mini|Video mit zwei Skifahrern hintereinander mit unterschiedlichen Fahr- bzw. Schwungstilen. Der erste (links, klein im Bild) reiht kurze Parallelschwünge aneinander (Wedeln), während der folgende eine nur mit Carving-Ski mögliche Technik mit kurzen auf der Kante gefahrenen Schwüngen zeigt, bis hin zu sehr kurzen gecarvten Schwüngen ab etwa 0:20. Der Schwung ist das grundlegende Bewegungsmuster beim Skifahren und Snowboarden, begrenzt auch beim Skilanglauf, und bezeichnet den Bogenwechsel, den der Schneesportler mit seinem Sportgerät fährt.
Die Fahrt quer oder schräg zum Hang nennt man Schrägfahrt. Die Schrägfahrt ist im Prinzip ein Bogen zum Hang mit sehr großem Radius. Der Bergski ist aus dieser Sicht der Innenski dieses langgezogenen Bogens. Die Fahrt in der Falllinie zum Tal nennt man Schussfahrt. Diese ist bogenneutral. Aus der Schrägfahrt oder aus der Schussfahrt zum Hang hin abzubiegen ist daher kein Bogenwechsel, also kein Schwung, sondern bloß ein Haltbogen. Erst der Bogenwechsel von einer Schrägfahrt (d. h. von einem Bogen zum Hang hin) in die Falllinie und darüber hinaus in die entgegen gerichtete Schrägfahrt ist ein Schwung.
Den eigentlichen Schwung des Skifahrens nennt man daher den Talschwung (Richtungswechsel in die Falllinie des Hangs und darüber hinaus), der Bergschwung ist bloß das Abschwingen in den Stand (gegen den Hang zum Stehenbleiben). Auf flachem Gelände spricht man allgemein vom Abschwingen für den Halt beim Skifahren.
Grundlagen Der Richtungswechsel beim Skifahren ermöglicht sowohl Geschwindigkeitskontrolle als auch Steuerung der Fahrt. Die Geschwindigkeit des Skifahrers wird unter anderem durch die Hangneigung bestimmt. Ein alpiner Schneesportler bewegt sich entsprechend der Hangabtriebskraft in Richtung Tal. Der Einfluss dieser einwirkenden Kraft kann vom Skifahrer beeinflusst werden, indem er seine Fahrt aus der Falllinie steuert. Die Fahrt in der Falllinie nennt man Schussfahrt. Hier wird auf der Fläche der Skier und nicht auf den Kanten gefahren. Jede Fahrt auf den Kanten ist, wegen der Taillierung der Skier, ein Bogen. So ist die Fahrt quer oder schräg zur Falllinie, die Schrägfahrt, im Prinzip ein Bogen zum Hang hin mit sehr großem Radius. Die Fahrt in der Falllinie, die Schussfahrt ist dagegen bogenneutral. Der Richtungswechsel aus der Falllinie heraus zu einer Fahrt quer oder schräg zur Falllinie ist noch kein Schwung. Der Schwung entsteht erst mit dem Bogenwechsel. Für den Schwung muss der Sportler das Sportgerät aus der Schrägfahrt zunächst in die Falllinie hinein- und dann wieder aus der Falllinie herausbringen. Für die Einteilung der Schwünge ist es wichtig zu beachten, dass die Schrägfahrt im Prinzip ein Bogen und dass der Bergski der Innenski dieses Bogens ist.
Das Ziel der Fortbewegung auf Skiern und Snowboards ist das Bewältigen von Situationen.DVS – Deutscher Verband für das Skilehrwesen (Hrsg.): Skilehrplan praxis. München 2006. S. 9 ff. Schnee, Gelände, die gewählte Spur und die Geschwindigkeit sind nur einige Faktoren, auf die der Skifahrer bei seiner Fahrt reagiert.
Schwungtechniken im Skilauf Beim Skifahren gibt es folgende grundlegende Schwungtechniken:
Telemarkschwung Der Telemarkbogen, der eigentlich kein Schwung, sondern bloß ein Bogen aus der Falllinie ist, war die historisch erste Technik. Dieser Bogen wurde von den Norwegern in zwei Formen gefahren. Beiden Formen ist gemeinsam, dass der bogenäußere Ski als Stemmski vorangestellt wird, während der bogeninnere Ski gerade läuft und nachgestellt wird. Das Knie des bogeninneren Beines wird dabei stark gebeugt. Beim nordischen Vorlage-Telemark ist der vorangestellte Stemmski belastet, während beim nordischen Kauer-Telemark der nachgestellte Innenski der belastete Fahrski ist. Heute werden auch Telemarkbögen zum Telemarkschwung aneinandergereiht, wobei bei diesem Telemarkschwung beide Formen des Telemarks miteinander kombiniert werden. Das Fahren des Telemarks wird durch fersenoffene Bindungen erleichtert, also dem Telemarken, beim Skilanglauf und beim Haltebogen nach der Telemarklandung beim Skispringen.
