Die Burg Kanazawa (, Kanazawa-jō), veraltet auch Oyama-jō, ist eine japanische Burg in der Stadt Kanazawa, Präfektur Ishikawa. Sie war Sitz des Maeda-Klans mit deren Lehen (Han) Kaga, das sie mit über 1.000.000 Koku Einkommen zu den reichsten Fürsten (Daimyō) der Edo-Zeit machte.
Geschichte Die Burg Kanazawa liegt am Ende eines Hügels zwischen den Flüssen Saigawa und Asanogawa, der sich nach Nordwesten erstreckt. Seit 1546 befand sich dort die Tempelstadt Kanazawa Midō (), volkstümlich Oyama-gobō (), genannt. Sie war während der Ikkō-Aufstände von Mönchen der mit der buddhistische Glaubensrichtung Jōdo-Shinshū verwandten Ikkō-shū angelegt worden. 1580 gelang es Shibata Katsuie, den Ort zu erobern und die Mönche zu vertreiben. links|mini|Universität Kanazawa auf dem Burggelände im Jahre 1975 Als nach der Schlacht von Shizugatake 1583 Maeda Toshiie (; 1538–1599) zusätzlich zwei Landkreise im Norden der Provinz Kaga erhielt, zog er von Komaruyama in der Provinz Noto dorthin und machte die Burg zu seinem Wohnsitz. Die Maeda residierten in Kanazawa bis zur Meiji-Restauration 1868.
Nach der Meiji-Restauration kam das Burggelände 1871 unter die Verwaltung der kaiserlich Japanischen Armee und diente als das Hauptquartier der 9. Division. Die verbliebenen Gebäude, darunter der Ni-no-maru Goten-Palast, wurden fortan als Kasernen und Lager genutzt. Ein Brand im Jahr 1881 vernichtete jedoch den größten Teil der noch erhaltenen Gebäude.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nutze zunächst die Universität Kanazawa das Gelände von 1949 bis 1996 als Campus.
Nach deren Auszug wurde das Gelände an die Stadt übergeben, die es anschließend in den Kanazawa Burg Park (金沢城公園) umwandelte und seitdem Teile der Burg rekonstruiert.links|mini|Plan der Burg:Roter Kreis: Ishikawa-TorRotes Oval: Rekonstruierte LanghausGrüner Bereich: Garten Kenroku-en
Grundlegende Anlage Die Burg Kanazawa war eine typische Hirayamajiro (平山城), eine auf einem Hügel errichtete Burg. Die Burganlage umfasste die von innen nach außen verlaufenden Verteidigungsbereiche, auch Kuruwa (曲輪) genannt: Honmaru, Ni-no-maru, San-no-maru, Shin-maru, Kita-no-maru und Gyokusen-in-maru.
Tenshu
Bereits 1586 oder 1587 wurde der Tenshu, der Hauptturm der Burg, gebaut. Der Tenshu, dessen ursprünglicher Standort unbekannt ist, brannte 1602 durch einen Blitzeinschlag ab. Er wurde nicht ersetzt; ein dreistöckiger Yagura (櫓), ein Wachturm, diente ab 1603 als Ersatz. Als Grund dafür wird die angespannte Beziehung zwischen der damaligen Domäne Kaga und dem Edo-Shogunat (江戸幕府) vermutet: Da ein Tenshu als Symbol der Macht eines Daimyō angesehen wurde und daher unter besonderer Beobachtung der Tokugawa stand, war ein Wiederaufbau politisch schwierig. Der ersetzende Yagura wurde beim Großbrand von 1631 zerstört, anschließend jedoch wieder aufgebaut. Ein weiterer Großbrand im Jahr 1759 führte erneut zu seiner Zerstörung; danach wurde er nicht wiedererrichtet.links|mini|Rekonstruierte Kohaku-mon vom San-no-maru aus Verteidigungsanlagen 1592 wurden die Burggräben Hasuike-bori (Hyakken-bori), Imori-bori, Hyakuchō-bori und die hohe Mauer im Süden ausgebaut. 1599 erhielt Takayama Ukon von Maeda Toshiies Sohn Toshinaga den Befehl an der Nordseite des vor dem San-no-maru befindlichen Shin-maru den Graben Ōte-bori anzulegen und vor der Südwestseite den inneren Sōgamae-bori. 1610 wurde auch der äußere Sōgamae-bori angelegt. Nur der Ōte-bori ist weitgehend erhalten. Die übrigen Gräben wurden zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zugeschüttet und teilweise zu Straßen umgestaltet. Der Imori-bori wurde mit halber ursprünglicher Breite rekonstruiert und 2010 wieder geflutet, während der Hyakken-bori 1911 zur Hyakkenbori-Straße umgestaltet wurde. Der Hakuchō-bori wurde begrünt und bildet heute den Fußweg Hakuchōrō (白鳥路). mini|Hashizume-mon hinter der Brücke mit dem Tsuzuki-yagura darüber und dem Gojikken Nagaya (rechts) vom San-no-maru aus Der offizielle Aufstiegsweg des Daimyō führte durch das Haupttor (Mon) im Norden, Ōte-mon (大手門), über das Kiri-ki-mon (桐木門), das Kahoku-mon (河北門) und das Hashizume-mon (橋爪門) zum Ni-no-maru Goten. Neben den Haupttoren bestanden weitere, als rückwärtige Zugänge, Karamete-mon (搦手門), bezeichnete Tore, darunter das erhaltene Ishikawa-mon (石川門), das Nezumita-mon (鼠多門), das Dobashi-mon (土橋門), das Kuruma-bashi-mon (車橋門) und das Uraguchi-mon (裏口門).
