mini|John H. Capstick, Mitgründer der Morris County Traction Company Der Bezirk Morris County im US-Bundesstaat New Jersey hatte von 1904 bis 1928 ein normalspuriges Straßenbahnnetz, das weite Teile des Bezirks erschloss. Das Netz hatte eine Streckenlänge von etwa 80 Kilometern und besaß Gleisverbindungen mit der Straßenbahn Newark und der Straßenbahn Elizabeth, über deren Gleise die Bahnen die Innenstadt von Newark bzw. Elizabeth erreichten. Betreiber des Netzes war während der gesamten Zeit seines Bestehens die Morris County Traction Company (MCT), zuletzt mit Hauptsitz in der Bezirkshauptstadt Morristown.
Geschichte Vorgeschichte
Ende des 19. Jahrhunderts war das County mit rund 54.000 Einwohnern (Volkszählung 1890Daten der Volkszählungen auf census.gov (englisch)) noch sehr ländlich geprägt. Die wichtigsten Orte des Bezirks waren durch verschiedene Bahngesellschaften mit Eisenbahnstrecken erschlossen, darunter Strecken der Delaware, Lackawanna and Western Railroad und der Central Railroad of New Jersey. Zur Anbindung der Bahnhöfe an die Orte sowie der nicht durch Eisenbahnen erschlossenen Orte und um ein häufiger verkehrendes, preisgünstigeres Beförderungsmittel als die Eisenbahn zur Verfügung zu stellen, schlossen sich drei Unternehmer zusammen und gründeten am 8. Juni 1899 die Morris County Traction Company. Diese Unternehmer waren Robert Dumont Foote (1863–1924) aus Morristown, John Henry Capstick (1856–1918), ein späterer Kongressabgeordneter aus Boonton sowie George W. Stickle (1854–1932) aus Rockaway. Sie planten insgesamt 31 einzelne Streckenabschnitte:
+ Geplante Strecken der MCT, wie sie am 14. Juni 1899 eingereicht wurden.Lowenthal&Greenberg 2005, Seite 5. lfd. Nr. Linienweg lfd. Nr. Linienweg 1. Chatham – Madison – Morristown – Morris Plains – Mount Tabor – Denville – Rockaway – Dover – Wharton – Kenvil – Ledgewood – Lake Hopatcong/Landing – Netcong – Stanhope (in Sussex County) 17. Landing – Mount Arlington – Lake Hopatcong – Hurdtown 2. Morristown – Mt. Kemble Avenue – Van Doren’s Mill 18. Middle Valley – Long Valley 3. Millington – Long Hill Road – Myersville – Green Village – Spring Valley Road – South Street – Morristown 19. Netcong – Budd Lake 4. Morristown – Mendham – Chester – Long Valley – Hackettstown (in Warren County) 20. Lincoln Park – Pompton River 5. Madison – Greenwood Avenue – Ridgedale Avenue – Hanover 21. Pompton River – Butler – Smith’s Mills 6. Morristown – Mount Freedom – Succasunna – Ledgewood 22. Morristown – Morris Street – Whippany Road – Whippany 7. Morris Plains – Union Hill – Franklin Road – Dover 23. Morris Plains – Route 202 – Parsippany-Troy Hills – Boonton – Montville – Pompton Plains 8. Millington – Berkeley Heights (in Union County) 24. Morristown – Columbia Turnpike – Afton 9. Denville – Old Bloomfield Avenue oder Route 46 – Pine Brook 25. Whippany – Route 10 – Hanover 10. Chatham, Main Street – Passaic Avenue – Lower Chatham Bridge (Bezirksgrenze) 26. Convent Road (heute Park Avenue) – Madison Avenue 11. Chatham, Main Street – Summit Avenue – Edwards Mills (Bezirksgrenze) 27. West Park Place, Morristown 12. Rockaway – Green Pond Road – Newfoundland (in Passaic County) 28. Elm Street, Morristown 13. Dover – Union Turnpike – Woodport 29. Danforth Street (heute Danforth Road), Madison 14. Boonton – Boonton Avenue – Butler 30. Madison – Convent Road (heute Park Avenue) – Columbia Turnpike 15. Newfoundland – Berkshire Valley Road – Berkshire Valley 31. Morristown, Madison Avenue – Old Turnpike Road (parallel zur Eisenbahn) – Convent 16. Succasunna – Kenvil – Howard Boulevard – Mount Arlington
Das Netz sollte somit nahezu jede Siedlung des Countys erschließen. Aus nicht überliefertenLowenthal&Greenberg 2005, Seite 6. Gründen wurde jedoch weder die Gesellschaft formal aufgestellt, noch mit dem Bau begonnen, obwohl ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung standen. 1903 kam Frederick H. Alleman aus Harrisburg in Morris County an und bot an, die Bahngesellschaft zu unterstützen. Er hatte bereits Erfahrung mit Straßenbahnbetrieben in Pennsylvania. Dank seiner Bemühungen wurde Mitte 1903 die Gesellschaft aufgestellt. Mitbegründer Robert D. Foote wurde erster Präsident, Alleman wurde Generalmanager. Man plante zunächst, die Hauptstrecke von Chatham nach Netcong/Stanhope (Strecke 1) zu bauen, Alleman erweiterte die Planung jedoch über Chatham hinaus über Springfield und Union bis Elizabeth im benachbarten Union County. Alle anderen 30 geplanten Streckenabschnitte wurden zurückgestellt und sollten, bis auf ein Teil der Strecke 17, nie gebaut werden.
