Greifswald () ist die Kreisstadt des Landkreises Vorpommern-Greifswald im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern. Die Universitäts- und Hansestadt liegt an dem in die Ostsee mündenden Fluss Ryck am Greifswalder Bodden zwischen den Inseln Rügen und Usedom.
Am 14. Mai 1250 wurde Greifswald das Lübische Stadtrecht verliehen. Die 1456 gegründete Universität Greifswald mit rund 10.000 Studenten und rund 6000 Beschäftigten ist (nach Rostock) die zweitälteste Universität im Ostseeraum.
Die Stadt hat Einwohner () und ist damit die viertgrößte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns. Zusammen mit Stralsund bildet Greifswald eines der vier Oberzentren des Landes. Das gemeinsame Oberzentrum Stralsund und Greifswald hat zusammengenommen knapp 120.000 Einwohner.Statistisches Landesamt M-V: Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2020. (PDF-Datei; 6,4 MB) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011). Die Universitätsstadt ist Mitglied im länderübergreifenden Bund der Euroregion Pomerania.
Geografie Geografische Lage Greifswald liegt in Vorpommern zwischen den Inseln Rügen und Usedom an der Mündung des Flusses Ryck in die Dänische Wiek. Diese ist eine Bucht des Greifswalder Boddens, einer 514 km² großen Lagune der Ostsee.
Das Gebiet um Greifswald ist flach; das Gelände erreicht kaum . Die höchste Erhebung im Süden ist der im Naturschutzgebiet Eldena gelegene Ebertberg mit einer Höhe von , gefolgt vom Studentenberg (), Martensberg () und Helmshäger Berg ().
Zu Greifswald gehören die außerhalb des Stadtgebietes gelegenen Inseln Koos und Riems sowie ein Teil des Riems gegenüberliegenden Festlandes.
Stadtgliederung Kommunalrechtlich gibt es nach § 19 der Hauptsatzung in der Fassung vom 25. November 2024 acht Ortsteile, in denen zum Teil mehrere der historisch gewachsenen Stadtteile bzw. Viertel zusammengefasst werden. In diesen kommunalrechtlichen Ortsteilen wird jeweils eine Ortsteilvertretung mit je neun Mitgliedern gewählt. mini|hochkant=1.5|Karte der Stadtteile von Greifswald
Ortsteil Stadtteil Fläche(ha) Einwohner1992 Einwohner2002 Einwohner2011 Einwohner2019 Einwohner2020 Gemarkung „Greifswald“ Innenstadt Innenstadt 87,0 4.786 3.756 4.619 4.887 4.980 Steinbeckervorstadt 349,6 185 211 385 417 411 Fleischervorstadt 52,7 3.565 3.083 4.317 4.794 4.771 Nördliche Mühlenvorstadt 173,8 4.400 4.149 4.389 4.777 4.738 Südliche Mühlenvorstadt/Obstbausiedlung 108,1 5.449 4.608 5.436 5.842 5.852 Fettenvorstadt/Stadtrandsiedlung 657,3 2.265 3.209 4.006 4.917 5.019 Industriegebiet 634,7 785 696 817 1.174 1.182 Südstadt (s. u.) Gemarkungen „Groß Schönwalde“ und „Koitenhagen“ (eingemeindet 1974) Schönwalde II und Groß Schönwalde Groß Schönwalde 580,8 310 1.055 1.070 1.320 1.279 Schönwalde II 88,0 13.525 9.065 8.583 8.104 7.929 Schönwalde I / Südstadt Schönwalde I / Südstadt 132,1 15.236 11.396 10.740 11.076 11.153 Gemarkungen „Eldena“, „Ladebow“ und „Wieck“ (1939), „Riems“ (1957), „Friedrichshagen“ (1974) Eldena Eldena 675,5 1.319 2.163 2.242 2.278 2.343 Ostseeviertel Ostseeviertel 219,7 10.657 7.258 6.075 6.257 6.181 Wieck und Ladebow Ladebow 544,4 578 525 681 796 816 Wieck 44,2 378 458 418 477 474 Riems Riems / Insel Koos 233,6 1.020 665 545 483 500 Friedrichshagen Friedrichshagen 436,5 142 207 202 300 311
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn (von Norden beginnend): Mesekenhagen, Neuenkirchen, Loissin, Kemnitz, Weitenhagen, Hinrichshagen, Levenhagen und Wackerow (alle Gemeinden im Landkreis Vorpommern-Greifswald).
