rechts|rahmenlos Der Myers-Briggs-Typenindikator (kurz MBTI, von ) – nach Katherine Cook Briggs und Isabel Myers – ist ein alltagspsychologischer Test, mit dessen Hilfe die von Carl Gustav Jung entwickelten „psychologischen Typen“ erfasst werden sollen. Der MBTI wurde 1944 veröffentlicht und ist der von Unternehmen am häufigsten verwendete Persönlichkeitstest.
Der Test, das Testkonzept und die zu Grunde liegende Theorie gelten in der Psychologie als ungeeignet und entsprechen nicht den Standards empirisch fundierter Diagnostik: Jung selbst lehnte kategorisierende Tests, wie den vermeintlich auf seinen Ideen basierenden MBTI, ab. Die beiden Autorinnen des Tests waren auch keine Wissenschaftlerinnen oder Psychologinnen. Die Gütekriterien (Validität, Reliabilität und Normierung) des MBTI sind alle stark umstritten (siehe Abschnitt Kritik). Einzelne Einschätzungen reichen von "teilweise vorhanden" bis hin zur Einstufung als "Managementesoterik".Lau, V. (2013): Schwarzbuch Personalentwicklung. Insbesondere die Validität, sprich die inhaltliche Aussagekraft des Tests, ist stark zweifelhaft (siehe Kritik). Der Test wird aus diesen Gründen von Wissenschaftlern nicht zum Einsatz in der Personalpsychologie oder Diagnostik empfohlen.
Abgrenzung Der MBTI, der 16 Persönlichkeitstypen beschreibt und auf der Typologie von Carl Gustav Jung basiert, ist nicht zu verwechseln mit zahlreichen anderen Modellen, die die Typen-Abkürzungen des MBTI übernommen haben. Hierzu zählen bspw. die Sozionik und der Keirsey Temperament Sorter.
Manche von diesen wurden aus der Kombination des MBTI mit dem Big-Five-Persönlichkeitstest entwickelt, ihr Mehrwert oder zusätzlicher Erkenntnisgewinn ist wissenschaftlich aber nicht dokumentiert, zumal die zahlreichen Varianten die grundlegenden Probleme von Typologien und der lexikalischen Methode (SedimentationshypotheseAmelang, M. (2006). Differentielle psychologie und persönlichkeitsforschung. W. Kohlhammer Verlag.) nicht überwunden haben.Myers, D. (2013): Psychology. Worth Pulischers, S. 524 ff. und Asendorpf, J. B. (2018): Persönlichkeit. Springer, S. 27 ff.
Andere benutzen sogar die Typen-Abkürzungen des MBTI, obwohl sie gar nicht auf dem MBTI basieren, beispielsweise der 16-Persönlichkeits-Faktoren-Test (16PF) von Raymond Bernard Cattell, der – ähnlich wie der Big-Five-Persönlichkeitstest – nach der lexikalischen Methode mithilfe der Faktorenanalyse entwickelt wurde und zufriedenstellende Gütekriterien nachweisen kann,Hossiep, R. & Mühlhaus, O. (2015): Personalauswahl und -entwicklung mit Persönlichkeitstests. Hogrefe. sowie 16 Personalities, der bekannteste und von Laien meistverwendete Persönlichkeitstest, der Ende der 2010er Jahre zu einem anhaltenden Internet-Trend wurde und so auch den MBTI bekannter machte, obwohl er eigentlich auf dem Big-Five-Persönlichkeitstest basiert.
Einführung Der MBTI baut auf der Typologie von Carl Gustav Jung auf. Die Landwirtschaftsexpertin und Schriftstellerin Katherine Cook Briggs und ihre Tochter, die Politikwissenschaftlerin und Krimi-Autorin Isabel Myers, griffen diese auf und führten Messreihen durch. Sie nutzten die Ergebnisse, um das Center for Applications of Psychological Type zu gründen, das Persönlichkeitseinschätzung kommerziell anbietet.
Der Original-MBTI-Fragebogen ist nur gegen Gebühr über lizenzierte Trainer erhältlich, in der Regel verbunden mit einem anschließenden Beratungsgespräch. Es gibt zahlreiche ähnlich aufgebaute frei erhältliche Tests und Fragebögen, die auf dem gleichen Prinzip wie der MBTI basieren, jedoch nicht dessen Qualitätskriterien entsprechen. Ein bekanntes Beispiel ist der Keirsey Temperament Sorter.
