mini|Buchstempel auf der Rückseite eines Titelblatts rechts oben mittig. Stempel der Bibliothek der Universität Tokio (Kyūjitai: )

Japanische Buchstempel (jap. , Zōshoin, auch: „Bucheignerzeichen“) dienen dazu, den Eigentümer oder Besitzer von Büchern und Manuskripten zu kennzeichnen. Sie sind als solche in ihrer Funktion den ExlibrisExlibris werden im Japanischen mit dem Begriff Zōshohyō () bezeichnet. Die Verwendung von Exlibris wird als typisch westliche Entwicklung oft auch entgegengesetzt zur Verwendung von Bücherstempeln, als typisch asiatischer Entwicklung, betrachtet. vergleichbar. Als Buchstempel wird sowohl der Stempelabdruck als auch der dazugehörige Stempel bzw. das Siegel als Prägewerkzeug verstanden.

In den meisten Fällen wird entweder die erste oder letzte Seite eines Buches gestempelt. In Japan werden Bücher von Leihbüchereien (Kashihonya), von privaten Büchersammlern, Bibliotheken, den frühen Bücherspeichern der Daimyats- bzw. Han-Schulen und Tempeln mit einem Buchstempel versehen. Bücherstempel entstanden in China während der Song-Dynastie, ihr Gebrauch verbreitete sich in der Ming-Dynastie, während sich in Japan unterschiedliche Buchstempelformen entwickelten. Als Stempel werden auch die meisten Amtssiegel (, Kan’in) betrachtet. Weitere japanische Begriffe für Bücherstempel mit einer ähnlichen Bedeutung sind: Zōshoinki (, etwa „Buchstempelzeichen“), Zōin (, etwa: „Magazinstempel“), Shozōin (, etwa: „Eigentümerstempel“), Shūzōin (, etwa: „Lagerstempel“), Toshoin (, etwa: „Karten- und Schriftenstempel“), Denryōin (, etwa: „Herkunfts-“ oder „Provenienzstempel“), Kanzōin (, etwa: „Sammlerstempel“).Während man bei Büchern vom Buchstempel (Zōshoin) spricht, bezeichnet man Stempel auf Kalligraphien und Gemälden als Kanzōin. Diese können mit einer handschriftlichen Unterschrift kombiniert sein. Sie dienen Sammlern und Kennern zur Begutachtung von Kunstwerken. Insofern sind diese Stempel auch mustergültig, was sich auch in der Bedeutung des Schriftzeichens kan widerspiegelt.

Den Buchstempeln vergleichbare Stempel wurden auch von Buchhändlern zur Kennzeichnung ihrer Ware oder von Buchentleihern zur missbräuchlichen Kennzeichnung entliehener Bücher verwendet.

Ein Stempelalbum, in dem die Stempelabdrücke unterschiedlicher Stempel gesammelt sind, nennt man Zōshoinpu (). Solche Stempelalben enthalten neben der Veröffentlichung des Stempelabdrucks auch bibliographische Informationen der gestempelten Bücher und Kurzlebensläufe aller Stempelbenutzer.

Geschichte Ursprung in China Dem Stempeln von Papier und den Buchstempeln ging in China bis zur Han-Zeit das Siegeln mit Siegelton (, fūdei) voraus. Dazu wurden Dokumente oder auch Gefäße verschnürt und an der Schnur wurde ein kleiner Klumpen Ton angebracht, in den das Siegel eingedrückt wurde. Auf diese Weise brachte der Absender einerseits seine soziale Stellung zum Ausdruck und andererseits stellte er auf einfach festzustellende Weise sicher, dass es nicht zu Verfälschungen während der Zustellung kam. Die Verwendung von Stempeln als Amtssiegel oder Behördenstempel (, Kōin) war nur bestimmten Beamten zur offiziellen Beglaubigung bzw. als Nachweis ihrer Autorität erlaubt.

Zu den erwiesenermaßen ältesten Siegeln, die als Stempel für die Aufbewahrung verwendet wurden, gehören der Stempel mit den Schriftzeichen „Jōgan“ des Tang-Kaisers Taizong und der Stempel mit den Schriftzeichen „Kaigen“ von Kaiser Xuanzong Zu den ältesten Magazinstempeln (Zōin) dieser Zeit zählen die Stempel des Kaiserhauses auf Handschriften und Malereien.

Der tatsächliche Gebrauch von Bücherstempeln begann in China jedoch erst mit der Song-Dynastie. Erst in der Song-Dynastie als sich Papier und auch die Drucktechnik verbreiteten und es zu einer Zunahme der Publikationen kam, machte auch das Siegel- und Stempelwesen große Fortschritte. Damit einher ging auch die Entwicklung einer Kultur der Wertschätzung für Malerei und Kalligraphie, die zum Signieren von Handschriften und Malereien durch Siegeln auf der Papieroberfläche führte. Die ältesten Stempel, die für Bücher und Handschriften verwendet wurden, stellen der Stempel von sukzessive das Kanzleramt innehabenden Personen der Tang-Zeit, der Stempel von Liang Xiu? und der Stempel „Bücher des Geheimen Kabinetts“? () von Kaiser Wen dar.

