mini|St. Dionysius-Kirche Die evangelisch-lutherische St. Dionysius-Kirche ist eine Kirche in Adensen, die nach Dionysius, dem ersten Bischof von Paris, benannt ist.

Kirchengeschichte Das adlige Geschlecht der Herren von Adenoys begründete am Ende des 10. Jahrhunderts in Adensen die St. Dionysius-Kirche, zu der die Ortschaften Adensen, Bodensen und Pussensen (Pustessen) gehörten. Nach dem Wüstwerden von Bodensen und Pussensen (Pustessen) und der Entstehung der Ortschaft Hallerburg umfasste die Kirchengemeinde vom 14. Jahrhundert an die Ortschaften Adensen und Hallerburg.

Das Patronat der Kirchengemeinde blieb bis 1322 bei den Herren von Adenoys, ging dann an die Grafen von Hallermund über und wurde von diesen am 14. April 1385 auf das damalige Augustinerinnenkloster und spätere Damenstift im Kloster Wülfinghausen übertragen. Das Patronatsverhältnis blieb bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bestehen.

Im Jahr 1361 wird erstmals ein Geistlicher aus Adensen mit Namen Johann urkundlich erwähnt.Orig. Wülfinghausen Nr. 193. C. U. VIII Nr. 125. Weitere acht katholische Geistliche aus vorreformatorischer Zeit sind namentlich bekannt. Nachdem sich die Reformation in Adensen und Hallerburg 1543 durchgesetzt hatte und die Kirchengemeinde Adensen evangelisch-lutherisch geworden war, ist 1544 Henricus Sanderus (Sander) erster evangelisch-lutherischer Geistlicher in Adensen geworden.Achim Gercke: Die Sankt-Dionysius-Kirche in Adensen. Selbstverlag Adensen 1950. S. 38 (dominus henricus ist dort zu streichen).

In Adensen bestand bis zur Reformationszeit eine Laienbruderschaft mit dem Namen Unseren lieben Frauen. Sie verfügte über eigenes Grundvermögen und nahmen Aufgaben der Kirchengemeinde wahr.

Bis 1924 wurden die Kirchengemeinden Adensen und Wülfingen im Jahr 1924 als selbständige Kirchengemeinden unter einem gemeinsamen Pfarramt zusammengeschlossen. Der Sitz des Pfarramtes war seit 1924 Wülfingen. Der Wohnsitz des Pastors befand sich zunächst in Wülfingen und seit 1947 in Adensen.

mini|Diese Inschrift im Gewölbe der St. Dionysius-Kirche erinnert an den Pastor Henricus Dreveler, der Pestkranke besuchte und pflegte und daraufhin an der Pest erkrankte und starb. Mit Wirkung vom 1. Juli 2010 wurde die pfarramtliche Verbindung der Kirchengemeinden Adensen und Wülfingen von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers aufgehoben.Kirchliches Amtsblatt fur die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers Nr. 4/2010 vom 2. August 2010, Nr. 45, S. 80 f. Die Kirchengemeinde Adensen verfügt nicht mehr über ein eigenes Pfarramt. Sie gehört in dem Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld zusammen mit den Kirchengemeinden Burgstemmen, Mahlerten und Heyersum zu dem Pfarramt Burgstemmen-Mahlerten-Heyersum-Adensen. Dieses Pfarramt und das Pfarramt Nordstemmen bilden die Region Nordstemmen im Amtsbereich Elze des Kirchenkreises, der zum Sprengel Hildesheim-Göttingen gehört. Die Kirchengemeinde Adensen wird weiterhin von einem eigenen Kirchenvorstand geleitet, der auch die Trägerschaft der Friedhofsverwaltung von Adensen wahrnimmt.

Pestzeit Im Jahr 1626 wütete die Pest in Adensen und Hallerburg. Der Pastor Henricus Dreveler war ursprünglich ein Adenser Hirtenjunge. Er wurde durch Spenden und auf Kosten der Kirchengemeinde Adensen zum Pastor ausgebildet. Er war von 1614 bis 1619 Pastor in Marienthal und wirkte nach dem Tod seines Schwiegervaters und Amtsvorgängers Walter Lange von 1619 bis 1626 als Pastor in Adensen. Er pflegte die Pestkranken und starb selber 1626 an der Pest, wie die Pfarrakten berichten. Aus Dankbarkeit setzte die Kirchengemeinde die von ihm häufig gebrauchte Redewendung Ein Dinck kimpt Selzen (= Ein Ding kommt seltsam = Es kommt anders als erwartet) als Inschrift in das Gewölbe der Kirche.

