mini|hochkant=2.3|Inszenierung von Andreas Kriegenburg, Salzburger Festspiele 2014 Foto: Christian Michelides

Don Juan kommt aus dem Krieg ist ein Theaterstück Ödön von Horváths aus dem Jahr 1936. Es stellt ein klassisches Stationendrama dar, beschreibt die Orientierungslosigkeit eines Kriegsheimkehrers, seine Liebe zur im Krieg verstorbenen Geliebten und seinen Tod auf deren Grab. Das Stück wurde erst 1952 an einer Wiener Kleinbühne uraufgeführt und hat sich nur langsam auf den Spielplänen deutschsprachiger Bühnen durchgesetzt.

Vorwort von Ödön von Horváth

Personen der Handlung Don Juan und fünfunddreißig Frauen.

Ödön von Horváth: „Diese fünfunddreißig Frauen können nicht nur, sondern müssen auch von weit weniger Schauspielerinnen dargestellt werden, so daß also fast jede Schauspielerin mehrere Rollen zu spielen hat. Es sei dies nicht nur mit Rücksicht auf die Aufführbarkeit dieses Schauspiels festgestellt, sondern als Resultat einer alten Erkenntnis: es gibt nämlich keine fünfunddreißigerlei Frauen, sondern bedeutend weniger. Die gleichen Grundtypen kehren immer wieder und sollen daher auch auf der Bühne von den gleichen Frauen dargestellt werden. Trotzdem war es natürlich durchaus notwendig, fünfunddreißig Frauen zu bringen, um zu zeigen, wie sich die einzelnen Grundtypen entwickeln können.“

Horváth erstellt auch eine genaue Anweisung an den Regisseur, welche Rollen wie zusammengefasst werden können – „mit Rücksicht auf den Grundtypus (in Klammern der jeweilige Aufzug ihrer Auftritte)“:

Erste Rolle: Erste ältliche Soubrette (I), Oberin (I II), Mutter (II III), Erstes altes Weib (III) Zweite Rolle: Zweite ältliche Soubrette (I), Witwe (II), Erste Dame (II III) Dritte Rolle: Erstes Weib (I), Nachbarin (II), Zweites altes Weib (III), Wirtin (III) Vierte Rolle: Großmutter (I III) Fünfte Rolle: Magd (I III), Zweite Dame (II III), Maske (III) Sechste Rolle: Erstes loses Mädchen (I), Kellnerin (II), Dritte Dame (II), Zweites Dorfmädchen (III) Siebente Rolle: Zweites loses Mädchen (I), Zweite Tochter (II III), Erstes Dorfmädchen (III) Achte Rolle: Schwester (I), Erste Kunstgewerblerin (II), Erste Tochter (II III), Vierte Dame (II) Neunte Rolle: Zweite Kunstgewerblerin (II), Dame aus Bern (II), Zweites Dorfmädchen (III)

Die restlichen Rollen sind durchwegs sehr klein:

Zweites und drittes Weib (I) Die Dicke (II) Die Blonde (II) Die Dunkle (II) Erstes und zweites kleines Mädchen (III).

Regieanweisungen Auch die Anweisungen – betreffend Zeit und Schauplatz – sind klar und präzise: „Das Stück beginnt im Spätherbst 1918 und dauert dann relativ nicht mehr lang. Es hat drei Akte und dreiundzwanzig Bilder. Natürlich sind dies keine Bilder im strengen Sinne des Wortes, sondern fast immer nur kleine Szenen, die sich auf kleinstem Raume ereignen.“ Weiters: „Der Schauplatz darf nur angedeutet werden, nicht nur um die einzelnen Akte pausenlos durchspielen zu können, sondern auch um der Sprache gerecht zu werden.“

Übersicht der Szenen Erster Akt: Der Krieg ist aus Fronttheater Straße Zimmer der Großmutter Straßenecke Zimmer des zweiten losen Mädchens Krankenhaus Zimmer der Großmutter Zweiter Akt: Im Taumel der Inflation Krankenhaus Café Zimmer bei der Mutter In der Wohnung eines Inflationsgewinnlers Balkonloge in der großen Oper Auf dem Eislaufplat Atelier der beiden Kunstgewerblerinnen Zimmer bei der Mutter Dritter Akt: Der Schneemann Treppenhaus Zimmer bei der Mutter In der Wohnung des Inflationsgewinnlers Im tief verschneiten Wald Der Schneemann Wirtshaus Vor dem Hause der Großmutter Friedhof

Uraufführung Die Uraufführung fand erst vierzehn Jahre nach Ödön von Horváths Tod am 12. November 1952 unter dem Titel Don Juan kommt zurück im Theater der Courage in Wien statt. Regie führte Edwin Zbonek. „Die Kritiken zur Uraufführung waren großteils negativ, was weniger auf die Regie, sondern viel mehr auf den Text zurückgeführt wurde. Don Juan kommt aus dem Krieg wurde als ein eher schwaches Horváth-Stück bezeichnet.“e-Journal für wissenschaftliche Rezensionen, abgerufen am 21. Februar 2022.

Weitere Inszenierungen (Auswahl)

1964: Theater am Naschmarkt, Wien – Wolfgang Lesowsky – Veit Relin Späte 1960er Jahre: Landestheater Linz 1971/72: Kleines Theater im Konzerthaus, Wien – Georg Lhotzky (Regie) 1981: Schauspiel Frankfurt – Horst Zankl (Regie) – Peter Brombacher 1981: Akademietheater, Wien – Rudolf Jusits (Regie) – Karlheinz Hackl 1986: Nationaltheater Mannheim – Klaus Weise (Regie) 1986: Goethe-Theater, Frankfurt – Jutta Wachsmann (Regie) 1995: Theater in der Reithalle München – Eos Schopohl (Regie) – Marcus Off 1996: Deutsches Staatstheater Temeswar 2000: Faust-Projekt – Klaus Michael Grüber (Regie) 2001: Deutsches Nationaltheater, Weimar – Grażyna Kania (Regie) 2002: Ruhrfestspiele, Recklinghausen – R. Schäfer (Regie), André Werner (Musik) 2002: Deutsches Schauspielhaus, Hamburg 2003: Wiener Volkstheater – Emmy Werner (Regie), Elsa Prochazka (Bühne) – Helmut Berger 2004: Staatstheater Stuttgart – Jacqueline Kornmüller (Regie), Herbert Murauer (Bühne und Kostüme), Uli Bühl (Musik) – Peter Wolf 2007: Monsun-Theater Hamburg – Torsten Diehl (Regie) 2009: Bat Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin – Caroline Hofmann (Regie) – Michael Ihnow 2013: Berliner Ensemble – Luc Bondy (Regie) – Samuel Finzi 2014: Salzburger Festspiele – Andreas Kriegenburg (Regie und Bühne), Andrea Schraad (Kostüme), Stefan Bolliger (Licht) – Max Simonischek, sowie Sonja Beißwenger, Olivia Grigolli, Sabine Haupt, Traute Hoess, Elisa Plüss, Nele Rosetz, Janina Sachau, Natali Seelig, Michaela Steiger

Vertonung Erik Hojsgaard, 2006: Neue Oper Wien im Semperdepot, Walter Kobéra (Dirigent)

Verfilmungen (unvollständig) 1963: Kurt Wilhelm – Sieghardt Rupp, sowie Ljuba Welitsch, Inge Richter, Ellen Umlauf, Barbara Gallauner, Ruth Pera, Ida Ehre, Maria Reiner, Anneliese Stöckel, Lotte Ledl, Ilde Overhoff, Elfriede Lucca, Christl Mardayn, Nicole Heesters, Ingrid Burkhard, Brigitte Skay, Jane Tilden, Maria Emo, Giselheid Hoensch, Susanne Schönwiese, Klaramaria Skala, Renate Kasché, Angelika Glas, Frances Maier 1968 (französischer Fernsehfilm): Regie: Marcel Cravenne, Darsteller: Jean Rochefort, Françoise Bertin, Jacqueline Pierreux, Sylvie, Paule Annen

Druckausgaben (unvollständig) 1961: Der Erstdruck wurde von Traugott Krischke bei Rowohlt herausgegeben. 2010: Ödön von Horváth: Don Juan kommt aus dem Krieg. Hrsg. v. Nicole Streitler unter Mitarbeit von Julia Hamminger und Martin Vejvar. Band 9 der Wiener Ausgabe sämtlicher Werke. Historisch-kritische Edition, am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek herausgegeben von Klaus Kastberger. Berlin / New York: Walter de Gruyter 2010, ISBN 978-3-11-022627-0.

Weblinks Stücktext bei Gutenberg

Einzelnachweise

Kategorie:Werk von Ödön von Horváth Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Drama