Zu einer breiten Verwendung von Bücherstempeln kam es seit der Ming- und Qing-Dynastie, da der Privatgebrauch von Stempeln wie auch das allgemeine Interesse und die Wertschätzung des Stempels als Gegenstand zunahmen.

Japanische Entwicklung mini|Stempel von Kaiserin Kōmyō aus dem 8. Jahrhundert auf der „Synopse diverser Briefe aus dem Hause Du zum Aus-dem-Stand-Vollenden“ (, toka rissei zassho yōryaku)Abbildung siehe des Kaiserlichen Hofamtes; Reiter und Index des Schatzhauses (), Suchbegriff: vorletzte Abbildung.. Der Stempelabdruck zeigt die Schriftzeichen: Sekizen Tōke ().

mini|Buchstempel der Tōkyō Shojakukan, der vom Zeitpunkt ihrer Einrichtung im August 1872 bis zum April 1875 verwendet wurde. Der Stempelabdruck zeigt die Schriftzeichen: (shojakukan’in), schlicht: „Stempel der Shojakukan“.

Buchstempel verbreiteten sich von China aus in den Ländern Südostasiens wie Japan, Korea und Ländern des ostasiatischen Kulturraums, in dem Schriftzeichen verwendet wurden. Wann genau Bücherstempel nach Japan kamen, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Seit dem Mittelalter ging insbesondere die Verbreitung der Buchstempel in Japan einher mit der regen Einfuhr von Schriften der Song- und Yuan-Dynastie (, Sōgenban). Die ältesten japanischen Zeugnisse, Stempel zu gebrauchen, um den Besitz anzuzeigen, sind die Stempel „Sekizen Tōke“ () und „Naike Shiin“ () gestempelt auf die „Synopse diverser Briefe aus dem Hause Du zum Aus-dem-Stand-Vollenden“ (, toka rissei zassho yōryaku, chin. Dujia licheng zashu yaolüe) von Kaiserin Kōmyō (701–760) aus dem 8. Jahrhundert, die sich im Shōsō-in (Schatzhaus) des Tōdai-ji befinden. Als ältestes Beispiel eines Stempels einer Büchersammlung gilt der Stempel „Tripitaka des Hōryū-ji“ () im Kongō Jōdaranikyō (), einem japanischen Sutra des esoterischen BuddhismusSiehe Online-Datenbank „Cultural Heritage Database“. Der mit schwarzer Tusche angefertigte Stempel ist rechts unten auf der Abbildung des zu sehen.. Ein weiteres Beispiel für einen Stempel aus dem japanischen Altertum sind die Stempel „Reizei-in“ () und „Saga-in“ am Ende der chinesischen Gedichtanthologie Bunkan Shirin (, chin. Wenguan cilin, engl. Forest of officials' poems and prose) kompiliert von Xu Jingzong (592–672). Dabei handelt es sich um Stempel des „Zushoryō“ (), der Hofbibliothek des Kaiserhauses, die im Ritsuryō-System zum Kunaishō (), einem Vorläufer des heutigen Kaiserlichen Hofamtes (Kunai-chō) gehörte. Innerhalb des Hofamtes, das die kaiserlichen Besitztümer verwaltet, hatte die Hofbibliothek als Unterabteilung die Aufgabe Schriften und Dokumente aufzubewahren und zu kopieren.

Auch von der Nara- bis etwa zur Heian-Zeit findet man die vorstehend erwähnten Verwendungsbeispiele der Buchstempel in Büchern, doch diente der Stempel nicht so sehr zum Anzeigen des Besitzes, vielmehr findet man häufig mit dem Pinsel hinzugefügte Anmerkungen. In dieser Zeit sind Buchstempel nur als Stempel in den Sutras der Tempel belegt.

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass der tatsächliche Gebrauch von Bücherstempeln mit dem Aufkommen von Bibliotheken (Bunko) in der Kamakura-Zeit begann. Ein erster Bücherstempel dieser Art ist der Bibliotheksstempel der „Kanazawa Bunko“ (Kyūjitai: ). Aus dieser Zeit stammen etwa auch der Stempel „No no Kokugaku“ () der Ashikaga-Schule und der Stempel „Kōzan-ji“ () des gleichnamigen Tempels.

