mini|Marienkirche in Wülfingen, rechts vom Kirchturm stand bis zum Ende des 16. Jahrhunderts der Barchfried als Stammsitz der Familie Bock von Wülfingen

Die evangelisch-lutherische Marienkirche ist eine Kirche in Wülfingen, die inmitten des Friedhofes steht.

Geschichte Romanische Kirche Um 1290 ist die erste Kirche in Wülfingen als Eigenkirche der Patronatsfamilie Bock von Wülfingen errichtet worden. Als Stifter gilt der Ritter Albert Bock von Wülfingen, der die Kirche am 10. März 1293 mit einer Hufe Land ausstattete. Von dieser ersten Kirche sind ein Stück Mauerwerk mit der zugemauerten Tür zwischen Turm und Kirchenschiff im Innenraum der Kirche und der romanische Taufstein mit Weihekreuz im Chor der jetzigen Kirche erhalten geblieben. Ein Pastor mit Namen Johann wird 1324 urkundlich erwähnt.

Renaissancekirche von 1501 Die zweite Kirche wurde an gleicher Stelle im Jahr 1501 errichtet; sie hatte eine Länge von 60 Fuß (17,53 Meter) und eine Breite von 20 Fuß (5,84 Meter); der gleichzeitig erbaute Turm hatte eine Breite von 18 Fuß (5,26 Meter) und nach dem Aufsatz der Turmspitze im Jahr 1585 eine Höhe von 80 Fuß (23,37 Meter). An die Kirche angebaut war die Sakristei (1501) und ein Leichhaus (1649).

Aus dieser zweiten Kirche sind eine Glocke (1510), die Schlagglocke (1592), das Epitaph des Jobst Bruno Bock von Wülfingen (1596) an der Nordwand der Kirche, die Kronleuchter (1649 und 1716)Die beiden Kronleuchter von 1649 und 1716 wurden von der Verwandtschaft Lampe und dem Vollmeier Heinrich Warnecke gestiftet., der Orgelprospekt (1697), eine Grabplatte im Fußboden neben der Sakristei (1719), der Taufengel (1720)Der Taufengel hatte 19 Th. gekostet; 8 Th. davon wurden von dem Schatzrat Georg Wilhelm Bock von Wülfingen gespendet. über dem Taufstein, der Grabstein der Pastorentochter Louise Hogreve (1721) auf der Rückwand der Kirche und ein Altarbild (um 1750) mit dem Motiv der Kreuzigung auf der Rückwand der Kirche erhalten.

Am 16. April 1543 führte Antonius Corvinus im Auftrag der Herzogin Elisabeth von Calenberg mit einer Kommission die Reformation in Elze durch. Dieser Kommission gehörte u. a. Ordenberg Bock von Wülfingen als Vertreter des Adels an. Da Wülfingen damals zum Archidiakonat Elze gehörte, wurde damit auch Wülfingen evangelisch-lutherisch. Wulbrand Bock von Wülfingen (1500–1583) hat als Kirchenpatron den ersten evangelischen Pastoren Johann Bock in die Wülfinger Pfarrstelle eingesetzt. Der Zeitpunkt ist unbekannt, aber Johann Bock wird 1553 als erster evangelischer Geistlicher in Wülfingen erwähnt.

Rokoko-Kirche Der Amtszimmermann Heinrich Knust aus Eldagsen und der Maurermeister Wenth aus Eldagsen bauten die jetzige dritte Kirche in den Jahren 1769 bis 1773 an den vorhandenen Turm an. Der im höfischen Rokokoklassizismus gehaltene Kanzelaltar, der geschnitzte Taufständer und die Innenausstattung sind im Originalzustand erhalten; nur die südlichen Chorbänke wurden um 1980 ausgebaut, damit der romanische Taufstein, der im Freien neben dem Turm stand, im Chorraum der Kirche aufgestellt werden konnte. Der Bildhauer dieses Inventars war der Bildhauer Johann Friedrich Blasius Ziesenis aus Hannover, dessen Kunstwerke in der Neustädter Kirche und in der Kreuzkirche in Hannover im Zweiten Weltkrieg ein Raub der Flammen wurden. Bereits 1767 hatte Johann Friedrich Blasius Ziesenis im Auftrage der Patronatsfamilie einen Entwurf für das Epitaph des Generalleutnants Friedrich Bock von Wülfingen angefertigt.Dieser Entwurf von Johann Friedrich Blasius Ziesenis befindet sich in dem Pfarrarchiv. Die Ausführung kam wahrscheinlich wegen der Kosten des Neubaus der Kirche nicht zustande. Der Generalleutnant hatte sich im Siebenjährigen Krieg große Verdienste erworben, die von Friedrich den Großen durch die Schenkung einer goldenen Tabaksdose gewürdigt wurden.

