sich beim neu errichteten Olympia-Stadion befindet, macht er sich auf den Weg dorthin. Dabei richtet er immer größere Zerstörungen an. Kaneda und Kei folgen ihm. Das Militär übernimmt in dieser gefährlichen Situation die Macht im Land und richtet alle Anstrengungen darauf, Tetsuo aufzuhalten.

Beim Olympia-Stadion angekommen, stellt sich Kei, von Kyoko als Medium benutzt, Tetsuo in den Weg. Es kommt zum Kampf, der die Umgebung zerstört. Tetsuo besiegt Kei und öffnet die Tresortür zu Akira. Darin befinden sich Behälter, in denen Körperteile von Akira für die Forschung aufbewahrt werden. Akira selbst lebt seit 30 Jahren nicht mehr. Der Kampf gegen Tetsuo hält an, als Kaneda mit einem Laser-Gewehr gegen ihn antritt und das Militär einen Satelliten mit Laserkanone einsetzt. Tetsuo gelingt durch einen Sprung in den Orbit die Zerstörung des Satelliten. Schließlich kann er seine Kräfte immer weniger kontrollieren und mutiert zu einem riesigen Wesen, das alles um sich herum verschlingt. Währenddessen erwecken Masaro, Takashi und Kyoko mit vereinten Kräften Akira wieder zum Leben. Er löst wieder eine gewaltige Explosion aus, um Tetsuo zu vernichten. Dabei retten sie aber den Oberst und Kaneda, Neo-Tokio wird erneut zerstört. In Rückblenden ist zu sehen, wie alle vier Kinder, noch normal aussehend, sich an einfachen Experimenten zur Erforschung ihrer mentalen Fähigkeiten beteiligen. Außerdem sieht man, wie sich Kaneda und Tetsuo kennenlernen.

Schließlich sind ein Lichtstrahl und eine Explosion zu sehen, es folgen die Worte: „Ich bin Tetsuo“, und im Hintergrund des Abspanns entwickelt sich aus der Explosion ein neues Universum.

Produktion Produktionsgeschichte und Beteiligte Als Katsuhiro Otomo, Autor der Mangaserie, um eine Verfilmung angefragt wurde, bestand er darauf, die Kontrolle über den Stoff zu behalten.Akira Production Report (DVD). Madman Entertainment. 13. November 2001. So wurde er auch Drehbuchautor und Regisseur des Films. Zur Finanzierung des Budgets von etwa 1,1 Mrd. Yen bildeten die Unternehmen Bandai, Hakuhōdō, Kodansha, Mainichi Broadcasting System, Sumitomo Corporation, Tōhō und das Studio Tōkyō Movie Shinsha ein Produktionskonsortium namens „Akira Committee“.Production insights, Akira #3. Epic Comics, 1988. Als Produzenten verpflichtet wurden Ryōhei Suzuki und Shunzō Katō, der Film entstand bei Tōkyō Movie Shinsha. Neben Otomo schrieb auch Izō Hashimoto am Drehbuch. Das Charakterdesign entwarf Takashi Nakamura und die künstlerische Leitung lag bei Toshiharu Mizutani. Für die Computeranimationen beauftragte man das Studio High Tech Lab Japan.

Die Handlung des Films stammt aus den bis dahin erschienenen Teilen der Mangaserie, die auch nach Fertigstellung ihrer Verfilmung noch lief und erst 1990 abgeschlossen wurde. Der Inhalt wurde stark gestrafft und bringt durch einen anderen Verlauf als im Manga viele Figuren in einen anderen Zusammenhang. Der Zeitpunkt der Handlung wurde abweichend vom Manga in das Jahr 2019 gelegt. Das Drehbuch umfasste 738 Seiten. Zuvor hatte Otomo mehrere Drehbuchfassungen geschrieben, in denen er alle denkbaren Szenen aufführte, die sich aus der Mangaserie ergaben. Danach strich er alle Szenen, die er als nicht notwendig empfand. Da er derart ungewöhnlich viel Aufwand in Drehbuch und Storyboard steckte, dauerte diese Arbeit besonders lange.

