mini|Illustration der Erstausgabe 1891 von Sydney Paget: Watson studiert die Zeitungsanzeige der Liga The Red-Headed League oder The Adventure of the Red-headed League ist eine Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle, die erstmals im August 1891 im Strand Magazine erschien und von Sidney Paget illustriert wurde. Die Geschichte wurde im Oktober 1892 in den Sammelband The Adventures of Sherlock Holmes (dt. Die Abenteuer des Sherlock Holmes) aufgenommen. Deutsche Übersetzungen wurden unter verschiedenen Titeln wie beispielsweise Der Bund der Rothaarigen oder Die Liga der Rotschöpfe veröffentlicht.Ebenso erschienen deutsche Übersetzungen unter Titeln wie Der Klub der Rothaarigen, Die Liga der Rothaarigen, Die Liga der rothaarigen Männer, Die Liga der Rotköpfe oder Der Verein der Rothaarigen. Vgl. Die Liga der Rotschöpfe. Auf: Sherlock Holmes Wiki. Abgerufen am 26. Dezember 2014.

In dieser zweiten Erzählung Doyles mit der Detektivfigur des Sherlock Holmes als Hauptperson geht es um die Aufklärung der mysteriösen Aktivitäten einer sogenannten Liga der Rotschöpfe und die Verhinderung eines geplanten Verbrechens.

Handlung mini|Illustration der Erstausgabe 1891 von Sydney Paget: Ein Türschild verkündet die Auflösung der Liga An einem Herbstnachmittag im Jahre 1890 sucht Dr. Watson, der Ich-Erzähler der Geschichte, seinen Freund, den bekannten Privatdetektiv Sherlock Holmes, in dessen Wohnung auf. Holmes hat bereits einen Gast namens Jabez Wilson mit auffällig flammend rotem Haar, der seinen Rat benötigt und sein Interesse an einem interessanten Fall geweckt hat.

Im Beisein Watsons berichtet der Besucher von dem seltsamen Geschehen, das er in den letzten acht Wochen erlebt hat. Wilson, ein Freimaurer und ehemaliger Schiffsschreiner, wie Holmes herausfand, betreibt am Saxe-Coburg Square in London eine kleine Pfandleihe unweit der City, deren Geschäfte allerdings nicht besonders gut laufen. Seinen früheren Angestellten musste er daher kündigen. Seit etwa drei Monaten beschäftigt er nur noch einen Gehilfen namens Vincent Spaulding, der bereit ist für den halben Lohn zu arbeiten, um - wie er sagt - den Beruf des Pfandleihers zu erlernen. Spaulding ist geschäftlich durchaus gewandt, verbringt allerdings viel Zeit im Keller, um dort seinem Hobby nachzugehen und Fotos zu entwickeln.

Zwei Monate vor seinem Erscheinen bei Holmes, angeblich am 27. April 1890,Dieses Erscheinungsdatum stimmt nicht mit den übrigen Zeitangaben im Text überein. Die Auflösung der Liga der Rothaarigen wird auf den 9. Oktober 1890 datiert, Wilson sucht Holmes an diesem Samstag, einem Herbstnachmittag, auf. Die Annonce müsste demgemäß Ende Juli oder Anfang August erschienen sein. In einigen Übersetzungen wird dieser Fehler Doyles korrigiert. wird Jabez Wilson von seinem Angestellten auf eine Zeitungsanzeige im Morning Chronicle aufmerksam gemacht, in der die Liga der Rotschöpfe eine freie Stelle ausschreibt. Für eine einfache Nebentätigkeit von wenigen Stunden am Tag wird eine hohe Vergütung geboten. Bewerben können sich alle Londoner mit feurig rotem Haar. Wie Spaulding zu berichten weiß, wurde die Liga von einem amerikanischen Millionär, dem rothaarigen Sonderling Ezekiah Hopkins, gegründet. Dieser habe seine Jugend in London verbracht und wolle mit seiner Stiftung bedürftigen rothaarigen Männern in seiner alten Heimat eine Wohltat erweisen.

Auf Drängen seines Angestellten und in dessen Begleitung bewirbt sich Jabez Wilson im Büro der Liga am Pope’s Court in der Fleet Street auf die Stelle. Trotz einer großen Anzahl von Mitbewerbern bietet Duncan Ross, der Londoner Leiter der Liga, nach einem kurzen Bewerbungsgespräch Wilson als einzigem die Stelle an. Er erhält den Auftrag, montags bis freitags jeweils von 10 bis 14 Uhr die Encyclopædia Britannica abzuschreiben. Während dieser Zeiten darf er seinen Arbeitsplatz auf keinen Fall verlassen; der Wochenlohn von vier Pfund wird jeden Samstag ausgezahlt.

