mini|hochkant|Andrij Bilezkyj (2017) Andrij Bilezkyj (; * 5. August 1979 in Charkiw, Ukrainische SSR) ist ein ukrainischer Politiker sowie Brigadegeneral der ukrainischen Armee. Im Mai 2014 gründete er die Miliz „Schwarzes Korps“, die zum Kern des späteren Asow-Freiwilligenbataillons wurde, welches Bilezkyj bis Oktober 2014 kommandierte. Zwischen 2014 und 2019 war er Mitglied der Werchowna Rada. 2023 trat Bilezkyj, als Reaktion auf die russische Invasion in die Ukraine, in die ukrainische Armee ein. Er wurde in den Rang eines Obersts erhoben und kommandierte die 3. separate Sturmbrigade, eine aus Veteranen des Asow-Regiments gegründete Einheit der ukrainischen Armee. 2025 erfolgte die Beförderung zum Brigadegeneral sowie die Ernennung zum Kommandanten des 3. Armeekorps der ukrainischen Armee.

Leben Bilezkyj studierte nach dem Abitur Geschichte an der Universität Charkiw. Seine Abschlussarbeit handelte von einer ukrainischen nationalistischen Gruppe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, der Ukrainischen Aufständischen Armee. Seit 2002 war er Mitglied in verschiedenen militanten nationalistischen Organisationen. Er gilt als Vorsitzender bzw. als „Führer“ der nationalistischen Organisationen Sozial-Nationale Versammlung und Patriot der Ukraine.Andreas Umland: Ein kleiner Regimewechsel. In: Ukraine-Analysen Nr. 142.

Unter dem Vorwurf des Mordversuchs war Bilezkyj von Dezember 2011 bis Februar 2014 inhaftiert, ohne dass es zu einer Verurteilung kam. Am 24. Februar 2014 wurde er im Rahmen einer vom ukrainischen Parlament beschlossenen Amnestie aus der Haft entlassen., lucorg.com.

Im Frühjahr 2014 war Bilezkyj Mitbegründer der freiwilligen Kampfeinheit Bataillon Asow, inzwischen Regiment Asow, die für ihre teilweise offen rechtsextremen Positionen kritisiert wird. Bilezkyj streitet allerdings ab, dass etwa die vom Regiment verwendete Symbolik im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus steht. Er trat als Kommandeur der Einheit auf und nahm an Kampfhandlungen im Krieg in der Ukraine 2014 teil. Am 2. September 2014 verlieh ihm der ukrainische Präsident Petro Poroschenko den Orden für Tapferkeit.Webseite des ukrainischen Präsidenten, 2. September 2014 Im September 2014 wurde Bilezkyj von Innenminister Arsen Awakow der Rang eines Oberstleutnants des ukrainischen Innenministeriums verliehen.Webseite np.pl.ua vom 18. September 2014Anton Shekovtsov: Wie Vetternwirtschaft ukrainischen Neonazis nützt. In: Die Zeit, 11. Dezember 2014. Im Oktober 2014 war er nicht mehr Mitglied der militärischen Einheit von Asow.

Bei der Parlamentswahl 2014 trat Bilezkyj als formal unabhängiger Kandidat im Kiewer Rajon Obolon, einem Einpersonenwahlkreis, an und erreichte ein Direktmandat für die Werchowna Rada. Sein Wahlkampf wurde sowohl vom Block Petro Poroschenko als auch von der vom damaligen Premier Arsenij Jazenjuk geführten Partei Volksfront unterstützt.Simone Brunner: Im Schatten des Krieges. Wiener Zeitung, 24. Oktober 2014.Ukraine has ignored the far right for too long – it must wake up to the danger, The Guardian, 13. November 2014

Im Oktober 2016 gründete Bilezkyj die rechtsextreme Partei Nationales Korps und wurde zum Vorsitzenden gewählt.Rechtsextremisten in der Ukraine und ihr Einfluss im Land Deutschlandfunk, 1. Juli 2022 Im Januar 2018 entsandte Asow seine nationale Straßenpatrouille „Druschina“, deren Mitglieder Biletsky persönliche Treue schworen und versprachen, „die ukrainische Ordnung“ auf den Straßen wiederherzustellen. Die „Druschina“ machte sich schnell einen Namen, indem sie Pogrome gegen Roma- und LGBT-Organisationen durchführte und einen Stadtrat stürmte. Anfang des Jahres kündigte die Regierung in Kiew an, dass die Neonazi-Einheit die Wahlen bei den Präsidentschaftswahlen überwachen werde. Nach der Parlamentswahl 2019 verlor Bilezkyj sein Abgeordnetenmandat.