Zu Weihnachten 1771 stellte der Orgelbauer Georg Andreas Almes aus Hildesheim die ehemalige Orgel aus der Vorgängerkirche wieder auf. 1773 scheint die Rokoko-Kirche in allen Teilen fertig geworden zu sein, denn am 26. Oktober 1773 haben der Patron Generalmajor Wilhelm Bock von Wülfingen und der Pastor Ernst Ludolf Hogreve die Verteilung der Sitzplätze in der Kirche vorgenommen. Die Bauern, die Kötner und die Handwerker hatten ihren Sitzplatz im Chorgestühl, ebenso der Lehrer und auf der längeren Bank unter dem Epitaph die Garde du Corps-Reiter, die auf den Bauernhöfen einquartiert waren. Die Knechte saßen oben auf beiden Emporen. Für den Pastor und seine Familie war die Prieche an der Südseite des Altars und für die Kirchenvorsteher und die beiden von Bock’schen Vögte die Prieche auf der Nordseite des Altars bestimmt. Darüber hatte die Patronatsfamilie neben der Kanzel ihren Sitz. Für die Frauen waren die Bänke im Kirchenschiff vorgesehen. Jeder Bauernhof bekam eine ganze Bank, während zwei Kötnerfamilien in einer Bank saßen.

Die heutige Orgel wurde 1868 von den Gebrüdern Furtwängler aus Elze gebaut und in den barocken Orgelprospekt von 1697 eingefügt. Das Orgelwerk erhielt 1937 eine Klangverbesserung durch den Orgelbaumeister A. Faber, Salzhemmendorf. Der Orgelbaumeister Hermann Hillebrand aus Altwarmbüchen sorgte 1952 für eine Neuintonation der Orgel. Die romantische Disposition der Furtwänglerorgel wurde dabei durch eine barocke Disposition ersetzt. Dadurch erhielt die Orgelmusik von Johann Sebastian Bach beim Orgelspiel ihren ursprünglichen spätbarocken Klang. Zum 100-jährigen Jubiläum der Furtwänglerorgel am 3. Advent 1968 führte die Firma Hermann Hillebrand eine gründliche Erneuerung des Werkes und der Mechanik durch.Alfred Warnecke: Von den Orgeln in der Sankt-Marien-Kirche zu Wülfingen. Hrsg.: Ev.-luth. Kirchenvorstand Wülfingen. Wülfingen 1968. Im Jahr 1973 baute die Firma Hermann Hillebrand einen neuen Gebläsemotor für den Blasebalg der Orgel ein. Die Stimmung der Orgel wurde von der Firma Hermann Hillebrand durchgeführt, bis sie der Firma Emil Hammer Orgelbau aus Arnum übertragen wurde. Während einer Orgelstimmung stürzte deren Orgelstimmer in das Pfeifenwerk und beschädigte dabei zahlreiche Orgelpfeifen, die bei der Orgelrenovierung im Jahr 2003 von der Firma Hammer wieder hergestellt wurden.

Seit dem Jahr 1953 sind auf der Orgel jahrzehntelang Rundfunkaufnahmen mit Michael Schneider, Eduard Büchsel, Volker Gwinner, Lajos Rowatkay, Rudolf Ewerhart und anderen Organisten aufgezeichnet worden.

Aus der Vorgängerkirche stammen das Epitaph des Jobst Bruno Bock (1596), die beiden Kronleuchter von 1649 und 1716 und der Taufengel aus dem Jahre 1720. Aus der romanischen Kirche stammt ihr Inventar.

Das 19. Jahrhundert brachte der Kirche verschiedene Erneuerungen und Verbesserungen.

Der Kirchturm war 1843 so baufällig, dass die Westwand des Turmes erneuert werden musste. Im Lutherjahr 1883 wurde der Turm vom Bandgesimse an um ein Glockengeschoss erhöht und mit einem Turmhelm versehen. Das geht aus der Inschrift hervor, die sich an der Westseite des Turms befindet. Die Gesamthöhe des Turmes beträgt 38 Meter.Im 20. Jahrhundert wurde in Wülfingen gesagt, der eigentliche Grund für die Erhöhung des Kirchturms sei es gewesen, dass Wülfingen einen höheren Kirchturm besitzen wollte als Adensen. Bis 1954 trug der Turmhelm ein Schieferdach, aber im Jahr 1954 wurde der Turmhelm mit Kupferplatten eingedeckt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bekam der Turm ein Dach aus Schiefer, weil Saurer Regen das Kupferdach durchlöchert hatte.

