Der Schachwürger (Lanius schach) ist ein Singvogel aus der Gattung Lanius in der Familie der Würger (Laniidae). Die mittelgroße, auffallend langschwänzige Würgerart (engl. Name: Long-tailed Shrike) hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet, das sich von Zentralasien über den gesamten Indischen Subkontinent, Zentral- und Südchina, fast das gesamte Indochina, die Malaiische Halbinsel und die Philippinen bis weit in die indonesische Inselwelt erstreckt. Mit den Vorkommen im südöstlichen Neuguinea ist er die einzige Würgerart der Australis. Entsprechend diesem ausgedehnten, sowohl klimatisch wie auch topographisch stark differenzierten Verbreitungsgebiet wurden viele Unterarten beschrieben, von denen zurzeit neun allgemein anerkannt sind.

Die meisten Schachwürger sind weitgehend Standvögel, nur die am weitesten nördlich verbreiteten Populationen verlassen die Brutgebiete regelmäßig und ziehen in südliche oder südöstliche Gebiete ab.

Die Färbungsunterschiede zwischen den Unterarten sind beträchtlich. Meist werden zwei Gruppen unterschieden: Die grauköpfigen Unterarten, bei denen die würgertypische Gesichtsmaske deutlich erkennbar ist, und die schwarzköpfigen Schachwürger, bei denen die Gesichtsmaske von der übrigen Kopffärbung assimiliert wird. Daneben besteht noch eine melanistische Morphe von Lanius schach schach die ausschließlich schwarz, grauschwarz und grau gefärbt ist.

Schachwürger ernähren sich überwiegend von Insekten und anderen Wirbellosen, doch ist die Vielfalt an Beutetieren – unter ihnen neben verschiedenen kleinen Wirbeltieren auch Krebse, Weichtiere und kleine Fische – größer als bei anderen Würgerarten.

Die verwandtschaftliche Stellung der Art innerhalb der ostpaläarktischen Vertreter der Gattung ist nicht ausreichend geklärt. Der Tibetwürger gilt als sehr nahe verwandte Art und wird von einigen Taxonomen auch als conspezifisch aufgefasst.

Der Name Schachwürger, beziehungsweise Lanius schach bezieht sich auf einen häufig zu hörenden Alarmruf der Art, den Pehr Osbeck 1757 für die Art wählte und der ein Jahr später von Carl von Linné übernommen wurde. Das Typusexemplar stammt aus der Gegend von Guangdong.

Obwohl für viele Verbreitungsgebiete Bestandsanalysen völlig fehlen, wird keine der Unterarten von der IUCN in einer Gefährdungsstufe gelistet (LC = least concern).

Aussehen mini|L. s. tricolor mini|L. s. longicaudatusmini|L. s. canicepsmini|L. s. bentet bildet eine Übergangsform zwischen den grauköpfigen und schwarzköpfigen Unterartenmini|Jungvogel der Unterart L. s. erythronotus Unter allen Würgerarten zeigt der Schachwürger die deutlichsten Färbungsunterschiede zwischen den einzelnen Unterarten. Auch die Größen- und Gewichtsdifferenzen können beträchtlich sein: Lanius s. caniceps, eine der kleinsten Unterarten, misst etwa 23 Zentimeter und wiegt zwischen 33 und 38 Gramm, die Nominatform dagegen erreicht eine Größe von bis zu 27 Zentimetern und ein Gewicht bis zu 61 Gramm. Auch die Schwanzlänge ist nicht bei allen Unterarten im Vergleich zur Flügellänge auffallend groß: Beim vergleichsweise kurzschwänzigen L. s. erythronotus beträgt das Verhältnis 1: 1,23, bei der extrem langschwänzigen Unterart L. s. longicaudatus dagegen 1:1,55.

Harris und Franklin teilen die Schachwürger nach dem Hauptmerkmal, der Kopffärbung, in zwei Gruppen: Die grauköpfigen Unterarten umfassen L. s. schach, L. s. erythronotus und L. s. caniceps, die schwarzköpfigen L. s. longicaudatus, L. s. tricolor, L. s. nasutus, L. s. suluensis, L. s. stresemanni und L. s. bentet. Letzterer bildet in Bezug auf die Färbung eine Übergangsform zwischen diesen Gruppen. Panov differenziert noch stärker und definiert drei Gruppen.

In beiden Gruppen bestehen nur sehr geringfügige Färbungsunterschiede zwischen den Geschlechtern. Weibchen beider Gruppen weisen manchmal eine leichte Bänderung vor allem auf der Oberseite auf und sind unmerklich weniger intensiv gefärbt. Es sind nur wenige Größen- und Gewichtsangaben verfügbar, für einige Unterarten fehlen sie völlig; die zur Verfügung stehenden Daten könnten auf einen minimalen Dimorphismus zugunsten der Männchen hindeuten.

