HMS Devonshire (39) war ein Schwerer Kreuzer der zweiten Gruppe der County-Klasse der Royal Navy. Die Kreuzer dieser zweiten Gruppe wurden auch als London-Klasse bezeichnet.

Die Devonshire brachte im Juni 1940 den norwegischen König Håkon VII. außer Landes und begleitete ihn fünf Jahre später wieder nach Oslo. Am 22. November 1941 versenkte der Kreuzer im Südatlantik den deutschen Hilfskreuzer Atlantis.

1947 bis 1953 diente der Kreuzer noch als Kadettenschulschiff, ehe er verschrottet wurde.

Baugeschichte Die Schweren Kreuzer der County-Klasse waren ein Ergebnis der Washingtoner Flottenkonferenz von 1922 und deren Grenzwerten für Kreuzer (maximal 10.000 ts, Geschütze höchstens mit Kaliber 203 mm). Die ersten sieben Schiffe – Berwick, Cornwall, Cumberland, Kent und Suffolk sowie Australia und Canberra für die Royal Australian Navy – wurden 1924 bestellt, bildeten die Kent-Klasse und kamen 1928 in Dienst.

Die Devonshire gehörte zur zweiten Gruppe dieser Kreuzer bei der Royal Navy mit London, Shropshire und Sussex. Ihnen fehlten die Torpedowulste der ersten Gruppe, da ihr Nutzen angesichts der geringen Breite der Schiffe zweifelhaft war. Die vier Kreuzer dieser Gruppe waren somit etwas schmaler und etwas länger als die erste Serie und deshalb etwa ¾ Knoten schneller. Als Ersatz für die fehlenden Torpedowulste wurden eine zusätzliche Lage Panzerplatten angebracht. Die Brücke wurde etwas nach hinten versetzt, um Beeinträchtigungen durch das Feuer des zweiten vorderen Turms zu reduzieren. Die drei Schornsteine waren höher ausgeführt, wie sie bei der ersten Serie erst nach Indienststellung verbessert wurden.

Die vier Kreuzer wurden 1932 mit einem Flugzeugkatapult und Flugzeugen nachgerüstet.

Einsatzgeschichte Die Devonshire kam zuerst zur „1st Cruiser Squadron“ im Mittelmeer. Bei einem Scharfschießen vor der Insel Skiathos in der Ägäis kam es am 26. Juli 1929 zu einem schweren Unfall. Das linke Geschütz des „X“-Turms hatte eine Fehlzündung; dessen nicht bewusst öffnete die Bedienung den Verschluss und die Treibladung explodierte. Auch die Folgeladung im Turm explodierte und 17 Mann starben im Turm. Die Devonshire musste zur Reparatur zurück nach Großbritannien. Wegen des Unfalls wurde die Verschlüsse der Geschütze geändert. Eine Öffnung der Verschlüsse ohne Schussabgabe war danach dem unmittelbaren Bedienungspersonal der Geschütze nicht mehr möglich.

Die Devonshire ging dann auf die China Station, kehrte aber schon bald wieder auf die Mittelmeerstation zurück, wo sie bis 1939 blieb. Sie war während des Spanischen Bürgerkriegs durchgehend im Einsatz. 1938 wurde auf ihr die Übergabe von Menorca an die Falangisten unterzeichnet; die Devonshire evakuierte anschließend prominente Republikaner.

Einsatz im Zweiten Weltkrieg Die als Flaggschiff des britischen 1. Kreuzergeschwaders dienende Devonshire war beim Kriegsbeginn in Alexandria. Als das Geschwader unter dem späteren Ersten Seelord, John H. D. Cunningham, Anfang November in die Heimat befohlen wurde, verließ der Kreuzer zusammen mit Suffolk am 3. Alexandria und dann auch mit Norfolk am 8. Gibraltar, um am 11. Plymouth zu erreichen. Nach kleineren Instandsetzungsarbeiten nahm die Devonshire am 21. ihren Dienst bei der Home Fleet auf.

