Bodenmais ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Regen und Heilklimatischer Kurort. Er ist unter anderem bekannt durch sein Bergwerk und den Silberberg.

Name Anders als der heutige Name es vermuten lässt, kommt der Ortsname nicht von am Boden angepflanztem Mais, der erst nach Kolumbus’ erster Amerikareise 1492 nach Europa gelangte: 1301 wird erstmals der dem heutigen Namen ähnlich klingende Name Pobenmaizz erwähnt. Poben ist die slawische Abwandlung des Eigennamens Popo, oder Bobo. Vermutlich kamen slawische Einwanderer vor 800 in die Region und rodeten den Boden. Meizen ist die mittelhochdeutsche Form für '[Holz] schlagen, roden'. Damit weist der Ortsname auf die Rodung unter der Führung von Popo hin.

Geographie Geographische Lage Der gleichnamige Hauptort liegt tief im Bayerischen Wald, südwestlich am Fuß des Großen Arbers, des höchsten Bergs in Bayern außerhalb der Alpen.

Gemeindegliederung Es gibt 19 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):BLO-Ortsdatenbank: Bayern-Portal:

Geschichte mini|Doppelgipfel des Silberbergs. mini|Blick vom Silberberg auf Bodenmais. mini|Lore auf einem Bremsberg am Silberberg.

Vorgeschichte Bereits etwa 450 v. Chr. könnte das Gemeindegebiet von Bodenmais bewohnt gewesen sein. Dies legen Funde vom Riederinfelsen nahe. Die dort gefundenen Keltenschalen aus der späten Hallstattzeit, weisen mit ihrer Größe und Bedeutung auf eine größere Siedlung hin. Das heutige Bodenmais, genau genommen der heutige Marktplatz, scheinen daher plausibel, da es auf halbem Wege zu den Rießloch Wasserfällen liegt, welche ebenso keltische Rituale aus der frühen Latènezeit aufweisen.

Quellenkritische Anmerkung:

Die vorstehenden Aussagen zur vorgeschichtlichen Besiedlung von Bodenmais beruhen auf Deutungen, deren archäologische Absicherung derzeit nicht eindeutig nachvollziehbar ist. Der angeführte Beitrag zum Riederinfelsen ist keine archäologische Fachpublikation und verweist selbst auf Überlieferungen und Interpretationen.

Die sogenannte „Opferschale“ am Riederinfelsen wäre – sofern keine weiteren eindeutig zugehörigen und datierbaren Funde oder Befunde vorliegen – als isolierter Einzelbefund zu betrachten. Ein solcher Einzelbefund erlaubt für sich genommen weder eine sichere funktionale Deutung als Kultplatz noch Aussagen über Art, Umfang oder Dauer einer Besiedlung. Für die Annahme einer größeren Siedlung wären vielmehr zusammengehörige und archäologisch dokumentierte Siedlungsbefunde und Fundkomplexe erforderlich.

Die Annahme einer größeren vorgeschichtlichen Siedlung im Bereich des heutigen Bodenmais sowie deren Verbindung mit den Rißlochfällen bleibt daher hypothetisch, solange eine entsprechende archäologische Fundlage nicht nachgewiesen ist.

Bis zum 18. Jahrhundert Ein Erdstall (Schratzlloch) unweit des Riesbachs konnte mit der C-Datierung auf das Jahr 900 datiert werden. Eine dauerhafte Besiedlung konnte bislang noch nicht belegt werden, gilt aber als wahrscheinlich.

Der erste urkundliche Bericht über Bodenmais befindet sich im Urbar der bayerischen Herzöge aus dem Jahr 1300, in dem vom „item das Goldwerch ze Pabenmaiz“ berichtet wird. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde in den Gruben bei Bodenmais, genannt „des Allmächtigen Gottes Gabe“, nach Silber gegraben, um 1485 erhielt der Ort vom bayerischen Herzog Albrecht IV. besondere Privilegien, durch den großen Freiheitsbrief von 1522 wurde der Ort zur „vollkommen gefreiten Bergstadt“ erhoben.