Letztlich gebaut wurden jedoch einige Strecken, die in der ursprünglichen Planung nicht enthalten waren. Allemans Plan sah vor, neben der Hauptstrecke auch eine Zweigstrecke von Denville über Boonton nach Singac zu bauen, wo das Netz an eine bestehende Strecke der Straßenbahn Paterson angebunden werden konnte. Außerdem waren Zweigstrecken von Springfield nach Westfield im Union County und über Maplewood nach Newark im Essex County geplant.Lowenthal&Greenberg 2005, Seite 11.
Bau des Netzes
Als erste Gemeinde des Countys erteilte die Stadt Dover am 12. August 1903 der MCT eine Konzession zum Bau und Betrieb einer elektrischen Straßenbahn innerhalb ihrer Stadtgrenzen. Die Nachbargemeinden Rockaway, Wharton und Randolph folgten bald. Bedingung war, dass die Strecke mindestens von 5 bis 24 Uhr im halbstündlichen Takt betrieben wurde und der Fahrpreis innerhalb von Dover und für Fahrten von Dover nach Rockaway und Wharton nicht höher als fünf Cent sein durfte. In Dover wurde an der Adresse 105 North Sussex Street die Hauptverwaltung der Bahngesellschaft eingerichtet, in den 1910er Jahren zog die Verwaltung nach Morristown um, wo sie am Park Place residierte.
Sofort begannen die Bauarbeiten in Dover und Anfang 1904 auch in Wharton und Rockaway. Zunächst wurde am 1. Juli 1904 als erste Straßenbahn in Morris County der Abschnitt vom Betriebshof der Bahn in East Dover östlich der Carrol Street durch die Blackwell Street bis zur Blackwell Street/Prospect Street im Westen von Dover eröffnet. Der Betriebshof wird noch heute als solcher genutzt, für die Busse der Lakeland Bus Lines. Kurz darauf wurde die Strecke im Westen nach Wharton verlängert. Ein Problem ergab sich in der West Blackwell Street, da die Delaware, Lackawanna and Western Railroad die Kreuzung ihrer Bahnstrecke nicht erlaubte. Die Fahrgäste mussten hier zunächst umsteigen und die Eisenbahn zu Fuß überqueren. Erst Ende des folgenden Jahres eröffnete die Straßenbahngesellschaft eine Brücke über die Eisenbahn. Die Verlängerung auf der anderen Seite bis nach Rockaway wurde noch 1904 eröffnet. Die Strecke begann nun im Zentrum von Rockaway in der West Main Street.
Gleichzeitig mit der Strecke durch Dover wurde auch an einer zweiten Strecke, im Süden des Bezirks, gearbeitet. Sie führte von Millburn über Springfield nach Summit und wurde Ende 1905 eröffnet. Die Endstelle in Summit lag zunächst an der Chapel Street, ab Mitte 1907 dann an der Orchard Street und ab Ende 1907 an den Bahnhöfen in Summit (Ecke Park Avenue/Overlook Road). Anfang 1906 wurde eine Zweigstrecke von Springfield nach Union in Betrieb genommen, wo sich die erste Endstation am „Meeker Inn“ (Ecke Morris Avenue/Stuyvesant Avenue) befand. Sie wurde 1909 bis Elizabeth verlängert, wo an der Cherry Street zunächst auf die Bahnen der Straßenbahn Elizabeth umgestiegen werden musste, um das Zentrum der Stadt zu erreichen. Ende 1908 ging noch eine Verlängerung von Millburn durch die Millburn Avenue bis zur Gemeindegrenze von Maplewood in Betrieb. Somit bestanden zunächst zwei voneinander unabhängige Netze um Springfield (Eastern Division) und um Dover (Western Division). Der Abschnitt in der Main Street von Millburn bis zum Betriebshof wurde zur Betriebsstrecke und bis 1914 mit der nicht genau datierbaren Schließung des Depots Millburn stillgelegt.