Weitere Zugänge führten über das Nishichōguchi-mon und das Kanaya-mon. Das zweigeschossige Nezumi-mon besaß zu beiden Seiten Lehmwände und ein Nezumi-mon-nagaya, also einen Verbindungsgang wie ein Tamon-yagura (多門櫓). Die Gestaltung der dort verwendeten Namako-Kabe (海鼠壁), ein Design japanischer Außenwände, mit schwarzen Mörtelfugen gilt als bislang einzigartig.
Außerhalb der Burg wurden vier Sōgamae (惣構)-Wassergräben angelegt. Teile davon wurden später als Wasserläufe genutzt. Der Berg Yamazaki im Kenroku-en Garten ist ein Teil des äußeren Erdwalles der Sōgamae-Anlage, während der südlich davon gelegene Teich auf einen ehemaligen Wassergraben zurückgeht. mini|Der Myōryū-ji („Ninja-Tempel“) im Stadtteil Nomachi von Kanazawa Da die Burg Kanazawa militärisch als vergleichsweise wenig stark befestigt galt, wurden außerhalb der Burgstadt an drei Stellen Tempelkomplexe als Verteidigungsstützpunkte eingerichtet. Einer davon war die Tempelstadt Teramachi (寺町寺院群, Teramachi jiingun) mit dem Tempel Myōryū-ji, der als „Ninja-Tempel“ bekannt ist. In dessen Brunnen soll sich ein unterirdischer Fluchtweg zur Burg befunden haben.
Der mittlere Bereich des Tsuzuki-yagura am Hashizume-mon war als hoher, nach oben offener Raum ausgeführt, über den Vorräte in das Obergeschoss transportiert werden konnten. Diese Konstruktion wurde bei der hölzernen Rekonstruktion des Gebäudes wiederhergestellt. Die Dächer der Burggebäude waren mit leichten Bleiziegeln gedeckt, die für die winterliche Schneelast geeignet waren und im Kriegsfall zur Herstellung von Gewehrkugeln eingeschmolzen werden konnten.
Ni-no-maru-Palast mini|Rekonstruktionsmodell der Burg im Gojikken Nagaya mit dem zentralen Komplex des Ni-no-maru Goten(Oben ist Westen)Nach dem großen Brand von Kan'ei im Jahr 1631 wurde der zentrale Honmaru vom Ni-no-maru abgelöst und dieser zum politischen und administrativen Zentrum der Burg; der dortige Ni-no-maru Goten (二の丸御殿) diente als Residenz des Daimyō. Zum Brandschutz wurde der TatsumiMit Tatsumi () ist Südost gemeint.-Kanal angelegt, der Wasser über den Höhenrücken bis in die Burg führte.Gleichzeitig wird der Kanal genutzt, um den vor der Burg liegenden Park der Maeda, den Kenroku-en, mit Wasser zu versorgen. 1759 und 1808 wurde die Burg wieder von Bränden heimgesucht.
Der Ni-no-maru Goten umfasste als größte Konstruktion der Burg rund 3200 Tsubo (坪), was ca. 10.579 m² entspricht, hatte mehr als 60 Räume und gliederte sich in drei Bereiche: den repräsentativen Omote-muki, den Wohnbereich O-ima-mawari und den hinteren Bereich Oku-muki. Der Omote-muki diente den Amtsgeschäften und Zeremonien des Daimyō und war mit vergoldeten Wandgemälden der Kanō-Schule (狩野派, Kanō-ha), Deckengemälden, dekorativen Beschlägen und geschnitzten Ranma (欄間), ein traditionelles dekoratives Paneel, reich ausgestattet. Besonders aufwendig gestaltet waren unter anderem das Empfangszimmer und das sogenannte Tigerzimmer mit Gemälden von Kishi Koma (岸駒). Der private Wohnbereich des Daimyō enthielt unter anderem Räume mit Sumi-e (水墨画), während der Oku-muki den privaten Räumen seiner Haupt- und Nebenfrauen, Kinder und weiblichen Bediensteten vorbehalten war.
