Giresun (das antike Cerasus, , , ) im Nordosten der Türkei am Schwarzen Meer gelegen, ist Hauptstadt und zugleich mit über 143.000 Einwohnern größte Stadt der gleichnamigen Provinz Giresun. Gleichzeitig ist sie auch Zentrum des zentralen Landkreises (Merkez).

Name der Stadt Die Herkunft des Namens Giresun ist umstritten, die Stadt hieß in der Antike , in der Neuzeit . Dieser Name stammt vermutlich von dem griechischen Wort , was ‚Kirsche‘ bedeutet,Hans Dieter Stöver: Quintus geht nach Rom. dtv junior, 24. Auflage. 2010, ISBN 978-3-423-70118-1, S. 27–28. oder vom ebenfalls griechischen . Laut Plinius dem Älteren leitet sich umgekehrt der Name der Kirsche von der Stadt her. Der römische Konsul und Feldherr Lucius Licinius Lucullus habe die Frucht prunus cerasus von dort mitgebracht und erstmals Kirschbäume in Italien gepflanzt.Plinius: Naturalis historia, XV, 30

Geographie Giresun liegt im Nordosten der Türkei an einem Horn am Schwarzen Meer. Typisch für die gesamte östliche Schwarzmeerküste der Türkei sind die Gebirgszüge und Berge des Pontus-Gebirges, die bis zur Küste des Schwarzen Meeres reichen. Für dieses Landschaftsbild ist die Region, nicht nur in der Türkei, bekannt. Ebene Flächen in der Stadt Giresun findet man lediglich an den schmalen Küstenstreifen und zwischen den beiden Flussläufen und -mündungen des Batlama und Aksu. Etwa zwei Kilometer vor der Küste befindet sich die kleine Insel Giresun Adası (Aretias). Nach der Griechischen Mythologie soll dort Herakles den Amazonen begegnet sein.

Stadtgliederung Trotz ihrer alten Geschichte ist Giresun heute eine moderne Stadt. Sie ist um eine gebirgige Halbinsel erbaut. Die Halbinsel von Giresun mit der Burg Giresun Kalesi auf ihrem höchsten Punkt ist eines der Wahrzeichen der Stadt und eine touristische Attraktion. Da ebene Flächen im Stadtgebiet rar sind, sind über die Jahre viele Stadtteile auf den Hängen der Berge zum Meer hin erbaut worden. Das Stadtbild ist größtenteils geprägt von engen und steilen Straßen, die ihr eigenes Flair vermitteln. Sogar die neu gepflasterte Haupteinkaufs- und Geschäftsstraße hat ein starkes Gefälle.

Die Stadt wird in 28 Stadtviertel (Mahalle) eingeteilt. Deren Einwohnerzahl reicht von über 10.000 (Teyyaredüzü 15.292, Gedikkaya 13.399 und Çıtlakkale 11.990 Einwohner) bis auf weniger als 300 Einwohner (Samanlıkkıranı 288, Çağlayan 280 und Cumhuriyet 245 Einwohner).

Landkreis Der zentrale Landkreis liegt in der Mitte der Provinz und hat die Kreise (İlçe) Bulancak im Westen, Dereli im Süden und Keşap im Osten als Nachbarn. Der Kreis ist bevölkerungsmäßig der größte, was wohl an der Provinzhauptstadt liegt – 85,8 % der Landkreisbevölkerung. Der Landkreis blieb seit Gründung der Türkei (1923) unverändert in seinem Territorium.

Derzeit (Ende 2020) besteht er neben der Kreis- und Provinzhauptstadt aus der Gemeinde (Belediye) Duroğlu (3.082 Einw.) und 53 Dörfern (Köy) mit durchschnittlich 320 Bewohnern (Gesamtbevölkerung aller Dörfer: 16.963 Einw.). Boztekke ist mit 932 Einwohnern das größte Dorf, das kleinste zählt 99 Einwohner.

Klima Das Klima ist feucht und mild. Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 15,1 °C, wobei im Februar mit 7,4 °C die kältesten und im August mit 24,3 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden.

