Rheinland-Pfalz (; Abkürzung RP, oft auch RLP) ist ein Land im Südwesten der Bundesrepublik Deutschland. Es entstand 1946 als Neugründung durch die Vereinigung der Landesteile Preußens (südliche Rheinprovinz und westlicher Teil von Hessen-Nassau) mit Rheinhessen und dem bayerischen Regierungsbezirk Pfalz. Gemessen an der Bevölkerungszahl liegt Rheinland-Pfalz mit rund 4,1 Millionen Einwohnern an sechster, gemessen an seiner Fläche an neunter Stelle der 16 deutschen Länder.
Mehr als 40 Prozent der Landesfläche sind von Wald bedeckt, damit ist Rheinland-Pfalz das waldreichste deutsche Bundesland. In seinen sechs Weinanbaugebieten, die auf eine über 2000-jährige Tradition zurückblicken können, werden 70 Prozent aller deutschen Weine und Sekte produziert. Wirtschaftlich zählt Rheinland-Pfalz seit Jahren zu den Bundesländern mit den höchsten Export- und den niedrigsten Arbeitslosenquoten.
Größte Stadt und zugleich Landeshauptstadt ist Mainz. Diese bildet zusammen mit den vier weiteren Großstädten Ludwigshafen, Koblenz, Trier und Kaiserslautern die fünf Oberzentren des Landes. Rheinland-Pfalz ist Teil der sogenannten Großregion, einer Europaregion mit grenzüberschreitender politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Teilen Belgiens, Frankreichs, Luxemburgs und dem Saarland.
Geographie Geographische Lage Rheinland-Pfalz umfasst im Norden vom Rheinischen Schiefergebirge den südlichen Teil der Eifel, den Hunsrück, den westlichen Westerwald, das südwestliche Siegerland und den nordwestlichen Teil des Taunus sowie im südlichen Bereich das Mainzer Becken, das Rheinhessische Hügelland, das Nordpfälzer Bergland, die Westpfälzische Moorniederung, die Westricher Hochfläche, den Pfälzerwald und einen Teil der Oberrheinischen Tiefebene. Es grenzt im Norden an Nordrhein-Westfalen, im Osten an Hessen und Baden-Württemberg, im Süden an die französische Region Grand Est und das Saarland, und im Westen an Luxemburg sowie an die Provinz Lüttich der belgischen Region Wallonien. Rheinland-Pfalz ist somit das einzige Bundesland, das drei Außengrenzen hat, und dasjenige mit der größten linksrheinischen Fläche.
Berge mini|Blick vom Erbeskopf Rheinland-Pfalz ist von mehreren Mittelgebirgen geprägt (siehe oberen Abschnitt), die höchsten Erhebungen befinden sich in Hunsrück und Eifel. Der höchste Berg des Landes ist der Erbeskopf im Hunsrück mit .
Flüsse und Seen Durch Rheinland-Pfalz fließen die Bundeswasserstraßen Rhein, Mosel, Saar und Lahn. Weitere bedeutende Fließgewässer sind Nahe, Sauer, Our, Glan und Sieg als Gewässer I. Ordnung. Wegen ihrer wasserwirtschaftlichen Bedeutung sind weitere Wasserläufe als Gewässer II. Ordnung verzeichnet.Landesverordnung über die Gewässer zweiter Ordnung Die restlichen fließenden Gewässer in Rheinland-Pfalz gehören der III. Ordnung an.
Der größte See ist der Laacher See, der Kratersee eines schlafenden Vulkans. Weitere größere Seen in der Eifel, die als Maare aus Vulkanen entstanden sind, sind Meerfelder Maar, Gemündener Maar, Weinfelder Maar, Schalkenmehrener Maar, Pulvermaar, Ulmener Maar und weitere.
Wälder Rheinland-Pfalz ist das waldreichste Land in Deutschland; 840.000 Hektar sind mit Wald bedeckt, das entspricht 40,7 Prozent der Landesfläche. Die Waldfläche übertrifft damit die Landwirtschaftsfläche um mehr als 140.000 Hektar. Allerdings galten 2021 nur noch zwei von zehn Bäumen als gesund.Susanne Henn: in: SWR Aktuell vom 20. Dezember 2022 Rheinland-Pfalz verfügt über vier große Waldgebiete: den Westerwald, den Hunsrück mit dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald, die Eifel und den Pfälzerwald, wobei letzterer das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands ist und gemeinsam mit den Nordvogesen im Elsass das grenzüberschreitende 311.000 Hektar große UNESCO-Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen bildet.
Geologie mini|hochkant|Der Geysir Andernach ist der höchste Kaltwassergeysir weltweit.