Nach der russischen Vollinvasion im Jahr 2022 stellten Bilezkyj und andere Asow-Veteranen die 3. Sturmbrigade auf, wobei Bilezkyj mittlerweile als Kommandeur ebenjener Einheit fungiert. Ebenfalls wurde er Befehlshaber des 2025 gegründeten 3. Armeekorps.

Politische Positionen mini|Bilezkyj am Rednerpult bei einer Veranstaltung der rechtsextremen Organisation Patriot der Ukraine in Charkiw (2008) Der ukrainische Soziologe Wolodymyr Ischtschenko bezeichnete 2014 Bilezkyj in einem Meinungsbeitrag im Guardian als Neonazi.Wolodymyr Ischtschenko: Ukraine has ignored the far right for too long – it must wake up to the danger. The Guardian, 13. November 2014 (englisch).

Im Jahr 2010 soll Bilezkyj erklärt haben, es sei die Mission der ukrainischen Mission, »die weißen Rassen der Welt in einem letzten Kreuzzug … gegen die von den Semiten geführten Untermenschen anzuführen«.Marc Bennets: Ukraine's National Militia: “We’re not neo-Nazis, we just want to make our country better” The Guardian, 13. März 2018: “lead the white races of the world in a final crusade … against Semite-led Untermenschen [subhumans]”.Олесь Олексієнко: Страшилка «неонацизму». В чому загадка українських правих радикалів? Український Тиждень, 30. April 2015: «українці – це частина (причому одна з найбільших і найякісніших) європейської Білої Раси. Історична місія нашої Нації у це переломне сторіччя – очолити й повести за собою Білі Народи всього світу в останній хрестовий похід проти очолюваного семітами недолюдства». Ebenjenes Zitat wurde auch im August 2014 von der britischen Zeitung The Daily Telegraph aufgeführt. Bilezkyj selbst bestritt die Aussage.

Bilezkyj betont, dass er kein Antisemit oder Rassist sei. In einem Interview erklärte er, er betrachte Israel und Japan als Vorbilder für die zukünftige Entwicklung der Ukraine.

Laut einem Artikel von Kostiantyn Fedorenko und Andreas Umland hat Bilezkyj wiederholt bestritten, vor 2014 rassistische Äußerungen gemacht zu haben. Zudem erklärte er, dass wenn ihn jemand „von Angesicht zu Angesicht als ‚weißen Führer‘ bezeichnet hätte, [diese Person] geschlagen worden wäre“. Bilezkyj spricht sich gegen Multikulturalismus aus, räumt aber ein, dass „ein ukrainischer Nationalist zu sein heute bedeutet, an Werte zu glauben, nicht an rassistische Vorurteile“, und betonte, dass seine Partei keine ethnischen Kriterien heranzieht, um zu definieren, wer Teil der ukrainischen Nation sein könne und wer nicht.

Bis zum Jahr 2011 befürwortete Bilezkyj eine Konföderation mit Russland. Im Jahr 2010 erklärte er: »Wir verstehen, dass eine Trennung von Russland und eine Teilung idiotisch ist. Denn unsere Idee ist eine starke pro-ukrainische Konföderation mit ihrem Zentrum in Kyjiw. Aber auf keinen Fall ein vereinigter Staat«.

Siehe auch Asow-Bewegung

Weblinks

Vorstellung von Bilezkyj auf der Website der Werchowna Rada

Einzelnachweise

Kategorie:Person im Russisch-Ukrainischen Krieg Kategorie:Mitglied der Werchowna Rada Kategorie:Brigadegeneral (Ukraine) Kategorie:Politiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Person des Rechtsextremismus Kategorie:Person des Rassismus Kategorie:Ukrainer Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Geboren 1979 Kategorie:Mann