Technische und stilistische Aspekte Im Gegensatz zu den meisten Anime-Produktionen wurde der Film nicht in günstiger Limited Animation produziert, in der nur wenige Teile des Bildes animiert und Bildfolien immer wieder verwendet werden. Stattdessen entstanden über 160.000 Animationsfolien, um eine möglichst flüssige Animation zu erreichen.ICOM Info 52, Juni 1991, S. 20–23. Computeranimationen wurden verwendet, um fallende Gegenstände, Lichteffekte und andere physikalische Vorgänge zu animieren.David Hughes: Comic Book Movies. Virgin Books, 2003, ISBN 0-7535-0767-6, S. 27. Um die von Otomo gewünschten Überblendungen von Szene zu Szene zu erreichen, filmte der Kameramann Katsuji Misawa die einzelnen Zeichnungen und die jeweiligen Hintergründe überlappend. Für die Hintergründe wurden über 1.000 verschiedene Häuser und Stadtelemente gezeichnet. Die größtmögliche Schärfe und Brillanz der Bilder wurde erreicht, indem man den im Trickfilm sonst unüblichen 70-mm-Film verwendete. Für die Farbgebung kamen 327 Töne zum Einsatz, davon 50 eigens für diese Produktion angesetzte. Dies sind vor allem dunkle Farben, da große Teile des Films im Dunklen spielen. Statt der in Nachtszenen üblichen Blautöne verwendete man dunkle Rot- und Grüntöne. Zum Testen von komplexen Szenen wurde intensiv Gebrauch vom Quick Action Recorder gemacht. Dies war jedoch, anders als von den Produzenten behauptet, keine neue Entwicklung, sondern bereits seit etwa 10 Jahren im Animationsfilm üblich.

Die Geräusche für den Film wurden mit Synthesizer eingespielt. Die Musik wurde von Shōji Yamashiro komponiert und unter anderem von seinem Chor Geinoh Yamashirogumi eingesungen. Verwendung fanden neben mehrstimmigen Chorgesängen auch Klänge traditioneller japanischer Instrumente und eine Mischung asiatischer, europäischer und afrikanischer Elemente. Die Produktion der Musik erstreckte sich, ohne Zeitdruck und Budgetbeschränkungen, über sechs Monate. Für die Blu-ray-Fassung des Films wurde sowohl das Bild remastered als auch die Musik in Dolby TrueHD neu eingespielt. Dabei wurden auch hochfrequente Töne aufgenommen, die zwar nicht hörbar sind, aber laut Yamashiros umstrittener Theorie des Hypersonic Effects eine neurologische Wirkung entfalten können und so dem Zuhörer ein umfassenderes Erlebnis bieten sollen.

Synchronisation Auch die Dialogregie der japanischen Fassung lag bei Otomo. Zum ersten Mal bei einer Anime-Produktion wurden die Stimmen vor der Fertigstellung der Animationen aufgenommen. Auf diese Weise konnten die Mundbewegungen auf den gesprochenen Text genau abgestimmt werden. Den Sprechern standen bereits einfache Animationen als Hilfestellung zur Verfügung. Nach der ersten deutschen Synchronfassung von 1991 wurde für die DVD-Veröffentlichung von 2005 eine neue Synchronisation produziert, die inhaltlich näher am Original liegt. Der Sprecher von Tetsuo in der ersten Fassung, Julien Haggége, wurde 2005 zum Sprecher von Kaneda.AnimaniA 03/2006, S. 24.

Die erste Synchronisation wurde bei der Michael Eiler Synchron GmbH in Berlin nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Mario von Jascheroff erstellt. Die zweite Synchronfassung entstand in den G&G Studios in Kaarst, wobei Christian Schneider das Dialogbuch verfasste und die Dialogregie führte.