Der oberflächennahe geologische Untergrund im rheinland-pfälzischen Teil des Rheinischen Schiefergebirges im Norden und in der Mitte von Rheinland-Pfalz sind geprägt von Tonschiefer, Grauwacke und Quarzit des Unteren Devon. Nordöstlich von Prüm und südwestlich von Limburg sind auch Kalkstein, Dolomit und Tonschiefer aus dem Mittleren bis Oberen Devon erhalten geblieben. Im Süden, auf einer Linie zwischen Birkenfeld und Kirchheimbolanden schließen sich Sandsteine, Konglomerate und Tonsteine aus dem Carbon und Perm an. Sie werden stellenweise von alten vulkanischen Gesteinen, Andesit und Basalt abgewechselt. Wechsellagerungen der Mitteldeutschen Trias bilden den geologischen Untergrund des Bitburger Gutlandes im Westen und des Pfälzer Waldes im Süden des Bundeslandes. Sedimente aus dem Tertiär und Quartär, überwiegend Mergel, Sande und Kiese, sind typisch für Rheinhessen. Eine Besonderheit für Rheinland-Pfalz sind die Bildungen des tertiären Vulkanismus im Westerwald und des quartären Vulkanismus in der Eifel und im Neuwieder Becken.
Aktiver Vulkanismus ist zwar nicht bekannt, dennoch findet sich in einigen Gebieten vulkanisches Gestein aus früherer Aktivität, insbesondere in der Vulkaneifel, zudem am Pechsteinkopf in der Haardt. Der Laacher See, der größte See in Rheinland-Pfalz, ist der Kratersee eines alten Vulkans, bei dem sich die Experten bis heute streiten, ob er erloschen ist. In der Vulkaneifel finden sich weitere Maare sowie Kohlenstoffdioxidquellen, die mit dem Geysir Andernach den höchsten Kaltwassergeysir der Welt ermöglichen. Unter dem Dach des anerkannten nationalen Geoparks Vulkanland Eifel erläutern drei eingerichtete Geoparks die Geologie der Region und die vulkanischen Aktivitäten der Vergangenheit der Öffentlichkeit. Geologische Bildungen vulkanischen Ursprungs sind Bims und Tuff vor allem im Laacher Seengebiet, Trachyt und Phonolith im Westerwald. Erdbeben mit schweren Folgen kommen praktisch nicht vor, hingegen werden der Rheingraben und das Neuwieder Becken als mäßig gefährdete Erdbebenzone eingestuft. Einen Überblick über die geologischen Verhältnisse vermittelt die begehbare geologische Karte von Rheinland-Pfalz im Gelände der Landesgartenschau auf dem Trierer Petrisberg.
Regionen Rheinland-Pfalz gliedert sich in die folgenden Regionen: im Norden der Westerwald und der südwestliche Teil des Siegerlandes, im Westen die Eifel, in der Mitte der Hunsrück, Mosel-Saar – welche Eifel und Hunsrück voneinander trennt, im Osten der Taunus und Rheinhessen sowie im Süden die Pfalz. Dabei bilden die Gebiete Neuwieder Becken, Rhein-Main-Gebiet und Rhein-Neckar-Dreieck besondere Ballungsgebiete, die beiden letzten mit Verbindung zu den benachbarten Bundesländern Hessen beziehungsweise Baden-Württemberg.
Klima Das Klima in Rheinland-Pfalz ist geprägt durch ein gemäßigtes, humides Klima mit warmen Sommern und milden bis kühlen Wintern. Nach der effektiven Klimaklassifikation nach Köppen ist dies ein typisches westeuropäisches Klima der Klassifikation Cfb. Das Land gehört allgemein mit Deutschland verglichen zu den wärmeren Bundesländern. Die Variationen des Klimas innerhalb des Landes sind hauptsächlich begründet durch Gebirge und Täler. In den kältesten Regionen, den Höhenlagen des Hunsrücks, der Eifel und des Westerwaldes, werden im Jahresmittel Temperaturen von 7 bis 9 °C erreicht. Diese Regionen sind zudem mit Jahresniederschlägen von über 800 bis 900 mm die regenreichsten und die sonnenärmsten Teile von Rheinland-Pfalz. Die wärmsten und gleichzeitig sonnigsten Regionen befinden sich in den Flusstälern von Nahe, Lahn, Mosel und Rhein mit Jahresmitteltemperaturen über 10 °C. In den Flusstälern befinden sich auch hauptsächlich die Weinbaugebiete, für die das Land bekannt ist. Teile des Oberrheingrabens im Südosten rund um die Städte Speyer, Ludwigshafen, Worms und Mainz gehören zu den wärmsten Gebieten Deutschlands, hier zu erwähnen sind die Pfalz, die Weinstraße und Rheinhessen. Diese Umgebungen gehören zusammen mit den restlichen tief eingeschnittenen Tälern der großen Flüsse auch zu den trockensten Gebieten von Rheinland-Pfalz mit Niederschlägen von unter 600 bis 700 mm im Jahr. Im Regenschatten des Taunus im Norden nehmen die Niederschläge im nördlichen Rheinhessen bis auf 500 mm ab. Der grobe Rest des Landes bewegt sich klimatisch gesehen zwischen den warmen, trockenen Weinbaugebieten der Vorderpfalz und Rheinhessens und den rauen, feuchten Höhen der Eifel und des Hunsrücks.
