Die Offizierschule des Heeres (OSH) in Dresden ist die zentrale Ausbildungsstätte für Soldaten des Heeres der Bundeswehr und der Heeresuniformträger außerhalb des Heeres zur Offizierausbildung der Offizieranwärter und Weiterbildung von Offizieren. Die Schule untersteht dem Ausbildungskommando.
Sie bildet vornehmlich Offizieranwärter, Offiziere und Stabsoffiziere des Truppendienstes, Offizieranwärter und Offiziere des Militärfachlichen Dienstes sowie Reserveoffizieranwärter und Reserveoffiziere in Laufbahn-, Verwendungs- und Sonderlehrgängen aus und ist für die Erziehung aller Offizieranwärter des Heeres auf Basis der Richtlinien für Innere Führung verantwortlich. Sie trägt zur Weiterentwicklung der Grundsätze der Taktik im deutschen Heer bei.
Geschichte Vorgeschichte Die Offizierausbildung wurde nach der Preußischen Heeresreform ab 1810 in sogenannten Kriegsschulen durchgeführt. Diese bestanden ab 1810. 1816 erfolgte die Aufteilung der Offizierausbildung in mehrere Brigadeschulen (später Divisionsschulen) und die Offizierfortbildung und Generalstabsausbildung an der Allgemeinen Kriegsschule. Die Divisionsschulen wurden mit der Bildung eines gesamtdeutschen Heeres 1871 wieder in Kriegsschulen umbenannt. Dieser Name blieb bis 1945 bestehen.
Heeresoffizierschulen mini|links|Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne zu Hannover, Sitz der OSH bis Ende der 1990er Jahre. Nach Gründung der Bundeswehr wurde die Ausbildung der Offizieranwärter des Heeres an drei „Heeresoffizierschulen“ (HOS) aufgenommen: 1956 in HannoverHelmut R. Hammerich: Kommiss kommt von Kompromiss. Das Heer der Bundeswehr zwischen Wehrmacht und U.S. Army (1950 bis 1970). In: Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink, Rudolf J. Schlaffer (Hrsg.): Das Heer 1950 bis 1970. Konzeption, Organisation, Aufstellung (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 3). Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57974-6, S. 229. (Heeresoffizierschule I) und in HusumSiehe Chronologie: Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink, Rudolf J. Schlaffer (Hrsg.): Das Heer 1950 bis 1970. Konzeption, Organisation, Aufstellung (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 3). Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57974-6, S. 751. (Heeresoffizierschule II; wurde 1958 nach Hamburg-Wandsbek verlegt), 1958 in München (Heeresoffizierschule III). Die Heeresoffizierschulen waren in einen Kommandostab (seit 1967 Schulstab) und zwei bis drei Lehrgruppen gegliedert. Für die Ausbildung verfügten sie zusätzlich über ein Lehrbataillon.
Offizierschule des Heeres (Hannover) Grundlage für die Zusammenführung der drei Heeresoffizierschulen war die Gründung der Hochschulen der Bundeswehr in Hamburg und München 1973.Helmut R. Hammerich: Kommiss kommt von Kompromiss. Das Heer der Bundeswehr zwischen Wehrmacht und U.S. Army (1950 bis 1970). In: Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink, Rudolf J. Schlaffer (Hrsg.): Das Heer 1950 bis 1970. Konzeption, Organisation, Aufstellung (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 3). Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57974-6, S. 329. Im Juli 1974 wurde die Offizierausbildung in der bisherigen Heeresoffizierschule I als nunmehrige „Offizierschule des Heeres“ (OSH) in der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover zentralisiert. Bis dahin hatten die drei Schulen in den verschiedenen, nach Dauer und Ausbildungsinhalten mehrfach geänderten Lehrgängen etwa 50.000 Offizieranwärter ausgebildet.
Offizierschule des Heeres (Dresden) mini|links|Graf-Stauffenberg-Kaserne zu Dresden, Sitz der OHS ab Ende der 1990er Jahre. 1993 wurde auf politischer Ebene entschieden, die Offizierschule des Heeres nach Dresden zu verlegen. In dreijähriger Bauzeit entstand, auf Betreiben des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher, auf dem Areal der historischen Albertstadt die neue zentrale Ausbildungsstätte der Offiziere des Heeres. Am 14. September 1998 übergab der Bundesverteidigungsminister, Volker Rühe, im Rahmen eines feierlichen Appells das neue, durch das Planungsbüro Prof. Friedrich entworfene, Lehrsaalgebäude in der Dresdener Albertstadt-Kaserne ihrer Bestimmung.Siehe Chronologie: Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink, Rudolf J. Schlaffer (Hrsg.): Das Heer 1950 bis 1970. Konzeption, Organisation, Aufstellung (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland. Bd. 3). Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57974-6, S. 782. Am 16. September 2013 wurde die Liegenschaft in Graf-Stauffenberg-Kaserne umbenannt.
