Justine Braisaz-Bouchet (* 4. Juli 1996 in Albertville als Justine Braisaz) ist eine französische Biathletin. Sie wurde 2022 Olympiasiegerin im Massenstart, 2024 dreifache und 2025 zweifache Weltmeisterin.

Sportliche Laufbahn Jugend- und Juniorenbereich (bis 2014) Braisaz-Bouchet wuchs im wintersportgeprägten Alpendépartement Savoyen auf und stand mit fünf Jahren erstmals auf Skiern.Rico Rizzitelli: Justine Braisaz, toucher sa cible auf liberation.fr. Erschienen am 8. Februar 2018. Abgerufen am 4. April 2020. 2012 begann sie mit dem Biathlonsport, nachdem sie zuvor bereits mehrere Jahre Skilanglauf trainiert hatte; im selben Jahr wurde sie französische U16-Meisterin in beiden Disziplinen.Justine Braisaz, biathlète française auf skinordik.com. Erschienen am 9. Juli 2019. Abgerufen am 4. April 2020. Ihr Heimatverein ist der Club des Sports Les Saisies, dem auch die etwa gleichaltrige Julia Simon angehört, die später ebenfalls in den französischen Nationalkader aufstieg. Bei ihrem internationalen Debüt, den Jugendweltmeisterschaften 2013 in Obertilliach, belegte Braisaz-Bouchet mit vielen Schießfehlern die Ränge 46 (im Einzel) und 71 (im Sprint), zählte aber in beiden Wettkämpfen zu den sechs schnellsten Läuferinnen des 90-köpfigen Teilnehmerinnenfeldes. Bei den Juniorenweltmeisterschaften im folgenden Jahr lief sie auf der Strecke Bestzeiten und belegte als bestes Ergebnis den fünften Platz mit zwei Schießfehlern im Sprint, den die Russin Jewgenija Pawlowa gewann.

Aufstieg in die Weltspitze (2014 bis 2018) mini|links|Braisaz-Bouchet beim Massenstart von Annecy 2017, bei dem sie erstmals im Weltcup gewann Im Januar 2014 erhielt Braisaz-Bouchet mit 17 Jahren ihre ersten Einsätze im IBU-Cup, der zweithöchsten Wettkampfserie im Erwachsenenbereich. Als 27. des Sprintrennens von Ridnaun gewann sie dabei auf Anhieb Punkte. Noch im gleichen Kalenderjahr belegte sie in Beitostølen zum Auftakt des IBU-Cups 2014/15 die Plätze sechs und zwei, jeweils mit Laufbestzeit.Mirko Hominal: IBU Cup: La fusée Justine Braisaz auf ski-nordique.net. Erschienen am 30. November 2014. Abgerufen am 4. April 2020. Da Anaïs Chevalier aus dem französischen A-Kader die Saison mit Rückenschmerzen frühzeitig abbrechen musste, rückte Braisaz-Bouchet im Dezember 2014 in das sechsköpfige französische Weltcupteam auf.Mirko Hominal: Justine Braisaz en coupe du monde auf ski-nordique.net. Erschienen am 8. Dezember 2014. Abgerufen am 4. April 2020. In der Mannschaft um die erfahrenen WM-Medaillengewinnerinnen Marie Dorin-Habert und Anaïs Bescond war die 18-jährige Braisaz-Bouchet die mit Abstand jüngste Athletin. Gleich bei ihrem Weltcupdebüt im Sprint von Hochfilzen platzierte sie sich als 17. in den Punkterängen und wurde zweitbeste Französin des Wettkampfs. In der sich anschließenden Staffel nahm sie das Rennen in Führung liegend auf, schoss dann aber die einzige Strafrunde der vier Läuferinnen und fiel zurück, die Staffel belegte letztlich Rang acht. Im weiteren Verlauf der Saison verbesserte Braisaz-Bouchet ihre beste Einzelplatzierung auf einen 14. Rang und stand zweimal mit der Staffel auf dem Podest – darunter auch bei den Weltmeisterschaften 2015 in Kontiolahti, wo sie mit Bescond, Enora Latuillière und Dorin-Habert die Silbermedaille gewann (und dabei erneut eine Strafrunde schoss). Am Ende ihres ersten Weltcupwinters war Braisaz-Bouchet 51. im Gesamtweltcup und eine der zehn schnellsten Athletinnen im gesamten Feld. Ihre Trefferquote war dafür mit 71 Prozent die geringste im französischen Team.IBU Biathlon Guide 2015/2016, S. 219–222 und S. 470.