Baugeschichte Kirchturm und Ottonische Kirche Der romanische Kirchturm stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde im 14. Jahrhundert nach oben hin verlängert. Der Heimatforscher Achim Gercke geht 1950 in seiner Festschrift Die Sankt-Dionysius-Kirche Adensen (Seite 12) davon aus, dass der Turm ursprünglich ein Wehrturm gewesen ist. In der nördlichen Turmwand befindet sich noch die ehemalige schmale Turmtreppe, die vom Gewölberaum im Erdgeschoss des Turmes zum Glockenturm hinaufführt und später durch eine breite Turmtreppe ersetzt wurde, die sich in der angebauten westlichen Eingangshalle der Kirche befindet. Die von dem adligen Geschlecht der Herren von Adenoys am Ende des 10. Jahrhunderts erbaute Kirche könnte sich am Standort dieses Kirchturms befunden haben, möglicherweise in dem Gewölberaum des Kirchturms. Es gibt aber dafür bisher keinen archäologischen Nachweis.

Bis zum Ersten und Zweiten Weltkrieg hingen auf dem Kirchturm die folgenden Glocken: Im Jahr 1917 wurden die beiden großen Bronzeglocken, die bereits im 17. Jahrhundert umgegossen waren und wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert stammten, zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert. Die kleine Schlagglocke aus Bronze (Querschnitt 0,43 m, Höhe ca. 0,51 m) stammte aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zusammen mit der Bronzeglocke zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert. Sie ist 1875 von J. H. Bartels umgegossen worden und trug die Inschrift O Land, Land, Land höre des Herrn Wort. Achim Gercke: Die Sankt-Dionysius-Kirche in Adensen (Kreis Springe). In: Festschrift des Heimatbundes Niedersachsen Ortsgruppe Adensen zur 700-Jahr-Feier am 1. Advent 1950. Selbstverlag, Adensen 1950. S. 30 f.

Romanische Kirche In der Verlängerung des Kirchturms und in dessen Breite stand die nach Osten ausgerichtete einschiffige romanische Kirche, die von dem Friedhof umgeben war. Der Gewölberaum im Erdgeschoss des Turmes diente als rückwärtiger Teil der romanischen Kirche. Bauteile aus der romanischen Kirche (Basen und Kapitelle von Zwergsäulen) wurden als Rippenkonsolen im Chor der späteren gotischen Kirche weiterverwendet. Die Datierungen dieser archäologischen Fundstücke ermöglichen Rückschlüsse auf die Bauzeit der romanischen Kirche in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Gotische Kirche Die gotische Sakristei ist im 14. Jahrhundert an die damalige romanische Kirche angebaut worden; sie enthält eine Piscina und eine niedrige Eingangstür, die den Eintretenden zwingt, sich vor Gott zu verneigen.

Die nördliche Seitenwand der romanischen Kirche wurde 1484 abgebrochen; stattdessen erhielt die Kirche in einem ersten Bauabschnitt 1484 (Inschrift am äußeren nordöstlichen Eckstrebepfeiler) ein nördliches Seitenschiff. Die Kirche wurde mit gotischen Spitzbogenfenstern versehen und 1494 eingewölbt (Inschrift am westlichen Halbkreisgurt). Diese noch unfertige gotische Kirche erhielt einen eigenen Dachstuhl. Der Altar befand sich an der Nordwand, wie eine 1987 freigelegte Wandöffnung zeigt, in der damals die Abendmahlsgeräte aufbewahrt worden sind. In jener Zeit entstanden mittelalterliche Fresken in dem westlichen Mittelschiffsgewölbe über dem heutigen Standort der Orgel. Sie enthalten in ihrer Gesamtheit eine Darstellung des Jüngsten Gerichtes und des Höllenschlundes. Die Fresken wurden 1987 entdeckt, freigelegt und gefestigt.

Im zweiten Bauabschnitt hat man den Chorabschluss der romanischen Kirche abgebrochen; dann wurde der gotische Chor im Osten der Kirche mit seiner polygonal gestalteten Apsis gebaut und eingewölbt. Das bestehende Dach wurde nach Osten hin erweitert, mit einem eigenen Dachstuhl versehen und mit dem Dachstuhl der Sakristei verbunden. Wenn man von außen auf den Dachfirst blickt, sieht man eine Senke an der Stelle, an der die beiden Dachstühle einander gegenüberstehen. Die Fertigstellung der Bauarbeiten fällt in das Jahr 1503 (Inschriften am äußeren östlichen Eckstrebepfeiler).

