Julius Jahn & Sohn war eine Orgelbaufirma in Dresden (Sachsen). Das Familienunternehmen existierte von etwa 1907 bis 1933 und gehörte zu den führenden sächsischen Orgelbaufirmen seiner Zeit. Es wurde in dritter Generation von Johannes Jahn bis zu seinem Tod geführt und hatte seinen Sitz in der Josephinenstraße 18 (heute etwa bei der Josephinenstraße 4). Von den mehr als 40 Orgelneubauten sind bis auf die Orgel im Dresdner Johannisfriedhof heute keine Instrumente unverändert erhalten. Die Jahn-Orgel der Dresdner Versöhnungskirche wurde bei einer Restaurierung in den Jahren 2008–2011 dem ursprünglichen Zustand angenähert.Julius Jahn im Dresden-Lexikon, abgerufen am 14. September 2019.

Geschichte Das Familienunternehmen wurde von dem aus Thüringen stammenden Johann Friedrich Nikolaus Jahn begründet. Er heiratete die Witwe von Carl August Kayser und führte dessen Werkstatt fort, die von Johann Christian Kayser gegründet worden war. Der Sohn Julius Ferdinand E. Jahn (* 31. Mai 1829 in Dresden; † 14. Oktober 1910 in Dresden) ist um 1861 als Geselle von Emil Wiegand nachgewiesen. Dessen Sohn Johannes Jahn (* 24. Januar 1868; † 21. Februar 1933) war wohl schon vor dem Tod des Vaters in der Firma einflussreich. Um 1900 fertigte das Unternehmen pneumatische Kegelladen, ab 1909 auch elektrische Trakturen. Johannes wurde 1904 zum „Königlich Sächsischen Hoforgelbauer“ ernannt. Im selben Jahr wurde er Teilhaber, ab 1910 Inhaber des Familienunternehmens, das etwa ab 1907 unter dem Namen „Julius Jahn & Sohn“ firmierte. Mit dem Tod von Johannes Jahn erlosch die Firma im Jahr 1933.Pape (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Bd. 1: Thüringen und Umgebung. 2009, S. 139.

Werk Unter Johann Jahn wurden einige innovative technische Neuerungen in den Orgelbau eingeführt. So setzte er statt des Barkerhebels einen pneumatischen Arbeitsbalg ein und erfand 1911/1912 eine 20-fache Setzeranlage, die auf einem Lochkartensystem beruhte. Ab 1899 stellte er Pfeifen aus Porzellan her und schuf die erste Orgel mit Porzellanpfeifen.Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister. 1991, S. 215. Neben über 40 Orgelneubauten wurden ebenso viele bestehende Orgeln umgebaut und Dispositionen geändert, darunter auch einige Orgeln von Gottfried Silbermann.Pape, Hackel (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Bd. 2: Sachsen und Umgebung. 2012, S. 164. Stilistisch sind die Werke der dritten Generation von der Spätromantik geprägt. Dass nicht viele Werke erhalten sind, hängt mit dem wandelnden Geschmack ab 1925 im Zuge der Orgelbewegung zusammen, aufgrund dessen Jahn-Orgeln ersetzt oder tiefgreifend umgebaut wurden. Anderen Instrumenten war keine Langlebigkeit beschieden, da minderwertiges Material verwendet wurde., abgerufen am 14. September 2019. Wieder andere Instrumente wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Werkliste (Auswahl) Die Größe der Instrumente ist durch die Anzahl der Manuale (römische Zahl) und die Anzahl der klingenden Register (arab. Zahl) angegeben. Ein selbstständiges Pedal ist durch ein großes „P“ gekennzeichnet. Eine Kursivschreibung zeigt an, dass die betreffende Orgel nicht mehr oder nur noch der Prospekt erhalten ist.