In den folgenden Jahren steigerte Braisaz-Bouchet ihre Leistungen in beiden Teildisziplinen: 2016/17 traf sie über die Saison gesehen 80 Prozent ihrer Schüsse in Weltcuprennen und lief knapp fünf Prozent bessere Laufzeiten als ihre Konkurrentinnen, womit sie (hinter den Finninnen Kaisa Mäkäräinen und Mari Laukkanen sowie Gesamtweltcupsiegerin Laura Dahlmeier) die viertschnellste Biathletin im Weltcup war.IBU Biathlon Guide 2017/2018, S. 352. Nachdem sie mit der Staffel im Januar 2016 ihren ersten Weltcupsieg gefeiert hatte, erreichte sie im Sprint auf der Pokljuka im Dezember des gleichen Jahres erstmals das Podium eines Einzelrennens: Als Zweite hatte sie lediglich 3,5 Sekunden Rückstand auf Dahlmeier, die wie sie fehlerfrei geblieben war. Mit weiteren Podestplatzierungen stand sie am Saisonende 2016/17 auf Rang sechs des Gesamtweltcups, zwei Plätze hinter Marie Dorin-Habert und einen Platz vor Anaïs Chevalier. Zu Beginn des Winters 2017/18 trug Braisaz-Bouchet für eine Woche das Gelbe Trikot der Weltcupführenden, nachdem sie beim Saisonauftakt in Östersund zweimal Zweite geworden war.Julien Chesnais: Fin du rêve en jaune pour Justine Braisaz auf eurosport.fr. Erschienen am 9. Dezember 2017. Abgerufen am 4. April 2020. Kurz danach entschied sie beim Heimweltcup von Annecy im Dezember 2017 den Massenstart und somit ihr erstes Rennen in der höchsten Wettkampfserie für sich, wobei sie genügend Vorsprung auf die zweitplatzierte Iryna Kryuko hatte, um vor der Ziellinie eine französische Flagge anzunehmen.Mass Start du Grand-Bornand: VICTOIRE de Justine Braisaz & Martin Fourcade auf ffs.fr. Erschienen am 17. Dezember 2017. Abgerufen am 4. April 2020.

Nach acht Top-Ten-Ergebnissen in den ersten zehn Weltcups des Winters 2017/18 und ihrem ersten Weltcupsieg stand die als Medaillenhoffnung geltendeJO 2018 : Braisaz, Fourcade ou Worley, à qui la première médaille française? auf leparisien.fr. Erschienen am 9. Februar 2018. Abgerufen am 4. April 2020.Cédric Callier: JO 2018 : Justine Braisaz, sans filtre ni barrière auf lefigaro.fr. Erschienen am 10. Februar 2018. Abgerufen am 4. April 2020. Braisaz-Bouchet im Vorfeld der Olympischen Winterspiele von Pyeongchang zunehmend im Fokus der französischen Öffentlichkeit. Sie selbst hatte zu Beginn der olympischen Saison erklärt, dass die Spiele für sie nicht die Bedeutung hätten, wie andere Athleten sie vermittelten: Sie habe „natürlich“ das klare Ziel, Olympiasiegerin zu werden, letztlich sei es aber nicht der Erfolg bei einem einzelnen Ereignis, der eine Karriere definieren solle.Rodolphe Ryo (L’Express): Justine Braisaz: "Je me sens plus paysanne que sportive" auf lexpress.fr. Erschienen am 29. November 2017. Abgerufen am 4. April 2020. „Bien sûr, j’ai un objectif clair. Je veux décrocher une médaille d’or pour devenir championne olympique. Mais ça ne me suffira pas. J'en veux plus. Ce qui compte pour moi, c’est de réussir à exprimer pleinement mon potentiel.“ (auf Deutsch etwa: „Natürlich habe ich ein klares Ziel. Ich will eine Goldmedaille gewinnen und Olympiasiegerin werden. Aber das reicht mir nicht. Ich will mehr. Was für mich zählt, ist mein volles Potential auszureizen.“) Bei den olympischen Wettbewerben knüpfte sie nicht an ihre Ergebnisse vom Saisonbeginn an: Im Sprint konnte sie als Zehnte ihr bestes Einzelergebnis erzielen, in den anderen Rennen war sie zwischen den Rängen 20 und 55 platziert. Lediglich in der Staffel gewann Braisaz-Bouchet gemeinsam mit Chevalier, Dorin-Habert und Bescond (die als einzige Französin eine Einzelmedaille holte) Bronze, dies war nach WM-Silber- und Bronzemedaillen von 2015, 2016 und 2017 das vierte Mal in Folge, dass sie mit ihrer Mannschaft bei einem Großereignis auf dem Podest stand. Nach den Olympischen Spielen verpasste Braisaz-Bouchet aus gesundheitlichen Gründen den Großteil der restlichen Saison.Mirko Hominal: Biathlon: Justine Braisaz forfait pour Oslo auf ski-nordique.net. Erschienen am 15. März 2018. Abgerufen am 4. April 2020.

