Die Orrot ist ein mit ihrem längeren Oberlauf Glasbach etwa 10 km langer Bach in den Ellwanger Bergen im baden-württembergischen Ostalbkreis. Namentlich beginnt ihr Lauf am Ausfluss des von Glasbach und Orbach gespeisten Holzmühle-Stausees und zieht dann in einem nach Süden ausholenden Bogen insgesamt nach Osten. Beim Weiler Schweighausen der Gemeinde Jagstzell mündet sie von links in die obere Jagst.

Name Die Orrot wurde noch im 19. Jahrhundert wie der bedeutendere linke ihrer beiden Oberläufe als Glasbach bezeichnet. Der heute Orbach heißende Oberlauf wurde damals Ohrbach geschrieben, analog zum Bestimmungselement des Namens der auf einer Karte dieser Zeit als Ohr-Säg-M. eingetragenen heutigen Ohrmühle und des damals Ohrholz genannten Waldes rechts am Orbach-Unterlauf (heute: Orholz). Der heutige Name mutet deshalb an wie eine Zusammensetzung aus einem vom rechten Oberlauf übernommenen Bestimmungselement Or- und aus dem in der Umgegend häufigen Flussnamen Rot. Vgl. etwa die weniger als einen halben Kilometer aufwärts von der rechten Seite der Jagst zumündende Rechenberger Rot (auch Rotbach genannt) oder die Blinde Rot, deren Einzugsgebiet unmittelbar westlich an das ihre angrenzt. Rot/Roth/Reuth/… ist ein typischer Rodungsname, der etwa auch im Namen des Rosenberger Weilers Geiselrot steckt oder im Namen des nahen Bühlertanner Weilers Fronrot. Den Jagstzeller Wohnplatz des Namens Orrot, ein Einzelanwesen, das heute gleich unterhalb des Orrotsees liegt, scheint es früher nicht gegeben zu haben.

Geographie Die Orrot entsteht auf etwas unter am Auslauf des Holzmühl-Stausees bei der Holzmühle in der Gemeinde Rosenberg. Der See wird von zwei großen Oberläufen gespeist, dem etwas längeren und einzugsgebietsreicheren Glasbach, der von Nordwesten, und dem Nebenstrang-Oberlauf Orbach, der aus dem Westen kommend zufließt.

Glasbach Der linke Oberlauf Glasbach nimmt seinen Anfang im Waldgebiet Harbach zwischen dem Lauf der obersten Blinden Rot im Westen und der Rodungsinsel um den Rosenberger Weiler Hummelsweiler im Osten. Hier beginnt sein Lauf auf etwa ca. 0,9 km westsüdwestlich der Ortsmitte von Hummelsweiler im flachen Muldengewann Alte Klinge noch im Harbach-Wald. Er läuft anfangs ostwärts und wechselt dabei schon nach hundert Metern in die Flur um Hummelsweiler. Nach weiteren dreihundert Metern geraden Grabenlaufs quert er im Durchstich den Damm eines trockengelegten alten Weihers und unterquert dann die Dorfverbindungsstraße von Willa im Südwesten nach Hummelsweiler, dessen Ortsrand hier nur noch dreihundert Meter entfernt ist. Unmittelbar danach wendet er sich auf forthin sehr beständigen Südostlauf.

Auf diesem tieft sich seine Grünlandmulde zwischen Äckern auf den begleitenden Hügeln nun merklich ein. Etwa zweieinhalb Kilometer unterhalb des Ursprungs zweigt der bisher in einem bewuchslosen Graben laufende Bach einen weiteren Grabenlauf zum rechten Hangfuß ab, der vierhundert Meter weiter in den Rutschweiher einfließt, den Mühlweiher der an seinem Damm liegenden Spitzensägmühle. Der Bach selbst unterquert nahebei auf einem kurzen verdolten Stück die K 3323 von Hummelsweiler nach Rosenberg im Süden und nimmt dann auf Mäanderlauf unmittelbar nach dem Mühlenanwesen den Weiherabfluss Rappenweiherbach auf, der aus dem Westen kommend in den Mühlweiher einfließt.

In einer meist weniger als hundert Meter breiten Wiesenschneise läuft der Glasbach dann in kleinen Bögen zwischen den Wäldern Buchholz im Nordosten und Walzen im Südwesten hindurch, um dann nach Bachteilung und Flurweitung zur großen Rodungsinsel um Rosenberg mit dem rechten Ast den Härlingssägmühlweiher an der Herlingssägmühle zu speisen. Dreihundert Meter nach der Wiedervereinigung der Zweige mündet von Westen her der Herlingsbach auf inzwischen in den Glasbach, sein mit über zwei Kilometern Länge größter Zufluss, der am Rande des Weilers Geiselrot entsteht und im Mittellauf durch den Herlingsweiher am Südrand des Walzen zieht.

Wenig nach diesem Zufluss auf nunmehr wieder wenig gewundenem Lauf weicht der Bach vor einem Südostsporn des Hügelwaldes Ödholz kurz nach rechts aus und fließt danach in alter Richtung weiter. Hier stand früher die inzwischen abgegangene Glassägmühle und auf dem nahen Sporn der auch zur Wüstung gewordene Ort Oberknausen. Auf dem knapp einen Kilometer langen südöstlichen Restabschnitt bis zum Holzmühl-Stausee zeigt der Bach nun wieder Mäander und ist erstmals von einer erst gegen das Laufende zu wieder aussetzenden Gehölzgalerie begleitet. Er unterquert hierbei noch die von Rosenberg im Westen kommende K 3321, die danach Unterknausen auf dem linken Randhügel passiert und östlich nach Jagstzell weiterläuft. Dann läuft der Glasbach auf unter in die über 300 Meter lange nordwestliche Mündungsbucht des Holzmühl-Stausees ein, in dem er sich mit dem rechten Orbach vereint.

Orbach Der rechte Oberlauf Orbach entsteht im Wald Vogelbuck etwa 1,5 km westsüdwestlich der Ortsmitte von Rosenberg im Norden einer Forstackerlichtung und fließt von Anfang an ungefähr östlich. Schon nach etwa einem halben Kilometer verlässt er den Wald in die Stöckwiesen am Südrand der Rosenberger Rodungsinsel, hält aber weiterhin und bis zur Mündung rechts nahen Kontakt zum Nordrand des großen Virngrund-Waldgebietes. Sich dem Südwestrand des Dorfes nähernd, speist er einige Teiche und unterquert dann auf einem kurzen verdolten Stück das Ende der Karl-Stirner-Straße. Danach entfernt er sich wieder von der Siedlungsgrenze Rosenbergs, das sich auf der linken Wasserscheide zum Glasbach weiter entlangstreckt.

Nach einem weiteren Teich tritt er ins 5,9 ha große Naturschutzgebiet Orbachtal mit Streuwiesen ein, an dessen Ostspitze er unmittelbar vor der L 1060 von rechts seinen mit 1,8 km Länge bedeutendsten Zufluss Häselesbronnenbach aus dem Wald zur Rechten aufnimmt, der unter anderem den Nordwestabfall des Hohenbergs entwässert und dessen Unterlaufaue ebenfalls im Naturschutzgebiet liegt. Gleich nach Unterqueren der Landesstraße fließt der Orbach an der Rosenberger Ohrmühle vorbei, deren Mühlweiher zu früheren Zeiten vom Straßendamm eingestaut wurde und einen Teil des heutigen Naturschutzgebiets bedeckte. Weniger als 300 Meter danach mündet von rechts der nur 1,1 km lange Kirchholzbach zu, der am Nordfuß des Hohenberges im Wald entsteht und dann am Ostrand der sich im Norden trichterförmig weitenden Straßenschneise entlangläuft. Hier läuft der Orbach nun schon in sehr flacher Talaue an einem Teich vorbei unter dem nun Orholz genannten rechten Hügelwald, aus dem ihm nach wenigen hundert Metern ein kurzer und letzter rechter Nebenbach zufließt. Noch einmal etwa soviel weiter fließt er etwas unter in seine sich ihm fast 400 Meter nach Westen entgegenstreckende Mündungsbucht des Holzmühl-Stausees ein, der wenige Schritt nördlich von ihm auch ein etwa 0,9 km langer Bach aus dem Gewann Frauenfeld im Nordwesten zumündet, der vor der Seeanstauung noch ein linker Nebenfluss des Orbachs war.

Unterlauf Orrot Die Orrot läuft nach ihrem ostsüdöstlichen Ausfluss aus dem Holzmühl-Stausee zunächst etwa 700 Meter lang unterirdisch unter dem großen Industriegelände der Rosenberger Holzmühle. Auf diesem Abschnitt läuft ihr sogar ihr erster großer Zufluss zu, der früher Holderbach, heute auf der Gewässerkarte Hohenberger Bach genannte Abfluss des Gemeindeweihers, der bei Hohenberg am Rande der L 1060 liegt.