Wilson willigt ein, da die Geschäfte in seiner Pfandleihe hauptsächlich in den Abendstunden getätigt werden und Spaulding ihn in seiner Abwesenheit vertreten kann.

Acht Wochen lang erfüllt Wilson seinen Auftrag zur Zufriedenheit seines Arbeitgebers und erhält dafür jeden Samstag von Duncan Ross vier goldene Pfundstücke. Am Morgen des 9. Oktober 1890 findet Jabez Wilson jedoch an seiner Arbeitsstätte ein Schild vor, das die Auflösung der Liga verkündet. Seine weiteren Nachforschungen bleiben erfolglos; weder die Liga noch Duncan Ross scheinen zu existieren.

Wilson fühlt sich düpiert und bittet Holmes um eine Auflösung des rätselhaften Geschehens. Dieser ist sich sicher, die mysteriöse Angelegenheit in Kürze aufklären zu können. Zuvor möchte er allerdings noch Genaueres über den Angestellten Wilsons erfahren. mini|Illustration der Erstausgabe 1891 von Sydney Paget: Holmes und Watson nehmen die Pfandleihe in Augenschein Nach einer guten Stunde des Nachdenkens schlägt Holmes seinem Freund Watson vor, noch an diesem Samstagnachmittag ein Konzert des berühmten Geigers Sarasate in der St. James Hall zu besuchen. Vor dem Konzertbesuch begeben sich beide zu der Pfandleihe am Saxe-Coburg Square, wo Holmes den Gehweg vor Wilsons Geschäft mit seinem Stock mehrmals abklopft. Außerdem wechselt er einige Worte mit dem Angestellten des Pfandleihers, ohne sich zu erkennen zu geben. Ebenso führt er Watson zur Rückseite des Gebäudes, um sich ein Bild von den Örtlichkeiten zu machen und die dahinter liegenden Teile zu ergründen. Sodann verweilt Holmes kurze Zeit an einer Straßenecke, wo er sich als Gedächtnisübung die Reihenfolge der Häuser einprägen will. Beiläufig gibt er Watson den Hinweis, dass der vermeintlich so geschickte Gehilfe des Pfandleihers ein furchtbarer Mensch sei, der vielleicht einen verwegenen Streich plane. mini|Illustration der Erstausgabe 1891 von Sydney Paget: Holmes während des Konzertbesuchs in der St. James Hall Nach dem Besuch des Konzerts erklärt Holmes, er müsse noch einige Dinge erledigen, da sich die Angelegenheit am Coburg Square noch am Abend zuspitzen werde. Er bittet Watson, sich um zehn Uhr abends in seiner Wohnung in der Baker Street mit einem geladenen Revolver einzufinden; die Situation könne gefährlich werden. Obwohl Watson die Gedankengänge seines Freundes nicht nachvollziehen kann, weiß er aus Erfahrung, dass Holmes nie unüberlegt handelt.

Als Watson abends in der Wohnung des Detektivs eintrifft, erwartet Holmes ihn zusammen mit dem Scotland-Yard-Beamten Peter Jones und Mr. Merryweather, dem Direktor der City and Suburban Bank. Holmes verkündet, dass sie noch in dieser Nacht den lang gesuchten, äußerst intelligenten Schwerverbrecher John Clay ergreifen würden. mini|Illustration der Erstausgabe 1891 von Sydney Paget: Die Täter werden erwartet Gemeinsam begeben sich die vier zu den Geschäftsräumen der City and Suburban Bank, in der zurzeit größere Mengen französischen Goldes gelagert werden, und verschanzen sich in der Stahlkammer im Keller der Bank. Nachdem sie eine Stunde im Dunkeln gewartet haben, beginnt jemand von unten den Boden aufzubrechen. Es erscheinen zwei Einbrecher, Spaulding und ein Komplize, die einen Tunnel in den Tresorraum gegraben haben. Holmes ergreift den einen Täter, der andere kann von den Polizeibeamten gefasst werden, die Jones am anderen Ende des Tunnels postiert hat. mini|Illustration der Erstausgabe 1891 von Sydney Paget: Holmes ergreift John Clay Einige Stunden später klärt Holmes in seiner Wohnung Watson über die Hintergründe des Geschehens und seine Ermittlungsarbeit auf. Er hegte von Anfang an die Vermutung, dass hinter der gesamten Geschichte der Liga der Rothaarigen nur ein Versuch steckte, den nicht sonderlich aufgeweckten Wilson täglich für einige Stunden aus dem Haus zu locken. Da es im Haus jedoch nichts gab, das einen solchen Aufwand rechtfertigen würde, musste es sich um etwas in der Nähe handeln. Die Vorliebe Spauldings, immer wieder längere Zeit im Keller zu verschwinden, lenkte Holmes’ Aufmerksamkeit auf ein Vorhaben im Keller, das einen längeren Zeitraum der Vorbereitung erforderte. Sein Verdacht fiel auf den Bau eines Tunnels. Bei der Besichtigung vor Ort konnte er sich von der Richtigkeit seiner Hypothese überzeugen, als er Spuren des Grabens an den Hosenknien Spauldings fand und feststellte, dass die City and Suburban Bank unmittelbar an die Pfandleihe angrenzt.

