mini|Die sogenannte Audiencia von Cahal Pech, Zugang zum königlichen Palast und öffentlicher Auftrittsort Cahal Pech ist eine ehemalige Siedlung der Maya-Kultur, gelegen auf einem Hügel im Süden San Ignacios in Belize. Der Ort war von ca. 1100 v. u. Z. bis ca. 900 bewohnt und entwickelte sich in der Präklassik zu einem regionalen Zentrum im Upper Belize River Valley. Fruchtbare Böden bildeten die Grundlage seiner Agrarwirtschaft und durch seine strategisch günstige Lage nah des Zusammenflusses von Mopan und Macal zum Belize River war es angebunden an weitreichende Handelsnetze.

Sein Zentrum, die Akropolis, umfasst heute dicht gebaut über 30 Bauten an acht sogenannten Plazas, darunter den königlichen Palast, mehrere Pyramiden, elitäre Wohngebäude sowie Bauten für rituelle Zwecke. Um dieses Zentrum breitete sich über mehrere Quadratkilometer eine umfangreiche Siedlung mit zahlreichen kleineren Fundstätten aus.

Anders als an anderen Orten der Maya-Zivilisation sind in Cahal Pech keine Inschriften erhalten, die über die Geschichte des Ortes unterrichten. Obwohl durch seine Lage in der Stadt zuvor bekannt, begann seine wissenschaftliche Wiederentdeckung erst 1951, gefolgt von vereinzelten Grabungen in den folgenden Jahrzehnten. Seit 1988 laufen kontinuierliche und koordinierte Ausgrabungen unter der Leitung des belizischen Archäologen Jaime Awe. 2020 galten 80 % der Akropolis als ausgegraben. Cahal Pech ist heute eine Sehenswürdigkeit der Stadt, seine noch wenig erforschte Peripherie wird aber durch die rasch wachsende Stadt überbaut und zerstört.

Quellenlage Die Kenntnisse über Cahal Pech entstammen ausschließlich archäologischen Befunden, anders als in vielen anderen Orten wurden bisher keine steinernen Inschriften auf Stelae, Altären oder Paneelen gefunden. Nur fünf „Schriftstücke“ sind bisher bekannt, davon ein Schildkrötenpanzer, zwei Ringe, und eine Nadel aus einem Grab, die Namen und Titel nennen und als einzig bekannter signifikanter Text ein (nicht mehr erhaltenes) Graffito in der Struktur A-1, das fragmentarisch eine Beziehung zwischen Cahal Pech und dem Stadtstaat Naranjo anspricht.

Der Name entstammt der modernen yukatekischen Mayasprache und bedeutet so viel wie „Ort der Zecke“, der ursprüngliche Name der Stadt ist nicht bekannt.

Lage Cahal Pech liegt im Süden der Stadt San Ignacio auf der Spitze eines Kalksteinhügels in einer Höhenlage zwischen 160 und 180 Metern, rund einen Kilometer westlich des Macal River, der drei Kilometer nördlich mit dem Mopan River zum Belize River zusammenfließt. Lange lag die Anlage am Stadtrand, durch das Wachstum der modernen Stadt wird sie jedoch zunehmend von ihr eingeschlossen, zur Abfederung der räumlichen Nähe ist sie von einem schmalen Grüngürtel umgeben.

Die heute als Cahal Pech bezeichnete Ruinenstätte umfasst ausschließlich den Kern der Siedlung. Er wird definiert als der Ort, der a) die stärkste Dichte großer Wälle und Plätze aufweist, b) höher gelegen ist als das umgebende Areal und c) von Strukturen umgeben wird, die das Areal als Akropolis bzw. zentralen Bereich abgrenzen.

Geschichte Wie in der Mayaistik üblich, wird auch Cahal Pechs Geschichte anhand von Merkmalen lokaler Keramikfunde gegliedert. Diese Gliederung wird wiederum in die generische Chronologie der Maya-Zivilisation eingebettet (Präkeramik, Präklassik, Klassik, Postklassik). Die am häufigsten verwendete (hier nach Ebert wiedergegebene) basiert auf einem klassischen, durch Gifford bereits in den 1950er etablierten System, das einen Standard für Orte im Tal des Belize River darstellt. +Zeitraum (ca.)ZeitperiodePhasen nach Ebert950 – 1050PostklassikNew Town850 – 950Terminale Klassik750 – 850SpätklassikSpanish Lookout650 – 750Spätklassik600 – 650Frühe Klassik/SpätklassikTiger Run550 – 600Frühe Klassik/SpätklassikHermitage350 – 550Frühe Klassik300 – 350Frühe Klassik250 – 300Frühe KlassikXakal300 v. u. Z. – 250Späte Präklassik/Proto-Klassik500 – 300 v. u. Z.Mittlere PräklassikKanluk800 – 500 v. u. Z.Mittlere Präklassik900 – 800 v. u. Z.Frühe bis mittlere Präklassik1100 – 900 v. u. Z.Frühe bis mittlere PräklassikCunil1200–1100 v. u. Z.Frühe Präklassik Präklassik Präklassik: Cunil-Phase (1200 – 900 v. u. Z.) mini|Schokoladengefäß aus Cahal Pech, Cunil-Phase zwischen 1000 und 800 v. u. Z. Die frühesten Funde weisen darauf hin, dass der Ort bereits um 1200 v. u. Z. durch Angehörige keramischer Kulturen genutzt wurde, damit ist Cahal Pech der älteste Fundort von Keramiken im westlichen Belize. Mit diesem Nachweis beginnt die früheste Phase der Geschichte Cahal Pechs, die Cunil-Phase. In ihr lebten die Siedler in einer Mischung aus Subsistenzlandwirtschaft, ergänzt um Jagen, Fischen und Sammeln. Sie produzierten hochwertige Keramik und Steinwerkzeuge und trieben Handel mit exotischen Waren, deren Ursprung bis zum guatemaltekischen Hochland und der Karibikküste reichte.

Zu dieser Zeit war die Architektur des Ortes noch recht einfach, das Dorf bestand aus Hütten mit grob verputztem Flechtwerk, die Oberflächen aus gestampftem Mergel. Größere Bauten oder Bauten zu zeremoniellen oder gemeinschaftlichen Zwecken fehlen, wahrscheinlich dienten alle Gebäude nur als Wohnräume, Küchen und Lagerstätten. Funde weisen darauf hin, dass die Gemeinschaften des Belize Valley zu dieser Zeit die soziale Struktur einer egalitären Gesellschaft aufwiesen, in der verschiedene Führungsfiguren in ritualisierter Form wie z. B. durch das Ausrichten von Festessen miteinander rivalisierten.

Präklassik: Kanluk-Phase (900 – 300 v. u. Z.) mini|Die östliche Triadengruppe, ehemals Teil der E-Gruppe an Plaza B, vorne rechts Struktur B3.Mit Beginn der Kanluk-Phase um 900 wich die bisherige Bauweise aus Flechtwerk und Lehm allmählich gemauerten Bauten. In der mittleren Präklassik, um ca. 750 v. u. Z., wurde im Westen der Plaza, vor der heutigen Struktur A2, eine Pyramide errichtet, welche eine bereits in der Cunil-Phase errichtete Plattform an gleicher Stelle ablöste. Die Pyramide maß nordsüdlich 20 Meter und westöstlich 12,5 Meter, damit war sie das größte Gebäude Cahal Pechs zu dieser Zeit. Gemeinsam mit den zeitgleich errichteten, östlich gegenüberliegenden Strukturen B1-B3 bildete sie eine E-Gruppe, die den Übergang zur Monumentalarchitektur in Cahal Pech markiert.

In der frühen Kanlukphase konzentrierte sich die Besiedlung der Plaza auf die Abschnitte im Nordwesten, Norden, Süden und Südosten. Einem bereits aus der Cunil-Phase stammenden Wohngebäude mit verputztem Innenhof im Nordwesten wurde im nördlichen Abschnitt eine gepflasterte Plattform vorgelagert, die nach Osten durch einen weiteren Innenhof abschloss, es wird angenommen, dass es sich um die Residenz handelte. Um 650 v.u.Z. wurde sie dann abgerissen zugunsten einer über 300 m² großen Plattform, die eine aus mindestens zwei Bauten bestehende Residenz beherbergte. Die seit der Cunil-Phase als Wohnbau gedient habende Struktur B4 im Südwesten wurde in dieser Zeit zu einem Ritualbau umfunktioniert, der einer der wichtigsten Tempel der Präklassik war. Zu Anfang der mittleren Präklassik war die Plaza B somit weniger ein Wohnplatz als zuvor, sondern bereits herausgehobenes Zentrum des Ortes. Im Zuge dessen begannen erste Mitglieder der Gemeinschaft vom Hügel in die Peripherie zu ziehen und legten somit die Grundlage für die sukzessive Expansion des Ortes.

