mini|hochkant|Conrad Gröber (1933) Conrad Gröber (* 1. April 1872 in Meßkirch; † 14. Februar 1948 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Geistlicher. Er war römisch-katholischer Bischof von Meißen (1931–1932) und später Erzbischof von Freiburg (1932–1948).
Leben Jugend und Ausbildung Gröber war Sohn des Schreinermeisters Alois Gröber und dessen Ehefrau MartinaUrsula Mallkowsky: Stadt gedenkt Conrad Gröber. In: Südkurier, 9. Februar 2008. und wurde geboren in dem Haus an der Hauptstraße, das heute zur Blumenhandlung Wolpert gehört.Werner Fischer: Umstrittener Kirchenmann. In: Südkurier, 18. Juni 2011. Bereits am 7. April, so wie es damals allgemein üblich war, wurde er getauft. Er wuchs in der Zeit des Kulturkampfes auf. Später schreibt er in seinen Erinnerungen über diese Zeit, dass die römisch-katholischen Schüler von den altkatholischen Lehrern – andere Lehrer durften nicht mehr unterrichten – als „römische Siechen“ beschimpft und von älteren Schülern in den Brunnen in der Meßkircher Schlossstraße getunkt wurden.
Später besuchte er zunächst in Donaueschingen das Fürstenberg-Gymnasium, dann in Konstanz das Heinrich-Suso-Gymnasium und war dort Alumne des wieder eröffneten Konradihauses. Schon als Gymnasiast hatte er sich zur geistlichen Laufbahn entschlossen. An der Universität Freiburg studierte er seit dem Wintersemester 1891/92 Philosophie und Theologie. 1893 wurde er Student der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1898 wurde er in Rom zum Dr. theol. promoviert.
Am 15. August 1897 wurde er zum Diakon geweiht; am 28. Oktober 1897 empfing er die Priesterweihe. Nach kurzer Tätigkeit als Vikar in Ettenheim war er zwei Jahre Kaplan an der St.-Stephans-Kirche in Karlsruhe, wo er die spezifischen Probleme einer Großstadtseelsorge kennenlernte.
Lehrer und Pfarrer in Konstanz Zwischen 1899 und 1902 war er Rektor des Konstanzer Knabenkonvikts „Konradihaus“. Dort begegnete er dem Schüler Max Josef Metzger, einem 1944 von den Nationalsozialisten ermordeten Priester, und Martin Heidegger, den er eigentlich auf den philosophischen Weg brachte und zu dem er lebenslang in einem Spannungsverhältnis stand. 1905 übernahm er die Dreifaltigkeitspfarrei in Konstanz, 1922 wurde er Münsterpfarrer in Konstanz.
Gröber war insbesondere in den Konstanzer Jahren publizistisch und wissenschaftlich tätig. Unter seiner Leitung wurden die Dreifaltigkeitskirche und später das Konstanzer Münster grundlegend restauriert. Er engagierte sich nicht nur in der kirchlich gebundenen Vereinsarbeit, sondern war als Angehöriger der Zentrumspartei an den Verhandlungen zum Weimarer Schulkompromiss beteiligt und als Stadtverordneter im Konstanzer Gemeinderat tätig. Durch seine vielfältigen Initiativen, die von ihm konzipierte 800-Jahr-Feier der Heiligsprechung des Bischofs Konrad von Konstanz im Jahre 1923 und seine Mitarbeit bei der Diözesansynode 1921 wurde er überregional bekannt.
Seine innerkirchliche Karriere erfuhr ihre Fortsetzung durch seine Ernennung 1923 zum päpstlichen Geheimkämmerer und seine 1925 erfolgte Wahl in das Domkapitel von Freiburg. In der Kirchenverwaltung wurde ihm das Referat für Liturgie und Kirchenmusik übertragen, wo er 1929 mit großer Resonanz ein neues Diözesangesangbuch einführte. In dieser Zeit begann Gröber auch, als Prediger in dem neuen Medium des Rundfunks tätig zu werden. Auf dem Freiburger Katholikentag von 1929 lernte er Nuntius Eugenio Pacelli (den späteren Papst Pius XII.) kennen, für den er insbesondere bei den Verhandlungen über das Reichskonkordat maßgeblich tätig wurde.