Organisation und Struktur
Die maßgeblichen Organisationseinheiten der Offizierschule sind die beiden Lehrgruppen, in denen die Lehre durchgeführt wird. Sie werden von weiteren Organisationseinheiten (Stab, Fachmedienzentrum etc.) in der Wahrnehmung des Lehrauftrages unterstützt. An die Offizierschule ist das Taktikzentrum des Heeres (TZH) angegliedert.
Jede Lehrgruppe setzt sich aus fünf sog. Inspektionen zusammen, die wiederum in je fünf Hörsälen in der Lehrgruppe A und sechs Hörsälen in der Lehrgruppe B von ca. 20 Personen Stärke verschiedene Lehrgänge durchführen.
Die Hörsäle werden von Stabsoffizieren (Dienstgrad: Major oder Oberstleutnant) geführt, die zentraler Ansprechpartner für die Lehrgangsteilnehmer sowie Lehroffiziere für Taktik und Logistik sind. In der Lehre werden die Hörsaalleiter von zahlreichen Fachlehrern (z. B. für Geschichte, Recht, Sport etc.) unterstützt.
Die Inspektionen werden von einem Oberstleutnant (i. d. R. gewesener Bataillonskommandeur) geführt, der zudem für die Politische Bildung der Lehrgangsteilnehmer verantwortlich ist. Der Inspektionschef wird vom Hörsaaloffizier und Inspektionsfeldwebel in der Führung der Inspektion unterstützt.
Dem Hörsaaloffizier (Dienstgrad: Leutnant/Oberleutnant/Hauptmann) kommt vor allem in Schwerpunktlehrgängen für Offizieranwärter des Truppendienstes eine herausragende Rolle zu. Er unterstützt das Inspektionspersonal in allen Belangen und ist dadurch die gute Seele der Inspektion. Der Hörsaaloffizier ist den Lehrgangsteilnehmern (Durchschnittsalter 20 Jahre) sowohl in seiner dienstlichen als auch seiner Lebenserfahrung wesentlich näher als das übrige Lehrpersonal. Als junger Offizier, Kamerad und Mensch ist er ihnen Beispiel und Ansprechpartner zugleich. Er schließt damit die Lücke im Ereignis- und Erfahrungshorizont, die aufgrund der hohen Dienstgradstruktur zwischen den Offizieranwärtern (Dienstgrad: Obergefreiter/Hauptgefreiter bis Oberfähnrich) und dem übrigen Lehrpersonal klafft.
Lehrgänge und Ausbildung mini|Offizierbrief der Offizierschule des Heeres eines Absolventen des OL1
An der Offizierschule des Heeres finden regelmäßig Laufbahn-, Verwendungs- und Fortbildungslehrgänge statt.
Die Laufbahnlehrgänge umfassen den Offizierlehrgang Teil 1 (OL1) für Offizieranwärter des Truppendienstes sowie den Offizierlehrgang für Offizieranwärter des militärfachlichen Dienstes. Lehrgangsziel ist es, dem Offizieranwärter das Führungswissen für die allgemeine Qualifikation zum Offizier des Heeres zu vermitteln. Dazu werden die Lehrgangsteilnehmer in den Fächern Taktik, Politische Bildung, Wehrrecht und Militärgeschichte ausgebildet. Beide Laufbahnlehrgänge enden mit der Offizierprüfung, die Teilvoraussetzung für die Beförderung zum Leutnant ist. Mit bestandener Offizierprüfung wird der (rein symbolische) Offizierbrief der Offizierschule des Heeres überreicht. Ebenfalls wird der Lehrgangsbeste mit dem Scharnhorstpreis ausgezeichnet. Weiter wird der Laufbahnlehrgang Menschenführung im Einsatz für Reserveoffizieranwärter durchgeführt, im Zuge dessen sich der Reserveoffizieranwärter mit den Grundlagen der Menschenführung im Einsatz auseinandersetzen und befähigt werden soll, als Offizier im Einsatz dienstgradgerecht auf seine Untergebenen einwirken zu können.