Bevölkerungsentwicklung Nachfolgende Tabelle zeigt den vergleichenden Bevölkerungsstand jeweils am Jahresende für die Provinz, den zentralen Landkreis und die Stadt Giresun sowie den jeweiligen Anteil an der übergeordneten Verwaltungsebene. Die Zahlen basieren auf dem 2007 eingeführten adressbasierten Einwohnerregister (ADNKS).Central Dissemination System/Merkezi Dağıtım Sistemi (MEDAS) des TÜIK, abgerufen am 25. Juli 2021

Jahr Provinz Landkreis Stadt abs. % abs. % abs. 2020448.71231,25140.23185,81120.186 2019448.40030,97138.85884,94117.944 2018453.91229,94135.92083,70113.761 2017437.39330,85134.93783,31112.415 2016444.46730,41135.14479,88107.953 2015426.68630,18128.77983,15107.075 2014429.98429,34126.17283,81105.748 2013425.00729,21124.14482,41102.307 2012419.55529,35123.12981,79100.712 2011419.49829,22122.59782,47101.107 2010419.25628,55119.67781,0196.948 2009421.86028,25119.18179,6894.961 2008421.76627,58116.31077,4190.034 2007417.50527,29113.93678,3389.241

Volkszählungsergebnisse

+ Zu den Volkszählungen liegen folgende Bevölkerungsangaben über die Stadt, den Kreis, die Provinz und das Land vor:Genel Nüfus Sayımları (Volkszählungsergebnisse 1965 bis 2000), abgerufen am 18. Juni 2019 Region 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1997 2000 Stadt (Şehir) 25.33132.52238.23645.69055.88767.60474.14683.636 zentraler Kreis (Merkez) 70.32377.62280.10386.40594.746102.294104.400112.501 Provinz (İl) 428.015451.679463.587480.083502.151499.087460.805523.819 Türkei 31.391.42135.605.17640.347.71944.736.95750.664.45856.473.03562.865.57467.803.927

Geschichte mini|Pontosgriechisches Athletenteam von Giresun im frühen 20. Jahrhundert

Antike

Da in der Region bisher wenige Ausgrabungen stattfanden, ist nicht viel über die Geschichte der Stadt, die in der Antike Kerasus hieß, bekannt. Es wird vermutet, dass hier die Stadt Aripša lag, die zu Azzi gehörte und ca. 1312 v. Chr. vom hethitischen Großkönig Muršili II. erobert wurde.Charles Burney: Historical Dictionary of the Hittites. Rowman & Littlefield (2. Auflage), Lanham 2018, S. 49. Frühe Funde belegen, dass die Stadt ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. von Griechen bewohnt war und bestätigen damit antike Quellen, dass Giresun von Milesiern gegründet wurde.

183 v. Chr. wurde Kerasus, wie auch Sinope, vom pontischen Herrscher Pharnakes I. zerstört. Nach dem Wiederaufbau benannte er die Stadt in Pharnakeia um. Im Mittelalter gehörte Pharnakeia zur byzantinischen Provinz Armeniakon.

mini|(Topal) Osman Ağa.

Der Erste Weltkrieg

Der aus Giresun stammende Osman Ağa war Armeekamerad, Kommandeur und später der Leibwächter Mustafa Kemals. Im Zentrum von Giresun steht eine Statue von ihm als Denkmal und sein Grabmal befindet sich auf der Burg (Giresun Kalesi) von Giresun.

Wirtschaft Giresun ist bekannt als die Hauptstadt der Haselnüsse. In Giresun befindet sich mit Fiskobirlik eine der größten Haselnussfabriken der Türkei. Sie verkauft neben frischen Haselnüssen auch Nougatcremes, Haselnussöle und das Fındık ezmesi genannte Haselnussmus. Ein dominierender Abnehmer ist der italienische Süßwarenhersteller Ferrero. Das Unternehmen kaufte im 2019 etwa einen Drittel der gesamten türkischen Haselnussproduktion. Mondelez ist ein weiterer Abnehmer. Auch Ülker kauft Haselnüsse aus der Provinz Giresun. Yavuz Gıda San. Tic. A.Ş., Yavuzkan Hazel Fındık San. Tic. A.Ş., Ahmet Ak Gıda Tüketim Mad. San. Paz. Ltd. Şt. sind weitere wichtige Player im Haselnuss-Segment und gehören 2026 zur ISO 500 Liste. Cakirmelikoglu Mineral Water Enterprises ist ein Getränkehersteller mit Sitz in Giresun und Produktionsstätten in Bursa, welches 1997 gegründet wurde und die Getränke mit dem Namen Freşa und international unter dem Namen Fresher vermarktet. Ein weiterer Getränkehersteller ist Fatsu Meşrubat Sanayi ve Ticaret Anonim Şirketi, welches Fatsu-Wasser vermarktet. Giresun ist Sitz zahlreicher Privatsender wie Tempo TV, Mavi Karadeniz TV und Giresun TV.

