Auf der Liste ungewöhnlicher Todesfälle werden einmalige oder sehr seltene Todesumstände verzeichnet, die sich im Laufe der Geschichte ereigneten und die von mehreren Quellen als ungewöhnlich bezeichnet wurden. Die Auflistung erfolgt chronologisch. Einige der Todesfälle stammen aus der Mythologie oder sind nicht durch zeitgenössische Berichte belegt.
Altertum mini|hochkant|Illustration des Todes des Aeschylus in der Florentinischen Bilderchronik von Maso Finiguerra (15. Jh.) ca. 620 v. Chr.: Drakon, athenischer Gesetzesreformer, erstickte unter einem Berg von Mänteln und Hüten, die von dankbaren Bürgern in einem Theater auf Ägina auf ihn geworfen worden waren.Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837, S. 591. Faksimile auf zeno.org, abgerufen am 24. Dezember 2014. 564 v. Chr.: Arrhichion von Phigalia, griechischer Pankratiast, starb bei den Olympischen Spielen. Während eines Kampfes war er beinahe schon besiegt, da sich sein Kopf in einer Beinschere seines Kontrahenten befand. Mit letzter Kraft brach er die Zehen seines Gegners. Dieser gab daraufhin auf, doch im selben Moment erstickte Arrhichion, der posthum zum Sieger erklärt wurde.Robert H. Brophy: Deaths in the pan-Hellenic games: Arrachion and Creugas. In: American Journal of Philology. Bd. 99, Nr. 3, 1978, S. 363–390, . 455 v. Chr.: Aeschylus, der große griechische Tragödiendichter, wurde laut Valerius Maximus von einer Schildkröte erschlagen, die von einem Greifvogel fallen gelassen worden war. Der Vogel verwechselte angeblich den Kopf des Aeschylus mit einem Fels und benutzte ihn zum Aufbrechen des Schildkrötenpanzers. Plinius der Ältere fügt in seiner Naturalis Historia hinzu, dass sich Aeschylus im Freien aufhielt, weil eine Prophezeiung ihn vor herabfallenden Gegenständen gewarnt hatte.J. C. McKeown (2013), A Cabinet of Greek Curiosities: Strange Tales and Surprising Facts from the Cradle of Western Civilization, Oxford University Press, p. 136, ISBN 978-0-19-998210-3, „The unusual nature of Aeschylus’s death...“. 270 v. Chr.: Philetas, ein griechischer Gelehrter, beschäftigte sich nach einem Bericht von Athenaios dermaßen intensiv mit seinem Studium der Debattierkunst, dass er verhungerte.Athenaeus, Deipnosophistae, 9.401e. Der britische Philologe Alan Cameron vermutet, dass Philetas an einer auszehrenden Krankheit litt, die seine Zeitgenossen damals seiner Pedanterie zuschrieben.Alan Cameron: How thin was Philitas? In: The Classical Quarterly 41, Nr. 2, 1991, S. 534–8, . 210 v. Chr.: Qin Shihuangdi, der erste Kaiser von China, starb durch die Einnahme von Quecksilberpillen in dem Glauben, diese würden ihm Unsterblichkeit verleihen. Kanzler Li Si und Obereunuch Zhao Gao vertuschten den Tod des Kaisers zwei Monate lang, um die Thronfolge beeinflussen zu können. Den Verwesungsgeruch übertünchten sie mit verfaultem und getrocknetem Fisch. Qin Shihuangdi wurde schließlich in einem riesigen Mausoleum beigesetzt, das heute immer noch nicht vollständig freigelegt wurde. Darin wurden auch all jene Konkubinen eingemauert, die ihm keine Kinder geboren hatten. Zu den Grabbeigaben gehörte unter anderem die berühmte Terrakotta-Armee.David Curtis Wright: The History of China. Greenwood Publishing Group, 2001, ISBN 0-313-30940-X. The First Emperor. Oxford University Press, 2007, S. 82, 150, ISBN 978-0-19-152763-0. Nate Hopper: Royalty and their Strange Deaths. Auf: Esquire.com vom 4. Februar 2013, abgerufen am 24. Dezember 2014. 206 v. Chr.: Laut antiker Überlieferung starb der griechische Philosoph Chrysippos von Soloi an einem Lachanfall. Der Stoiker sah, wie ein Esel seine Feigen fraß, und trug einem Sklaven auf, dem Esel Wein zu geben, um die Feigen damit hinunterzuspülen. Dies soll er für so witzig befunden haben, dass er sich im wahrsten Sinne des Wortes darüber totlachte.Frank Schweizer: Wie Philosophen sterben. Dr. Bachmaier Verlag, 2003, ISBN 3-931680-42-8 258 n. Chr.: Der Diakon Laurentius von Rom wurde bei lebendigem Leibe auf einem großen Gitterrost gegrillt. Dies geschah im Zuge der Christenverfolgung des römischen Kaisers Valerian. Laut dem Dichter Prudentius soll Laurentius mit den Folterknechten gescherzt haben: „Lasst mich wenden! Auf der einen Seite bin ich jetzt durch!“ Der Heilige wird mit seinem Folterwerkzeug, dem Rost, dargestellt; heute ist er der Schutzpatron der Köche und der Feuerwehrleute.Clemens Jöckle: Der heilige Laurentius : Diakon und Märtyrer. Sadifa-Media, 2008, ISBN 978-3-88786-365-4 Vom Heiligen Laurentius mit seinem Rost. Auf: Lexikus.de, abgerufen am 24. Dezember 2014. 336 n. Chr.: Arius, Presbyter von Alexandria, starb angeblich an akutem Durchfall, gefolgt von schweren Blutungen und der Ausscheidung seiner Eingeweide, während er über das Kaiserforum in Konstantinopel ging. Er wurde wahrscheinlich vergiftet.Gregor von Tours: Geschichte der Franken 2.23.
