300px|mini|Schiedsrichterassistent im Fußball beim Anzeigen der Position einer Abseitsstellung. mini|Abseits: Beim Pass steht der ballannehmende Spieler (blau, links) vor dem vorletzten gegnerischen Spieler (rot). Wird dieser Spieler (blau, links) jedoch nicht angespielt, handelt es sich um „passives“ Abseits, das nicht geahndet wird (offiziell: kein Abseits).
Die Abseitsregel (englisch Offside Rule, in der Schweiz Offside-Regel) ist eine Bestimmung in Sportarten wie Fußball, Rugby Union und Eishockey, die bestimmte Spielfeldpositionen angreifender Spieler gegenüber den Verteidigern der gegnerischen Mannschaft für regelwidrig erklärt und somit den Angriff auf das gegnerische Tor unterbindet. Da Abseitsentscheidungen des Schiedsrichters und seiner Assistenten bisweilen strittig sein können, führen sie insbesondere beim Fußball regelmäßig zu hitzigen Diskussionen unter den Anhängern der am Spiel beteiligten Mannschaften. In den oben genannten Sportarten sind Regelvarianten und die Regel an sich umstritten und von Zeit zu Zeit auch Änderungen unterworfen.
Die Abseitsregel verhindert, dass offensive Spieler hinter den defensiven Spielern oder gar in Tornähe auf lange Pässe warten, und führt so zu einem allmählichen Spielaufbau mit Laufspiel und Dribbling oder kurzen Pässen.
Fußball Entstehung Die Grundregel des Abseits entstand bereits zu den Anfängen des reglementierten Fußballs im 19. Jahrhundert in England. Damals waren noch nicht einmal die Größe der Tore oder der Spielfelder und die Anzahl der Spieler festgelegt. Die Begründung war, es sei unfair, hinter dem Rücken des Gegners ein Tor zu erzielen. Die Regel sollte auch verhindern, dass sich ein angreifender Feldspieler in der Nähe des gegnerischen Tors platziert, auf den Ball wartet und ihn dann mühelos einschießt. Mit der ersten offiziellen Regel von 1863 waren nur Pässe nach hinten erlaubt. „Weil so aber kein (flüssiges) Spiel in Gang kam, wurde die Abseitsregel bereits nach drei Jahren geändert“, damit Zuspiele nach vorne möglich wurden: Von 1866 bis 1925 war es kein Abseits, wenn mindestens drei verteidigende Spieler zwischen der Torlinie und dem Angreifer positioniert waren.
Seit 1907 ist Abseits in der eigenen Spielfeldhälfte nicht mehr möglich. Bei Abstoß und Eckstoß gab es kein Abseits, bei einem Einwurf dagegen schon. 1920 wurde auch für den Einwurf die Abseitsregel aufgehoben. Die Kernelemente der heute gültigen Abseitsregeln wurden 1925 festgelegt. Seit 1990 ist gleiche Höhe kein Abseits mehr.
Die Regel entstammt dem Rugby, das bis zur Spaltung zwischen Rugby- und Football-Association Vorgängersport des Fußballs war. Im Rugby ist heute noch der Vorwärtspass verboten. Auch im American Football gibt es eine Regelwidrigkeit namens Abseits, jedoch bedeutet sie hier, dass sich ein Spieler zu Beginn des Spielzugs, in Blickrichtung seiner Mannschaft gesehen, in der neutralen Zone oder jenseits von ihr (also auf Seite der Gegner) befindet. Nach Beginn des Spielzugs ist der Aufenthalt hinter den gegnerischen Spielern im American Football für beide Seiten erlaubt.
mini|Abseits mini|Abseitsstellung durch einen Gegenspieler aufgehoben mini|Kein Abseits (weil angreifender Spieler im Strafraum nicht ins Spiel eingreift) mini|Kein Abseits (weil sich der Ball näher an der Torlinie befindet als der angreifende Spieler) mini|Kein Abseits (weil der Ball vom Gegner kommt) mini|Abseits (der Ball prallt vom gegnerischen Torwart ab, der Spieler zieht aus der ursprünglichen Abseitsposition einen Vorteil; ein Abprallen von Pfosten oder Latte hätte die gleiche Bedeutung) mini|Kein Abseits (weil zur Beurteilung der Abseitsposition alle verteidigenden Spieler (auch außerhalb des Spielfelds) berücksichtigt werden)
Abseitsstellung Die Regel 11 (Abseits) des Regelwerks definiert zunächst die Position, an der ein Spieler im Abseits stehen kann. Hierfür müssen drei Kriterien zugleich erfüllt sein: ein Spieler befindet sich in einer Abseitsstellung, wenn er
der gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball [umgangssprachlich: wenn er „vor dem Ball“ ist] und der gegnerischen Torlinie näher (*) ist als der vorletzte Gegenspieler [sich weniger als zwei gegnerische Spieler, gleich ob Torwart oder Feldspieler, auf gleicher Höhe mit ihm oder vor ihm befinden] und sich in der gegnerischen Spielhälfte befindet. (*) Gleiche Höhe mit dem vorletzten oder den beiden letzten Gegenspielern ist keine Abseitsstellung.
Erläuterungen Maßgeblich für die Positionen der beteiligten Spieler sind Füße, Rumpf und Kopf, also die Körperteile, mit denen ein reguläres Tor erzielt werden kann. Die Arme werden bei der Betrachtung nicht berücksichtigt.
Bei der Bestimmung der Zahl der Gegenspieler kommt es nicht darauf an, ob es sich um den Torwart oder um Feldspieler handelt, auch wenn der Torwart meist der letzte Gegenspieler ist. Befinden sich die zwei oder mehr der letzten Gegenspieler auf gleicher Höhe, so gilt einer von ihnen als vorletzter Gegenspieler.
Bei der Beurteilung der Abseitsposition zählen grundsätzlich alle Spieler, unabhängig davon, ob sie sich auf dem Platz befinden oder nicht. Generell davon ausgenommen sind nur diejenigen Spieler, die den Platz mit Zustimmung des Schiedsrichters verlassen haben, z. B. zur Behandlung einer Verletzung.
Verlässt ein verteidigender Spieler den Platz ohne Zustimmung des Schiedsrichters, zählt er als auf der eigenen Torlinie oder der Seitenlinie stehend. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass ein Verteidiger den Platz absichtlich verlässt, um einen gegnerischen Spieler ins Abseits zu stellen. Ein solcher Spieler ist in der nächsten Spielunterbrechung mit einer Gelben Karte zu verwarnen.
Ein angreifender Spieler, der sich in Abseitsstellung befindet, darf hingegen den Platz verlassen, um damit zu signalisieren, dass er nicht in das Spiel eingreifen will (um bei der Beurteilung der Abseitsstellung nicht berücksichtigt zu werden). Dennoch zählt er bei der Beurteilung – unter Beachtung des Umstandes, dass er nicht in das Spiel eingreift – der Abseitsstellung solange mit, bis die verteidigende Mannschaft den Ball in Richtung Mittellinie gespielt hat und der Ball den Strafraum verlassen hat, eventuell auch durch Überqueren der Torlinie. Zudem muss er zum Wiedereintritt in das Spiel warten, bis die Situation geklärt ist und der Schiedsrichter dem Wiedereintritt zustimmt. Kehrt der Spieler vorher wieder auf das Spielfeld zurück, ist er zu verwarnen.
Wichtig ist dabei, dass die Regel dabei zunächst die reine Abseitsstellung beschreibt, nicht jedoch, ob diese Abseitsstellung auch als solche geahndet werden muss.
Strafbares Abseits Im zweiten Teil der Regel 11 wird definiert, wann die Abseitsstellung ein Vergehen ist, also ein Verstoß im Sinne der Abseitsregel, denn die Abseitsstellung eines Spielers stellt an sich noch kein Vergehen dar. Ein Spieler wird dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er nach Ansicht des Schiedsrichters bereits zum Zeitpunkt, zu dem der Ball von einem Mitspieler berührt oder gespielt wird, aber auch darüber hinaus, bis eine neue Spielsituation eintritt, aktiv am Spiel teilnimmt.
Eine neue Spielsituation tritt ein, wenn ein Mitspieler des Angreifers den Ball berührt, ein Gegenspieler den Ball absichtlich spielt, wobei bereits der reine Versuch (‚Absicht‘) unabhängig vom Erfolg ausreichend ist, sobald es zu einer Ballberührung kommt; ausgenommen ist jedoch eine Torabwehraktion, der Ball das Spielfeld verlässt oder der Schiedsrichter das Spiel unterbricht.