Nachdem die Gewinnung von Edelmetallen zurückgegangen war, stellte sich das Bergwerk 1542 auf die Erzeugung von Vitriol um, das damals zum Färben von Textilien Verwendung fand. Mit der Umwandlung in eine Hofmark 1580 erloschen die Rechte der freien Bergstadt. Im frühen 17. Jhd. drohte Bodenmais sich in die Bedeutungslosigkeit zu verabschieden, als die Gemeindegebiete sich an andere Gemeinden, vor allem an Böbrach, angliedern wollten. Bis auf Maisried, welches noch heute zu Böbrach gehört, haben alle Gemeinden vor Gericht verloren. Eine Besonderheit stellte der Weiler Kohlplatz dar, welcher von den Einheimischen Trosloch genannt wird, da dieser genau an der Grenze zu den Bistümern Regensburg im Nordwesten und Passau im Südosten liegt. Man fürchtete kirchenrechtliche Konsequenzen und gewährte dem Weiler darum Sonderrechte wie das steuerfreie Brennen von Alkohol sowie Prostitution unter mildernden Auflagen. Das Kerngebiet um den Marktplatz galt als verarmte Gegend, in der nur Bergarbeiter und Tagelöhner lebten. Ab 1602 waren diese sogar teilweise von der Steuerpflicht befreit. Wären die wirtschaftlich starken Randbezirke ausgegliedert worden, hätte es Bodenmais selbst nicht aus eigenem Antrieb geschafft zu überleben. Wie ernst die Lage war, zeigt ein Erlass aus den 1630er Jahren: Dieser gab der Gemeinde die Befugnis, zwei verarmten Menschen die Eheschließung zu verwehren.

Am 16. Juni 1705 kam es zum sogenannten Translationswunder, als das Gnadenbild von Böbrach nach Bodenmais gebracht wurde. Es ist das einzige von der katholischen Kirche anerkannte Wunder im bayrischen Wald. Erinnert wird an diesen Tag bis heute mit einer Prozession und dem Bennofest am Bennotag 16. Juni.

Ab 1760 geriet der Absatz von Vitriol ins Stocken.

Besonders prägend war die Zeit der napoleonischen Kriege, in denen französische Soldaten in der Gemeinde stationiert waren. Noch heute zeugen viele Wörter im heimischen Dialekt von dieser Zeit sowie viele Geschichten, die meist mit den Worten „Als der Franzos noch hier war“ beginnen. (Der Soldat, der im Krieg ein Kind ermordet / Die Deserteure vor Russland etc.) Unter anderem ist auch das Kartenspiel Watten ein Überbleibsel aus dieser Zeit.

19. und 20. Jahrhundert Durch ein neues Verfahren, Polierrot (Potée) zu erzeugen, das zum Schleifen der Gläser und Polieren der Spiegel Verwendung fand, hatte das Werk in den Jahren 1870 bis 1914 seine größte Blütezeit. Bodenmaiser Potée ging in die ganze Welt. Aber durch die Entwicklung neuer chemischer Herstellungsverfahren war man bald nicht mehr konkurrenzfähig. Die letzte Schicht wurde am 27. Mai 1962 gefahren.

1871 kam es im Bodenmais zu einem Aufstand der Holzarbeiterschaft, die mit dem Anschluss ans Deutsche Reich befürchtete, dass Wohnhäuser auch in Bayern zur Gänze aus Stein gebaut werden könnten. Zuvor bestanden Häuser ganz aus Holz bzw. nur ein kleiner Teil, das Erdgeschoss, aus Stein. Man fürchtete harte wirtschaftliche Einbußen und protestierte lautstark. Weil in dieser Zeit keine Bäume geschlagen wurden, kam es auch zum Aufstand der Kultivierer, welche die abgeschlagenen Flächen benötigten. Hier wollte es der Zufall, dass ausgerechnet der Sohn des Bürgermeisters gelernter Kultivierer war und auch ihm die Armut drohte. Darum kam dem Bürgermeister Franz Joseph Schweikl die Idee, auf dem Marktplatz das Bömingeranwesen zu errichten, welches aus Stein hochgezogen wurde. Für die Optik, laut anderem Bericht als Regenschutz, ließ der Ortsvorsteher eine Holzfassade anbringen. Die „Schweiklmethode“ hat heute noch Tradition und konnte der Holzindustrie Zeit geben, sich den zeitlichen Begebenheiten anzupassen. Heute werden vor allem Zahnstocher aus Bodenmais in alle Welt verkauft.

Nachdem sich ab dem 15. Jahrhundert Glashütten im Bodenmaiser Raum angesiedelt hatten, wurde Bodenmais nach 1945 innerhalb von 30 Jahren zum Glasveredlungszentrum und bietet die größte Bleikristallauswahl Deutschlands. Da sich dort abseits der großen Verkehrsverbindungen keine Industrie außer der Glasindustrie ansiedeln wollte, hat man frühzeitig den Fremdenverkehr als Erwerbsmöglichkeit erkannt. Dessen Ursprung geht auf das Jahr 1883 zurück, als in Bodenmais der Bayerische Wald-Verein gegründet wurde.

