SBB Cargo ist eine Marke der Schweizerischen Bundesbahnen für den Güterverkehr.
SBB Cargo AG
mini|Zug der SBB Cargo Schweizerische Bundesbahnen SBB Cargo AG ist ein im Schienengüterverkehr eigenständig tätiges Tochterunternehmen der Schweizerischen Bundesbahnen. 1999 wurden die SBB als ehemaliger Regiebetrieb des Bundes als Folge der ersten Bahnreform in der Schweiz in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft umgewandelt und in die drei unabhängigen Divisionen Personenverkehr, Güterverkehr und Infrastruktur aufgeteilt. Der Hauptsitz der Schweizerische Bundesbahnen SBB Cargo AG, wie das Unternehmen juristisch heisst, ist Olten.
Planzer Holding, Camion-Transport, Galliker Holding und Bertschi hatten sich im Jahr 2020 über die Swiss Combi AG mit 35 Prozent an der SBB Cargo AG beteiligt. Somit verblieb mit 65 Prozent die Mehrheit der Anteile bei den SBB. 2023 kauften die SBB die Anteile zurück, so dass SBB Cargo wieder eine 100%ige Tochter ist.
Allgemeines
Im Jahr 2018 beschäftigte SBB Cargo 3084 Mitarbeiter und erzielte einen konsolidierten Umsatz von 988 Millionen Schweizer Franken. SBB Cargo ist in der Schweiz Marktführerin im Schienengüterverkehr und befördert jeden Tag 185.000 Tonnen an Gütern. Das entspricht dem Gewicht von 425 voll beladenen Jumbojets oder 7.000 Lkw.
Das Unternehmen wurde im Zeitraum 2008 bis 2020 von Nicolas Perrin geleitet. Im Februar 2020 wurde er von Désirée Baer als CEO abgelöst und wechselte anschliessend in den Verwaltungsrat. SBB Cargo hat von ihrem Eigner – der Schweizerischen Eidgenossenschaft – den Auftrag, einen Beitrag zur Erreichung des Ziels der Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene zu leisten. Im Geschäftsfeld „Cargo Schweiz“ soll sie als Systemführerin ein eigenwirtschaftliches Wagenladungsverkehrsnetz im Binnen- und Import-/Exportverkehr betreiben, welches auf den Bedarf der verladenden Wirtschaft in der Schweiz ausgerichtet ist. Das Geschäftsfeld „Cargo International“ soll sich auf die Rolle als Traktionär von Kombi- und Ganzzug-Verkehren auf dem Nord-Süd-Korridor fokussieren und marktfähige und profitable Leistungen anbieten.
SBB Cargo ist aktives Mitglied der Allianz Xrail, die im Februar 2010 von sieben europäischen Güterbahnen gegründet wurde und das Ziel verfolgt, den internationalen Wagenladungsverkehr auf der Schiene kundenfreundlicher und effizienter zu erbringen.
Strategische Ausrichtung Die Schweizer Politik befasste sich bis 2020 intensiv mit dem Güterverkehr auf der Schiene. Dazu hat die Regierung im Jahr 2011 vom Parlament in einer Motion den Auftrag erhalten, eine Gesamtkonzeption zur Zukunft des Schienengüterverkehrs in der Fläche vorzulegen. Dies ist durch den Bundesrat Mitte April 2013 geschehen.
Gleichzeitig verfolgt SBB Cargo eine Dreisäulen-Strategie: 1. Die Tochtergesellschaft SBB Cargo International, Anfang 2011 gemeinsam mit dem Speditionsunternehmen Hupac gegründet, fährt im Transit Shuttlezüge auf der Nord-Süd-Achse. 2. Im Wagenladungsverkehr setzt man auf die Senkung der Strukturkosten und auf die Verschlankung des Bedienpunktenetzes. 3. Das zukünftige Angebot von SBB Cargo im Kombinierten Verkehr (KV) sieht Linienzüge vor, welche die wichtigsten Zentren in der Schweiz verbinden.
Zur Stärkung der Partnerschaft im Wagenladungs- und Kombinierten Verkehr hat sich am 21. April 2020 nach Genehmigung durch die Wettbewerbskommission die Swiss Combi AG an SBB Cargo mit 35 % beteiligt. Erstere ist ein Zusammenschluss der Logistikdienstleister Planzer Holding AG (40 %), Camion Transport AG (40 %), Bertschi AG (10 %) und Galliker Holding AG (10 %). Bereits 2023 war SBB Cargo wieder eine 100-prozentige SBB-Tochtergesellschaft. Die Minderheitsaktionärin Swiss Combi AG verkaufte ihren Aktienanteil an die SBB. Während den drei Jahren, in denen Swiss Combi im Besitz von SBB-Aktien waren, gelang es nicht, mit den Einzelladungsverkehr Geld zu verdienen. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft soll die Zusammenarbeit aber eng bleiben.Walter von Andrian: Nach nur drei Jahren: SBB Cargo wieder ohne private Beteiligung. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2023. Minirex, , S. 308.
