Das Haus Heinrich Grünwald an der Kaiserstraße 46 in Heilbronn wurde 1905/1906 nach Plänen der Architekten Emil Beutinger und Adolf Steiner für den jüdischen Kunsthändler Heinrich Grünwald (auch: Heinz Grunwald) erbaut. Das Haus erhielt ab 1907 Rezeptionen in mehreren Fachzeitschriften und anderer Literatur für Bauwesen und Architektur. Die Fassade wurde 1913 beim Umbau des Gebäudes zur Nutzung durch das Warenhauses Landauer abgetragen und beim nahen Haus Kunz in der Roßkampffstraße wiederverwendet, wo sie inzwischen unter Denkmalschutz steht.Julius Fekete, Simon Haag, Adelheid Hanke, Daniela Naumann, mit Beiträgen von Gerhard Bauer, Martina Berner-vom Feld, Jörg Biel, Ulrich Frey, Wolfgang Hansch, Joachim Hennze, Markus Numberger, Ulrike Plate, Christhard Schrenk: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baden-Württemberg, Band I.5: Stadtkreis Heilbronn. Edition Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 124.Signatur: A034-3512 auf heuss.stadtarchiv-heilbronn.de: „Kaiserstraße 46 … 1913–1939 … Max Kaufmann, Inhaber der Fa. Gebrüder Landauer, Teilabbruch Nr. 46 und Neubau Kaufhaus (Einbeziehung von Nr. 48 und Überbauung von Klostergasse 7) (Planheft fehlt, früher Eisenbetonbau mit umfangreicher Statik), Andreas Beilharz, Kaufmann, Einbau Luftschutzraum“

Im Rahmen der Arisierung erwarb im Jahre 1938 Andreas Beilharz das jüdische Warenhaus Landauer. Signatur: ZS-1142 auf heuss.stadtarchiv-heilbronn.de. Bei den Luftangriffen auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 brannte das Kaufhaus Beilharz aus, wurde aber nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebautAndreas Pfeiffer (Hrsg.): Heilbronn und die Kunst der 50er Jahre. Das Kunstgeschehen der 50er Jahre in Heilbronn. Situationen aus Alltag, Verkehr und Architektur im Heilbronn der 50er Jahre. Harwalik, Reutlingen 1993, S. 30 Abb. 27 Kaufhaus Beilharz, 1952, Schaufensteranlage und 31 Eine Schaufensteranlage. und 2009 zugunsten des Neubaus des Klosterhof-Komplexes abgerissen.Markus Löffelhardt (Autor), Dirk Vogel (Vorwort): Heilbronn: Neue Architektur in Stadt und Landkreis, Nr. 12, S. 28.

Geschichte Vorgängerbauten mini|Heilbronn Stadtplan 1834, Präsenzgasse 6 (25), später Kaiserstraße 46. mini|Präsenzgasse 6 (25), später Kaiserstraße 46 (giebelständiges Haus Mitte) nach dem Durchbruch der Präsenzgasse zur Allee 1897 An dieser Stelle sind Siedlungsspuren aus der Frühlatènezeit belegt. Diese wurden 1961 bei Grabungsarbeiten entdeckt.Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Band 8: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 50, Nr. 41 [Kaiserstraße, auf Höhe Nr. 46 … 1961 Siedlungsbefunde Frühlatène]

In zwei Metern Tiefe wurden zwei Bronzeschmelzöfen entdeckt, die einen Durchmesser von 1,20 m hatten. Die Wände der Schmelzöfen waren von der Hitze versiegelt und auch die Innenseite war verglast bzw. grün durchsetzt. 60 cm höher als die Öfen waren die vermutlichen Reste einer Werkstatt mit Wohnung. Im Brandschutt (Datum des Brandes nicht bekannt) wurden grobe und feine Keramik entdeckt, darunter Reste von Schalen mit eingebogenem Rand und das Bodenstück einer schwarzen Schale mit angedrehten Standring (Inv. Nr. 01.40/282), das fälschlicherweise als Bodenscherbe einer bemalten griechischen Schale beschrieben wurde.Wie kam die griechische Schale nach Heilbronn? Umbau der Kaiserstraße brachte interessante Funde zutage. In: Heilbronner Stimme. vom 17. Oktober 1961. Zudem wurden dort Schlacke, Lehmbewurf mit Rutenabdrücken, Reibsteine und Tierknochen gefunden. Beim Einbau eines Aufzuges 1953 fand man außerdem einen alten Brunnen mit Sandsteinwänden unter den Fundamenten.https://archivsuche.heilbronn.de/index.php?ID=54261 Im Oktober 1961 fand man noch eine spätmittelalterliche Wandscherbe (Inv. Nr. 01.40/425).Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Band 8: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 62–63, Fundstelle 41 [Kaiserstraße 46…]

Vor der Umgestaltung der Kaiserstraße zur Durchgangsstraße 1897 hatte das Anwesen an der Kaiserstraße 46 die Adresse Präsenzgasse 6 getragen. Bei der Häuserzählung 1855 erhielt es die Hausnummer 25. Es handelte sich dabei um einen fränkischen Fachwerkbau, der laut Helmut Schmolz ein hohes schlankes, nachträglich verputztes Gebäude war.Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn mit Böckingen, Neckargartach, Sontheim. Die alte Stadt in Wort und Bild. Weißenhorn 1966 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn. Band 14). Nr. 17 [Durchbruch der Kram-(Kaiser-)Straße vom Kiliansplatz zur Allee, 1897], S. 23f. Das Gebäude gehörte J. Schicker, Bäcker, sowie Chr. Hering, Ingenieur.

Haus Grünwald (1905–1913) mini|hochkant|Heilbronn, Haus Heinrich Grünwald, Kaiserstraße 46 mini|hochkant|Haus Kunz in der Roßkampffstraße in Heilbronn mit der wiederverwendeten Fassade des Hauses Grünwald Nach der Umgestaltung der Kaiserstraße entstanden auf zahlreichen der alten Grundstücke aufwändig gestaltete Prachtbauten der Gründerzeit. So entstand 1905/06 an der Kaiserstraße 46 das Geschäftshaus für den Kaufmann Heinz Grunwald.Signatur: A034-3511 auf heuss.stadtarchiv-heilbronn.de: „Kaiserstraße 46 … 1905–1907 … 1 Akte (des Oberamts) vom abgebrochenen Vorgängergebäude sind keine Akten vorhanden. Bei einem Umbau im Jahr 1913 wurde das Gebäude wohl teilweise abgerissen, die Sandsteinfassade kam an das Gebäude Roßkampffstraße 4, wo sie heute unter Denkmalschutz steht (vgl. Bauakten beim Baurechtsamt). Hinweis: Das Haus ist abgebildet in „Das Deutsche Haus II. Serie“ Tafel 19 u. 20 (im Archiv nicht vorhanden) … Heinrich Grünwald, Kaufmann, Neubau Wohn- und Geschäftshaus (Architekt Beutinger & Steiner)“ Mieter des Hauses waren der Zahnarzt Emil Baer im 2. Obergeschoss und der Kaufmann Adolf Münzer, dessen Filiale seines Kaufhauses sich im Parterre befand. Im 1. Obergeschoss war das Putzgeschäft von Käthchen Schultes beheimatet. Im 4. Obergeschoss wohnte die Rentnerin Pauline Theurer.Stadt Heilbronn (Hrsg.): Adressbuch der Stadt Heilbronn 1906. S. 325: Kaiserstraße 46 * Grunwald, Heinz Kaufmann (Eigentümer); Baer, Emil (Zahnarzt) 2. Obergeschoss; Münzer, Adolf (Kaufmann) Kaufhaus, Filiale, Parterre; Schultes, Käthchen Putzgeschäft 1. Obergeschoss; Theurer, Pauline Rentnerin 4. Obergeschoss.

Grunwald/Grünwald verfügte in seinem Privathaus über eine eigene Bibliothek von großen Ausmaßen und besaß dort längst verschollen geglaubte Kunstwerke, darunter die Judith von Tizian und den schlafenden Knaben von Andrea del Verrocchio. Heinrich Grünwald tat sich mit Kommerzienrat Martin Erhardt zusammen und beide betrieben eine bekannte Kunstgalerie. Er war ein Freund von Hans Hildebrandt und empfing Kunstkritiker und Kunsthistoriker, wobei er sich auch insbesondere dem Bildhauer Gustav Eberlein verbunden fühlte. Grünwald hat sich später im Verband zur Bekämpfung des Antisemitismus engagiert und überlebte die Shoa nur durch rechtzeitige Flucht aus dem Deutschen Reich.

Vom Kiliansturm aus waren diverse Gründerzeitbauten zu sehen, die sich im Besitz von Heinrich Grünwald befanden:

Von 1908 bis 1911 wird als Eigentümer für das Haus Kaiserstraße 46 Wilhelm Kirchner genannt. Mieter des Hauses waren weiterhin der Zahnarzt Emil Baer im 2. Obergeschoss und der Kaufmann Adolf Münzer mit seiner Kaufhausfiliale im Parterre. Im 1. Obergeschoss betrieb der Kaufmann Julius Asch einen Silberwaren- und Antiquitätenhandel.Stadt Heilbronn (Hrsg.): Adressbuch der Stadt Heilbronn 1908. S. 137: Kaiserstraße 46 * Kirchner, Wilhelm (Eigentümer); Asch, Julius (Silberwaren und Antiquitäten); Bader, Emil (Zahnarzt); Münzer (Kaufmann).Stadt Heilbronn (Hrsg.): Adressbuch der Stadt Heilbronn 1909. S. 346: Kaiserstraße 46 * Kirchner, Wilhelm (Eigentümer); Asch, Julius (Silberwaren und Antiquitäten); Bader, Emil (Zahnarzt); Münzer (Kaufmann).Stadt Heilbronn (Hrsg.): Adressbuch der Stadt Heilbronn 1911. S. 140f: Kaiserstraße 46 * Kirchner, Wilhelm (Eigentümer); Asch, Julius (Uhren, Gold und Silberwaren) im Parterre und 3. Obergeschoss; Bader, Emil (Zahnarzt) im 2. Obergeschoss; Münzer (Kaufmann); Bader, Friedrich (Verwalter) im 4. Obergeschoss.

1912 wechselte anscheinend der Eigentümer, denn das Heilbronner Adressbuch nennt in diesem Jahr als neuen Eigentümer den Hauptlehrer Helmut Braun für das Wohn- und Geschäftshaus Kaiserstraße 46.Stadt Heilbronn (Hrsg.): Adressbuch der Stadt Heilbronn 1912. S. 148: Kaiserstraße 46 * Braun, Helmut (Eigentümer, Hauptlehrer). Ab 1913 wird Landauer als Eigentümer erwähnt.

1913 ließ Max Kaufmann, Inhaber der Fa. Gebrüder Landauer, die Fassade des Hauses Heinrich Grünwald für einen Neubau des Warenhauses Landauer nach einem Entwurf des Architekten Ludwig BauerSignatur: A034-3512 auf heuss.stadtarchiv-heilbronn.de. abtragen. Die Fassade des 1913 abgetragenen Hauses Heinrich Grünwald befindet sich heute beim Haus Roßkampffstraße 4, wo sie unter Denkmalschutz steht.

Beschreibung Lage und Umgebung Das Gebäude, das an der Kaiserstraße östlich der Kilianskirche in Heilbronn stand, wurde auf seiner Westseite vom Doppelhaus A. Mössinger’s Erben an der Kaiserstraße 42/44 und auf seiner Ostseite vom Warenhaus Barasch an der Kaiserstraße Nr. 48 flankiert.

Architektur und Kunst mini|hochkant|Haus Grunwald Kaiserstraße 46 in Heilbronn (aus Der Profanbau, 1907). Das Gebäude an der Kaiserstraße 46 zählte zu einer Gruppe repräsentativer Gebäude, die die Kaiserstraße zur Prachtstraße der Gründerzeit machten: „Nirgends gab sich Heilbronn großstädtischer“.Kaiserstraße 25-37: Prachtstraße der Gründerzeit auf www.stadtgeschichte-heilbronn.de Die Keller der Vorgängerbauten blieben erhalten, so ein Gewölbekeller in 6,30 Metern Tiefe.Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Band 8: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 79.

Laut einer Beschreibung in Die Architektur des XX. Jahrhunderts war die Fassade mit gelblich-weißen, geflammten Sandstein aus Klingenmünster verblendet. Im Erdgeschoss befanden sich Schaufenster neben einem Durchfahrtstor. Im zweiten Obergeschoss befanden sich Doppelsäulen. Zwischen den Doppelsäulen befanden sich breite Fenster mit vorgekragten Balkons. Im dritten und vierten Obergeschoss befanden sich Doppelfenster, die durch schmale Pfeiler unterteilt waren und teilweise mit Balkons versehen waren. , [1911; 65] Nr. 418:Haus Kirhner Heilbronn, Beutinger & Steiner: Heilbronn (Kaiserstraße 46): Wohnhaus Immeuble de Rapport – Apartment Building

Laut Der Profanbau beliefen sich die Baukosten des Hauses auf 66.000 Mark.Der Profanbau. Jahrgang 1907, Nummer 19, S. 285ff., hier S. 295.

Rezeption Das Haus Grünwald wurde mehrfach rezipiert, so in der Zeitschrift Der Profanbau (1907), in dem Buch Das Deutsche Haus (1916)Paul Ehmig: Das Deutsche Haus. Berlin 1916, Band II, Tafel 19 und 20. und in der Anthologie Die Architektur des XX. Jahrhunderts, Zeitschrift für moderne Baukunst, repräsentativer Querschnitt durch die 14 erschienen Jahrgänge 1901 bis 1914. Der Profanbau lobte dabei besonders die „Stattlichkeit“, die „vornehme Bauweise“ und dass „vorteilhaft gebaut“ wurde.Haus Grünwald in Heilbronn. In: Der Profanbau. Arnd, Leipzig 1907.

Die Jugendstilfassade wurde von Julius Fekete und Joachim J. Hennze beschrieben.Bernhard Lattner, mit Texten von Joachim J. Hennze: Stille Zeitzeugen. 500 Jahre Heilbronner Architektur. Edition Lattner, Heilbronn 2005, ISBN 3-9807729-6-9, S. 58 und S. 117.