Schlangenschwung Der Schlangenschwung war der erste alpine Ski-Schwung. Mathias Zdarsky aus Niederösterreich hat ihn in den 1890er Jahren entwickelt, nachdem er eine seitenstabile Skibindung konstruiert hatte.
Dem Schlangenschwung liegen drei zentrale Entdeckungen Zdarskys zu Grunde, die der norwegischen Technik widersprachen: Erstens, dass beim Einleiten des Schwunges (des Bogenwechsels) der belastete Fahrski mit Vorlage flach gestellt werden muss, damit er von der Schwerkraft vorne ins Tal gezogen werden kann. Zweitens, dass man, um dieses Flachstellen zu erreichen, sich von der Kante des Fahrskis abdrücken muss, um den Oberkörper nach vorne – mutig – auf die andere Seite der Skier (talwärts) kippen zu können, was auch das Flachstellen bewirkt. Drittens, dass im ungespurten Schnee der unbelastet nachgestellte Stemmski die Funktion hat, den Fahrski noch mehr in die Kurve zu drücken. Wird nämlich der unbelastete Talski nachgestellt ausgestemmt, dann wird der Fahrski (der Bergski), der aufgrund seiner Taillierung ohnehin einen Bogen bergwärts fährt, noch mehr bergwärts gedrängt, was den Bogenradius verkleinert. Dieses Fahren mit belastetem Bergski in Stemmstellung (mit unbelastet nachgestelltem Talski) nannte Mathias Zdarsky das Stemmfahren. Das Fahren mit parallelen Skiern und belastetem nachgestellten Talski bezeichnete er dagegen als Schrägfahren.
Stemmt man nun im Schrägfahren den unbelasteten Bergski bergwärts nach hinten aus und stellt den Fahrski (den Talski) mit Körpervorlage flach, dann wird der belastete Talski von der Schwerkraft vorne talwärts gezogen und vom bergwärts ausgestemmten Bergski noch stärker in den Bogen hineingedrängt. Der Talski driftet dadurch auf der Kante der großen Zehe talwärts über die Falllinie und wird dann in einer neuen Stemmstellung zum belasteten Innenski (Bergski) des neuen Bogens. Dieser Bogenwechsel findet sich später auch im Reuel-Schwung (mit Wälzen des Körpers) und im Royal-Schwung (Königsschwung), der, wie der Bogenwechsel bei Zdarsky, mit Verwinden im Hüftgelenk des Fahrbeines gefahren wurde.
Mathias Zdarsky nannte seinen Schlangenschwung einen . Es kommen also bei Zdarsky bereits zwei Arten des Bogenwechsels vor: einerseits der vom Bergski weg und andererseits der vom Talski weg. Wenn man – auf einer präparierten Piste, auf nur einem Ski fahrend – einen Bogen an den anderen reiht und dabei beim Wechsel vom Bogen auf der Kante der kleinen Zehe in einen Bogen auf der Kante der großen Zehe desselben Skis das freie Bein vorschwingt, beim darauffolgenden Wechsel vom Bogen auf der großen Zehe in einen Bogen auf der kleinen Zehe das freie vorne liegende Bein wieder zurückschwingt, dann kann man die beiden für den Schlangenschwung wesentlichen Kantenwechsel gut erkennen.