Die Entstehung von Monumentalarchitekturen deutet bereits die sozialen Veränderungen in der Gesellschaft von Cahal Pech an. Die zu ihrer Errichtung notwendige Planung sowie die Beschaffung umfangreicher Ressourcen, einschließlich Arbeitskraft aus der Gemeinschaft, weisen auf eine stärker hierarchisierte soziale Struktur hin als noch in der Cunil-Phase. Unterstrichen wird dies auch durch gehäuft auftretende besondere Keramikfunde wie Schokoladengefäße oder Steigbügelgefäße, die belegen, das zunehmend Wert auf die Zurschaustellung von Wohlstand und Status durch demonstrativen Verzehr besonders begehrenswerter Speisen gelegt wurde. So wird erkennbar, dass mit der späten Kanluk-Phase ab 650 v. u. Z. sich in der Gemeinschaft von Cahal Pech soziale Schichten gebildet hatten und ein hohes Niveau sozialer Komplexität erreicht worden war.

Präklassik: Xakal-Phase (300 v. u. Z. – 300) In der späten Präklassik wurde die westliche Pyramide der E-Gruppe abgerissen und die Plaza nach Westen erweitert zugunsten des Baus einer ausgedehnten königlichen Residenz. Die östlichen Strukturen der ehemaligen E-Gruppe wurden parallel dazu umgebaut zu einer Östlichen Triadengruppe (Eastern Triadic Assemblage), die nun alleiniges spirituelles Zentrum des Ortes war. In der Fortsetzung der sozialen Veränderungen der Kanluk-Phase etablierte sich ein dynastisch regierendes Königshaus, die seit ca. 150 die Triadengruppe als exklusiven Begräbnisplatz der königlichen Familie nutzte. Damit wandelte sich die Plaza von einem Ort gemeinschaftlicher Rituale hin zu einem Ort der Ahnenverehrung der königlichen Familie und im Verbund mit der ausgedehnten Residenz wurde er zum alleinigen Wohnort der Elite.

In dieser Phase stieg Cahal Pech zu einem führenden Zentrum im oberen Belize-Tal auf. Neben den fortgeschrittenen Monumentalarchitekturen kennzeichnet die Xakal-Phase die Einführung polychromer Töpfereien und ein geographisch weitreichendes und komplexes, auf Tausch basierendes Handelssystem.

Klassische Periode Frühe Klassik: Hermitage-Phase (300–600) Die klassische Periode beginnt um ca. 300. Von nun an wuchs die Bevölkerung und die Bauaktivitäten im Ort nahmen zu, so wurde Plaza A umgebaut, die Plazas C, D, F und G durch neue Bauten erweitert und der östliche Ballspielplatz angelegt. Königliche Begräbnisse fielen ausgesprochen aufwendig aus und Funde mexikanischen Obsidians lassen deutlich erkennen, das Cahal Pech in weitreichende Handelsnetzwerke eingebunden war. mini|Stuckfigur der Spanish-Lookout-Phase aus Cahal Pech, zwischen 700 und 850 Späte Klassik: Tiger Run- und Spanish Lookout-Phase (600–850) Anhand der Architektur lässt sich sagen, das Cahal Pech in der Spätklassik seine größte Ausdehnung erreichte. Um den Kern des Ortes, die Akropolis, lassen sich für diese Zeit über 140 Baugruppen nachweisen.

Terminale Klassik: New Town-Phase (ab 850) Am Ende der Besiedlung von Cahal Pech steht die Phase der Terminalen Klassik. Sie kann zeitlich als um 850 beginnend bestimmt werden. Ihrer Definition nach markiert sie im Belize Valley die Endphase der Späten Klassik, ist von dieser jedoch anhand ihrer architektonisch und handwerklich deutlich geringeren Standards nach Gordon Willey als Kennzeichen „des Verfalls, Zusammenbruchs oder Beendigung der hierarchischen Aktivitäten der Maya“ unterschieden. In der Praxis wurde dies erkennbar an niedrigen Bauten aus meist unbehauenem Stein und fehlenden Decken. Die aufwendigen Begräbnisse hochstehender Persönlichkeiten lassen sich ebenso kaum mehr nachweisen wie andere aufwendige rituelle Aktivitäten, die Bautätigkeit geht deutlich zurück.

Spätere Nutzung Auch nachdem Cahal Pech verlassen wurde, blieb die Akropolis als Ort mit spiritueller Bedeutung noch mehrere Jahrhunderte im Gedächtnis der Bevölkerung erhalten. So finden sich bei Grabungen immer wieder Artefakte aus späteren Zeiten, die als Überbleibsel von Ritualen oder Pilgerfahrten gedeutet werden. Besonders auffällig ist der Fund des Grabes eines ca. zwölfjährigen Kindes in der Plaza nach Sitte der Maya. Aufgrund der Radiokarbondatierung und des Fundkontexts wird die Bestattung am ehesten in die Kolonialzeit zwischen 1735 und 1805 datiert.

Anlagen Akropolis