Geschichte
Vorgeschichte mini| Rheinland-Pfalz wurde oft als Kunstgebilde bezeichnet, da es anders als andere deutsche Länder keine jahrhundertealte staatliche Tradition aufweist. Weder ist es allmählich zusammengewachsen, noch besteht es aus Gebieten, die früher einmal zu einem gemeinsamen Staatswesen gehört haben. Mit seinem Wappen stellt sich Rheinland-Pfalz in die Tradition dreier Territorien des Heiligen Römischen Reichs, deren Anfänge bis ins frühe Mittelalter zurückreichen, der Kurfürstentümer Mainz, Trier und Pfalz. Zum Zeitpunkt der Gründung des Landes hatten sie aber bereits seit fast 150 Jahren nicht mehr existiert und waren in Preußen, Hessen und Bayern aufgegangen.
Seine Gestalt verdankt Rheinland-Pfalz einem rein pragmatischen Beschluss, den die Hauptsiegermächte des Zweiten Weltkriegs im Februar 1945 auf der Konferenz von Jalta fällten. Die Vertreter der USA, des Vereinigten Königreichs und der Sowjetunion gestanden damals Frankreich eine eigene Besatzungszone zu, für die Briten und Amerikaner auf Teile ihrer Zonen verzichteten. Aus dem nördlichen, ursprünglich den Briten zugeschlagenen Teil der französischen Zone entstanden die späteren Länder Rheinland-Pfalz und Saarland. Die Gebiete waren in der Endphase des Krieges zunächst von US-Truppen besetzt worden, die ihre Besatzungshoheit am 10. Juli 1945 an Frankreich übergeben hatten.
Entstehung mini|hochkant|Militärgouverneur Kœnig (1944) Die Französische Militärregierung gliederte den Norden ihrer Besatzungszone zunächst provisorisch in die beiden „Oberpräsidien“, Rheinland-Hessen-Nassau und Hessen-Pfalz.
Die Provisorische Regierung der Französischen Republik wollte sich ursprünglich die Option offenhalten, nach der Umwandlung des Saarlandes in ein Protektorat noch weitere linksrheinische Gebiete zu annektieren. Amerikaner und Briten widersetzten sich dem jedoch und gingen in ihren Zonen mit der Bildung deutscher Länder voran. Dies setzte die Franzosen zunehmend unter Druck, so dass sie zunächst mit der Gründung der Länder Baden und Württemberg-Hohenzollern folgten. Schließlich wurde am 30. August 1946 durch die Verordnung Nr. 57 des französischen Militärgouverneurs General Pierre Kœnig Rheinland-Pfalz ins Leben gerufen, womit alle Gebiete in den westlichen Besatzungszonen als Land verfasst waren.Verordnung Nr. 57 vom 30. August 1946, bezüglich der Schaffung eines rhein-pfälzischen Landes. In: Amtsblatt des französischen Oberkommandos in Deutschland, Nr. 35 vom 20. August 1946, S. 291 f., Digitalisat der Deutschen Nationalbibliothek: Es wurde zunächst als „rhein-pfälzisches Land“ oder als „Land Rheinpfalz“ bezeichnet; der Name Rheinland-Pfalz wurde erst mit der Verfassung vom 18. Mai 1947 offiziell festgelegt.
Das neue Land setzte sich aus folgenden Gebieten zusammen: aus dem südlichen Teil der preußischen Rheinprovinz mit den Regierungsbezirken Koblenz und Trier, aus dem zuvor zur preußischen Provinz Hessen-Nassau gehörigen Regierungsbezirk Montabaur, aus der bis 1945 zu Bayern gehörenden Rheinpfalz mit Ausnahme des Saarpfalz-Kreises, aus den linksrheinischen Teilen der ehemals zum Volksstaat Hessen gehörigen Provinz Rheinhessen.
Aus den Flüssen Mosel, Sauer und Our wurde, wo diese die Grenze zwischen Luxemburg und Rheinland-Pfalz sowie dem Saarland markieren, das gemeinschaftliche deutsch-luxemburgische Hoheitsgebiet gebildet. Dieses Kondominium ist das einzige gemeindefreie Gebiet des Landes.