Der Kraftwechsel im Fuß verlangt vom Skiläufer mehr Mut, um die nötige Vorlage talwärts zu realisieren: Während man beim Telemark seitwärts auf die Außenschulter fällt, riskiert man in der Vorlage den Sturz nach vorne aufs Gesicht (den „Pappenstern“). Dies veranlasste Mathias Zdarsky, in seinem methodischen Lehrweg des Halbkreisschwunges (des Bogenwechsels von einer horizontalen Schrägfahrt in die gegengerichtete ebenfalls horizontale Schrägfahrt) das Problem zu vereinfachen: In der Schrägfahrt (der Talski ist nachgestellter Fahrski) wird vorerst auf den Bergski umgestiegen und Stemmstellung eingenommen. Dann wird in der Stemmstellung das Bergbein gestreckt und der Körper neigt sich mit Vorlage talwärts, wodurch die Skier flachgestellt und die Spitzen zusammengeführt werden. Beide flachgestellten Skier driften nun in Winkelstellung talwärts in die Zwangsgrätschstellung, bei welcher der Körper frontal zum Tal schaut. Der Bergski hat in dieser Stellung im Driften talwärts bereits die Falllinie überquert und zeigt nun als neuer Außenski bereits in die neue Fahrrichtung. Der andere Ski (der ehemalige Talski) hat aber die Falllinie noch nicht überquert und steht noch in der alten Fahrrichtung quer zur Falllinie. Es wird daher nun auf den noch quer zur Falllinie stehenden und flachgestellten Ski umgestiegen und der bogenäußere nun unbelastete Ski ausgestemmt. Der Stemmstellungswechsel ist damit vollendet. Nun driftet der bogeninnere Ski vorne talwärts über die Falllinie. Der Skiläufer hat dadurch bereits jene Stemmstellung erreicht, von der heraus er vom belasteten Bergski weg den neuen Halbkreisschwung anschließen könnte. Will er dies nicht, dann lässt er die Skier zusammenlaufen und steigt zum Schrägfahren auf den Talski um. Auf diese Weise entsteht, durch ständigen Stemmstellungswechsel während der Fahrt, der Schlangenschwung. Dieses Fahren in Vorlage war bis in die späteren 1970er die grundlegende Basis aller Schwungtechniken, dann wurde der Drehpunkt zunehmend auf den Hinterfuß verlagert, was nur mit Kunststoff-Schalenskischuhen möglich ist (bis dahin benutzte man den viel weicheren Lederskischuh), und auch die moderne Sicherheitsbindung voraussetzt.
Heute hat die Stemmstellung ihre den Bogen unterstützende Funktion verloren. Es wird daher der Schlangenschwung nur mehr als Showeffekt realisiert. Er sieht dann, in der Hocke realisiert, wie ein rhythmischer Kosakentanz aus und hat verschiedene neue Namen bekommen, z. B. Klammerschwung. Die Zdarsky-Technik kann man auch mit paralleler Skiführung (ohne Ausstemmen) und heutigen Carvingskiern realisieren: Steigt man dabei schon vor der Falllinie auf den neuen Innenski um und kantet nach kurzem Driften schon vor der Falllinie um, dann gelangt man in ein vertikales Carven vorerst in großem Bogen von der Falllinie weg. Driftet man dagegen am vorwiegend oder voll belasteten Innenski bis zur Falllinie, nimmt dann in dieser (in einer Schussfahrt) Fahrt auf und kantet erst dann um, dann kommt es zum horizontalen Carven, das (je nach Fahrgeschwindigkeit, Taillierung der Skier, Innenlage des Körpers und Erzeugen eines Reibungsfaktors durch bogenzentrales Greifen in den Schnee) zu einer Bogenfahrt bergwärts, bis zu einem vollen Kreis von 360 Grad, ausgebaut werden kann.
Pflugschwung Der Pflug ist eine einfache Technik, in der die Skier permanent V-förmig gehalten werden („Schneepflug“-Fahren; neuerdings für Kinder auch „Pizzaschnitte“ oder „Pizzastück“ genannt). Durch Lastwechsel von Tal- auf Bergski greifen dessen Kanten, der Skifahrer macht eine Kurve, der belastete Bergski wird zum Außenski und dann zum Talski.
Als Pflugschwung kann man das schnelle Aneinanderreihen von Pflugbögen bezeichnen. Man nennt dies auch Pflugwedeln, das zum Winkelspringen mit Hochentlastung ausgebaut werden kann. Das Pflugfahren führt zu ungünstigen Belastungen der Gelenke und ist lediglich bei geringen Geschwindigkeiten in flachem Gelände anwendbar. Heute ist der Pflug nur für Grundkurse in Verwendung, um das Spiel von Be- und Entlastung des Außen- und Innenskis kennenzulernen. Außerdem gewinnt der Skischüler über Verändern des Pflugwinkels ein Gefühl für den Zusammenhang von Kanteneinsatz und Geschwindigkeit sowie für die Rhythmik des Skifahrens.
Stemmschwung (Stemmbogen, Kristianiaschwung) Der Stemmbogen ist ein Bogen, in dem der nachgestellte Stemmski belastet ist, das heißt, dass der Bogen in Stemmlage am Außenski gefahren wird. Der Stemmski ist hier auch der Fahrski. Dieser Stemmbogen ist daher zu unterscheiden vom obengenannten Stemmfahren von Mathias Zdarsky, bei dem im Bogen der nachgestellte Stemmski in Stemmstellung unbelastet und der vorgestellte Innenski, im Schrägfahren der Bergski, der belastete Fahrski ist.