Bischof von Meißen und Erzbischof von Freiburg mini|hochkant|Relief Conrad Gröber im Freiburger Münster mini|Wappen als Bischof von Meißen mini|Wappen als Erzbischof von Freiburg 1931 wurde Gröber von Papst Pius XI. zum Bischof von Meißen ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm am 13. Januar 1931 der Freiburger Erzbischof Carl Fritz. Am 23. Februar 1932 zelebrierte er in der Dresdner Hofkirche die Totenmesse für den letzten König von Sachsen.
Bereits 1932 erfolgte die Ernennung zum Erzbischof von Freiburg. 1932 erfolgte die Ernennung zum Ehrenbürger der Städte Konstanz und Meßkirch.
Unterstützung des Nationalsozialismus Gröber unterstützte jahrelang aktiv den Nationalsozialismus. Er wurde förderndes Mitglied der SS, machte sich öffentlich den Antisemitismus zu eigen und äußerte zu Kriegsbeginn den Wunsch, dass „der Vernichtungskampf gegen den gottlosen Kommunismus wirklich rücksichtslos geführt“ werde.
Bereits im April 1933 argumentierte er öffentlich, „dass die Katholiken den neuen Staat nicht ablehnen dürfen, sondern ihn positiv bejahen [...] müssen“. Ein späterer Bischof berichtete, Gröber habe Gegner des NS-Regimes als „Märtyrer der Dummheit“ bezeichnet. In einem Aufruf vom 8. November 1933 zur Wahl und Volksabstimmung über den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund schrieb Gröber, dass es vaterländische Pflicht sei, die Einmütigkeit mit den übrigen Volksgenossen zu beweisen. Seine Kooperationspolitik in den ersten Jahren brachte Gröber im Volksmund den Spitznamen des „braunen Conrad“ ein.
So richtete er an den im Zuge der Gleichschaltung der Länder zum Reichsstatthalter in Baden eingesetzten nationalsozialistischen Politiker Robert Wagner ein Glückwunschtelegramm folgenden Inhalts: Den Diözesanklerus wies er auf der Diözesansynode in Freiburg vom 25. bis 28. April 1933 an: .
Die Verhandlungen zum Abschluss des Reichskonkordats, bei denen selbst die Fuldaer Bischofskonferenz bis kurz vor Abschluss ferngehalten wurde, hatte Gröber – durch seinen Freund, den Vorsitzenden der Zentrumspartei Prälat Ludwig Kaas vorzeitig informiert – eifrig gefördert und sich damit von seinen Bischofskollegen isoliert.
Am 3. Juni 1933 erschien ein gemeinsames Hirtenwort der deutschen Bischöfe, dessen Entwurf die Bischöfe Gröber übertragen hatten. Dort war zu lesen, wenn der Staat nur gewisse Rechte und Forderungen der Kirche achte, so werde die Kirche dankbar und freudig das Neugewordene unterstützen.
Im August 1933 veröffentlichte die Erzdiözese Freiburg unter Gröbers Verantwortung in ihrem Amtsblatt eine Anordnung des badischen Ministeriums für Kultus und Unterricht über das Entbieten des „Deutschen Grußes“ im Religionsunterricht und sanktionierte dieses Verhalten damit offiziell, was zu erheblicher Verärgerung unter den Diözesanangehörigen führte.
Am 10. Oktober 1933 dankte Gröber auf einer katholischen Großveranstaltung in Karlsruhe ausdrücklich den „Männern der Regierung“ für ihr Erscheinen:
Der badische Innenminister Karl Pflaumer honorierte die von Gröber versprochene Kooperation und richtete am 13. November 1933 an die Polizeipräsidien den Erlass, , was indirekt auch den Schluss darauf zulässt, dass der NS-Staat sich grundsätzlich nicht an Gesetze gebunden fühlte.
Am Jahresende 1933 beklagte sich Gröber in einem Brief an den Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli über in Schutzhaft genommene regimekritische Priester, dass es leider nicht immer möglich gewesen sei, beim Klerus jene kluge Zurückhaltung und zweckdienliche Überlegung zu erreichen, die unter voller Wahrung des Grundsätzlichen die einzelnen Geistlichen vor Ungelegenheiten schützt.
Im März 1934 fordert er, dass . mini|Gröbers Ausweis als förderndes Mitglied der SS In diese Zeit fiel auch sein Entschluss, gemeinsam mit mehreren Domherren förderndes Mitglied der SS zu werden. Nachdem er 1937 der Aufforderung, ehrenvoll aus der SS auszuscheiden, nicht nachgekommen war, strich ihn Heinrich Himmler im Folgejahr aus der Mitgliederliste.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 201. Nach dem Krieg erklärte Gröber seinen Eintritt in die SS damit, dass die SS damals in Freiburg als die anständigste Organisation der Partei gegolten habe.