Mittelalter mini|hochkant|Eine Illustration von Karl II., genannt „der Böse“ 762: Li Bai, chinesischer Dichter und Höfling, ertrank der Überlieferung nach bei dem Versuch, im alkoholisierten Zustand das Spiegelbild des Mondes auf einem Fluss zu umarmen.Der Dichter Li Bai – Ein Leben für den Mond und den Wein. Auf: CRI.cn vom 13. September 2013, abgerufen am 24. Dezember 2014.The Book of Lists, 2004 edition. „...Some scholars believed he actually died of cirrhosis.“ Vgl. Li Bai#Tod. 1063: Bela I., König von Ungarn, starb, als sein hölzerner Thron unter ihm zusammenbrach.Eintrag zu Bela I. in der Onlineausgabe der Encyclopædia Britannica, abgerufen am 24. Dezember 2014. 1076: Gottfried IV., Herzog von Niederlothringen, wurde nach dem Geschichtsschreiber Lampert von Hersfeld bei dem Verrichten seiner Notdurft auf dem Aborterker ermordet, indem ihm ein Schwert oder Dolch von außen durch die Öffnung des Erkers in den Unterleib, nach einer anderen Überlieferung auch in den Anus, gestoßen wurde. 1131: Philipp von Frankreich, französischer König, starb im Alter von 15 Jahren auf einem Ritt durch Paris. Sein Pferd scheute vor einem Schwein, das aus einem Misthaufen gerannt kam. Philipp wurde aus dem Sattel geschleudert und erlag am darauffolgenden Tag seinen Verletzungen.Ordericus Vitalis: The Ecclesiastical History of England and Normandy, Band 4, S. 129 1184: Beim Erfurter Latrinensturz fanden etwa 60 Menschen den Tod – darunter Graf Gozmar III. von Ziegenhain, Graf Friedrich I. von Abenberg, Burggraf Friedrich I. von Kirchberg, Graf Heinrich von Schwarzburg, Burggraf Burchard von der Wartburg und Beringer I. von Meldingen –, als anlässlich eines Hoftages von König Heinrich VI. in Erfurt das obere Stockwerk der Dompropstei des Marienstiftes unter der Last der versammelten Menge zusammenbrach und die meisten der Anwesenden in die Tiefe riss. Auch der Boden der nächsten Etage gab unter dem Druck nach und ließ die Herabfallenden in die darunter liegende Abtrittgrube stürzen. Wer nicht ertrank oder erstickte, wurde von nachfallenden Balken und Steinen erschlagen oder verletzt. 1190: Dedo III., Markgraf der Lausitz, genannt der Feiste oder auch der Fette, starb an den Folgen einer Operation, bei der er sich Fett aus dem Leib schneiden ließ, um Kaiser Heinrich VI. auf einem Feldzug begleiten zu können. 1258: Al-Musta'sim bi-'llah, der letzte abbasidische Kalif von Bagdad, wurde von seinen mongolischen Entführern hingerichtet, indem sie ihn in einen Teppich rollten und von Pferden zertrampeln ließen.Artikel bei ExecutedToday.com vom 20. Februar 2009, abgerufen am 24. Dezember 2014.Jamie Frater: Listverse.Com’s Ultimate Book of Bizarre Lists. Ulysses Press, 2010, S. 400, ISBN 978-1-56975-817-5 1327: Eduard II., König von England und Wales, wurde von seiner Ehefrau Isabelle de France und ihrem Geliebten Roger Mortimer verhaftet und eingesperrt. Es verbreitete sich das Gerücht, dass er hingerichtet wurde, indem man ihm über ein Horn glühendes Eisen rektal einführte. Er verbrannte von innen heraus, blieb aber äußerlich unversehrt. Allerdings gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis über die Todesumstände von Eduard II. Es wird angenommen, dass diese Geschichte zu Propagandazwecken erfunden wurde.Simon Schama: A History of Great Britain: 3000BC-AD1603. BBC Worldwide, London, 2000, S. 220A red-hot poker? It was just a red herring. Times Higher Education, 11. April 2013, abgerufen am 24. Dezember 2014.Seymour Phillips: Edward II. Yale University Press, New Haven, 2010, S. 560–565. 