Noch am Tag der sogenannten Machtergreifung am 30. Januar 1933 wurde in Bodenmais die Hakenkreuzfahne gehisst. Schneller als in vielen anderen Regionen des Deutschen Reiches wurde in Bodenmais der amtierende Bürgermeister zwangsweise durch einen Vertreter der NSDAP ersetzt. Die NS-Propaganda mit ihrer Betonung auf rassisch motivierten Judenhass fand bei manchen Bodenmaiser Einwohnern rasch Anklang. Am 8. Januar 1937, fast 2 Jahre vor den Novemberpogromen 1938, gab es in Bodenmais den letztlich vergeblichen Versuch, antisemitische Ausschreitungen zu lancieren. Der Bürgermeister hatte über den „Bodenmaiser Anzeiger“ dazu aufgerufen, Juden die Beherbergung zu verbieten und mögliche Quartierer hart zu bestrafen. Am Abend betranken sich junge Männer der SA und zogen ohne offiziellen Aufruf los, um die Gasthäuser des Ortes nach jüdischen Gästen zu durchsuchen. Hauptsächlich jüngere Knaben schlossen sich den SA-Leuten an und führten die Kontrollen durch. Der aufgeputschte Mob wollte auch eine jüdische Gemeinde niederbrennen. Vor der Wirtschaft des Karl Wölfl hing ein Brauerstern aus, der sich optisch nicht von einem Davidstern unterscheidet. Jedoch musste man das Vorhaben vorzeitig abbrechen, da es sich herausstellte, dass es in Bodenmais weder eine jüdische Gemeinde noch einen einzigen gastierenden Juden gab.

Die Indoktrination der NS-Machthaber wirkte nicht auf alle Bevölkerungsteile gleichermaßen: Am 1. September 1941 kam es vor dem Schulgebäude zum Konflikt, als sich Einwohnerinnen gegen den Kreuzerlass der Nationalsozialisten auflehnten. In den Sommerferien waren die Kreuze in der Schule abgehängt worden. Vor allem Mütter brachten am ersten Schultag persönlich ihre Kinder zur Schule und untersagten ihnen das Gebäude zu betreten, solange die Kreuze nicht wieder aufgehängt würden. Nach Eintreffen des Kreisleiters, welcher Ida Geiger als Rädelsführerin verhaften lassen wollte, eskalierte die Lage. Es kam zum Handgemenge der etwa 200 Frauen mit der Gendarmerie. Am 21. Oktober wurden die Kreuze wieder aufgehängt. Ida Geiger musste bis zum Kriegsende wiederholt Verhöre ertragen.

Am 24. April 1945 kapitulierte Bodenmais kampflos vor dem XII. US-Korps sowie der 90. Infanterie-Division. Die 11. Panzerdivision nutzte am selben Tag den Ort nur als Durchfahrt Richtung Passau. Die Ortschaft hatte den Amerikanern nahezu nichts entgegenzusetzen, da die verbliebenen deutschen Soldaten bereits am 20. April 1945 nach Passau abgezogen worden waren. Der Volkssturm war schlecht ausgerüstet und sollte mit Axt und Mistgabel kämpfen. An den Zugangsstraßen wurden zwar Panzersperren aus umgeschlagenen Bäumen installiert, aber bei Eintreffen der Amerikaner von den Bewohnern selbst zurückgebaut. Es soll am kleinen Arbersee, welcher in Hörweite liegt, zu kleineren Scharmützeln gekommen sein; sie wurden aber nicht schriftlich festgehalten.

1945 wurde Bodenmais zum Luftkurort erklärt und 1958 zum Markt erhoben. 1962 begann man mit dem Bau eines beheizten Freibades und der evangelischen St. Johanneskirche, 1967 erfolgte der Kurhausbau, und 1972 konnte das Hallenbad in Betrieb genommen werden.

Im Juni 1976 kam es im Ort auf Initiative des US-Außenministers Henry Kissinger zu einem Treffen mit Südafrikas Staatspräsidenten Balthazar Vorster. In dessen Begleitung befand sich u. a. der Außenminister Hilgard Muller, Außenstaatssekretär Brand Fourie und der Chef von BOSS, Hendrik Van den Bergh. Während regionale Vertreter das Ereignis positiv bewerteten, befürchtete der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt in der internationalen Wahrnehmung eine Beeinträchtigung der neu ausgerichteten deutschen Afrikapolitik.The Withe House: Memorandum of Conversation. online auf www.fordlibrarymuseum.gov (englisch)Wolfgang Becker: Südafrika: „Die Buren haben Angst“. Spiegel-Artikel vom 28. Juni 1976, online auf www.Spiegel.deAnonymus: Türen öffnen. Spiegel-Artikel vom 14. Juni 1976, online auf www.spiegel.deSAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1976. Johannesburg 1977, S. 406–407

1989 erfolgte die Fertigstellung des neuen Rathauses, der Kurverwaltung, der Tiefgarage und des Kurparks. Als Abschluss der Bemühungen im touristischen Bereich erhielt Bodenmais im Dezember 1992 das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“.

Einwohnerentwicklung