Die Auflösung der Liga der Rothaarigen zeigte, dass Wilsons Abwesenheit nicht mehr erforderlich, der Tunnel also vollendet war. Da eine Entdeckung drohte und der Goldbestand aus der Bank fortgeschafft werden konnte, stand der Einbruch in den Tresorraum unmittelbar bevor. Der Samstag gewährte den beiden Kriminellen zudem zwei Tage zur Flucht, so dass Holmes an diesem Abend mit dem Einbruch rechnete.

Interpretationsansatz Die Kurzgeschichte beginnt wie nahezu alle anderen Holmes-Geschichten mit einer rituellen Eröffnungsszene in Holmes’ Wohnung in der Baker Street. Nach einer kurzen Vorstellung der Figuren durch den Erzähler liefert Holmes eine Kunstprobe seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten und charakterisiert damit zugleich sich selbst. In einer Art von „Beobachtungswettstreit“ möchte Watson diesmal dem bewunderten Freund nicht nachstehen und konzentriert sich in seinen Beobachtungen auf den neuen Klienten, den beleibten Pfandleiher Jabez Wilson mit den auffällig roten Haaren, um aus dessen äußerem Erscheinungsbild weitergehende Rückschlüsse zu ziehen. Bei seiner genaueren Betrachtung des neuen Klienten kann Watson außer den flammend roten Haaren und einem Ausdruck von Verdruss aber nichts Bemerkenswertes feststellen; Wilson erscheint ihm als ganz gewöhnlicher Durchschnittsmensch, der – nach seinem Aussehen zu urteilen – vermutlich dem Kaufmannsstand angehört.

Auch Holmes will nur wahrgenommen haben, was offenkundig ist; seine Schlussfolgerungen sind jedoch wesentlich detaillierter und erstaunlicher. So bemerkt er, dass Wilson lange Zeit als Handarbeiter tätig war, ein Freimaurer ist, in China gelebt und kürzlich sehr viel geschrieben hat. Der Klient bestätigt Holmes’ Wahrnehmungen; Watson und er sind frappiert und fragen sich, wie Holmes all dies allein aus dem Äußeren ableiten konnte, ohne ein Hellseher zu sein. Holmes erläutert daraufhin seine Entdeckungen als einfache Deduktionen aus präzise beobachteten Einzelheiten, gelegentlich verbunden mit einem Rückgriff auf sein umfangreiches Spezialwissen. So deuten beispielsweise die durchgeriebene Falte und der Fleck an Wilsons rechtem Ellbogen auf seine kürzlich verrichtete Schreibarbeit.

In Kurzform demonstriert die Eröffnungsszene damit den typischen gedanklichen Ablauf der Ermittlungstätigkeit von Holmes, der sich an späterer Stelle in dieser Geschichte wiederholen wird und als Muster auch die übrigen Holmes-Erzählungen prägt. Holmes hat eine Vorliebe für das Bizarre und Absonderliche jenseits des gewöhnlichen Alltagslebens; das Außerordentliche findet er zumeist dort, wo andere nichts Außergewöhnliches feststellen können. Anschließend reduziert er das Ungewöhnliche wieder zum Normalen, das mit dem gesunden Menschenverstand erklärbar ist.Vgl. Ulrich Suerbaum: Arthur Conan Doyle: The Red-Headed League. In: Raimund Borgmeier (Hrsg.): Englische Short Stories von Thomas Hardy bis Graham Swift, S. 43–45.

In dem Einleitungsteil werden zugleich die Erzählfiguren in dem Rätselspiel intellektuell und gesellschaftlich positioniert. Sherlock Holmes überragt mit seinen Geisteskräften alle übrigen Figuren. Obwohl Dr. Watson anders als der wenig aufgeweckte Klient, der kaum etwas versteht, keinesfalls begriffsstutzig ist, ist er Holmes stets unterlegen. Auch der Leser nimmt in dem Rätsel eine bestimmte Position ein: Er wird angeregt, sich mit Holmes zu identifizieren und sich an dessen Lösungswegen zu beteiligen. Dabei wird ihm suggeriert, dass er mehr sehen oder begreifen könne als Watson.