mini|Albert Bozenhard als Redakteur Bolz in Gustav Freytags Die JournalistenPorträt „Albert Bozenhard (Bolz).“ In: Spemanns goldenes Buch des Theaters. Verlag W. Spemann, Berlin / Stuttgart 1912, S. 576. Albert Bozenhard (auch Bozenhardt; * 14. Februar 1860 in Ulm; † 13. Januar 1939 in Stuttgart) war ein deutscher Schauspieler und Operettensänger (Bariton).
Leben Ausbildung und Künstlerlaufbahn Albert Bozenhard zog als Kind mit seiner Familie von Ulm nach Stuttgart um. Sein Vater hatte für ihn eine Ausbildung als Büchsenmacher vorgesehen. Mit 15 Jahren beschloss Bozenhard, Schauspieler zu werden und nahm dramatischen Unterricht bei dem Hofschauspieler Karl von Jendersky. Am 12. März 1877 debütierte er als Schüler in Faust am Württembergischen Hoftheater. Er hatte mit seinem Auftritt Erfolg beim Publikum und erhielt ein festes Engagement, während dessen er vor allem als „jugendlicher Liebhaber“ auftrat. 1879 wechselte er in den Verband des deutschen Hoftheaters in Petersburg, wo er nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Operettensänger der Stimmlage Bariton wirkte. Dort konnte ihm in der einen Woche als Don Carlos im gleichnamigen Stück und als Romeo in Romeo und Julia, in der anderen Woche als Einstein in der Fledermaus und als Ollendorf im Bettelstudenten gezollt werden. 1881 bis 1884 war er am Staatstheater in MoskauBozenhard Albert. In: Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlagsbuchhandlung Paul List, Leipzig 1903, S. 116–117 (). (nach der Allgemeinen Theater-Chronik vom Juni 1885 als Deutsches Theater in Moskau bezeichnet Hier: ) engagiert.
Ab der Spielzeit 1885/1886 wurde Bozenhard Mitglied des Ensembles Thalia-Theaters in Hamburg. Dort wurde er in der Folge „Boz“ bzw. „uns’ Boz“genannt. Der vielseitige Schauspieler wurde dort sehr beliebt, insbesondere in den Jahren 1900 bis 1912 .Michael Hatry: Das Thalia-Theater in Hamburg 1894–1915. Horst Mann, Berlin 1966 (= zugleich Diss. an der Freien Universität Berlin), S. 43 (). Zu seinen Hauptrollen gehörten unter anderem der Reif-Reiflingen in dem Lustspiel Krieg im Frieden und in dessen Fortsetzung Reif-Reiflingen, beide von Gustav von Moser, sowie der Victor von Berndt in Veilchenfresser, ebenfalls von Moser.Der Veilchenfresser. Lustspiel in 4 Akten von Gustav von Moser. In: Lustspiele von Gustav von Moser. Vierter Band, 6. Auflage. Theaterverlag Eduard Bloch, Berlin 1912 ().
1905 verfasste Bozenhard die Detektiv-Komödie Sherlock Holmes, die unter anderem zwei Jahre später am Hoftheater Stuttgart aufgeführt wurde., abgerufen am 3. Oktober 2025. 1913 verfasste er das Drehbuch zu Eine tolle Wette auf den Imperator und spielte darin die Hauptrolle. Anfang der 1920er Jahre war er noch in Künstlerlaunen (1920; Regie: Paul Otto) sowie in Der Absturz (1923; Regie und Drehbuch: Ludwig Wolff) auf der Leinwand zu sehen.
Um die Jahreswende 1925/1926 wurde Bozenhards 40-jährige Zugehörigkeit zum Thalia-Theater gefeiert:
Zu Ehrenmitgliedern des Thalia-Theaters ernannt, haben sich Albert und seine Frau Karli Bozenhard, die er dort kennenlernte und mit der er oft auf der Bühne stand, im Jahr 1930 aus dem Theaterleben zurückgezogen und sich in Stuttgart niedergelassen. 1939 gab Bozenhard seinen Schauspielerring, von da an Albert-Bozenhard-Ring genannt, an Ernst Leudesdorff weiter, der bis in die Gegenwart den würdigsten Schauspieler des Thalia-Theaters auszeichnet.Albert-Bozenhard-Ring. Gründungsjahr: 1939, Ort der Verleihung: Hamburg. In: Online-Ausgabe des Handbuchs der Kulturpreise. ARCult Media – Verlagsbuchhandlung für Kultur & Wissenschaft (Hrsg.), abgerufen am 3. Oktober 2025.