Klima
Geschichte mini|links|120px|Wappen von Greifswald im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig mini|Greifswald 1552; Gemälde von Johann Gottlieb Giese, Pommersches Landesmuseum Greifswald
Namengeschichte Das mittelniederdeutsche grip steht dabei für den Greif und ist wahrscheinlich als Bezug auf das Wappentier der pommerschen Herzöge zu verstehen,Günter Mangelsdorf: Zur Ur- und Frühgeschichte des Greifswalder Gebietes, zu den Anfängen des Klosters Eldena und der Stadt Greifswald im 12./13. Jahrhundert. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Helms, Schwerin 2000, ISBN 3-931185-56-7, S. 27.Teodolius Witkowski: Die Ortsnamen des Kreises Greifswald. Weimar 1978, S. 65 ().Dietrich Rahn: Die Orts- und Flurnamen des Stadt- und Landkreises Greifswald. Ihre Entstehung und ihre Bedeutung für die Pommersche Heimatkunde. J. Abel [Bruncken & Co.], Greifswald 1923, , S. 22 f. (Zugl.: Greifswald, Phil. Diss.). die später auch als Greifen bezeichnet wurden; das wolt/wold steht für Wald. Greif und Wald finden sich auch im Wappen Greifswalds wieder.
Der lateinische Name Greifswalds ist Gryphisvaldia.
Seit 1990 trägt die Stadt den Namenszusatz Hansestadt und bezeichnet sich nunmehr als Universitäts- und Hansestadt.
Mittelalter mini|links|Historischer Stadtkern Greifswalds von Norden aus gesehen. Colorierte Reprographie eines Kupferstichs aus dem 17. Jahrhundert mini|Belagerung Greifswalds 1659 durch die Brandenburger
Greifswalds Gründung in Pommern geht auf das Kloster Eldena zurück, zu dessen Gut es anfangs gehörte.Franz Scherer. In: Rat der Stadt Greifswald – Greifswald-Information (Hrsg.): Vom Festungswall zur Promenade. Greifswald 1989, S. 5. Für die Siedlung, an der sich zwei alte Handelswege kreuzten, erhielt das Kloster 1241 sowohl vom rügenschen Fürst Wizlaw I. als auch vom Pommernherzog Wartislaw III. urkundlich das Marktrecht verliehen.Horst Wernicke: Greifswald – so wie es war (= Fotografierte Zeitgeschichte). Droste, Düsseldorf 1995, ISBN 3-7700-1015-9, S. 5; Günter Mangelsdorf: Zur Ur- und Frühgeschichte des Greifswalder Gebietes, zu den Anfängen des Klosters Eldena und der Stadt Greifswald im 12./13. Jahrhundert. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Helms, Schwerin 2000, ISBN 3-931185-56-7, S. 26. Im Juni 1249 konnte Wartislaw III. das Kloster dazu bringen, ihm die Marktsiedlung Greifswald zu Lehen zu geben,Norbert Buske: Hinweise auf die Kirchengeschichte Greifswalds von der Gründung der Stadt bis in die Zeit der beiden Weltkriege. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Helms, Schwerin 2000, ISBN 3-931185-56-7, S. 164. und am 14. Mai 1250 verlieh er ihr das Lübische Stadtrecht, wodurch Greifswald fortan auch gegenüber den pommerschen Herzögen sehr viel unabhängiger war.Detlef Kattinger: Die Stadtentwicklung vom Ende des 13. Jahrhunderts bis 1500. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2000, ISBN 3-931185-56-7, S. 51. Die Stadt gehörte zum einflussreichen „Wendischen Quartier“. Allerdings genügte der Greifswalder Hafen schon im 14. und dann im 15. Jahrhundert den Anforderungen des Schiffsverkehrs nicht mehr, da er – anders als die Häfen in Stralsund, Wismar oder Rostock – versandete. Hierdurch fiel Greifswald gegenüber den anderen Hansestädten zurück.Detlef Kattinger: Die Stadtentwicklung vom Ende des 13. Jahrhunderts bis 1500. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Helms, Schwerin 2000, ISBN 3-931185-56-7, S. 37 f.; Thomas Brück: Die Greifswalder Schiffahrt im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit (1250 bis 1774). In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Helms, Schwerin 2000, ISBN 3-931185-56-7, S. 235 und 241.
1456 folgte Herzog Wartislaw IX. der Initiative des Bürgermeisters Heinrich Rubenow und gründete die Universität als pommersche Landesuniversität. Die Universitätsgründung in der kleinen Stadt wirkte sich prägend bis in die Gegenwart aus.
16. bis 18. Jahrhundert mini|hochkant|„Der Greifswalder Hafen“, Caspar David Friedrich, ca. 1818–1820, Alte Nationalgalerie mini|links|Greifswald, Marktplatz von Südwesten um 1840
Die Reformation hielt 1531 in Greifswald Einzug. Auf Veranlassung der Bürger kam der Stralsunder lutherische Geistliche Johannes Knipstro in die Stadt und konnte dort ohne große Gegenwehr Luthers Lehre einführen. Eine neue evangelische gelehrte Stadtschule wurde 1561 im aufgegebenen Franziskanerkloster gegründet. Unter dem Rektor Lucas Tacke gewann sie um 1600 viele Schüler.
