mini|hochkant=1.2|Dorfkirche Kirch Kogel (2009) mini|hochkant|Westturm Kirch Kogel (2011) Die Dorfkirche Kirch Kogel ist ein denkmalgeschütztes Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert in Kirch Kogel, einem Ortsteil der Gemeinde Reimershagen im Landkreis Rostock. Sie ist eine Kirche der Kirchengemeinde Lohmen des Kirchenkreises Mecklenburg in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).

Geschichte Das Kirchdorf Kirch Kogel wurde am 31. März 1303 erstmals erwähnt.MUB V. (1869) Nr. 2861. 1435 erwarb das Kloster Dobbertin das Dorf.

Als der regierende Herzog von Mecklenburg-Schwerin, Heinrich IV., dem Provest Mathias von Weltzin des Klosters Dobbertin am 18. Oktober 1440 das Patronat von Kirch Kogel verlieh, wurde ausdrücklich von dieser Kirche zu Kerk Kowalk, belegen in der Vogtei zu Cracow, gesprochen.MUB Regesten Nr. 6661. 1445 gehörten zur Pfarre Kirch Kogel neben dem als wüst bezeichneten Wendisch Kogel (heute Rum Kogel) noch die eingepfarrten Ortschaften Reimershagen, Suckwitz und die Heidedörfer Kleesten und Jellen. In Suckwitz bestand eine Filialkapelle, die nach dem 17. Jahrhundert nicht mehr genannt wurde.

Am 23. Juli 1453 gab Herzog Heinrich dem Dobbertiner Propst Nicolaus Behringer und dem Klosterkonvent die Lehnware der Kirche zu Kerk Kowalk, so wie es seine seeligen Voreltern Matthias Weltzin gegeben haben.MUB Regesten Nr. 9605.

Vom 19. September bis 29. September 1557 wurden im Zusammenhang mit der Einführung der Reformation auch die Patronatskirchen Mestlin, Kogel, Lohmen und Demen des Klosters Dobbertin visitiert. Es sah in den Gemeinden noch traurig aus. Nicolaus Vogelsang, vor 1557 noch Küster und nicht studiert, war in Kogel Pastor. Im Visitationsprotokoll ist vermerkt: … dieser ist ein fähiger und begabter Mensch, der nachstudiert hat und gut zu antworten verstand. Er wußte den Katechismus, verstand die Glaubenslehre, hatte die deutschen Bücher fleißig gelesen und wußte gut zu trösten und zu predigen …Friedrich Lisch: Die Reformation im Kloster Dobbertin. In: MJB, 22 (1857) S. 115–116. 1576 soll es Streitigkeiten zwischen dem Kirch Kogeler Pastor und der Familie von Grabow auf Suckwitz wegen Abtretung eines Ackers auf dem Rum Kogeler Felde für einen Platz im Kloster Dobbertin gegeben haben.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3531 Streitigkeiten zwischen Kirch Kogeler Pastor und Familie von Grabow.

Ab 1589 war der Schneider Jacob Jacobs auch Küster der Kogeler Kirche.LHAS 10.63-1 Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Amtsprotokollbuch 1587–1593, S. 275. Im Visitationsprotokoll vom 10. Oktober 1649 ist vermerkt, dass die Kirche zu Kogel nach Vacanz mit Lohmen kombiniert war. Der dortige Pastor Vincentus Lucow hatte die Pfarre mit zu verwalten. Das Kloster wollte die Pfarre ganz eingehen lassen, doch der Suckwitzer Besitzer Joachim von Winterfeld, ein alter Kriegsheld, fühlte sich hintergangen. Weihnachten 1652 ritt er nach Dobbertin und machte dort einen so großen Lärm, dass die Klosterverwaltung den Kossaten-Acker in Rum Kogel mit beiden Händen zur Aufbesserung der Pfarre hergab.Gustav Willgeroth: Kirch Kogel, Pastoren seit 1629. In: Die Mecklenburg-Schwerinsche Pfarre seit dem dreißigjährigen Kriege. Wismar 1925, S. 309.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg fand Pastor Georg Schwartz in Kogel noch 1653 eine Wüstenei vor und die Kirche war beinahe ein Steinhaufen. Im Visitationsprotokoll von 1649 ist dazu folgendes vermerkt: Kirchengebewd zu Kogelck soll ein groß gebewde seyn und der Chor gantz gewelbet, ein, Per über der Kirchen gantz eingefallen, und das Tach sonsten sehr unduchtig. Der Thurm von hohem Mauerwerck, oben sehr Tachlos, der glockenstuell darumb verstocket, worin 2 große glocken, eine dritte daraus gestohlen. Und soll vors erst das Tach überm Chor und der Thurm repariret werden, damit die glocken nicht herunterfallen mögen, Joachim von Winterfeld erbietet sich etlich bawholtz darzu zugeben.