Landwirtschaft Die Stadt hat eine sehr reiche Landwirtschaft, es werden vor allem Haselnüsse angebaut. Anbau von Walnüssen und Kirschen sowie Herstellung von Leder und Bauholz gibt es in Giresun ebenfalls.

Verkehr Der Personenverkehr erfolgt überwiegend mit dem Dolmuş und mit anderen städtischen Linienbussen. Jede Stadt wie Görele, Eynesil, Alucra usw. werden in der Provinz über diese angefahren. Der Städteverkehr von Giresun nach Istanbul, Samsun, Ankara, Sinop oder Trabzon erfolgt durch die vielen privaten Busfirmen wie z. B. mit Kamil Koç oder Ali Osman Ulusoy. Durch den Marshallplan hatte sich die Türkei auf den Personenverkehr via. Kraftfahrzeuge spezialisieren müssen und durfte keine bis wenige Zugstrecken bauen. Insbesondere seit 2003 erlebt das Schienenverkehrsnetz eine Wiederauferstehung und Erweiterung. Jahr für Jahr werden neue Strecken gebaut. Laut dem Verkehrsminister soll ein Zug von Samsun, über Giresun nach Trabzon in zwei Stunden fahren. Der Bau dieser Strecke wurde allerdings 2026 erneut vertragt auf die nächsten Jahre. Der Hafen von Giresun wurde in den sechziger Jahren vergrößert. Es erfolgt bislang reine Personenschiffsfahrt zu Giresun Adası. Giresun teilt sich mit der Stadt Ordu den Flughafen Ordu-Giresun (OGU) in Gülyalı mit Direktverbindungen nach Ankara-Esenboga (ESB), Istanbul-Airport (IST) sowie Istanbul-Sabiha Gökcen Airport (SAW) sowie saisonale Flüge nach Düsseldorf (DUS).

Bildung Die Stadt hat städtische und renommierte weiterführende Schulen (Lise) und eine Universität (Giresun Üniversitesi).

Küche Die Küche der Stadt ist typisch türkisch und beinhaltet daher Kebab, Pilav und dickflüssige Suppen. Zudem ist ein Kiymali genanntes Gebäck mit gewürztem Hackfleisch sehr bekannt. In der Stadt und der Umgebung wird viel mit Schwarzkohl gekocht, wie Suppen und Sarma, eine Kohlroulade. Frische Fische und Sardellen sind in der Küche von Giresun üblich.

Sehenswürdigkeiten mini|Blick auf die Insel von Giresun von der alten Festung aus. mini|Archäologisches Museum Giresun von oben (eine ehemalige Kirche). Giresun Adası (Insel von Giresun) Giresun Kalesi (Festung von Giresun) Topal Osman Anıtı (Denkmal von Topal Osman Ağa) Meryem Ana Kiliselesi ve Manastırları (Kirche und Kloster) Gebe Kilisesi (Kirche) Fatih Camii und Kurşunlu Cami (Moscheen) Giresun Arkeoloji Müzesi (Archäologisches Museum) Die Stadt hat mehrere Sandstrände, die mit den Dolmuş zu erreichen sind.

Persönlichkeiten Osman Ağa (1883–1923), Akteur des Ersten Weltkrieges und des Türkischen Unabhängigkeitskrieges Erden Alkan (* 1941), Schauspieler Semra Sar (* 1943), Schauspielerin Yaman Okay (1951–1993), Theater-, Film- und Fernsehschauspieler Mehmet Aygün (* ca. 1956), deutsch-türkischer Unternehmer Nurettin Canikli (* 1960), Politiker Avni Kertmen (* 1961), Badmintonspieler Süleyman Abay (* 1973), Fußballschiedsrichter Kenan Yelek (* 1975), Fußballspieler Tolga Seyhan (* 1977), Fußballspieler Cevat Yerli (* 1978), deutsch-türkischer Spielentwickler und Unternehmensgründer Gökdeniz Karadeniz (* 1980), Fußballspieler Hüseyin Atıcı (* 1986), Leichtathlet Erol Can Akdağ (* 1996), Fußballspieler Furkan Külekçi (* 2001), Fußballspieler Alperen Şengün (* 2002), Basketballspieler

Partnerstädte Sagae, Japan (1988) Taganrog, Russland (1995) Şəki, Aserbaidschan (2001) Alba, Italien (2019)

Bilder

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ionische Stadtgründung Kategorie:Milet