Mit der Verbreitung von Büchern im einfachen Volk und der Zunahme der Alphabetisierung in der Edo-Zeit verändert sich auch das Aussehen der Bücherstempel. Die Daimyats- bzw. Han-Schulen bringen imposante Stempelausführungen hervor und die Gelehrten der Kokugaku („Nationalen Schule“) verwenden erstmals als Privatpersonen und Bibliophile Bücherstempel mit eigenem Design und Stempeltext. Die Zunahme des Interesses an Bücherstempeln lässt sich am Beispiel des Neokonfuzianisten Hayashi Razan ersehen, der Dutzende von Bücherstempeln verwendete wie den Stempel „Kōun Iju“ ()Abbildung siehe Online-Datenbank des National Institute of Japanese Literature, unter der ID: 03162. oder den Stempel „Dōshun“ () mit dem Namen, den er im Kloster erhielt. Zugleich findet man viele Bücherstempel in den Romanen der Leihbüchereien (Kashihonya). In dieser Zeit entstanden auch die ersten Sammlungen von Bücherstempeln.

Gegenwart Ursprünglich wurden Bücherstempel für klassische chinesische und für japanische Bücher (, wahon), die nach alter traditioneller Weise gebunden wurden, benutzt, doch werden die zunehmenden westlichen Druckwerke in der Neuzeit (seit der Meiji-Zeit) gleichfalls gestempelt.

In modernen Bibliotheken werden heutzutage einfache Gummistempel, die als Bücherstempel verwendet wurden, ersetzt durch Schildchen, auf denen der Name der Bibliothek und ein Barcode vermerkt sind. In der Regel wird auch das Datum hinzugefügt, das die Funktion des Aufnahmestempels übernimmt. Doch wird die Kultur der Buchstempel in japanischen Bibliotheken wohl nicht vollständig abgeschafft werden, da es vielfach auch die Auffassung gibt, dass eine solche pragmatische Kennzeichnung kostbarer Schriftstücke, wie alter Werke der japanischen Literatur nicht angemessen ist und dass es dazu traditioneller Buchstempel bedarf.

Aussehen Stempelfarbe am häufigsten wird Zinnoberrot (, shuiro), gefolgt von schwarzer Tusche (, sumiiro) als Stempelfarbe benutzt. Obgleich die Farbe Rot durch Alterung in geringerem Umfang verblasst und dadurch besser und praktischer ist als Schwarz, wird Tusche ebenfalls sehr häufig verwendet, da das Schwarz der Tusche gut zum Weiß des Papiers passt. Zudem wurde Tusche auch deshalb benutzt, weil Rot ursprünglich dem Adel und offiziellen Anlässen vorbehalten war und daher nicht von Privatpersonen verwendet werden sollte. Man geht davon aus, dass der Trend, schwarze Stempel zu benutzen, um Pracht und Luxus zu vermeiden, in der vom Zen beeinflussten Muromachi-Zeit zunahm. Seit der Momoyama-Zeit, in der die Techniken der Pigmentverfeinerung entwickelt wurden, tauchten dann auch blaue Buchstempel auf wie der Stempel „Büchersammlung der Kokumeikan“ () der Hamamatsu-SchuleAbbildung in der Datenbank für Buchstempel der Universität Kyūshū (japanisch) und indigoblaue Stempel wie der Stempel von Iwamoto Kattoshi und der Stempel „Mioriya Bunko“ ().Abbildung und Details in der Datenbank für Buchstempel des National Institute of Japanese Literature unter dem Suchbegriff „“. Weitere Stempelfarben jener Zeit waren Schwarz, Grün und ein kräftiges Gelb. In modernen Bibliotheken der heutigen Zeit kommen der Prägedruck und die Hohlprägung zum Einsatz, um den Ursprungszustand der Bücher zu bewahren (siehe etwa auch: Supralibros).

Stempelabdruck (Typar) Der StempelabdruckHier ist der Abdruck im Unterschied zum Stempel als Gerät gemeint. Der Abdruck kann eine Einfassung bzw. einen Rahmen besitzen, der unter Form und Größe der Stempel behandelt wird. oder das Bildzeichen (Typar) bestehen zumeist aus dem Namen des Eigentümers oder dem Künstlernamen bzw. dem Titel (, gō) ergänzt um einen der folgenden Begriffe: „Zōsho“ (, etwa: Büchersammlung), „Kura“ (, etwa Magazin), „Kasō“ (, etwa (Buch)Besitz von), „Tosho“ (, etwa Buch (von)), „no shirushi“ (, etwa Stempel von), „Bunko“ (, etwa Bücherspeicher). Gerade Bibliotheken haben einen Buchstempel mit eindeutig festgelegtem Typar. Stempeln, denen zudem Ortsnamen wie der Wohnort, der Geburtsort etc. beigefügt ist, sind vielfach in China zu finden. Der Stempel privater Büchersammler ist meist als Signetstempel für den privaten Gebrauch (, yūin) ausgeführt, wobei der Stempelabdruck als Gedichtzeile, ganzes Waka oder kleine Botschaft an die Nachwelt gestaltet sein kann.

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