Die Reliabilität (Zuverlässigkeit) des MBTI ist schlecht, und es kommt sehr häufig vor, dass jemand sich nicht mit dem Typ identifizieren kann, den der Test ergeben hat. Auch wenn man sich dann für einen Typ entschieden hat, dem die eigene Persönlichkeit am ehesten entspricht, kann man leicht Übereinstimmungen mit einigen anderen der 16 Typen finden und so je nach Tagesform und Situation über mehrere Typen wechseln. Bei Wiederholungen des Tests nach mehreren Wochen oder Monaten schwankt der Typ häufig.David J. Pittenger: Cautionary comments regarding the Myers-Briggs Type Indicator. In: Consulting Psychology Journal, 2005
Klassifikation Carl Gustav Jung bemerkte in seinem Umgang mit Patienten, dass der Umgang mancher Menschen mit der Welt schlicht anders war als sein eigener. Er notierte diese Beobachtungen und deren charakteristische Merkmale, benannte sie und machte sich die Kenntnis der Persönlichkeitseinschätzung wieder für seine Arbeit zunutze. Grundlegend für das Modell ist die Einschätzung der Typen in vier Funktionen (Denken/Fühlen, Sensorik/Intuition), die jeweils mit den Attributen introvertiert oder extravertiert belegt wurden. Der MBTI löste die Attribute von den Funktionen und erstellte daraus Dimensionen (E/I, N/S, F/T – die Orientierung J/P wurde durch Briggs und Myers-Briggs hinzugefügt), die jeweils die dominierende Präferenz bezeichnen. Die Abfolge der Buchstaben ist geteilt in zwei Wahrnehmungsfunktionen und zwei Beurteilungsfunktionen (bei Jung waren es zwei plus eine). Wichtig dabei ist, dass im MBTI eine bimodale Verteilung mit einer sehr harten Trennung zwischen den jeweiligen Dichotomen verwendet wird. Das führt dazu, dass es keine Ausprägungen gibt, sondern nur eindeutige Präferenzen (z. B. Rechts- oder Linkshänder). Alle Funktionen und Orientierungen sind bei allen Menschen vorhanden. Der MBTI gibt Aufschluss darüber, welche Funktion präferiert benutzt wird und auf welche nachrangig zurückgegriffen wird.
Indikator Präferenz Beschreibung Motivation, Antrieb () Extraversion (Extraversion, E) Beschreibt die Motivation zur Sinneserfahrung.
Ein außenorientierter Mensch ist kontaktfreudiger und breiter interessiert, ein innenorientierter Mensch konzentrierter und intensiver. Man spricht auch von der Tendenz zur Weite (E) bis Tiefe (I) der Sinneserfahrung. Introversion (, I) Aufmerksamkeit () Intuition (, N) Beschreibt die Verarbeitung der Sinneseindrücke.
Der intuitive Geist verlässt sich stärker auf seinen sechsten Sinn, also auf die Interpretation und den Gesamtzusammenhang. Er achtet eher auf das Ganze als auf dessen Teile und ist eher zukunfts- und möglichkeitsorientiert. Er steht außerdem mit Kreativität in Verbindung in Form einer besseren Fähigkeit zu divergentem Denken.
Der sensorische Geist gewichtet die „Rohdaten“ bzw. unmittelbaren Eindrücke am höchsten. Er ist detailorientiert und exakt im Verarbeiten von konkreter Information sowie im Begreifen des Hier und Jetzt.
Es wird davon ausgegangen, dass Sensoriker etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Bevölkerung ausmachen. Sensorik (, S) Entscheidung () Denken (, T) Beschreibt die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden.
Der Denker (thinking) betrachtet die ihm vorliegenden Informationen eher von einem rationalen Standpunkt und versucht, mittels objektiver Wertesysteme (z. B. Gesetze) zu Entscheidungen zu gelangen. Er ist resultatorientiert im Sinne der optimalen Lösung der Sache.
Der Fühlende (feeling) beachtet seine persönlichen Wertesysteme (Moral) stärker. Er urteilt entsprechend dieser Systeme und ist bemüht, alle Parteien zu einer Lösung der Sache mitzunehmen.
Hier wird von einer Gleichverteilung bei geringfügig mehr Fühlern ausgegangen. Gleichzeitig besteht hier die größte Unausgewogenheit zwischen den Geschlechtern. Schätzungen zufolge sind etwa zwei Drittel der Denker Männer und etwa zwei Drittel der Fühler Frauen. Fühlen (, F) Lebensstil () Wahrnehmung (, P) Beschreibt die Tendenz, die Eindrücke der Umwelt schnell zu strukturieren oder noch länger weitere Eindrücke aufzunehmen.