Am Karfreitag des Jahres 1941 hielt er eine Predigt, deren Vokabular sich stark dem antisemitischen Vokabular der NS-Machthaber annäherte:
In seinem Handbuch, das als geistige Anleitung für Priester gedacht war, schreibt er 1937 über den Antisemiten Paul de Lagarde:
Zum Nationalsozialismus heißt es bei Gröber 1937:
Distanzierungen vom Nationalsozialismus Allerdings finden sich bereits in der Frühzeit des „Dritten Reichs“ auch kritischere Äußerungen Gröbers. So befürwortete er im Gegensatz zur Mehrheit der deutschen Bischöfe einen öffentlichen Protest der katholischen Kirche gegen den Aufruf zum Judenboykott am 1. April 1933 (Gröber: ). Im Fastenhirtenbrief vom 10. Februar 1933 forderte Gröber die Diözesanen auf, nach Kräften dafür zu sorgen, dass die Lüge und die Verleumdung, die Verhetzung und der Hass, die Gewaltakte und der Mord nicht weiter den deutschen Namen schmachvoll beflecken.
Gröber war wie die gesamte katholische Kirche den Angriffen der Machthaber ausgesetzt. Neben dem Verbot anderer Parteien und der Auflösung vieler katholischer außerkirchlicher Verbände griffen die Machthaber auch auf persönliche Verunglimpfungen zurück. 1936 führte Julius Streicher einen Redefeldzug in Baden durch, auf dem er die Kirche und auch Gröber wegen eines angeblichen Liebesverhältnisses mit einer jüdischen Frau persönlich angriff und ihn mit den sogenannten Sittlichkeitsprozessen in Verbindung brachte. Die entsprechenden Gerüchte wurden auch von einem katholischen Geistlichen, dem Mitglied der NSDAP Heinrich Mohr, genährt, der sich Hoffnungen auf den Bischofsstuhl nach Entfernung von Gröber machte.
Zwar stand Gröber wie die meisten Bischöfe Zwangssterilisationen vermeintlicher „Erbkranker“ ablehnend gegenüber. Dies gründete jedoch nicht auf Sorge um die Betroffenen, sondern prüder Sexualmoral: eine zwangsweise Sterilisation wie im Entwurf für das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses sei strikt abzulehnen, „denn die sterilisierten Männer und Frauen könn[t]en sich nun ihrem Geschlechtsleben hemmungslos überlassen“. Gegen die Euthanasiemorde an Geisteskranken („Aktion T4“) protestierte er als erster der deutschen Bischöfe in schriftlicher Form, nämlich bei dem badischen Innenminister Pflaumer. Einen tatsächlich wirksamen öffentlichen Widerspruch wagte Gröber freilich nicht. Es blieb dem Münsteraner Bischof Clemens von Galen überlassen zu beweisen, dass es effektiven Widerstand gab, der einen nicht zum „Märtyrer der Dummheit“ machte.
Öffentlichkeitswirksam wurden insbesondere seine Silvesterpredigten im Freiburger Münster und seine Fastenhirtenworte. Darin geißelte er insbesondere die Kirchenfeindlichkeit des NS-Regimes, nach Schwalbach in der Silvesterpredigt 1941 auch die Euthanasie, die er als Mord bezeichnete. Auch hielt er seine schützende Hand über die von der Caritas mit der Unterstützung sogenannter Judenchristen beauftragte Widerstandskämpferin Gertrud Luckner.
Für die NS-Machthaber war er „der übelste Hetzer gegen das Dritte Reich“. Der badische Kultusminister Paul Schmitthenner bezeichnete ihn in einem Aktenvermerk vom 8. August 1940 als . Lediglich sein Amt als Erzbischof habe ihn bisher davon bewahrt, dass er noch nicht als Hochverräter im Gefängnis sitze.
Andererseits wirft man Gröber bis heute vor, er habe den bereits 1938 aus seiner Diözese vertriebenen Suffraganbischof Joannes Baptista Sproll von Rottenburg nicht ausreichend unterstützt. An den Präsidenten des Volksgerichtshofs Roland Freisler, der den zu seiner Diözese gehörigen Priester Max Josef Metzger am 14. Oktober 1943 zum Tode verurteilt hatte, schrieb er einen noch heute umstrittenen Brief: