mini|hochkant=1.4|Dorfkirche Wamckow 2009 mini|hochkant|Glockenstuhl 2009

Die evangelische Dorfkirche Wamckow ist eine turmlose Feldsteinkirche in Wamckow, einem Ortsteil von Kobrow im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.

Geschichte Wamckow wurde 1256 erstmals urkundlich erwähnt, als Pribislav, Fürst von Richenberg, seinem Kaplan Jordan die Pfarre zu Wahmkowe mit der Filiale Hohen Pritz verlieh.MUB, II. (1864) Nr. 770. Villa et ecclesia Prituzen, que est filia ecclesi in Womekowe, in prefata villa Pretutsen Duos mansos ad ecclesiam, et hos cum omne iure preter sententiam capitalem, er de quolibet manso Dimidium siliginis annuatium, in stagno adiacenti preter sagenam ad suos usus liberam piscaturam.Peter Mugay: Aus der Historie des Kirchleins. Schildow 2001, S. 243–244. Am 19. Juni 1279 wurde Pfarrer Jordan aus Wamckow bei der Einweihung der Parchimer Neustadt-Kirche durch den Schweriner Bischof Hermann bei einem Rechtsstreit als Zeuge Jordano, plebano in Wamekow genannt.MUB, X. (1877) Nr. 7200.Friedrich Lisch: Die S. Marien-Kirche auf der Neustadt Parchim. In: MJB, 33 (1868) S. 165–166. In der Urkunde von 1256 sind auch die Nachbarorte Niendorf und Turloff sowie die vor 1600 wüst, d. h. untergegangenen Dörfer Buchholz und Stampe erwähnt worden. Im folgenden Jahrhundert ist zu Wamckow weiter nichts zu erfahren. Im Testament des Sternbergers Priesters und ständigen Vikar Johann Walk vom 30. September 1367 wurde auch der Kirchherr rectorem ecclesie Henricum aus Wamekowe genannt.MUB XVI. (1893) Nr. 9685. Die Adelsfamilie von Wamekow soll sich nach dem Gut und Ort Wamckow benannt haben und waren seit Anfang des 14. Jahrhunderts eine bedeutende und begüterte Sternberger Bürgerfamilie. Neben Blankenberg und Pastin gehörte das Gut Turloff dem von Wamekow. Ende des 15. Jahrhunderts ist das Geschlecht ausgestorben.Tilo Schöfbeck: Das Land Sternberg im Mittelalter (7. - 13. Jh.). 2008, S. 204.Christoph Otto von Gamm: Verzeichnis der in den Herzogthümern Mecklenburg ausgestorbenen Geschlechtern, nebst Anzeige der Zeit, wann sie erloschen sind, und was sie für Wappens gehabt haben. In: MJB, 11 (1846) Nr. 453, S. 457.

1434 befand sich Wamckow im Pfandbesitz des Klaus von Pressentin aus Prestin.Klaus Gerd v. Pressentin: Geschichte des Geschlechts v. Pressentin genannt v. Rautter. In: Geschichte und Stammtafeln der Glieder des Geschlechts von Pressentin (Prestín) (Wilhelm von Pressentin); Buch 2, Lüneburg 1935, S. 409–411. Von 1478 an sollen die von Plessen Wamckow und das Kirchenpatronat bis 1603 besessen haben.Max Naumann: Die Plessen. Stammfolge vom XIII. bis XX. Jahrhundert. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1971. Am 17. Januar 1603 ging Wamckow von Reimar von Plessen auf Brüel auf zwanzig Jahre als Pfandbesitz an Johann Reimar von Pressentin auf Prestin über.

An der Reformation in Mecklenburg sollen sich auch der Wamckower Pastor Joachim Rönikendorf, der als frommer und gelehrter PredigerLHAS 2.12-3/4 Kirchen und Schulen. Nr. 12106. bezeichnet wurde und sein Gutsherr von Plessen beteiligt haben. Am 20. Juni 1549 bestiegen sie die Kutsche und ließen die Pferde zur Sagsdorfer Brücke nahe Sternberg traben. Dort trafen sie sich an der Brücke unter freiem Himmel Prälaten, Ritter und Vertreter der Städte, Landesgeistliche und Universitätsvertreter, um Luthers Reformwerk zu vollenden.Peter Mugay: Aus der Historie des Kirchleins. Schildow 2001, S. 244.

Der Dreißigjährige Krieg hinterließ in Wamckow ebenfalls Not, Elend und Zerstörung. Waren zu Beginn des militärischen Konfliktes dort noch zwölf Bauern und sechs Kossaten ansässig, gab es am Ausgang des Krieges nur noch einen Einwohner, den sechzigjährigen Dorfschulzen.Florian Hoffmann: Dreißigjähriger Krieg. 2006, S. 19. 1623 hatte Gerd von Steding das Gut Wamckow übernommen, dieses ging dann 1640 hochverschuldet an die Familie von Dessin über. Die Anwesenheit fremder Soldaten in den Kriegsjahren ist auch im Wamckower Kirchenbuch dokumentiert worden. So hatte sich am 10. Juli 1648 ein schwedischer Korporal durch Pastor Christoph Boje auf dem Gut trauen lassen.LKAS, 214-4, Pfarrarchiv, Kirchenbuch Wamckow. Wamckow und auch Niendorf waren durch das betrübte continuirliche Kriegswesen mächtig ruiniert…. Was der Krieg verschont hatte, wurde im Februar 1648, am Montag der Fastnachtswoche, durch ein schweres Unwetter vernichtet.Florian Hoffmann: Dreißigjähriger Krieg. 2006, S. 20. Ein großer Sturmwindt gleich einem Wirbelwind oder Erdtbeben, daüber mancher Christ nicht allein in groß Schrecken geraten, fegte über das Dorf hinweg und verursachte gewaltige Schäden. Pastor Boje berichtete weiter, dass solch groß Ungewitter unsern Turm allhir nebenst den beiden Glocken gantz zu Grunde niedergerissen. Die Pfarren in Wamckow und Prestin gehören seit 1642 kirchlich zusammen.

Von 1671 bis 1692 war Gerd Carl von Dessin aus dem Hause Penzlin Besitzer des Gutes in Wamckow. Ab 1692 übernahm dann Hauptmann Johann Detlev von Dessin als Erbherr auf Wamckow, danach kam sein Sohn Gerd Carl von Dessin.LKAS, OKR Schwerin, Pfarrarchiv Prestin mit Wamckow, Nr. 8. 1698 gab es einen Vergleich zwischen der Witwe des Pastors Jakob Dahlmann und Anna Margarete von Buchwald als Witwe des Pastors Johann Christoph von Ha(h)nstein über eine Geldsumme.LHAS 9.1-1 Reichskammergericht. Prozeßakten 1495–1806, Nr. 4. Gerd Carl von Dessin hatte als Angehöriger der Ritterschaft am 18. April 1755 auch den Landesgrundgesetzlichen Erbvergleich mitunterzeichnet. Er war noch Erbherr auf Görslow, Langen Brütz, Leezen und Panstorff. Gerd Carl von Dessin starb am 21. Januar 1791 als Junggeselle und vererbte seiner Schwester Magdalene Ilsabe von Bülow, geborene von Dessin bis 1794 das große Rittergut in Wamckow.Anton von Bülow: Leben und Jagen. 1957, S. 7. Sie war mit fünfundzwanzig Jahren die zweite Ehefrau des Dobbertiner Klosterhauptmanns Jobst Hinrich von BülowHorst Alsleben: Zusammenstellung aller Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin 2010–2013. aus Woserin.

Im Einschreibebuch des Klosters Dobbertin wurde am 13. Januar 1725 Agnes von Dessin aus Wamckow zur Aufnahme als Konventualin in das adlige Damenstift eingetragen. Nach 36 Jahren Wartezeit wurde sie in Dobbertin aufgenommen, schied aber acht Jahre später durch Heirat wieder aus. Friedrich von Meyeen: Ein Rechnungsbuch des Klosters Dobbertin. In: MJB, 59 (1894) S. 213, 215. Zwischen den Familien von Plessen und von Dessin gab es um 1770 noch mehrere Prozesse wegen der berechtigten Lehnträgerschaft. Mit Gerd Carl von Dessin endete dann 1794 die Gutsherrschaft in Wamckow. In Stieten hatten die von Dessin noch von 1770 bis 1791 pfandweise Besitzungen.

Danach kamen die von Bülow als Pfandträger in den Besitz von Wamckow. Im Juni 1794 zog der am 25. September in Dobbertin geborene, bisher in preußischen Militärdienst gestandene Gottlieb Friedenreich von Bülow in das alte Gutshaus in Wamckow ein.Florian Hoffmann: Die Ära Bülow. 2006, S. 24. Vier Jahre später wurde Wamckow erblicher Lehnbesitz und blieb es bis 1903.Horst Alsleben: Wamckow ist wieder eng mit Dobbertin verbunden. SVZ Sternberg 1994. Von 1803 bis 1805 ließ Gottlieb Friedenreich von Bülow durch den Architekten David Anton Kufahl ein neues Gutshaus im klassizistischen Stil bauen, dass in Wamckow auch Schloss genannt wurde. Es war ein 13-achsiger Backsteinbau mit gewalmten Mansarddach und einem zurückgesetzten breiten Eingang mit toskanischen Säulen.Kreisarchiv Nordwestmecklenburg. N 20, Guts- und Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Als von Bülow am 21. Juni 1836 starb, wurde er in der kleinen Begräbniskapelle an der Nordseite der Wamckower Kirche bestattet. Die Bülow’sche Begräbniskapelle wurde um 1900 abgebrochen.Die Sarginschriften und Wappen befinden sich auf der dreiteiligen Gedächtnistafel an der Nordwand in der Kirche. 1870 wurde Wamckow durch die Bülows geteilt und Neu-Wamckow wurde nach den Vorfahren Dessin genannt.

Am 23. Juni 1903 verkaufte Ernst von Bülow-Trummer das Gut Wamckow mit Dessin an Rittmeister a. D. Carl Georg Alfred von Engel. 1922 übernahm Carl Hinrich von Engel das Gut Wamckow. Die von Engel blieben bis 1945 in Wamckow und flüchteten vor der anrückenden Roten Armee in den Westen Deutschlands. Im Zuge der Bodenreform wurde das Gut enteignet, ab 1957 als Örtlicher Landwirtschaftsbetrieb (ÖLB) geführt wurde Wamckow 1959 ein Volkseigenes Gut (VEG). 1990 war das Wamckower Gut unter Treuhandverwaltung und das Gutshaus wurde wegen Einsturzgefahr gesperrt. Seit 1994 ist Familie Rethmann Besitzer der Gutsanlage. Das alte Gutshaus wurde 1995 abgerissen und durch ein Neubau, einer zweigeschossigen Dreiflügelanlage mit Satteldach ersetzt. Als Förderer der Wamckower Feldsteinkirche ließ er diese in der Zeit von 1993 bis 1996 innen und außen aufwendig restaurieren. Der separat an der Westseite stehende hölzerne Glockenturm wurde erneuert, der Friedhof mit den historischen Grabkreuzen wieder hergerichtet und mit einer Feldsteinmauer versehen.

Baugeschichte Zum Baubeginn der Wamckower Kirche fehlen jegliche Quellen. Der Beginn wird recht mutig in die Zeit zwischen 1225 und 1250 datiertKarl Schmaltz: Kirchengeschichte Mecklenburgs. Band 1, Schwerin 1935, S. 113., doch urkundlich wurde Wamckow erstmals 1256 erwähnt. In dieser Urkunde ist auch Jordan, Plebano in Wamkow als Pfarrer in Wamckow aufgeführt worden. Man kann aber schlussfolgern, wo ein Pfarrer, da eine Kirche. Doch ein frommer Gutsherr könnte dem Pastor auch in seinem Gutshaus einen Predigerraum zur Verfügung gestellt haben. Doch mit Sicherheit wird es hier auch einen Vorgängerbau als Holzkirche gegeben haben.

Der Bau der Feldsteinkirche wird durch Historiker in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert.Wamckow. In: Kunstdenkmäler/Dehio-Handbuch, Hrsg. Georg Dehio/Nachfolge / Dehio-Vereinigung e. V., Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2000, S. 664.

1648 verursachte ein schweres Unwetter gewaltige Schäden in Wamckow. In den Aufzeichnungen von Pastor Christoph Boje steht zur Kirche solch groß Ungewitter unsern Turm allhir nebenst den beiden Glocken gantz zu Grunde niedergerissen. Auch Historiker schrieben, ein Thurm ist nicht vorhanden, es soll aber einer dagewesen sein, der vor langen Zeiten niederbrannte.Friedrich Schlie: Das Gut und Kirchdorf Wamckow. 1901, S. 179.

Im Visitationsprotokoll vom 26. Juli 1705 schreibt Pastor Johann Christoph von Hanstein zur Wamckower Kirche: Die Mauern der Kirche bestehen aus Feldstein und die Giebel aus Holz. Neu seien Sparrwerk und Balken. Dagegen sei der Boden einigermaßen mit alten Brettern überlegt. Die Kirche hat keinen Turm, sondern es hängen zwo Glocken auf dem Kirchhof ein einem Glockenstuhl. In der Kirche sind überall sechs Fensterlichter und die Fenster in gutem Stande. Der Altar ist von Mahl- und Bildhauerarbeit auf Holz, der Tisch gemauret. Auf dem Tische liegt eine Decke von Leinwand. Nachdem 1747 das Pfarrhaus niedergebrannt war, wurde die Kirchgemeinde Wamckow mit Prestin und Groß Niendorf verbunden.Friedrich Schlie: Fas Gut und Kirchdorf Prestin. 1899, S. 349.

Zum Ende der Amtszeit von Pastor Johann Christoph Metelmann brannte am 4. August 1828 das Prediger-Witwenhaus ab und 1829 soll ein Blitz in die Kirche eingeschlagen haben.

1838 beschreibt Pastor Ulrich Friedrich Conrad Bauch die Kirche: Die Kirche ist innerhalb 64 Fuß lang und 29 Fuß breit, 17 Fuß hoch, hat gegen Norden zwei, gegen Osten drei und gegen Süden drei alte, im ganzen acht Bogenfenster .Die Decke ist flach, auf starken Balken ruhend, mit gleicher Farbe angestrichen wie sämtliche Stühle. Der Fußboden der Kirche ist durchgehend mit gebrannten Steinen gepflastert worden, mehrere Stühle, wie der Hof-, Beicht-, Prediger-, Frauen-, Gr. Niendorfer Hof- und Turloffer Försterstuhl, sind mit Brettern ausgelegt, in den Stühlen, wo diese fehlen, wie auch vor den Banken vor dem Altar, befindet sich je ein Brett für die Füße.