Ausstattung mini|Der neugotische Altar ist ein Teil des Kanzelaltars, den der Landesbaumeister Wellenkamp im Jahr 1852 errichtet hat. mini|Bildtafel am Kanzelaltar in der St. Dionysius-Kirche aus dem Jahr 1852. mini|Neugotische Ausstattung des Innenraumes der St. Dionysius-Kirche in den Jahren 1852 bis 1958. Die Fotografie wurde vor 1918 aufgenommen.

Barock Der Taufstein (1607) trägt die Meisterinitialen MB. Er stammt aus der gleichen Werkstatt wie die Taufsteine von Möllensen (1607), Sibbesse (1607) und Eberholzen (1611). Der Taufstein besitzt eine große Innenschale, die das inzwischen nicht mehr übliche Untertauchen des Kleinkindes bei der Taufe ermöglichte. Er besaß etwa ab 1700 einen der Taufsteinoberfläche angepassten und mit rotem Stoff bezogenen Deckel, der oben spitz zulief und von einem gedrechselten Knauf gekrönt wurde. Dieser Deckel bestand noch 1935.Nachweis: Aufnahme IFDN 1444 vom Bildarchiv Foto Marburg aus dem Jahr 1935. Der Jungmädchenkreis spendete 1967 eine Taufkanne sowie eine flache Taufschale mit Deckel.

1621 wurde ein Barockaltar aufgestellt, von dem zwei Gemälde des ehemaligen Altaraufsatzes erhalten sind (Kreuzigung, Abendmahl mit Klosterdamen vom Kloster Wülfinghausen). An der Südwand des Chores befindet sich ein Epitaph des 1668 im Chor der Kirche begrabenen Pastors Arnold Elvers (Elverus).

Im Jahr 1626 wütete die Pest in Adensen und Hallerburg. Pastor Henricus Dreveler, ursprünglich Hirtenjunge und auf Kosten der Kirchengemeinde zum Pastor ausgebildet, pflegte die Pestkranken und starb selber 1626 an der Pest. Aus Dankbarkeit setzte die Kirchengemeinde die von ihm häufig gebrauchte Redewendung Ein Dinck kimpt Selzen als Inschrift in das Gewölbe der Kirche.

Neugotik Die heutige Innenausstattung der Kirche mit Kirchengestühl, Emporen, Kanzelaltar und Orgelprospekt erfolgte 1852 im neugotischen Stil unter der Leitung des hannoverschen Landesbaumeisters Anton Eduard Bruno Wellenkamp (* 27. Februar 1812 in Kassel; † 25. Oktober 1875 in Göttingen).In der Kirche findet sich am Altar nur der Eintrag Wellenkamp. Offenbar handelt es sich um Eduard Wellenkamp. Siehe und . Die geschnitzten Kanzelfiguren stammen von dem hannoverschen Bildhauer Georg Ludwig Hurtzig (* 27. März 1812 in Hannover; † 14. Oktober 1865 in Hannover).Dirk Böttcher: Hannoversches biographisches Lexikon: von den Anfängen bis in die Gegenwart, Hannover 2002, S. 181. Die Orgel wurde 1852 von dem Orgelbaumeister Philipp Furtwängler in Elze erbaut.Eberhard Jäger: Die Orgeln des ehemaligen Kreises Springe. Ein Beitrag zur Geschichte vom Wandel des Klangideals. Mit einem Anhang: Die Glocke des ehemaligen Kreises Springe. (Norddeutsche Orgeln, Band 9). Verlag Pape, Berlin 1975. - Eberhard Jäger: Auf den Spuren von Christhard Mahrenholz. In: Aspekte der Orgelbewegung im Auftrag der Gesellschaft der Orgelfreunde hrsg. von Alfred Reichling. Veröffentlichung der Gesellschaft der Orgelfreunde Band 155. Merseburger Verlag, Kassel 1995, S. 299–320. Die Emporen im Chor der Kirche sind bei der Kirchenrenovierung 1958 entfernt worden, um Raum zu schaffen für das Adenser Kruzifix, das seitdem an der südlichen Chorwand angebracht ist.

Inventar Glocken Im Jahr 1917 wurden die beiden großen Bronzeglocken, die bereits im 17. Jahrhundert umgegossen waren und wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert stammten, zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert. Die kleine Schlagglocke aus Bronze (Querschnitt 0,43 m, Höhe ca. 0,51 m) stammte aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zusammen mit der anderen Bronzeglocke zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert. Sie ist 1875 von J. H. Bartels umgegossen worden und trug die Inschrift O Land, Land, Land höre des Herrn Wort. Achim Gercke: Die Sankt-Dionysius-Kirche in Adensen (Kreis Springe). In: Festschrift des Heimatbundes Niedersachsen Ortsgruppe Adensen zur 700-Jahr-Feier am 1. Advent 1950. Selbstverlag, Adensen 1950. S. 30 f.