Ihr erster Einsatz erfolgte am Abend des 23. November 1939, als sie mit dem Flaggschiff Nelson mit Admiral Forbes und der Rodney und sieben Zerstörern der britischen 8. Zerstörerflottille (Leader Faulknor sowie Forester, Fortune, Firedrake, Fame, Foresight und Fury) aus dem Clyde in das Seegebiet nördlich der Shetlands auslief. Der Vorstoß erfolgte auf Grund einer Meldung des Hilfskreuzers Rawalpindi der Northern Patrol, der etwa 145 Seemeilen nordwestlich der Färöer erst einen deutschen Schlachtkreuzer, dann ein Panzerschiff der Deutschland-Klasse gemeldet hatte. Tatsächlich handelte es sich um die Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau, die schon die britischen Überwachungslinie zwischen Schottland und Norwegen unbemerkt durchbrochen hatten und nun in den Atlantik vorstoßen wollten. Die deutschen Schiffe versenkten die Rawalpindi, brachen aber ihren nun entdeckten Durchbruchsversuch ab. Die britische Seite glaubte, das Panzerschiff Deutschland auf dem Weg in die Heimat zu suchen, das allerdings schon über einer Woche zuvor die britischen Kontrollzonen unbemerkt passiert hatte. Auf dem Weg nach Norden schlossen sich dem Verband der Home Fleet noch die Tribal-Zerstörer Somali, Ashanti, Punjabi and Mashona an. Wegen erheblicher Seeschäden mussten aber die Fame und die Foresight schon früh entlassen werden; die Fortune wurde als Wachboot nach Scapa Flow geschickt, um dort einen noch mit Wachdiensten betrauten, voll einsatzfähigen Zerstörer zu ersetzen. Am 25. wurde die Devonshire von den Schlachtschiffen weiter nach Norden entlassen, um mit anderen Kreuzern eine neue Überwachungslinie zu bilden. Bei der herrschenden schlechten Sicht passierten die deutschen Schlachtschiffe auf dem Rückmarsch erneut unerkannt die britischen Sicherheitslinien, die von drei Schlachtschiffen, über zehn Kreuzern und über 20 Zerstörern gebildet wurden, und liefen am Mittag des 27. November 1939 wieder in Wilhelmshaven ein. Am 29. begann auch die Devonshire wieder mit der Nelson den Rückmarsch zum Clyde, und zwei Tage später wurde die Suche nach den Deutschen aufgegeben.Rohwer, 21.–27. November 1939, Nordatlantik

Anfang April 1940 gehörte die Devonshire zu den britischen Einheiten, die für die geplante Landung in Norwegen (Operation „R 4“) Truppen an Bord genommen hatten. Nach dem Ausladung der eingeschifften Truppen ging sie am 8. April von Rosyth wieder unter Vizeadmiral Cunningham mit den Kreuzern Berwick, York, Glasgow und den sechs Zerstörern. Afridi, Gurkha, Sikh, Mohawk, Zulu und Cossack in See.Rohwer, 7.–8. April 1940, Norwegen Am 9. gehörte die Devonshire zum Hauptteil der Home Fleet etwa 100 sm südwestlich von Bergen, das von einem Einsatzverband besetzt werden sollte. Massive Angriffe der Luftwaffe führen zum Abbruch dieses Unternehmens. Auch die Devonshire wurde bei den Luftangriffen beschädigt.Rohwer, 9. April 1940, Norwegen

Sie blieb allerdings beim Verband der Home Fleet und stieß am 11. mit den Schlachtschiffen Rodney, Valiant und Warspite, dem Träger Furious, den Schweren Kreuzern Berwick und York gegen Trondheim vor. Der Angriff von Torpedoflugzeugen der Furious gegen die dort zurückgebliebenen deutschen Zerstörer blieb erfolglos – die Admiral Hipper war unbemerkt ausgelaufen und nach Süden entkommen. Bei einem Angriff von zehn Heinkel He 111 der III./KG.26 gegen den britischen Verband wurde die Furious verfehlt und nur der Zerstörer Eclipse durch zwei Treffer beschädigt. Am Abend begann die Devonshire mit Berwick und York die Suche nach deutschen Streitkräften an der norwegischen Küste zwischen Trondheim und dem Vestfjord, die später bis nach Kirkenes ausgeweitet wurde. U-Boot-Angriffe gegen den Verband schlugen infolge Torpedoversagern fehl.Rohwer, 11.–13. April 1940, Norwegen

Anfang Mai 1940 bildete die Devonshire, weiter als Flaggschiff von Cunningham, mit der französischen Montcalm und den Zerstörern Grenade, Griffin und Imperial die Deckungsgruppe für die Evakuierung der alliierten Truppen aus Namsos.Rohwer, 1.–3. Mai 1940, Norwegen

Am 7. Juni 1940 evakuierte die Devonshire aus Tromsø den norwegischen König Haakon VII. mit seiner Familie, Regierungsvertretern und alliierten Diplomaten. Der Kreuzer hatte insgesamt 461 Passagiere an Bord. Er passierte in etwa 50 Seemeilen Abstand das Gefecht, in dem der Träger Glorious und seine beiden Begleitzerstörer von den deutschen Schlachtschiffen Scharnhorst und Gneisenau vernichtet wurden. Die Befehlshaber des Kreuzers hatten den strikten Befehl, jede Gefährdung der Evakuierten zu vermeiden.