Eine aktive Teilnahme am Spiel liegt vor, wenn der Spieler, der sich zum Zeitpunkt des Abspiels in Abseitsposition befand, den Ball berührt, sich unmittelbar, d. h. in Ballnähe, (mit und ohne Zweikampf) um den Ball bemüht, einen Gegner oder den Torwart behindert oder irritiert (z. B. durch Behinderung der Sicht), wobei dies sehr eng auszulegen ist, oder einen Vorteil aus seiner Position zieht (z. B. durch Annahme eines Balles, der vom Tor abprallt oder aus einem unkontrollierten Spiel eines Gegenspielers stammt).DFV "Schiedsrichter/in" dfb.de Erläuterungen der Schiedsrichterkommission zur FIFA-Regelauslegung Ist nach Ansicht des Schiedsrichters nur ein in Abseitsstellung stehender Spieler in der Lage, den Ball anzunehmen, und bemüht sich dieser um den Ball, so soll er unmittelbar auf Abseits entscheiden.
„Kein Vergehen“ liegt vor (d. h. eine Abseitsstellung wird nicht bestraft), wenn ein Spieler den Ball direkt aus einem Abstoß, einem Einwurf oder einem Eckstoß erhält oder der Spieler erkennbar nicht in das Spiel eingreifen will.
Die Schwierigkeit für den Schiedsrichter, auf Abseits oder kein Abseits zu entscheiden, umfasst zwei Beurteilungen: Zunächst muss der Schiedsrichter entscheiden, ob in einer Spielsituation eine Abseitsstellung vorliegt. Ist dies der Fall, muss die Abseitsstellung geahndet werden, wenn ein Spieleingriff vorliegt. Können allerdings mehrere angreifende Spieler einen Ball annehmen und stehen diese zum Zeitpunkt der Ballabgabe nicht alle in Abseitsstellung, so muss der Schiedsrichter bis zur Ballannahme warten, bevor er seine Entscheidung trifft („wait and see“).
Folgen Entscheidet der Schiedsrichter auf Abseits, spricht er der gegnerischen Mannschaft einen indirekten Freistoß zu. Dieser muss an der Stelle ausgeführt werden, an der die Abseitsstellung „wirksam“ wurde (in der Regel also der Eingriff in das Spiel erfolgte), mit der Ausnahme bei Abseitsstellungen im gegnerischen Torraum, in diesem Fall kann der Freistoß von jeder beliebigen Stelle im Torraum ausgeführt werden; bis Mai 2016 wurde der Freistoß dort ausgeführt, wo sich der Spieler zum Zeitpunkt der Ballabgabe in Abseitsstellung befand.
Beim Abseits handelt es sich um einen technischen Regelverstoß, nicht um ein verbotenes Spiel (Foul) oder unsportliches Verhalten. Darum kann es wegen Abseits nie eine persönliche Strafe, also eine Verwarnung (Gelbe Karte) oder einen Platzverweis (Rote Karte), gegen den Spieler geben. Hierbei gilt für die Abseitsregel, dass selbst bei wiederholten Verstößen gegen die Spielregeln, für die sonst durchaus eine persönliche Strafe zu verhängen ist, eine solche nicht verhängt werden darf.
Bei der Entscheidung, ob sich ein Spieler in einer Abseitsstellung befindet und in das Spiel eingreift, damit also einen Regelverstoß begeht, erhält der Schiedsrichter in höherklassigen Ligen Unterstützung durch seine Assistenten. Da sich diese an der Seitenlinie auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Abwehrspieler befinden sollen, können sie die Situation meist besser beurteilen. Die Assistenten waren bei dem FIFA-Konföderationen-Pokal 2005 angehalten, so lange zu warten, bis der im Abseits stehende Spieler wirklich ins Spielgeschehen eingreift, und erst dann ein Fahnenzeichen zu geben. Der Deutsche Fußball-Bund gab allerdings zur Saison 2005/06 die Anweisung, nur solange zu warten, bis offensichtlich nur noch der im Abseits stehende Spieler eingreifen kann, und somit diese umstrittene Neuerung weitgehend nicht umzusetzen, weil in der Zeit, in der das Abseits schon besteht, aber noch nicht angezeigt wurde, eine unnötige Verletzungsgefahr und eine Unsicherheit in Auslegung anderer Regeln bestehe. Außerdem führte diese Regel zu verständlichen Frustrationen bei Spielern, die einem Abspiel hinterhergelaufen waren und bei deren anschließendem Ballkontakt dann abgepfiffen wurde. Zur WM 2006 wurde diese Regelauslegung dann auch von der FIFA übernommen.
Die Abseitsregel gilt nicht beim Hallenfußball und entfällt je nach Verband in manchen Jugend-Spielklassen.