Das Piemont-Kreuzlabkraut (Cruciata pedemontana), auch Piemonteser Kreuzlabkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kreuzlabkräuter (Cruciata) innerhalb der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae).

Beschreibung mini|links|Teilblütenstände mit Blüten mini|Stängel und Laubblätter sind dicht abstehend behaart mini|Die Laubblätter weisen nur einen deutlichen Mittelnerv auf mini|Die Fruchtstiele (rechts) sind stark nach unten gekrümmt mini|Stängel mit Laubblättern und Fruchtständen

Vegetative Merkmale Das Piemont-Kreuzlabkraut ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 10 bis 35 Zentimetern erreicht. Der Stängel und die Laubblätter sind mehr oder weniger dicht abstehend behaart.

Die ganzrandigen Laubblätter sind scheinbar in vierzähligen Quirlen angeordnet, tatsächlich jedoch gegenständig und die Nebenblätter den Laubblattspreiten gleichgestaltet. Die mittleren Laubblätter sind 0,4 bis 1 Zentimeter lang und weisen einen deutlichen Mittellängsnerv und zwei bis vier undeutliche seitliche Längsnerven auf.

Generative Merkmale Die Blütezeit des Piemont-Kreuzlabkrauts reicht in Mitteleuropa von April bis Mai. Die seitenständigen, in den Laubblattquirlen sitzenden Teilblütenstände, sind kürzer als ihr Tragblatt und ohne Hochblätter. Es sind Blütenstiele vorhanden.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch. Der Kelch ist undeutlich bis fehlend. Die blassgelb-grüne Krone misst 0,5 bis 1 Millimeter im Durchmesser und weist vier, teilweise auch drei oder fünf Kronzipfel auf, die länger als die Kronröhre sind. Es ist nur ein Kreis mit vier Staubblättern vorhanden. Der unterständige Fruchtknoten ist zweifächrig. Es sind zwei Griffel vorhanden.

Die Fruchtstiele sind stark nach unten gekrümmt. Die Spaltfrucht ist trocken sowie ledrig.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.

Ökologie Beim Piemont-Kreuzlabkraut handelt es sich um einen Therophyten, der die ungünstige Jahreszeit als Same im Boden überdauert.

Verbreitung Das Verbreitungsgebiet des Piemont-Kreuzlabkrauts umfasst Europa bis West- und Zentralasien und Marokko. In Europa kommt es ursprünglich vor in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Schweiz, Österreich, im früheren Jugoslawien und in der früheren Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Ukraine, Albanien, Griechenland, in der Ägäis, in Bulgarien und in der Türkei. In Asien kommt es vor in der Türkei, im Kaukasusraum, Syrien, Irak, Iran, Kasachstan, Russland, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan. Cruciata pedemontana hat ein submediterranes Hauptverbreitungsgebiet und tritt vor allem in den Ländern nördlich des Mittelmeeres auf. Im deutschsprachigen Raum ist das Piemont-Kreuzlabkraut nur in Österreich, Südtirol und in der Schweiz indigen. In Deutschland ist die Art in Bayern in Einbürgerung begriffen.

In Österreich tritt das Piemont-Kreuzlabkraut nur im pannonischen Gebiet in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und dem Burgenland selten auf lückigen Trockenrasen, sandigen Böschungen und Gebüschsäumen in der collinen bis möglicherweise in die submontane Höhenstufe auf. Diese Art gilt in Österreich als gefährdet.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Systematik Die Erstveröffentlichung erfolgte 1788 unter dem Namen (Basionym) Valantia pedemontana durch Carlo Antonio Lodovico Bellardi in Osserv. Bot. Seite 61. Die Neukombination zu Cruciata pedemontana wurde 1962 durch Friedrich Ehrendorfer in Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien, Band 65, Seite 18 veröffentlicht. Weitere Synonyme für Cruciata pedemontana sind: Galium pedemontanum , Galium retrorsum

In der Tribus Rubieae sind von Cruciata die nächst verwandten Gattungen Valantia und Galium, zu der auch der Waldmeister (Galium odoratum) gehört.

Einzelnachweise Konrad Lauber, Gerhart Wagner: Flora Helvetica. Flora der Schweiz. Verlag Paul Haupt, Bern, Stuttgart, Wien, 1996, ISBN 3-258-05405-3, S. 1014. Jens G. Rohwer: Rubiaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage, Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 629. Karol Marhold, 2011+: Rubiaceae (pro parte majore). Datenblatt bei The Euro+Med PlantBase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity, abgerufen am 12. April 2026

Weblinks

Kategorie:Rötegewächse Kategorie:Pannonische Flora