Mit dem Dreißigjährigen Krieg kamen Not und Elend in die Stadt. Durch eine Pestepidemie wurden die Einwohner so stark dezimiert, dass zum Kriegsende nur noch die Hälfte der Häuser bewohnt war. Im Juni 1631 standen die Truppen des schwedischen Königs Gustav II. Adolf vor der Stadt und nahmen sie nach kurzem Kampf ein.
Der nachfolgende Zeitabschnitt, die so genannte Schwedenzeit, dauerte 184 Jahre. Die Schweden waren bis zum Wiener Kongress 1815 Herren über Vorpommern und damit auch für die Geschicke Greifswalds verantwortlich. 1713 und 1736 vernichteten Großbrände Teile der Innenstadt. In guter Erinnerung sind die Bemühungen der Schweden um die Greifswalder Universität geblieben. Nach deren Niedergang zum Ende des Dreißigjährigen Krieges kurbelten sie den Lehrbetrieb wieder an und ließen 1747 das heute noch bestehende Universitätshauptgebäude errichten.
19. Jahrhundert mini|Grundriss Greifswalds 1842
Nach dem Staatsstreich des schwedischen Königs Gustav IV. Adolf und der staatsrechtlichen Ausgliederung Schwedisch-Pommerns aus dem Heiligen Römischen Reich wurde am 26. Juni 1806 die schwedische Verfassung eingeführt und am 4. Juli die Leibeigenschaft aufgehoben.Norbert Buske: Pommern – Territorialstaat und Landesteil von Preußen: ein Überblick über die politische Entwicklung. Thomas Helms, Schwerin 1997, ISBN 3-931185-07-9, S. 55 f. Der Greifswalder Landtag im August 1806 diente vor allem der Repräsentation der neuen Verhältnisse.
In den Napoleonischen Kriegen besetzten Truppen Frankreichs und seiner Verbündeten 1807 bis 1810 sowie 1812/13 die Stadt. Im Zuge des Friedens von Kiel im Januar 1814 sollte Greifswald mit Schwedisch-Pommern an Dänemark fallen, kam aber während des Wiener Kongresses durch Abtretung des damals preußischen Herzogtums Lauenburg an Dänemark zu Preußen.
Die Übergabe an Preußen erfolgte am 23. Oktober 1815. Im Zuge der preußischen Verwaltungsreform wurde Greifswald 1818 Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises. In der Revolution 1848 beteiligte sich die Stadt an den Debatten um eine preußische Verfassung, die Demokraten bekamen in der Stadt sogar die Mehrheit. Der Arzt Axel Bengelsdorff führte die Bürgerwehr.
Mit dem Anschluss an die Fernstraße Berlin–Stralsund 1836 und dem Anschluss an das Eisenbahnnetz 1863Horst Wernicke: Greifswald – so wie es war. Droste, Düsseldorf 1995, S. 19 f. wurden Voraussetzungen geschaffen, dass sich in der vormaligen Landstadt eine – wenn auch bescheidene – Industrie entwickeln konnte. Im Jahr 1870 – spät im Vergleich zu anderen Städten – entstand eine unabhängige jüdische Gemeinde, die von der Stralsunder Gemeinde abgetrennt wurde.
20. und 21. Jahrhundert mini|Ostseite des Greifswalder Marktplatzes mit backsteingotischen Giebelhäusern 2013
Zur Jahrhundertwende entstanden großzügig bebaute neue Straßen, in denen sich die zunehmende wohlhabende Bürgerschaft niederließ. 1915 wurde ein Theaterneubau eröffnet. Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre machte sich durch große Arbeitslosigkeit bemerkbar.
Zeit des Nationalsozialismus
mini|Gedenktafel und Plakette für die Opfer des Bombenabwurfs am 13. Mai 1944 Zum Zentrum des Antisemitismus wurde die Studentenschaft der Universität, die 1933 die Aberkennung der Ehrensenatorwürde von Julius Lippmann und Arthur Kunstmann forderte. Der Boykott am 1. April 1933 traf viele Geschäfte, der entlassene Universitätspsychiater Edmund Forster nahm sich am 11. September 1933 das Leben.
Am 12. Februar 1940 wurden die verbliebenen jüdischen Einwohner Greifswalds in den Raum Lublin deportiert, auf Initiative des Gauleiters Franz Schwede, der seinen Gau Pommern als ersten im Reich für „judenfrei“ erklärte.