Schwankende Ergebnisse (2018 bis 2021) mini|Braisaz-Bouchet (r.) mit ihren Mannschaftskolleginnen Julia Simon, Anaïs Bescond und Célia Aymonier nach der Weltcupstaffel in Oberhof 2020 Die französische A-Mannschaft für den Biathlon-Weltcup 2018/19 umfasste nach dem Karriereende Marie Dorin-Haberts nur noch drei Athletinnen: neben Braisaz-Bouchet noch Anaïs Bescond und Anaïs Chevalier.Biathlon: la composition de l’équipe de France auf nordicmag.info. Erschienen am 1. Juni 2018. Abgerufen am 4. April 2020. Um die sechs Startplätze zu füllen, die dem französischen Verband zustanden, erhielten auch andere Sportlerinnen aus dem B-Kader Einsätze im Weltcup. Julia Simon – Braisaz-Bouchets Vereinskollegin aus der Jugend – und Célia Aymonier zeigten dabei deutlich konstantere Leistungen als Braisaz-Bouchet, die zwar beim Weltcupauftakt auf der Pokljuka Sprintdritte wurde, aber in sechs der ersten zehn Weltcuprennen die Punkteränge (d. h. die vorderen 40 Plätze) verpasste. Stéphane Bouthiaux, neuer Direktor für Biathlon und Skilanglauf im französischen Skiverband, warf ihr mentale Schwäche und mangelnde Strukturiertheit im Training vor. Der seit 2018 die Damenmannschaft betreuende Frédéric Jean äußerte diesbezüglich, Braisaz-Bouchet sei zwar „fähig zu brillieren“, aber zu wenig verlässlich.Jean-Pierre Bidet (L’Équipe): Championnats du monde: Justine Braisaz, une doublure contrariée en équipe de France auf lequipe.fr. Erschienen am 6. März 2019. Abgerufen am 4. April 2020. Bei der Nominierung für die Weltmeisterschaften in Östersund gab das Trainerteam aufgrund der Vorergebnisse Simon und Aymonier den Vorzug ihr gegenüber; Braisaz-Bouchet rückte als Ersatzläuferin nur nach, da Anaïs Bescond krankheitsbedingt ausfiel. Im Sprint erreichte sie als 60. mit fünf Fehlschüssen eines ihrer schlechtesten Saisonergebnisse. Wenige Tage später traf sie im 15-Kilometer-Einzelrennen 19 von 20 Scheiben und gewann als Dritte die einzige Medaille für das französische Frauenteam bei der WM. Im Gesamtweltcup war Braisaz-Bouchet als 26. so weit hinten platziert wie zuletzt in ihrer Debütsaison, lag aber in etwa gleichauf mit ihren vier Teamkolleginnen, die Ränge zwischen 20 und 24 einnahmen.

Im Dezember 2019 entschied Braisaz-Bouchet – wiederum in Östersund in einem 15-Kilometer-Wettkampf, dieses Mal nach einem 83. Rang im Sprint – das zweite Einzel-Weltcuprennen ihrer Karriere für sich. Trotz zweier Schießfehler lag sie im Endklassement elf Sekunden vor der Ukrainerin Julija Dschyma, die ohne Fehlschuss geblieben war. In der Folge stabilisierte sich Braisaz-Bouchet und beendete alle weiteren Weltcuprennen in den Punkterängen. Schießtrainer Franck Badiou erklärte zu Beginn der Saison, sie habe zwar keine „phänomenale Konzentrationsfähigkeit“, was Bestwerte im Schießen verhindere, sie beginne aber realistischer einzuschätzen, was sie erreichen könne.AFP: Biathlon: Justine Braisaz, reine du yo-yo auf la-croix.com. Abgerufen am 4. April 2020. „Elle n’a pas une force de concentration phénoménale […] Elle commence à avoir une vision plus réaliste de ce qu’elle est et de ce qu’elle peut faire“ (auf Deutsch etwa: „Sie hat keine phänomenale Konzentrationsfähigkeit. […] Sie beginnt eine realistischere Vorstellung davon zu haben, was sie ist und was sie machen kann.“) Am Ende des Winters nahm sie den neunten Platz im Gesamtweltcup ein, wenige Punkte hinter Julia Simon, die in der Saison ihren ersten Weltcupsieg feiern konnte. Während der Saison und auch während des Großteils der vorherigen Winter erhielt Braisaz-Bouchet regelmäßige Staffeleinsätze und konnte sowohl mit der Frauenmannschaft als auch mit der Mixed-Staffel weitere Weltcuprennen gewinnen. 2020/21 stand sie erstmals seit fünf Jahren in keinem Weltcup-Einzelrennen auf dem Podest und verlor bei den Weltmeisterschaften auf der Pokljuka ihren Platz in der französischen Frauenstaffel (mit der sie im restlichen Verlauf des Winters je zwei zweite und zwei dritte Plätze erreichte).Damien Jean: Justine Braisaz : des résultats en deçà de ses ambitions auf biathlonlive.com. 7. April 2021. In der Gesamtweltcupwertung belegte sie mit regelmäßigen Top-20-Platzierungen Rang 15 und war damit die drittbeste Französin.

Olympiasieg und drei Weltmeistertitel (seit 2021)