Der Gottesdienst wurde daher unter der mächtigen Linde auf dem Kirchhofe gehalten, wo auch der aus dem 13. Jahrhundert stammende Taufstein aus Granit stand.Friedrich Schlie: Das Dorf Kirch-Kogel. 1901, S. 390. Von dem Gottesdienst unter der Linde, die nach einem Sturm am 18. Oktober 1967 abbrach, wurde nicht nur im Kloster Dobbertin gesprochen.Neue Monatsschrift von und für Mecklenburg. 1792, 4 Stück, S. 139. Zum Pfarrsprengel gehörten damals neben Kirch Kogel noch Suckwitz, Reimershagen, Jellen, Kleesten, die Meierei Rum Kogel und Mühle zu Suckwitz. Auf dem Landtag am 13. März 1666 in Rostock wurde über eine Leichenunfug in Kirch Kogel debattiert: der Sacritey in der zum Closter Dobbertin quoad jus Patronatus gehörigen Kirche zu Kowalke ward resolviret, an Ernst von Grabow zu Suckvitz zu schreiben, ihm wegen der in der Sacristey stehenden Leichen den Unfug zu remonstriren, und ihm anzudeuten, daß wenn er binnen 6 Wochen die Leichen nicht herausbringen, und in einem in der Kirche ihm anzuweisenden Ort niedersetzen würde, dem Landrat Jasmund committiret sey, die Leichen herausbringen lassen, welches Schreiben den 10ten April an denselben abgelassen ward.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 1666.

1767 schloss Ernst von Grabow auf Suckwitz einen Erbpachtvertrag über die Kirch Kogeler Pfarrländereien ab. Zwischen dem Klosteramt Dobbertin und der Familie Ernst von Grabow gab es seit 1665 jahrelangen Streit um die Erbauung eines Begräbnisgewölbes in der Kogeler Kirche. Ein Vertrag zwischen Jochen Matthias von Grabow und dem Klosteramt Dobbertin wurde erst am 12. März 1764 geschlossen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3530 Begräbnisstätte der Familie von Grabow. Während der Predigervakanz in Kirch Kogel hatten zwischen 1709 und 1715 die Pächter in Jellen, Kleesten, Suckwitz und Reimershagen Priesterfuhren zu leisten.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3526. An der Prediger-Wahl am 30. April 1831 in Kirch Kogel nahmen von der Suckwitzer Ziegelei vier, von der Suckwitzer Mühle eine, aus Kirch Kogel zwei, aus Jellen sechs, aus Rum Kogel zehn, aus Schwinz acht und aus Kleesten drei Personen teil.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin.Nr. 3528 Wahl und Berufung des Predigers 1831.

Am 18. Januar 1665 forderte der Klosterhauptmann Landrat Christoph Friedrich von Jasmund auf Cammin vom Klosteramt Dobbertin alle Prediger in seinen Patronatskirchen Dobbertin, Kogel, Lohmen, Mestlin, Laerz und Sietow zu Spenden beim Aufbau und Reparatur der Kogeler und Sietower Kirche auf.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3554 Bau- und Renovierung Kogeler Kirche 1654–1783. Nach dem Rechnungsbuch des Klosteramtes führten 1857 und 1858, aber auch noch 1863 der Dobbertiner Amts-Maurermeister Retzloff, der Zimmerermeister Dreyer, die Tischler Larisch und Petrow, der Schmied Hagen und der Schlosser Brandt Reparaturarbeiten an der Kirche, im Kircheninnern und am Pfarr- und Küsterhaus durch. Bei der Erneuerung der Kirchenfenster 1884 wurden die gemalten Rundbilder entfernt.

Bei einem schweren Sturm am 18. Oktober 1979 stürzze die 700-jährige Linde um und beschädigte das Kirchendach des Chores stark. 1992 war der Chorraum einsturzgefährdet und wurde gesperrt, da die Gewölberisse schon acht Zentimeter breit waren und der Ostgiebel sich neigte.Schreiben der Baudienststelle Güstrow vom 14. September 1992 an das Landesamt für Denkmalpflege Schwerin. Bis 1994 dauerten die konstruktiven Sicherungsarbeiten an den Gewölben und der Dachkonstruktion am Chor.Karl Brammer: Statisches Gutachten Gewölbeschäden Kirche zu Kirch Kogel. 3. September 1992.Bernhardt, Baudienststelle Güstrow, Kirchenkreisverwaltung: Denkmalpflegerische Zielstellung 17. Juni 1994. Die Satteldächer vom Chor und Langhaus wurden mit Biberschwanzdachziegeln neu eingedeckt.