Grauköpfige Unterarten Der Kopf, Nacken und Mantel sind in unterschiedlicher Intensität und Farbtiefe grau. Die schwarze Gesichtsmaske verläuft von der Stirn über die Augen bis hinter die Ohrdecken. Das Grau des Mantels geht verlaufend in das Rötlichbraun von Rücken und Bürzel über. Die Flügel sind schwarz, wobei vor allem die Schirmfedern und die Armschwingen zimtbraun gerandet sind. Die Basis der inneren Handschwingen ist weiß, was beim sitzenden Vogel einen fast immer erkennbaren kleinen weißen Flügelspiegel erzeugt, beim fliegenden ein markantes, sichelförmiges Flügelfeld. Der gestufte Schwanz ist dunkelbraun, die äußeren Steuerfedern sind etwas heller. Kehle, Brust und Bauch sind meist rein weiß oder matt weiß, die Flanken deutlich rötlichbraun behaucht. Die Iris ist schwarz, ebenso gefärbt ist der mächtige Hakenschnabel. Beine und Zehen sind dunkelgrau. Eine Sonderstellung nimmt die in Südostasien und auf Taiwan und Hainan relativ häufig vorkommende schwarze Morphe von L. s. schach (fälschlich manchmal als Unterart L. s. fuscatus geführt) ein. Sie ist auf der Oberseite dunkelgrau, fast schwarz, zum Bürzel hin auch leicht schwarzbraun, auf der Unterseite etwas heller grau. Die ausgedehnte schwarze Gesichtsmaske hebt sich deutlich vom sonst eher hellen Kopfgefieder ab.

Schwarzköpfige Unterarten Bei diesen Unterarten sind der gesamte Kopf, der Nacken und zum Teil auch die obersten Bereiche des Mantels tief schwarz. Eine Gesichtsmaske ist nicht erkennbar. Der Mantel ist zum Rücken hin entweder von grau ins intensive Rötlichbraun verlaufend oder überhaupt zur Gänze rötlichbraun, üblicherweise dunkler und gesättigter als bei den grauköpfigen Unterarten. Die Flügel sind schwarz, die zimtbraune Randung der Schirmfedern und Handschwingen ist sehr deutlich. Ebenso ist das weiße Flügelfeld meist relativ groß und markant. Der besonders bei L. s. longicaudatus sehr lange Schwanz ist dünn und schwarz. Die Unterseite sowie die unbefiederten Körperteile gleichen jenen der grauköpfigen Unterarten.

Jugendgefieder Die Färbung von Schachwürgern im ersten Jugendkleid ist zwischen den beiden Gruppen nicht in dem Maße unterschiedlich wie bei Adulten. Jungvögel beider Gruppen sind auf der Oberseite überwiegend grau mit zum Mantel und Rücken hin zunehmend bräunlichen Farbtönen. Die Schwingen sind schwarz und meist schon wie bei adulten Vögeln zimtbraun gerandet. Jungvögel beider Gruppen sind auf der Oberseite schwärzlich gewellt, jene der grauköpfigen Unterarten geringfügig intensiver. Die schwarze Gesichtsmaske ist bei später schwarzköpfigen Jungvögeln sehr deutlich, bei jenen der grauköpfigen Gruppe blasser und oft nur im Bereich hinter den Augen bis zu den Ohrdecken erkennbar. Auch das weiße Flügelfeld ist in der schwarzköpfigen Gruppe schon deutlich ausgebildet, während es in der anderen Gruppe sehr klein ist oder überhaupt fehlt. Die Unterseite ist bei den grauköpfigen Jungwürgern eher gelbbraun gefärbt und unterschiedlich deutlich rostrot gebändert, während bei später schwarzköpfigen Vögeln der Brust- und der obere Bauchbereich meist fast ungebändert matt weiß sind und nur die Flanken und der untere Bauch rostrote Farbelemente und eine leichte Bänderung aufweisen. Die Schwanzfärbung ist bei den Grauköpfigen fast schwarz, bei den Schwarzköpfigen bräunlich mit deutlich helleren Außenfedern.