Bis auf die Glocke von 1510 mussten 1942 die übrigen vier Glocken zum Einschmelzen abgegeben werden, von denen die beiden Glocken, die 1928 in der Radlerschen Glockengießerei in der Windmühlenstraße in Hildesheim gegossen waren, sofort eingeschmolzen wurden. Die Schlagglocke von 1592 und die 1787 umgegossene Glocke von 1600 erhielt die Kirchengemeinde aus dem Sammellager Wilhelmsburg im Jahr 1947 zurück. Wegen des schlechten Klanges der Glocke von 1600 war ein Zusammenläuten dieser Glocke mit der von 1510 nicht möglich. Deshalb hat die Glockengießerei F. W. Schilling, Heidelberg, 1952 zu der Glocke von 1510 drei neue Glocken auf die melodischen Tonfolge b-des-es-f hinzugegossen. Damit hat die Kirchengemeinde nach Aussage des zuständigen Glockenexperten ein Geläut erhalten, das zu den schönsten des Calenberger Landes gehört. Die Glocke von 1787 wurde eingeschmolzen.

Das Kircheninnere ist, nachdem 1855 und 1897 Neuvermalungen vorausgegangen waren, 1956 nach Plänen des Restaurators J. Bohland, Hildesheim, den der Landeskonservator Oskar Karpa aus Hannover empfohlen hatte, renoviert worden, und zwar der Kanzelaltar in den Farben des Jahres 1770.

In den Chorfenstern aus mundgeblasenem Glas befindet sich links ein bleiverglastes Fenster mit dem Wappen der Patronatsfamilie Bock von Wülfingen und rechts ein bleiverglastes Fenster mit der Darstellung von Maria mit dem Jesuskind, das an den Namen der Marienkirche erinnert. Diese bleiverglasten Fenster sind Geschenke des damaligen Patrons Detlef Bock von Wülfingen (1895–1984).

Die Kirche blieb bis zum Bau des Mausoleums der Familie Bock von Wülfingen die Begräbniskirche der Patronatsfamilie Bock von Wülfingen. Nach dem Bau des Mausoleums wurden die Begräbnisstätten in den Grüften unter der Kirche und unter dem Turm eingeebnet. Nur die Gruft der Elzer Linie blieb bestehen; sie befindet sich mit ihren Särgen unter dem Chor der Kirche und ist von außen zugänglich.

Der Raum unter dem Turm, der früher als Gruft für Särge der Familie Bock von Wülfingen benutzt worden war, wurde im Jahr 1950 zur Leichenhalle von Wülfingen umgewidmet. Im Jahr 1973 ist der Raum vom Kirchenvorstand renoviert worden; seitdem hängt das Turmkreuz, das bis 1954 auf der Turmspitze gestanden hatte, an der Südwand des Raumes. In diesem Abschiedsraum kann der Sarg bis zur Trauerfeier vor dem Kreuz aufgebahrt werden, falls er nicht Kühlung in einem Kühlraum benötigt. Vor dem Sarg können Angehörige Abschied nehmen von dem Toten. Die christliche Trauerfeier findet in der Marienkirche statt.

Romanischer Taufstein, barocker Taufengel und Taufständer im Rokokostil Der romanische Taufstein trägt noch sein Weihekreuz. Zur Taufe wurde der Taufstein in der romanischen Kirche mit Wasser gefüllt, damit das Kind bei der Taufe drei Mal im Wasser untergetaucht werden konnte. Der Taufstein stand später im Pfarrgarten und wurde nach dem Verkauf des Pfarrhauses neben dem Eingang zum Turm aufgestellt. Um das Jahr 1980 wurde der Taufstein wieder im Chor der Kirche aufgestellt.

Der 120 Zentimeter große weibliche Taufengel wurde gemäß dem Eintrag des Pastors Ernst Daniel Hogrefe in dem Pfarrlagerbuch von Wülfingen 1720 zum Preis von 19 Reichstalern von Gemeindegliedern und dem SchatzratSeit 1489 sind Schatzräte belegt, die die Erhebung und Verteilung der Steuern überwachten. Im Kurfürstentum und späteren Königreich Hannover bestand das Recht, einen Schatzrat des Schatzkollegiums (der Oberrechnungskammer) zu ernennen. Das Schatzkollegium wurde im Jahr 1848 aufgelöst. und Patron Georg Wilhelm Bock von Wülfingen gekauft und der Marienkirche geschenkt. Der Taufengel hing von 1720 bis 1769 in der 1501 erbauten Renaissancekirche neben dem Altar und hielt während der Taufe eine mit Wasser gefüllte Taufschale in der Hand. Nach dem Bau der Rokoko-Kirche in Wülfingen stand der Taufengel von Weihnachten 1771 bis zum Jahr 1956 oben auf dem 1697 erbauten barocken Orgelprospekt. Der Taufengel erhielt dazu eine farbige Bemalung, die zu der Farbgebung des barocken Orgelprospektes passte.