SBB Cargo Schweiz
In der Schweiz konnte SBB Cargo 2013 die Verkehrsleistung mit 5,2 Milliarden Nettotonnenkilometern leicht gegenüber dem Vorjahr (5,0 Milliarden) steigern. Mit der Neuausrichtung von Produktionsnetzen, Flotte und Verwaltung verbesserte sich die Kostenstruktur markant. Auch konnte SBB Cargo neue Kunden gewinnen, obwohl die Anzahl Bedienpunkte reduziert worden ist. Im Kombinierten Verkehr wurden zwei neue Linien eröffnet und die Vorarbeiten für eine weitere Verbindung aufgenommen.
Um den Wagenladungsverkehr in der Schweiz rentabel und nachhaltig zu betreiben, wurden in den letzten Jahren Lösungen für die Sanierung schlecht ausgelasteter Bedienpunkte erarbeitet. Insgesamt hat SBB Cargo die Sanierung von 155 sehr schlecht ausgelasteten Bedienpunkten geprüft. Im Durchschnitt wurde an diesen Punkten weniger als ein Wagen pro Tag befördert. 128 der sehr schlecht ausgelasteten Punkte werden seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2012 nicht mehr bedient. SBB Cargo und die anderen Bahnen in der Schweiz fuhren im Jahr 2013 noch über 300 Bedienpunkte im Wagenladungsverkehr regelmässig an. (PDF; 3 MB) Trotzdem bleiben aber über 98 Prozent des bisherigen Transportvolumens weiterhin auf der Schiene.
Die wichtigste Transitachse ist die Gotthardroute. Die zweite alpenquerende Achse durch den Lötschberg- und den Simplontunnel wird vor allem von der Mitbewerberin BLS Cargo benutzt. Dennoch wird auch sie von SBB-Cargo-Zügen befahren. Mit der geplanten Inbetriebnahme des neuen Gotthard-Basistunnels im Dezember 2016 wird sich der Schienengüterverkehr in der Schweiz massiv verändern. Denn drei Viertel des Verkehrs in dem 57 Kilometer langen Bauwerk machen künftig Güterzüge aus.
Weil die Lokomotiven nicht mehr die Steigungen bis in 1100 Meter Höhe zum Beginn des derzeitigen Gotthard-Scheiteltunnels erklettern müssen, können die Güterzüge je nach Last bis zu 750 Meter lang werden. Zum anderen ist die Tunnelröhre hoch genug, dass die vier Meter hohen Aufleger von Sattelschleppern per Zug in 35 bis 40 Minuten quer durch die Alpen reisen können. Auf der rund 270 Kilometer langen Gotthardachse zwischen Basel und der italienischen Grenze realisieren die SBB im Auftrag des Bundes bis 2020 einen 4-Meter-Korridor.SBB:
In der Schweiz wird der Güterverkehr über die drei grossen Rangierbahnhöfe (Verschiebebahnhöfe) Basel-Muttenz, Zürich-Limmattal und Lausanne-Triage abgewickelt. Betrieben werden die Rangierbahnhöfe bisher von SBB Infrastruktur. Ab Januar 2015 übernimmt SBB Cargo im Auftrag von SBB Infrastruktur die Planung und Produktion in den Binnen-Rangierbahnhöfen Limmattal und Lausanne. Damit erbringt SBB Cargo neu den ganzen Produktionsprozess im Güterverkehr – vom Abholen der Güterwagen beim Kunden über das Rangieren im Rangierbahnhof bis zu deren Zustellung bei den Empfängern. SBB Infrastruktur ist aber nach wie vor für die Rangierbahnhöfe verantwortlich, bleibt Ansprechpartnerin der Eisenbahnverkehrsunternehmungen und stellt weiterhin die Verkehrssteuerung sicher. Damit bleibt die Diskriminierungsfreiheit gewährleistet.