Ende 1906 ging der Abzweig von der Main Street/Blackwell Street in Wharton über Mine Hill, Kenvil und Succasunna bis zum Bahnhof Ledgewood der CNJ in der Main Street in Betrieb, die im folgenden Jahr bis Shippenport und Anfang 1908 bis zum Bahnhof Lake Hopatcong/Landing der DLW verlängert wurde. Zunächst musste am Bahnübergang in Kenvil umgestiegen werden, da die DLW auch hier die Querung ihrer Strecke untersagte, die jedoch später gerichtlich durchgesetzt werden konnte.
Auch am anderen Streckenende der Western Division wurde die Bahn verlängert, nämlich 1907 bis zur Franklin Avenue nahe dem Bahnhof von Rockaway und Ende 1908 bis Denville. Zwischen Denville und Rockaway musste dabei eine Hügelkette überwunden werden. Die Bahngesellschaft sprengte eine Schneise durch die Hügel und führte die Strecke durch diese. Die Schneise ist noch heute vorhanden und wird als „Mendes Cut“ bezeichnet. Sie befindet sich in westlicher Verlängerung der Broad Street in Denville. In den ersten Wochen musste hier noch umgestiegen werden, da die Bauarbeiten erst im Februar 1909 beendet waren. Mit dem Lückenschluss am Mendes Cut wurde die Strecke in Denville auch zum dortigen DLW-Bahnhof verlängert. Die weitere Verlängerung bis Mount Tabor erfolgte Mitte 1909. Aufgrund der Streckenerweiterung wurde 1910 der Betriebshof der Western Division in Dover erweitert.
Die Bezirkshauptstadt Morristown war bis dahin nicht an das Straßenbahnnetz angeschlossen. Generalmanager und seit 1907 auch Präsident der Bahn Frederick Alleman hatte noch Mitte 1908 versprochen, dass bis Ende des Jahres in Morristown die erste Straßenbahn fahren würde. Da er dieses Versprechen nicht halten konnte, trat er im Dezember 1908 zurück. Im folgenden Jahr wurde in Morristown ein Inselbetrieb eröffnet, der von der Western Division verwaltet wurde. Die Strecke führte von der Feuerwache am zentralen Platz, dem Morristown Green (Speedwell Avenue/Water Street), durch die Speedwell Avenue bis Five Corners (Route 202/Hanover Avenue). Wenige Wochen später wurde sie bis zum Bahnhof Morris Plains verlängert. Da es in Morristown keinen Betriebshof gab, wurden die Fahrzeuge nachts an der Endstelle in Morristown abgestellt.
1910 wurde das Netz der MCT umfangreich erweitert. Bei der Western Division verlängerte man die Strecke unter Mitbenutzung der Hopatcong Shore Railroad, die vom Bahnhof Landing zu einer Pulverfabrik führte. Die Eisenbahn wurde teilweise elektrifiziert und über eine kurze, neue Straßenbahnstrecke fuhren die Bahnen nun in den Sommermonaten, von Juni bis September, bis Bertrand’s Island. Der Abschnitt vom Bahnhof Landing bis dorthin wurde im Pendelverkehr alle 15 Minuten befahren. Von Morris Plains führte eine kurze Stichstrecke der DLW zum State Hospital „Greystone Park“, das noch heute existiert. Auch diese Eisenbahnstrecke wurde elektrifiziert und ab Mitte 1910 von den Straßenbahnen aus Morristown befahren. Die beiden Netze der Western Division wurden im selben Jahr durch die Eröffnung der Verbindung von Morris Plains bis Mount Tabor verknüpft, und außerdem durch eine Zweigstrecke von Denville nach Boonton ergänzt. Auch bei der Eastern Division wurde gebaut. Bereits Anfang 1910 war die Strecke in Summit bis zur Maple Street verlängert worden. Ab dem 23. Juli 1910 konnten die Straßenbahnen außerdem die Gleise der von der Public Service Railway betriebenen Straßenbahn Elizabeth bis zum dortigen Bahnhof mitbenutzen, sodass das Umsteigen an der Stadtgrenze entfiel.