Seit seiner Errichtung in der frühen Edo-Zeit wurde der Palast zweimal durch Brände zerstört und anschließend wiederaufgebaut, bevor er 1881 endgültig zerstört wurde. Zum Ni-no-maru Goten sind zahlreiche historische Unterlagen erhalten, darunter Grundrisse und Ansichtszeichnungen aus der Edo-Zeit, Entwürfe für Wand- und Deckengemälde sowie dekorative Elemente und historische Fotografien aus der Meiji-Zeit.
Seit 2025 wird der Palast in traditionellen Methoden wiederaufgebaut (Siehe unten).
Erhaltung und Rekonstruktion links|mini|Erhaltenes Sanjikken Nagaya
Erhalten Von der Burg sind über die Meiji-Restauration hinaus drei Gebäude erhalten geblieben:
Das Ishikawa-mon (石川門) von 1788, das Tsurumaru-Lagerhaus (鶴丸倉庫 Tsurumaru sōko) von 1848 und das „Dreißig-KenEin Ken sind ca. 1,82m. Das ganze Langhaus hat daher eine grobe Länge von 50 m.-Langhaus“ ( Sanjikken Nagaya) von 1858 im Honmaru,
Alle drei Gebäude sind als Wichtige Kulturgüter Japans registriert.
Rekonstruktionen mini|Hishi-yagura (links), Gojikken Nagaya und Hashizume-mon tsuzuki-yagura (rechts) von dem Platz des ehemaligen Ni-no-maru Goten aus Seit 2001 wurden im Ni-no-maru mehrere Gebäude mit traditionellen Baumethoden wieder errichtet:
2001: das „Fünfzig-Ken-Langhaus“ (五十間長屋 Gojikken Nagaya), ein langgestrecktes, zweigeschossiges Lagergebäude, das gleichzeitig im Verteidigungsfall als Tamon-yagura (多聞櫓) benutzt werden konnte. Das Langhaus verbindet den ebenfalls rekonstruierten Hishi-yagura (菱櫓) im Norden, mit dem Hashizume-mon (橋爪門) und den direkt darüber liegenden Hashizume-mon tsuzuki-yagura (橋爪門続櫓) im Süden. Der direkt vor dieser Verteidigungslinie gelegene Graben Uchi-bori wurde ebenfalls wieder hergestellt. 2010: Wiederherstellung des Kahoku-mon (河北門) und Teilrekonstruktion des Imori-bori Graben (いもり堀) im Süden. 2015: Rekonstruktion des zweiten Tors des Hashizume-mon (橋爪門二の門) sowie Gestaltung bzw. Wiederherstellung des Gyokusen-in-maru-teien Gartens (玉泉院丸庭園) im Westen. 2020: Wiederherstellung des Nezumita-mon (鼠多門) und dessen Nezumita-mon-kyō Brücke (鼠多門橋).
mini|Halle über den Arbeiten am Ni-no-maru Goten (Januar 2026)
Seit 2025: Nach umfangreicher Untersuchungen seit 2018 zur Vorbereitung der Rekonstruktion des Ni-no-maru Goten, das abschließende Projekt der umfassenden Rekonstruktionsarbeiten der Burganlage, Beginn dessen erster Bauphase. Sie umfasst den Eingangsbereich und den direkt daneben liegenden Bereich Shikidai (式台). Die Rekonstruktionsarbeiten konzentrieren sich zunächst auf die zentralen Bereiche des Omotemuki, des für Zeremonien genutzten repräsentativen Teils des Palastes, in dem sich dessen charakteristische dekorative Gestaltung befand. Die erste Bauphase soll im Fiskaljahr 2033 abgeschlossen werden.
Bilder
Anmerkungen und Einzelnachweise
Literatur Ikeda, Kōichi: Kanazawa-jo in: Miura, Masayuki (Hrsg.): Shiro to jinya. Tokoku-hen. Gakken, 2006. ISBN 978-4-05-604378-5. McClain, James L.: Kanazawa. A Seventeenth-Century Japaneses Castle Town. Yale University Press, 1982. ISBN 0-300-02736-2.
Weblinks Offizielle Webseite der Burg (englisch)
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