Die Burg Wakayama ( bzw. selten , Wakayama-jō), auch Takegaki-jō (), Torafusu-jō () genannt, ist eine japanische Burg in der Stadt Wakayama. Die Burg war Sitz der Kishū-Tokugawa, einer der drei Tokugawa-Zweigfamilien.

Geschichte Die auf Befehl von Toyotomi Hideyoshi als weiterer Schwerpunkt neben der Burg Ōsaka errichtete Burg kam nach der Schlacht von Sekigahara 1600 an Asano Yoshinaga. Die Burg, in sicherer Lage auf dem „Sich hinstreckenden Tiger“-Berg () erhebt sich über dem nahen Fluss Kinokawa. Die Asano bauten die Burg aus, aber bereits 1619 wurde der 10. Sohn des Tokugawa Ieyasu, Yorinobu (1602–1671) damit belehnt. Der erhielt, von der Burg Mito kommend, mit 18 Jahren ein riesiges Lehen mit einem Einkommen von 555.000 Koku. Er besaß damit genügend Mittel, um die Burg zwischen 1621 und 1629 so groß auszubauen, dass es dem Shōgunat missfiel.

Die Burg wurde im Juli 1945 im Zuge des Zweiten Weltkrieges bombardiert und zerstört.

Die Burganlage

Grundlegende Anlage Die Burg Wakayama ist eine Hirayamajiro (), eine Hügelburg. Die Burganlage gliedert sich in mehrere Burgbereiche, die Kurawa (). Sie wurde auf dem Berg Torabusu-yama () errichtet, dessen Gipfelbereich aus zwei Erhebungen besteht; auf dem Westgipfel () wurde der Tenshu-kuruwa () mit dem Tenshu-Komplex errichtet, während sich auf dem Ostgipfel () der Honmaru () mit dem Honmaru-Palast befand. An den Hängen und am Fuß des Berges schließen sich unter anderem der Ni-no-maru (), der Nishi-no-maru (), der Matsu-no-maru (), der Kura-no-maru (), der San-no-maru (), der Minami-no-maru () und der Suna-no-maru () an:

Honmaru Da sich der Honmaru Goten Palast () auf dem Ostgipfel befand, begannen die Daimyō im Ni-no-maru Goten Palast () am Fuße der Anhöhe zu wohnen. Der erste Daimyō, Tokugawa Yorinobu, und seine Ehefrau Yōrin-in, eine Tochter Katō Kiyomasas, sowie der 14. Daimyō, Tokugawa Mochitsugu, und seine Ehefrau Prinzessin Tomiya Noriko, eine Tochter des kaiserlichen Prinzen Fushimi-no-miya Kuniie, nutzten den Honmaru-Palast als Wohnsitz. Da Prinzessin Tomiya Noriko dort wohnte, wurde er auch Miya-sama Goten () genannt. links|mini|Erhaltene Treppe zum Honmaru Der 1621 angelegte Garten des Honmaru enthielt den Shichifuku-no-niwa Steingarten (), der einem Schatzschiff () nachempfunden war. Im Zusammenhang mit der Einrichtung einer Wasserversorgungsanlage wurde er 1923 in den Matsu-no-maru umgesetzt.

Tenshu-kuruwa mini|Zugang zum Tenshu-kuruwa durch das Tenshu-nino-mon (hinter Baum) mit Dai-Tenshu (rechts) Der Bereich Tenshu-kuruwa () besitzt einen nahezu rautenförmigen Grundriss und eine Grundfläche von 2640 m². Er besteht aus folgenden Tenshu, Yagura und Toren (Mon):

Dai-Tenshu () – Haupt-Tenshu Shō-Tenshu () – kleinerer Tenshu Inui-yagura () Ninomon-yagura () Tenshu-nino-mon () – das einzige Bauwerk des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Tenshu-kuruwa, das in Holzbauweise rekonstruiert wurde. Daidokoro () – Küchenbereich

Tenshu-Komplex mini|Tenshu-Komplex mit Grundrisstyp Renritsushiki der Burg Wakayama Der Tenshu-Komplex im Tenshu-kuruwa besteht aus einem miteinander verbundenen Dai-Tenshu und Shō-Tenshu. Darüber hinaus sind die Tenshu-Gruppe und zwei Gruppen von Yagura durch Watari-yagura () miteinander zu einer Raute mit Innenhof verbunden. Diese Bauweise, eine Tenshu-Anlage mit mehreren Türmen, wird als Renritsushiki () bezeichnet. Zusammen mit der Burg Himeji und der Burg Matsuyama (Iyo) zählt die Burg Wakayama zu den drei bedeutendsten Burgen mit Renritsushiki-Grundriss in Japan.

1798 ließ Tokugawa Harutomi (), der zehnte Daimyō des Han, während der Kansei-Zeit einen weißen Tenshu mit weiß verputzten Wänden errichten. Nachdem der Turm 1846 durch einen Blitzeinschlag zerstört worden war, erhielt die Burg aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einem der drei Hauptzweige der Tokugawa-Familie die besondere Genehmigung zum Wiederaufbau (Siehe Buke Shohatto Bestimmungen). Der neue Tenshu wurde 1850 weitgehend nach dem Vorbild des zerstörten Vorgängerbaus errichtet.

Der wiedererrichtete Dai-Tenshu besaß drei Geschosse auf drei Ebenen. Der Dai-Tenshu besitzt mit seinen Hiyoku-Irimoya-Hafu () zwei symmetrisch angeordnete Irimoya-Giebel, die wie ein Flügelpaar wirken. Das Baujahr des zuvor abgebrannten Tenshu ist unbekannt. Es gibt jedoch sowohl die Theorie, dass er von Asano Yoshinaga errichtet wurde (Baujahr 1600) als auch die Theorie, dass Tokugawa Yorinobu ihn errichten ließ (Baujahr 1619). mini|Blick aus Dai-Tenshu über Tenshu-Komplex mit Inui-yagura (hinten mittig) auf die Stadt Als der Tenshu 1847 abbrannte, wurde auch ein fünfgeschossiger Dai-Tenshu erwogen. Hierfür wurden ein Tenshu-Hinagata (), ein Holzmodell des Tragwerks, sowie Bauzeichnungen angefertigt. Aufgrund der Rücksichtnahme auf das Shōgunat und finanzieller Schwierigkeiten wurde jedoch offenbar weitgehend die Konstruktion des vorherigen Tenshu übernommen. Lediglich die Gestaltung der Außenwände wurde geändert, indem die bisherige vermutete Shitami-itabari-Verkleidung (), eine Verkleidung aus horizontal überlappenden Holzbrettern, durch eine vollständig mit weißem Shikkui-Putz () verkleidete Außenfläche ersetzt wurde.

Der Tenshu war als Kokuhō (), damals noch als sogenannter „alter Nationalschatz“, ausgewiesen, brannte jedoch beim Luftangriff auf Wakayama am 9. Juli 1945 nieder. Die heutige Anlage wurde 1958 auf Bestreben der Bürger hin rekonstruiert. Als Grundlage dienten dabei erhaltene Bauzeichnungen des Tenshu sowie das Werk Gotenshu Gofushin Oboegaki (). Die Rekonstruktion erfolgte nach den Vorgaben des emeritierten Professors der Technischen Hochschule Tokio, Fujioka Michio, als äußere Rekonstruktion in Stahlbetonbauweise. Da die herangezogenen Quellen und Zeichnungen keine Angaben zur Höhe der Tenshu-Gruppe enthielten, wurde deren Höhe anhand des Höhenverhältnisses zu anderen auf Fotografien vor der Zerstörung sichtbaren Bauwerken berechnet.

Ni-no-maru mini|Tenshu-Komplex mit Ni-no-maru (links vorne), dem Nishi-no-maru (vorne mittig) und Ohashi-Roka Brücke Mit Ausnahme von Yorinobu und Mochitsugu lebten die Daimyō im Ni-no-maru goten Palast. Da dieser dem Honmaru-Palast der Burg Edo, im heutigen Tokio, nachempfunden war, gliederte er sich in Omote (), Nakaoku () und Ōoku (). Ein Ōoku befand sich ausschließlich auf den Burgen Edo, Wakayama und Nagoya.

Der Omote diente als Verwaltungszentrum des Kii-hans, während der Nakaoku als Arbeits- und alltäglicher Wohnbereich des Daimyō fungierte. Der Ōoku war der Wohnbereich der Haupt- und Nebenfrauen des Daimyō. Heute ist der Bereich des ehemaligen Omote und Nakaoku als Platz öffentlich zugänglich; der Bereich des ehemaligen Ōoku wurde als Rasenfläche gestaltet.

Nishi-no-maru mini|En'yokaku Pavillion Der Nishi-no-maru enthält:

Nishi-no-maru-Garten (), auch Momijidani-teien Garten (), mit dem En'yokaku Pavillion () Ohashi-Roka Brücke () Matsu-no-maru-yagura und hohe Steinmauer () Okaguchi-mon Tor () – wichtiges Kulturgut Oimawashi-mon Tor () Kōshō-an Teehaus ()

Der Nishi-no-maru-Garten der Burg Wakayama ist ein japanischer Garten, der zu Beginn der Edo-Zeit zusammen mit dem Nishi-no-maru-Palast angelegt wurde. Er wird auch Momijidani-teien Garten genannt und diente als Rückzugsort des Daimyō nach dessen Ausscheiden aus dem Amt. Die Anlage nutzt die topografische Lage am nordwestlichen Fuß des Burgbergs und verfügt unter anderem über den En'yokaku Pavillion und einen zweistufigen Wasserfall.

Der Garten wurde jedoch zusammen mit dem Tenshu und anderen Teilen der Burg im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1972 wurde der En'yokaku anhand von Bauzeichnungen und anderen Unterlagen rekonstruiert. Im Zuge der Rekonstruktion der Ohashi-Roka Brücke wurden jedoch erneut Untersuchungen des Gartenteichs und anderer Bereiche durchgeführt. Dabei wurde vermutet, dass sich der En'yokaku ursprünglich nicht an seinem heutigen Standort, sondern ungefähr in der Mitte des Teichs befand.

Außerdem schenkte Matsushita Kōnosuke dem Garten das Teehaus Kōshō-an (). Der Nishi-no-maru-Garten ist als Meishō (), also als besonders bedeutende Landschaft, ausgewiesen und gilt als Daimyō-Garten mit erhaltenen Strukturen aus der frühen Edo-Zeit.

Am ehemaligen Standort des Tsuru-no-tani-mon Tores () befinden sich außerdem die Überreste des Tsuru-no-tani-teien Gartens () aus der Zeit der Herrschaft der Familie Asano. Das Yamanuki-Tal vor dem Nishi-no-maru-Garten war bis zur Herrschaft der Tokugawa ein Wassergraben.

Ohashi-Roka Brücke mini|Aufsteigende Ohashi-Roka Brücke Die Ohashi-Roka Brücke () ist eine überdachte, ansteigende Brücke, die den Ni-no-maru, in dem der Daimyō wohnte, mit dem Nishi-no-maru und dessen Garten verbindet. Sie war mit Wänden versehen, damit die Bewegungen des Daimyō von außen nicht bemerkt werden konnten. Die Brücke wurde 2006 anhand von Bauzeichnungen aus der Edo-Zeit in Holz rekonstruiert und kann heute begangen werden.

San-no-maru Im San-no-maru reihten sich die Residenzen hochrangiger Samurai des Han aneinander, darunter die Anwesen der einflussreichen Familien Mizuno, Andō und Miura. Nach der Abschaffung des Han in der Meiji-Restauration 1871 und der Einrichtung der Präfekturen entstanden dort öffentliche Einrichtungen, Schulen, Gewerbebetriebe und ein Geschäftsviertel.

Kura-no-maru Entlang der Steinmauer am Ostgraben befand sich früher ein Tamon-yagura (), ein länglicher Yagura. Daher ist dort eine lange Gangi Treppe (), eine steinerne Treppe, die auf die Oberseite von Steinmauern oder Erdwällen führt, erhalten, die den Soldaten den Auf- und Abstieg ermöglichte.

Matsu-no-maru Vom Matsu-no-maru-Yaguradai (), Plattform des ehemaligen Yagura, soll der erste Daimyō, Yorinobu, den Berg Ryūmonzan, auch „Kishū-Fuji“ genannt, betrachtet und sich dabei an seine Heimatprovinz Suruga erinnert haben.

Burgtore

Okaguchi-mon mini|Okaguchi-mon mit Mauersockeln der ursprünglichen Yagura Das Okaguchi-mon () war während der Herrschaft der Familie Asano das Haupttor, Ōte-mon ()Für die verschiedenen Tortypen siehe den Artikel Mon., der Burg. Gegen Ende der Asano-Zeit wurde es vom Haupttor zum Hintereingang, Karamete-mon (), umgebaut. Das heute erhaltene Yagura-mon () wurde 1621 während der umfassenden Renovierung der Burg durch Tokugawa Yorinobu neu errichtet.

Das heutige Torgebäude besitzt ein Datteldach, ein Kirizuma-yane (). Ursprünglich schlossen sich jedoch auf beiden Seiten des Torbaus Tsuzuki-yagura (), direkt angebaute Yagura, an.

Oimawashi-mon mini|Oimawashi-mon Das Oimawashi-mon () verband den Reit- und Übungsplatz des Suna-no-maru mit dem Pferdeplatz Ogiba außerhalb der Burg. Sein Name soll darauf zurückgehen, dass dort Pferde umhergetrieben wurden. Es handelt sich um einen älteren Typ des Kōraimon (), wie er beispielsweise auch auf der Burg Himeji erhalten ist.

Bei den Restaurierungsarbeiten von 1984 bis 1985 wurde festgestellt, dass das Tor während der Edo-Zeit rot lackiert gewesen war. Es wird daher angenommen, dass es sich um ein Akaguchi-mon () handelte.

Akaguchi-mon Als Akaguchi-mon werden Tore bezeichnet, die als Zugang zu einem Gosho-den (), dem Wohnsitz einer Tochter des Tokugawa-Shōgunhauses dienten, die in eine Daimyō-Familie von mindestens drittem Rang eingeheiratet hatte. Auch Tore von Residenzen, in denen eine solche Frau aufgenommen wurde, konnten rot gestrichen werden.

Im Fall der Burg Wakayama wird jedoch vermutet, dass das Tor aus Gründen des Aberglaubens rot gestrichen wurde, da es vom Goza-no-ma () im Ni-no-maru, dem Wohnbereich des Daimyō, aus gesehen in Richtung des Ura-kimon (), also nach Südwesten (), lag.

Kyōbashi-mon Das Kyōbashi-mon () war ein Yagura-mon (), das nördlich des Ōte-mon, auch Ichi-no-hashi-mon () genannt, lag. Es befand sich am Nordgraben, dem heutigen Graben Ichibori, und soll auch einen Aussichtsturm besessen haben.

Honmachi-mon