Unterhalb des Holzindustriebetriebes schlängelt sie sich dann nur auf den nächsten etwa 400 Metern frei durch ihre alte, von den Hügelwäldern Dürrenwald rechts und Buchgehren links eingefasste Aue. Dann fließt sie schon in den nächsten Stausee ein, den oberen Seeteil des Orrotsees. Dieser streckt sich in west-östlicher Richtung insgesamt etwa 1,3 km weit und ist meist um 150 Meter breit. Über zwei kleine Mündungsbuchten laufen ihm aus dem Südwesten und dem Süden die im oder am Südrande des Dürrenwalds entstehenden Bäche Weiherlesbach (1,9 km) und Edelhaubach (1,5 km) zu. Unterhalb des Staudamms liegt links des Bachs der kleine Wohnplatz Orrot, hier münden ins Orrottal von der anderen Seite noch zwei weitere, kleinere wasserführende Waldklingen, dann kehren sich Tal und Bach für die letzten anderthalb Kilometer des Laufs abrupt nach Norden.

mini|Naturnahe Fischaufstiegshilfe an der Rennecker Mühle Bald danach öffnet sich im Tal ein schmaler Flurstreifen. Kurz vor dem Austritt in die weite Jagstaue passiert die Orrot die Rennecker Mühle von Jagstzell. Am linken Rand der Jagstaue nimmt sie noch beim Bühlhof der Gemeinde aus dem Buchgehren im Westen ihren einzigen längeren linken Zufluss Rappenbächle auf (1,8 km). Gleich darauf fließt sie unter der Oberen Jagstbahn hindurch und mündet nach gut hundert Metern von links und zuletzt Südwesten in die rechts am Prallhang laufende obere Jagst, nur gut 400 Meter unterhalb der dicht an Schweighausen von rechts der Jagst zufließenden Rechenberger Rot.

Einzugsgebiet Die Orrot hat ein 20,9 km² großes Einzugsgebiet, das naturräumlich gesehen zum Unterraum Ellwanger Berge der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge gerechnet wird. Es erstreckt sich in längster Ausdehnung von einem namenlosen Hügel an der Nordwestspitze im Wald Harbach westlich von Hummelsweiler an der Gemeindegrenze zu Frankenhardt knapp 8,5 km weit bis zu seiner Südostecke auf der Jagsttal-Randhöhe an der B 290 bei Ellwangen-Schönau. Quer dazu ist es nirgends ganz 3,5 km breit. Die mit Abstand höchste Erhebung ist die markante Kuppe des erreichenden Hohenbergs beim gleichnamigen Rosenberger Weiler an der südlichen Wasserscheide, die nächstgrößere der genannte Hügel an der Nordwestspitze im Waldgebiet Harbach, der einen Wasserspeicher trägt und am Scheitel eine Höhe von hat.

Wegen der Linkskehre der unteren Orrot nach dem Orrotsee folgt die östliche Wasserscheide von der Mündung aufwärts nahe der aufnehmenden Jagst nach Süden, etwa auf der Trasse der B 290 an Dietrichsweiler vorbei bis aufs Riemenfeld westlich von Ellwangen-Schönau, wo sie dann abknickt und vor dem kleinen Jagstzufluss Ludwigsbach durch den Dürrenwald nach Westen weiterzieht. Etwa wo sie im Finsterholz aus der Ellwanger Stadt- auf die Gemeindegemarkung von Rosenberg wechselt, beginnt außerhalb das Einzugsgebiet des in südöstlicher Richtung zur Jagst noch oberhalb von Ellwangen laufenden Rotenbachs anzuliegen. Erst nach dem Steilanstieg auf den Hohenberg konkurriert an der Außenseite der gesamten südwestlichen und westlichen Wasserscheide die bedeutendere Blinde Rot mit etlichen Zuflüssen, die südwärts zum Kocher läuft.

Am Wasserspeicher-Hügel im Harbach-Wald knickt die Grenze des Einzugsgebietes nach Osten ab und scheidet vom ostwärts nun zur abwärtigen Jagst entwässernden Bachsystem des zwischen Jagstzell und Stimpfach-Randenweiler mündenden Sulzbachs. Jenseits des restlichen ostnordöstlichen Stücks der Wasserscheide bis zurück zur Mündung ziehen nur noch zwei erwähnenswerte Wasserläufe zur Jagst, der Kerlesbach und der Helmlesbach, die beide in Jagstzell münden.

Vom Einzugsgebiet gehört ein nur etwa 0,7 km² großer Randstreifen im Südosten zur Stadt Ellwangen, er ist völlig bewaldet und siedlungsfrei. Die Gemeinde Jagstzell hat mit etwa 3,8 km² einen größeren Anteil im Osten, der ab dem Ausfluss der Orrot aus dem Holzmühl-Stausee links bis nahe an den Lauf reicht, einen Teil des unteren Sees umfasst und unterhalb des Sees sich auf die ganze Breite des Einzugsgebietes weitet. Die kleine Siedlungsplätze Orrot, Rennecker Mühle und Bühlhof Jagstzells liegen am untersten Lauf bzw. auf der mündungsnahen linken Wasserscheide.