Die Verwendungslehrgänge bilden ein breites Spektrum an Adressaten ab. Der Offizierlehrgang Teil 2 (OL2) zielt auf die Befähigung der jungen Offiziere (für Lehrgangsteilnehmer nach dem Studium) und Offizieranwärter (für Lehrgangsteilnehmer ohne Studium) des Truppendienstes zur Wahrnehmung von Führungsaufgaben im gesamten Aufgabenspektrum von Landstreitkräften und im multinationalen Umfeld. Weiter werden Stabsoffiziere, die in Heeresschulen als Taktik- und Logistiklehrer eingesetzt werden sollen, im entsprechenden Lehrgang ausgebildet. Gleiches gilt für zivile Rechtslehrer sowie Sprachdienstpersonal. Zusätzlich findet der Militärische Auswahllehrgang (MAL) statt, der als reiner Prüfungslehrgang qualifizierte Unteroffiziere für die Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes auswählen soll.
Ziel der Fortbildungslehrgänge ist es, den Kenntnisstand der Berufsoffiziere in berufs- und besonders heeresspezifischen Bereichen anzuheben und zu erweitern sowie das berufliche Selbstverständnis und die Führerpersönlichkeit zu stärken. Dazu werden der Fortbildungslehrgang für Offiziere des Militärfachlichen Dienstes, der Fortbildungslehrgang für Sanitätsoffiziere sowie der Führungslehrgang 1A (u. a. Voraussetzung für die Teilnahme am Stabsoffizierlehrgang) durchgeführt.
Kommandeure Nr.DienstgradNameBildLebensdatenStandortBeginn der AmtszeitEnde der AmtszeitWeitere bedeutende Verwendungen1Brigadegeneral Rolf-Helmut Schröder1905–2003Hannover 19721974zuletzt Stellvertreter des Kommandierenden Generals des III. Korps in Koblenz.2Brigadegeneral Wilhelm Wörmann1905–1988Hannover 1. Januar 195920. Juni 1961zuletzt Direktor Ausbildung, Lehre und Forschung an der FüAkBw3BrigadegeneralKarl-Eberhard Grumer1913–1993Hannover 21. Juni 196130. September 1963zuletzt Stellvertreter des Kommandierenden Generals des II. Korps4BrigadegeneralGerd Röhrs1912–1998Hannover 1. Oktober 196330. September 1967zuletzt Stellvertreter des Kommandierenden Generals des I. Korps5BrigadegeneralHannsjörn Boës1914–2021Hannover 1. Oktober 196731. März 1971zuletzt Kommandierender General des I. Korps6GeneralmajorErnst Lissinna1921–1977Hannover 1988 1991zuletzt Divisionskommandeur der 1. Panzerdivision7BrigadegeneralGünther Freiherr von Steinaecker 1922–1994Hannover 1. Oktober 197331. Dezember 1974zuletzt stellvertretender Kommandierender General des I. Deutsch-Niederländischen Corps8GeneralmajorFriedrich Freiherr von Senden1922–2020Hannover / Dresden1. Januar 197530. September 1977zuletzt stellvertretender Befehlshaber des Heeresführungskommandos9BrigadegeneralFritz von Korff* 1931Dresden1. Oktober 197731. März 1979zuvor Kommandeur der multinationalen Brigade Süd der KFOR10BrigadegeneralMarkus Bentler 1931–2020Dresden1. April 197931. März 1983zuletzt Deutscher Militärischer Vertreter beim NATO-Militärausschuss11BrigadegeneralNorbert Stier* 1937Dresden1. April 198330. September 1984zuletzt Vizepräsident für militärische Angelegenheiten des Bundesnachrichtendienstes12BrigadegeneralFranz Xaver Pfrengle* 1935Dresden1. Oktober 198430. September 1986zuletzt Assistant Chief of Staff J7 bei SHAPE13BrigadegeneralJürgen Weigt95px* 1938Dresden1. Oktober 198631. Dezember 1988zuletzt stellvertretender Inspekteur der Streitkräftebasis14BrigadegeneralChristian Westphal * 1936Dresden1. Januar 198913. Februar 199115BrigadegeneralHarald Gante* 1941Dresden14. Februar 199115. März 1994derzeit Kommandeur Feldheer16BrigadegeneralMartin Hein * 1942Dresden16. März 199411. März 1999zuletzt Leiter des Deutschen Verbindungskommandos im Zentralkommando der US-Streitkräfte17BrigadegeneralOlaf Rohde95px* 1966Dresden28. August 202029. August 2024danach Kommandeur des Ausbildungskommandos18BrigadegeneralStephan Willer95px*1970Dresden29. August 202423. April 2026danach stellvertretender Abteilungsleiter Politik im Bundesministerium der Verteidigung19BrigadegeneralRalf Peter Hammerstein*1973Dresdenseit 23. April 2026
Wappen und Verbandsabzeichen 150px|mini|Das Wappen (internes Verbandsabzeichen) der OSH