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Info 1879 Dorfhain Evangelisch-Lutherische Kirche II/P 15 nicht erhalten → Orgel 1885 Lockwitz Schlosskirche Lockwitz II/P 21 Schröter/Jahn Orgel, nicht erhalten → Orgel 1885 Weixdorf (Ortschaft) Pastor-Roller-Kirche zentriert|160x160px II/P 16 → Orgel 1889 Langenbach Michaeliskirche zentriert|160x160px II/P 13 restauriert 2002 → Orgel 1893 Rodewisch Sächsisches Krankenhaus Rodewisch II/P 14 1966 umgesetzt nach Mügeln St. Johannis → Orgelum 1900 Leipzig Paulinerkirche, Schulorgel zentriert|160x160px II/P 8 von Eule erweitert, 1968 vor der Sprengung ausgebaut, seit 1995 im Chorraum der Peterskirche Leipzig (Bild), aber weiterhin im Eigentum der Universität. → Orgel 1906 Pesterwitz St. Jakobus zentriert|160x160px II/P 23 1993 durch Neubau Orgelbau Wünning ersetzt, 4 alte Register und das Gehäuse werden übernommen → Orgel 1907 Gröba bei Riesa Ev.-luth. Kirche zentriert|160x160px II/P 25 Hinter dem Prospekt von Johann Georg Friedlieb Zöllner (1795), 1978 Restaurierung und Dispositionsänderung durch Johannes Schubert 1908 Bernsbach Pfarrkirche zur Ehre Gottes zentriert|160x160px II/P 29 hinter dem Prospekt der Orgel von Trampeli; 1999 durch Neubau von Georg Wünning ersetzt 1908 Netzschkau Evangelische Schlosskirche II/P 29 in den 1950er Jahren baufällig, 1956 teilweise instand gesetzt, 1980 abgebrochen, 1981 durch Umsetzung einer urspr. von von Schmidt & Berger stammenden Orgel ersetzt 1909 Wildbach bei Bad Schlema Dorfkirche Wildbach zentriert|160x160px II/P Erweiterungsumbau der Orgel von Johann Andreas Hesse (1814) 1909 Dresden Annenkirche III/P 50 nach dem Zweiten Weltkrieg verändert → Orgel 1909 Dresden-Striesen Versöhnungskirche 160x160px III/P 49 Nach Umbau 1939 wurde die Orgel 2008–2011 in mehreren Bauabschnitten teilweise dem Originalzustand angenähert.Jahn-Orgel der Versöhnungskirche Dresden-Striesen, abgerufen am 14. September 2019. Allerdings wurde die Doppelfunktion des Fernwerks (Kirche/Gemeindehaus) nicht wiederhergestellt, das Fernwerk erhielt eine pneumatische statt elektropneumatische Traktur und die Orgel einen neuen Spieltisch nach Bauform Wilhelm Sauer. → Orgel 1910 Rittmitz bei Ostrau Kirche Rittmitz 12 1910 Obergruna Kirche Obergruna II/P 12 1910 Nossen Lehrerseminar II/P 7von Johannes Jahn, Orgel 1951 umgesetzt von den Gebrüdern Jehmlich (Otto & Rudolf), Dresden nach Dresden/Gittersee, Paul-Gerhardt-Kirche → Orgelum 1910 Schmiedeberg Zur Heiligen Dreifaltigkeit zentriert|160x160px 1911 Dresden-Tolkewitz Urnenhain Tolkewitz, Altes Krematorium zentriert|160x160px II/P 16 1947 durch Jehmlich erweitert; Umstellung auf elektropneumatische Traktur; 2014/2015 Restaurierung durch Ekkehart Groß (PDF-Datei; 1,57 MB), abgerufen am 14. September 2019. → Orgel 1912 Pulsnitz St. Nicolai zentriert|160x160px III/P 35pneumatische Kegellade; mehrfach umgebaut → Orgel 1912 Rabenau St. Egidien II/P 20 1912 Crandorf Kirche Crandorf zentriert|160x160px II/P 23 1912 Zwickau Käthe-Kollwitz-Gymnasium (Zwickau) zentriert|160x160px II/P 27 Orgel 1912 erbaut von Julius Jahn & Sohn für das Königlich-Sächsische Lehrerseminar, seit 1947 Käthe-Kollwitz-Gymnasium; 1956 Umbau der Orgel durch Gebrüder Jehmlich (Otto & Rudolf), Dresden, op. 722. 1904 und 1915 Leipzig Paulinerkirche III/P 92 Erweiterung der Orgel von Johann Gottlob Mende (1843) und Friedrich Ladegast (1874, III/P/66); 1968 mit Sprengung der Kirche zerstört1915–1916 Oberbobritzsch St. Nikolai zentriert|160x160px I/P 13 Eingreifender Umbau der Orgel von Gottfried Silbermann (1714–1716)Greß: Die Orgeln Gottfried Silbermanns. 2007, S. 137 f. → Orgel1915–1916 Dresden Frauenkirche zentriert|160x160px III/P 43 Erweiterung der Orgel von Gottfried Silbermann (1732–1736) auf IV/P/65 und Umbau, Zerstörung 1945 → Orgel 1917–1919 Schellerhau Dorfkirche Schellerhau nicht erhalten → Orgel 1927 Pirna Marienkirche zentriert|160x160px III/P 56 Erweiterung der Orgel von Friedrich Nikolaus Jahn (1842, II/P/44) hinter dem Jahn-Gehäuse von 1890; 1950 und 1979 von Eule umgebaut, 2005 restauriert; verändert erhalten → Orgel 1928 Dresden-Tolkewitz Johannisfriedhof 160x160px II/P 15 einzige original erhaltene Jahn-Orgel → Orgel 1929 Dresden-Trachau Apostelkirche160x160pxII/P20 1958 durch Neubau von Alexander Schuke ersetzt und in die St. Jodokus-Kirche Glösa überführt. Sanierungen erfolgten 1980, 2005. 1929–1930 Eckartsberga Stadtkirche II/P 20

Literatur

Frank-Harald Greß, Michael Lange: Die Orgeln Gottfried Silbermanns (= Veröffentlichungen der Gesellschaft der Orgelfreunde, 177). 3. Auflage. Sandstein, Dresden 2007, ISBN 978-3-930382-50-7.

Weblinks Julius Jahn im Dresden-Lexikon Jiří Kocourek: Organ index: Julius Jahn & Sohn

Einzelnachweise

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