Im August 1940 gehörte die Devonshire zu den britischen Einheiten, die den Versuch der Freien Franzosen unterstützen sollten, Dakar zu gewinnen. Sie nahm neben den Schlachtschiffen Barham und Resolution und der Kreuzer Cumberland sowie der australischen Australia an der Beschießung der französischen Marinebasis und der Stadt am 24./25. September teil. Die Vichy-treuen Truppen und Marineeinheiten verteidigten sich erfolgreich und General de Gaulle befahl den Abbruch der Operation, um nicht mehr französisches Blut zu vergießen.

mini|Französischer Minensucher vom Typ Elan

Zum Schutz von Französisch-Kamerun wurden am 2. Oktober 1940 eine britische Brigade von 1564 Soldaten an Bord des Transporters Westernland von Freetown nach Duala transportiert, gesichert durch die Devonshire, vier britische Zerstörer und drei frei-französische Sloops. Die Truppen wurden ab dem 7. abgesetzt und am 9. Oktober 1940 ging General de Gaulle vom Minensuchboot Commandant Duboc in Duala an Land und hisste erstmals die frei-französische Flagge auf dem französischen Gebiet.Rohwer, 2.–9. Oktober 1940, Mittelatlantik / Kamerun

Als Anfang November 1940 die Freien Franzosen mit Truppen der Fremdenlegion Libreville (Gabun) angriffen (Gabunfeldzug), sicherte die Devonshire mit dem Kreuzer Delhi diese Operation auf See. Das Vichy-französische U-Boot Poncelet wurde vom Bordflugzeug der Devonshire angegriffen und schließlich von der Sloop Milford mit Wasserbomben zum Auftauchen gezwungen und versenkte sich selbst.Rohwer, 7.–8.11.1940 Mittelatlantik

Neben der Unterstützung der Frei-Französischen Kräfte hatte die in Freetown stationierte Devonshire auch die Aufgabe, die Handelsschifffahrt im Mittel- und Südatlantik zu sichern. So übernahm sie am 23. November im Mittelatlantik die Sicherung des Truppengeleits WS 4B mit zehn großen Transportern, die 23.800 Mann von Großbritannien nach Ägypten transportierten, von der Norfolk. Über Freetown und Durban hinaus begleitete die Devonshire den Geleitzug bis zum 16. Dezember, als sie im Indischen Ozean von der Shropshire abgelöst wurde. Neben der Devonshire waren auch die Cumberland und dann die Hawkins am Konvoi.Rohwer, 1.11.–28. Dezember 1940, Atlantik / Indischer Ozean

Nach Durban zurückgekehrt, suchte die Devonshire im Januar 1941 neben der Norfolk und dem Hilfskreuzers Arawa im Südatlantik erfolglos nach dem deutschen Hilfskreuzer Schiff 41 / KormoranRohwer, 6.–29. Januar 1941, Südatlantik und lief über Freetown dann nach Großbritannien zur Überholung zurück. Das im März eingetroffene Schiff erhielt eine neue Radarausrüstung und eine erheblich verstärkte Flugabwehrbewaffnung in Liverpool.

Im Juni 1941 war die Devonshire wieder einsatzbereit und nahm den Dienst bei der Home Fleet auf. Ende Juli gehörte sie zur „Force P“, die mit den Flugzeugträgern Furious und Victorious Kirkenes und Petsamo zur Unterstützung des neuen Verbündeten Sowjetunion angriffen. Ende August gehörte der Kreuzer dann zur Fernsicherung des ersten Versuchskonvoi Dervish mit sieben Handelsschiffen von Hvalfjörður (Island) nach Archangelsk. Zur Treibstoffergänzung lief der Kreuzer am 30. August und 7. September Spitzbergen an.

Im Oktober 1941 verlegte die Devonshire als Sicherung des Truppengeleits WS 12 mit über 30.000 Soldaten wieder in den Südatlantik. Sie wurde in Südafrika abgelöst und stellte mit dem Kreuzer Colombo und den Hilfskreuzern Carthage und Carnarvon Castle einen über Madagaskar aus Indochina kommenden Geleitzug der Vichy-Franzosen von fünf Schiffen – Compiègne (9986 BRT), Bangkok (8056 BRT), Cap Touraine (8009 BRT), Cap Padaran (8009 BRT) und Commandant Dorise (5529 BRT) –, die nach Südafrika gebracht und beschlagnahmt wurden, während das einzige Sicherungsfahrzeug des Konvois, die Sloop D'Iberville, ungehindert ablaufen konnte.Rohwer, 1.–7. November 1941, Indischer Ozean Die französischen Schiffe wurden von nach ihnen suchenden Martin Maryland der südafrikanischen Luftwaffe entdeckt, welche die Kreuzer heranführten. Ein Protest der Vichy-Regierung gegen die Beschlagnahme wegen des Transportes von Lebensmitteln wurde ignoriert.

mini|links|Der deutsche Hilfskreuzer Atlantis