Bei restauratorischen Freilegungen im Chorbereich wurden 1994 umfangreiche polychromierte Bemalungen der gotischen Bauphase sichtbar.Fred Kluth: Dorfkirche Kirch Kogel. Restauratorische Befunduntersuchungen des Innenraums. Februar 1994, S. 4.

Baubeschreibung mini|hochkant|Ostgiebel der Kirche (2009) Die Kirche mit ihrem Friedhof bildet das Zentrum des Dorfes und wird durch den alten Baumbestand mit der erneuerten Feldsteinmauer geschützt. Zwischen den verschiedenen Grabsteinen, Kreuzen und Gittern findet man auch eine Grabplatte mit der Inschrift: Friderica, Henrietta, Sophia geb. Lierow verehelichte (Johann Matthias) Zickermann neben den Gebeinen ihres neugeborenen Sohnes. Sie ward geboren (1.) Sept. 1780 und starb im Kindbett den 18. April 1805. Die gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qualen rührt sie am Buch der Weisheit.

Äußeres Der rechteckige Kirchenbau besteht aus einem quadratischen Feldsteinchor aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Mecklenburg-Vorpommern. 2000, S. 274. Das flachgedeckte, auf Wölbung angelegte Langhaus mit dem im westlichen Satteldach eingebauten Westturm in Backstein und einem Zeltdach wurden Ende des 13. oder mit beginnendem 14. Jahrhundert errichtet. Über dem Hauptportal in der Westwand des Turmes befindet sich ein zugemauertes Spitzbogenfenster. Das vielfach abgestufte Gewände beleuchtete einst das Langhaus von Westen her.

Der in Feldsteinen ausgeführte Ostgiebel hat eine Dreifenstergruppe mit Rundbogenfenster aus Rautenglas. Der darüber befindliche Blendengiebel aus Backsteinen ist über dem Deutschen Band mit einem Lateinischen Kreuz und 16 schlanken Spitzbögen in Putzblenden verziert worden. Die nachträglich an beiden Ecken angefügten und schräg abgetreppten Strebepfeiler weisen auf bereits frühzeitig aufgetretene Bauschäden im Gewölbe des Chores hin. Beide Chorseiten haben schmale Spitzbogenfenster, paarweise mit Mittelpfosten aus halbrunden Formsteinen. Die im Langhaus befindlichen breiteren dreiteiligen, von einem Rundbogen zusammengefassten Spitzbogenfenster wurden im 19. Jahrhundert verändert.

Die Kirche besaß mehrere Anbauten, von denen nur der südliche erhalten blieb. Zwei alte Portale an der Südseite sind zugemauert. Die südlichen Kapellenanbau ist aus Backstein mit Spitzbogenfenstern, einer Spitzbogentür und Spitzbogenblenden im Giebel. Die eingeritzte Sonnenuhr mit römischen Zahlen ist wohl aus dem 14. Jahrhundert. 1528 bauten Jürgen und Ernst von Grabow auf Suckwitz eine Grabkapelle an der Nordseite der Kirche. Sie war Ende des 19. Jahrhunderts noch vorhanden und trug die Inschrift F – G – 1764.Friedrich Schlie: Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. 1896. Band 4, S. 389 ff. ().

Im Jahr 1654 setzte sich die Dobbertiner Priorin Anna Sophia von Scharffenberg, die mit zwölf Jahren ins Kloster gekommen war, für die Reparierung der Kirche ein, wie es das eingebundene Collekten-Buch für milde Gaben von 1663 bezeugt.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3554 Bau- und Renovierung Kogeler Kirche 1654–1783. Nach einer Sammlung in allen Partonatskirchen des Klosteramtes Dobbertin ab 1663 wurden noch während der Amtszeit des Pastors Joachim Rossow 1703 die Reparaturarbeiten an der Kirche weitergeführt. Die 12.000 Mauerziegel und acht Tonnen Kalk kamen aus der naheliegenden klostereigenen Ziegelei Lähnwitz und weitere acht Tonnen Kalk aus Woserin. mini|Blick aus dem Chor ins Kirchenschiff (2020)

Inneres Das Innere der Kirche ist recht schlicht gehalten. Die Trennung vom Langhaus zum Chor erfolgt durch einen Triumphbogen. Der Chor hat ein achtteiliges, kuppliges Rippengewölbe aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Gewölbekappen wurden im 15. Jahrhundert mit dekorativen Pflanzenmalereien und Engelfragmenten verziert. Auch an den Wänden im Langhaus befinden sich unter der Kalktünche noch Wandmalereien und Weihekreuze. Oberhalb des Triumphbogens konnten in einer Nische Schriftzüge nachgewiesen werden.Fred Kluth: Dorfkirche Kirch Kogel. Restauratorische Befunduntersuchung des Innenraums. Februar 1994, S. 3–8.