Streik 2008 Die geplante Streichung von 401 Stellen im Industriewerk von SBB Cargo in Bellinzona führte zu heftigen Protesten. Unter anderem sollten 114 der 142 Stellen beim Unterhaltsdienst für die Cargo-Loks in Bellinzona verschwinden, die übrigen 28 Stellen nach Yverdon und Chiasso verlegt werden. Daraufhin gingen die 430 SBB-Angestellten in Bellinzona in den Streik.SBB Cargo überprüft Bellinzona-Entscheid: Swissinfo, 26. März 2008.Streik in Bellinzona – SBB Cargo. Basisgruppe Bahn zum Streik bei SBB Cargo Nach dessen Ende wurde an einem Runden Tisch über die Zukunft des Werks verhandelt. Im Juni 2009 übergab SBB Cargo das Industriewerk Bellinzona offiziell an SBB Personenverkehr Operations (P-OP). Im Juni 2010 erhielt das Werk die Zertifizierung der Vereinigung der Privatgüterwagen-Interessenten (VPI) für die Instandhaltung von Güterwagen. Bedeutsam ist die Freigabe für die Radsatzinstandhaltung inklusive Neubeschreibung, die nur von wenigen Werkstätten angeboten wird.VPI-Zertifizierung für das Industriewerk Bellinzona, SBB Medienmitteilung vom 1. Juni 2010. Im Juni 2013 wurde bekannt, dass die SBB in Bellinzona die Aus- und Weiterbildung für die Südschweiz zentralisieren wollen. Auch der Unterhalt der Instandhaltungsflotte des neuen Gotthard-Basistunnels soll an diesem Standort stattfinden, ebenso die Wartung eines Teils der Triebwagen im Regionalverkehr Süd.
SBB Cargo International
Die SBB Cargo International AG wurde 2010 gegründet mit Unternehmenssitz in Olten. Das Aktienkapital wird von der SBB AG (75 %) und der Hupac AG (25 %) gehalten. Als Spezialist für das Fahren von Ganzzügen und Zügen des Kombinierten Verkehrs (KV) fokussiert sich das Unternehmen auf die europäische Nord-Süd-Achse zwischen Deutschland und Italien (Neue Eisenbahn-Alpentransversale). Kunden der Gesellschaft sind primär Operateure des Kombinierten Verkehrs. Zur Unternehmensstrategie zählen die Erhöhung der Produktivität von Lokomotiven und Lokführern, ein vertaktetes System mit hohen Lokumläufen und geringen Standzeiten sowie die Konzentration auf aufkommensstarke Relationen.
SBB Cargo International hat Anfang 2011 den operativen Betrieb aufgenommen. Aus der bestehenden Flotte von SBB Cargo wurden anfangs rund 100 Streckenlokomotiven angemietet; rund die Hälfte davon waren moderne Mehrsystemloks für den grenzüberschreitenden Einsatz. SBB Cargo International miete im Frühjahr 2014 14 Lokomotiven der Baureihe 189 bei der Leasinggesellschaft MRCE für einen länderübergreifenden EinsatzSBB Cargo International News vom 4. Juli 2014. zur Erweiterung des Portfolios und des Geschäftsfeldes.
Mitte 2011 erhielt das Unternehmen vom Bundesamt für Verkehr (BAV) die Netzzugangsbewilligung und Sicherheitsbescheinigung für die Schweiz und ist damit ein eigenständiges Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU). Es kann in Deutschland, in Italien und in der Schweiz eigenverantwortlich Transportleistungen erbringen. Die Verkehre werden von der Leitstelle der SBB Cargo International in Olten gesteuert.
SBB Cargo International mietete 2014 bei European Locomotive Leasing zwei Siemens-Vectron-Lokomotiven mit ETCS Level 2 und begann am 1. September 2014 deren planmässigen Einsatz. Die Lokomotiven mit Zulassung für Deutschland und Österreich werden in Deutschland auf den Shuttlezugverbindungen aus den Nordseehäfen Bremerhaven und Hamburg in den Wirtschaftsraum Nordbayern eingesetzt. Die bis dato eingesetzten Lokomotiven der Baureihe Re 482 (Bombardier Traxx) verstärkten die Strecken zwischen der Schweiz und Deutschland.SBB Cargo International News vom 1. September 2014.
SBB Cargo Deutschland mini|SBB Cargo Re 482 in Brake (Unterweser) Die SBB Cargo Deutschland GmbH, die in Duisburg ihren Firmensitz hat und von Marcel Theis geführt wird, wurde 2002 gegründet. Sie ist die deutsche Produktionsgesellschaft von SBB Cargo International und deren 100-prozentige Tochter. Als eingetragenes Eisenbahnverkehrsunternehmen für Güterverkehrsleistungen plant, disponiert und fährt sie Ganzzüge in Deutschland von und nach Duisburg, Rheinhausen, Siegen, Köln, Aachen, Ludwigshafen/Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart, Freiburg im Breisgau, Singen, Lübeck, Bremerhaven/Bremen, Hamburg, Kehl, Gelsenkirchen, Ingolstadt, Neuss, Gießen/Mainzlar und Weil am Rhein.
SBB Cargo Italia