Mauser Daten zum Umfang und der Phänologie der Mauser sind nur für einige Unterarten verfügbar. Danach scheinen Adulte nach der Brutzeit einmal das Gefieder komplett zu ersetzen. Bei ziehenden Populationen ist der Federwechsel des Großgefieders vor dem Wegzug weitgehend abgeschlossen, bei residenten scheint er länger in das Winterhalbjahr hineinzureichen. Die Mauser der Jungvögel in das erste Adultgefieder beginnt wenige Wochen nach dem Ausfliegen. Sie dürfte meistens eine Vollmauser sein. Es wurden im Frühjahr aber auch Jährlinge mit unvermauserten Schwingen festgestellt, sodass bei manchen Populationen oder Unterarten vorbrutzeitliche Gefiederwechsel in offenbar unterschiedlichem Ausmaß stattfinden.

Lautäußerungen Die Art ist in der Periode der Territoriumsetablierung akustisch sehr präsent, verhält sich aber mit Beginn der Brutzeit und auch danach sehr schweigsam und verborgen. Die wesentlichsten Lautäußerungen, also die verschiedenen Alarmrufe sowie die Grundstruktur des Gesanges sind bei allen Unterarten zwar nicht ident, aber sehr ähnlich. Durch die oft äußerst genaue Imitation von Gesängen und Rufen anderer Vogelarten, die unterschiedlich angeordnet und variiert in den Gesang eingeflochten werden, sind Schachwürgergesänge individuell und regional dennoch sehr unterschiedlich. In einem individuellen Gesang wurden 13 Phrasen von anderen Singvögeln, dazu Rallen- und Eisvogelrufe nachgewiesen. Häufigster Alarmruf ist ein mehrfach gereihtes, kreischendes, raues, heiseres, recht lautes Kscha, das auch mit Scha, Scheh transkribiert wird. Daneben sind stärker vokalisierte, zweisilbige, etwas leisere Rufe zu hören, die als Anwesenheitssignal gedeutet werden. Andere Rufe erinnern an die des Wachtelkönigs oder der Wachtel. Der Gesang ist ein sonores, jedoch recht voluminöses, meist melodiöses und rhythmisch strukturiertes Murmeln und Trällern, durchsetzt mit Pfiffen und kratzenden Elementen sowie mit vielfältigen Stimmimitationen. Der Gesang ist von beiden Geschlechtern zu hören, der des Weibchens ist etwas leiser und weniger strukturiert.

Verbreitung mini|hochkant=1.2|Verbreitung des Schachwürgers grün: Überwiegend Zugvögel gelb: Teilzieher oder residente Populationen orange: Weitgehend Jahresvögel mini|links|Busch- und baumbestandenes, kurzrasiges Offenland, oft am Rande von Siedlungen und bevorzugt in Gewässernähe wie hier auf Osttimor bietet dem Schachwürger gute Lebensmöglichkeiten. mini|links|In den offenen Wacholderbeständen von Jabagly erreicht der Schachwürger seine nördliche Verbreitungsgrenze. Schachwürger sind von der Makranküste des nordöstlichsten Iran und deren Hinterland, Afghanistan, Pakistan, und Teilen der zentralasiatischen Staaten im Westen über den gesamten indischen Subkontinent und die nördlichsten Regionen Sri Lankas nordwärts bis an die südliche Himalayaabdachung, nach Osten hin über das südliche und zentrale China und fast ganz Indochina bis an die Küsten des Ostchinesischen- und Südchinesischen Meeres verbreitet. Besiedelt sind auch die großen Inseln Hainan und Taiwan. Nach Süden und Südosten bewohnt die Art die Malaiische Halbinsel, ganz Sumatra und die Sumatra östlich vorgelagerten Inseln, Teile Borneos, Java, die meisten Inseln der Philippinen, die Inseln des Sulu-Archipels, die meisten der Kleinen Sundainseln und schließlich das südöstliche Bergland von Neuguinea.

In den letzten 20 Jahren wurde eine leichte Nordostexpansion der Art entlang der nördlichen Ausläufer des Tian Shan registriert. 2005 brütete ein Paar etwa 100 Kilometer nordöstlich des Alakölsees.

Vertikal ist der Schachwürger vom Meeresniveau bis in Höhen von etwa 3000 Metern vertreten, ausnahmsweise wurden im Himalaya Brutvorkommen bis in 4300 Metern Höhe festgestellt.

Lebensraum Schachwürger sind in ihrer Habitatswahl sehr flexibel und können daher eine Vielzahl, zum Teil sehr unterschiedlicher Lebensräume bewohnen. Immer sind jedoch neben einem ausreichenden Nahrungsangebot Bäume oder Büsche als Brutplatz beziehungsweise Jagdwarten unerlässlich. Geländeabschnitte mit kurzrasiger Vegetation werden zwar bevorzugt, sind aber keine exklusive Voraussetzung. Schachwürger brüten auch in ausgesprochen hochgrasigem oder schilfbestandem und relativ dicht bebuschtem Gelände und passen dort ihre Jagdmethoden entsprechend an.