Ehen und Tod mini|hochkant|Grabstein von Albert und Karli Bozenhard im Garten der Frauen auf dem Friedhof Ohlsdorf Bozenhard war mit der Schauspielerin Berta Glöckner-Bozenhard (1848–1916; Mutter von Josefine „Pepi“ Kramer-Glöckner), verheiratet, die von 1878 bis 1881 in St. Petersburg (Bozenhard ab 1879) und 1882 in Moskau (Bozenhard 1881 bis 1884) engagiert war; 1896 musste Berta Glöckner-Bozenhardt wegen eines zunehmenden Gehörleidens ihre Schauspiellaufbahn beenden. Hier: Glöckner Bertha. In: Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlagsbuchhandlung Paul List, Leipzig 1903, S. 117 (): ; abgerufen am 5. Oktober 2025.
Später war er bis zu seinem Tod mit der Schauspielerin Karli Bozenhard-Hücker verheiratet. Kennengelernt hatten sie sich am Thalia-Theater, wo er ab 1885 und sie ab 1889 spielten und wo sie öfters gemeinsam auf der Bühne standen. Nachdem auch Karli Bozenhard 1929 ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum am Thalia hatte (Albert – siehe oben – schon im Jahr 1926) und sie als erste Frau dort Ehrenmitglied wurde, verließen sie 1930 Hamburg und zogen nach Stuttgart, wo er am 13. Januar 1939 starb. Nachfolgend zog Karli Bozenhard nach Hamburg zurück und spielte dort von 1941 bis 1943 wieder am Thalia.
Nach Auflösung der gemeinsamen Grabstätte auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf wurde beider Grabstein, der vom Denkmalschutzamt als erhaltenswert eingestuft ist, in den im Friedhof angesiedelten Garten der Frauen verlegt.Helmut Schoenfeld: Der „Garten der Frauen“ und seine Nebeneffekte. In: OHLSDORF – Zeitschrift für Trauerkultur. Themenheft Bildhauer und Grabmäler. Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. (Hrsg.), Ausgabe Nr. 73, Mai 2001 (Artikel online auf der Website des Vereins, fof-ohlsdorf.de, abgerufen am 3. Oktober 2025): Sowie:
Ehrungen Ehrenmitglied des Thalia-Theaters in Hamburg (vermutlich 1926, anlässlich Bozenhards 40-jähriger Theaterzugehörigkeit) Seit 1958 ist der Bozenhardweg in Hamburg-Hohenfelde ist nach ihm benannt. 2001/2002 wurde auf Initiative von Rita Bake, Vorsitzende des Garten der Frauen e.V., auch in die Benennung mit einbezogen, so dass der Weg seither an beide Personen erinnert.Karli Bozenhard (Karoline, geb. Hücker). Schauspielerin am Thalia-Theater von 1889 bis 1930 und von 1941 bis 1943. In: Website des Vereins Garten der Frauen e. V., abgerufen am 5. Oktober 2025; gleichlautend in: Brita Reimers: Karli Bozenhard (Karoline Josepha Bozenhard geb. Hücker). In: Biografien-Datenbank: Frauen aus Hamburg. Hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, abgerufen am 5. Oktober 2025. Ebenfalls im Stadtteil Hamburg-Hohenfelde war der ehemalige Bozenhardplatz nach ihm benannt.Suche nach Bozenhardplatz. In: Hamburger Adressbücher Digital, Hrsg. von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Treffer in den digitalisierten Ausgaben 1931 bis 1958. Z. B. in der Ausgabe 1955: Straßenteil B, S. IV/248. Abgerufen am 3. Oktober 2025.
Filmografie 1913: Eine tolle Wette auf den Imperator (Drehbuch und Hauptrolle) 1920: Künstlerlaunen 1923: Der Absturz
Literatur Bozenhard Albert. In: Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlagsbuchhandlung Paul List, Leipzig 1903, S. 116–117 (). Bozenhard, Albert. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Band 1, Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9, S. 553.
Weblinks
Einzelnachweise
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