1387: Karl II., König von Navarra, ließ sich zwecks Therapierung einer Krankheit jeden Abend in mit Weinbrand getränkte Tücher einwickeln. Eines Abends gelangte ein Diener versehentlich mit einer Fackel an die Bandagen, welche sofort in Flammen standen. Karl erlag den schweren Verbrennungen.Barbara Tuchman: A Distant Mirror, Alfred A Knopf Ltd, 1978 1410: Martin I., König von Aragón, starb an einem Lachanfall in Verbindung mit Verdauungsstörungen.Paul N. Morris: Patronage and Piety (PDF-Datei) 1478: Als der zum Tode verurteilte George Plantagenet, Duke of Clarence, die Art seiner Hinrichtung wählen sollte, entschied er sich dafür, in einem Fass Malvasierwein ertränkt zu werden. Seinem Wunsch wurde entsprochen.George Plantagenet, duke of Clarence, Artikel in der Encyclopedia Britannica, abgerufen am 24. Dezember 2014.
Frühe Neuzeit mini|hochkant|Der dänische Astronom Tycho Brahe, gemalt von Eduard Ender 1518: Die Tanzwut von 1518 in Straßburg begann mit einer einzelnen Frau, die über einen Monat lang unkontrolliert tanzte. Im Laufe der Zeit schlossen sich ihr immer mehr Leute an, bis am Ende 400 Menschen vom Tanzfieber befallen waren. Dutzende von ihnen starben dabei an Hitzschlag und Erschöpfung. Die genauen Umstände dieses Vorfalls sind bis heute unklar.Gregor Rohmann: Tanzwut. Kosmos, Kirche und Mensch in der Bedeutungsgeschichte eines mittelalterlichen Krankheitskonzepts. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, ISBN 978-3-525-36721-6. 1556: Pietro Aretino, ein italienischer Schriftsteller und Dichter, erstickte der Legende nach während eines Lachanfalls.Waterfield, Gordon, ed.: First Footsteps in East Africa. Praeger Publishers, New York, 1966, S. 59 1567: Hans Staininger, der Stadthauptmann von Braunau, brach sich das Genick, als er über seinen eigenen Bart stolperte. Staininger bewahrte den Bart, der fast anderthalb Meter lang war, normalerweise zusammengerollt in einer Brusttasche auf.Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien – nebst einer romantisch pittoresken Darstellung mehrerer Ritterburgen und ihrer Volkssagen, Gebirgsgegenden und Eisglätscher auf dieser Wanderung, unternommen im Jahre 1825 von Joseph Kyselak. Bd. 2, 1829, S. 201 f. 1601: Tycho Brahe war zu einem Festbankett des Kaisers eingeladen. Die Hofetikette untersagte es den Gästen, sich vor dem Kaiser von der Tafel zu erheben. Daher führte eine Harnverhaltung bei Brahe zu einem Blasenriss, an dessen Folgen er zehn Tage später starb.John Tierney: Murder! Intrigue! Astronomers? In: New York Times vom 29. November 2010, abgerufen am 24. Dezember 2014.Terri Pous: Was Tycho Brahe Poisoned? According to New Evidence, Probably Not In: Time vom 17. November 2012, abgerufen am 24. Dezember 2014 1660: Thomas Urquhart, ein schottischer Dichter und Übersetzer, starb angeblich an einem Lachanfall, nachdem er von der Machtübernahme Karls II. gehört hatte.John Willcock: Sir Thomas Urquhart of Cromartie Knight. Oliphant, Edinburgh & London, 1899, S. 97. 1673: Molière, Schauspieler, Theaterdirektor und Dramatiker der französischen Klassik, erlitt einen Blutsturz während einer Aufführung seiner Komödie Der eingebildete Kranke, in der er die Rolle des hypochondrischen Protagonisten spielte. Als Molière auf der Bühne zusammenbrach, glaubten die Zuschauer zunächst, dass es sich um eine Einlage innerhalb der Komödie handelte. Der französische Komödiant starb wenig später in seiner Wohnung in Paris.