Der Wahrnehmer (perceiving) ist lange offen für neue Eindrücke und zeigt sich bereit, seine Entscheidungen und Pläne zugunsten neuer Informationen zu überdenken. Das bedeutet auch, dass man spontaner handelt und sich flexibler unregelmäßigen Umständen anpassen kann. Im Gegensatz dazu steht die Entschiedenheit.
Der Urteilende (judging) entscheidet bereits, bevor ihm alle Informationen vorliegen, und hält an einmal getroffenen Entscheidungen und eingeschlagenen Wegen auch unter widrigen Umständen fest. Bevorzugt handelt er systematisch und planmäßig. Falls erforderlich, werden Pläne angepasst, jedoch werden diese ungern völlig verworfen. Der Urteilende hat außerdem eine stärkere Neigung zum Dominieren und Kontrollieren. Er zeigt im Handeln weniger Spontaneität, dafür jedoch mehr Disziplin und Beständigkeit.
In dieser Dimension ist ungefähr von einer Gleichverteilung auszugehen. Beurteilung, Entscheidung (, J)
Jeder Mensch ist in der Lage, entsprechend den vorliegenden Ereignissen angepasst zu handeln, jedoch bevorzugen die meisten Menschen bestimmte, bevorzugte Herangehensweisen. Das wird hier als Typen bezeichnet.
Über Gruppenstudien wurden Tests entwickelt, die ohne Einzelgespräch schon eine Einschätzung des MBTI-Typus erlauben. Wenn ein solcher Test I(3) S(5) T(6) J(5) ergibt, dann schreibt man kurz ISTJ als Kurzbezeichnung. Jedes Viererkürzel hat dabei auch einen Eigennamen, der jedoch je nach Autor und Sprachversion verschieden sein kann. Der ISTJ heißt nach Keirsey „Inspektor“ und beschreibt besonders verlässliche Zeitgenossen. Eine solche Kategorisierung ist allerdings umstritten, da sie Klischeebilder fördert.
Funktionen Die Funktionen mit den Attributen introvertiert und extravertiert bilden den Kern des MBTI-Modells. Sie sollen erklären, wie die Persönlichkeit eines Typen aufgebaut ist. Jedoch gibt es berechtigte Zweifel an ihrer Validität (siehe Kritik) und einige Autoren, die an der Entwicklung mitarbeiteten, wie z. B. David Keirsey, haben sich komplett von dem Modell abgewandt. In der restlichen Literatur über den MBTI tauchen sie oft gar nicht auf und werden durch die vier Dimensionen (siehe oben) ersetzt. Auch wenn die Funktionen an denen von Jung angelehnt sind, werden sie etwas anders aufgefasst.
Beschreibung der Funktionen: Sensorik introvertierte Sensorik (Si) vergleicht das aktuelle Geschehen auf subjektiver Basis mit Informationen aus der Vergangenheit und versucht Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu finden. Aus diesem Grund sind solche Menschen häufig Anhänger eher traditioneller Werte und Konventionen, manchmal mit einem Hang zur Sentimentalität und Nostalgie. extravertierte Sensorik (Se) nimmt Informationen mit allen „fünf Sinnen“ wahr und verarbeitet diese zu Erfahrung mit Fokussierung auf das Hier und Jetzt. Informationen werden dabei in der Außenwelt von Objekten und körperlichen Aktivitäten wahrgenommen. Sie sind realistisch und häufig auf der Suche nach Spaß und Unterhaltung. Von äußeren Prozessen lassen sie sich häufig beeinflussen oder neigen zum Sensation Seeking. Intuition introvertierte Intuition (Ni) interessiert sich für zukünftige Geschehnisse, sucht dabei nach Signifikanz und versucht das Unbekannte zu ergründen. Ihre Visionen wollen sie durch Kunst oder Prophezeiungen äußern. Ihre Ideen können sehr ungewöhnlich sein, weswegen sie häufig missverstanden werden. extravertierte Intuition (Ne) interessiert sich für Möglichkeiten und versucht, Ideen und Informationen untereinander zu verbinden. Sie möchten etwas verändern und verbessern, haben dafür viele Ideen und nehmen einen hohen Einsatz auf sich. Situationen, in denen sich nichts verändern und verwirklichen lässt, langweilen sie. Bei der Suche nach ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten können sie u. U. viel Zeit verlieren, weil sie sich nicht gerne festlegen und lieber ein neues Projekt beginnen, als das alte abzuschließen.
Fühlen introvertiertes Fühlen (Fi)