mini|350px|Dorfkirche Groß Poserin (2015) Die Feldsteinkirche Groß Poserin entstand zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert.Über das Alter gibt es unterschiedliche Auffassungen. Nach Schlie (1901) S. 392 aus dem 13. Jh., nach Dehio (2000) S. 208 im Kern wohl 14. Jahrhundert und nach Schöfbeck (2003) aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts Groß Poserin liegt neun Kilometer südöstlich von Goldberg und gehört mit Neu Poserin zum Amt Goldberg-Mildenitz im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.

Geschichte Am 3. August 1235 bestätigte Bischof Brunward von Schwerin der Kirche zu Kuppentin unter den zum Pfarrsprengel gehörenden elf Dörfern auch die Zugehörigkeit von Groß und Klein Poserin.MUB I. (1863) Nr. 436. Das war die erste urkundliche Erwähnung dieser beiden Orte. Die Kuppentiner Pfarre erhielt so in duo Posirina, Poserin, einen nicht unerheblichen Hufenbesitz. Die beiden Orte erschienen 1285 als Magnum Puserin und Parvum Puserin, heute Groß und Klein Poserin. Man kann annehmen, das hier ein slawischer Ort bestand, da der Name eindeutig slawischer Herkunft ist.Thomas Reilinger: Groß Poserin. In: Die Bauern- und Waldarbeiterdörfer im Naturpark und seinem Umfeld. 2012, S. 76–77. Groß Poserin gehörte ab 1407 den von Hahn, die ihr Hauptgut und Rittersitz in Damerow zwischen dem Poseriner See und dem Damerower See hatten. Das Kirchdorf Groß Poserin war Zentrum der umliegenden, eingepfarrten Ortschaften, durch den auch wichtige Post- und Handelswege führten.

Erst in den Visitationsprotokollen von 1534 und 1564 wurden die Kirchen zu Poserin und Plauerhagen als Tochterkirchen von Kuppentin erwähnt. Puseryn ist Filia der Kirche Koppendyn. Ab 1582 hatte Groß Poserin einen eigenen Pfarrsitz und gehörte nicht mehr zu Kuppentin. Im Jahr 1613 schenkte Herzog Johann (Hans) Albrecht II. aus dem Hause Mecklenburg [-Güstrow] das Kirchenpatronat zu Groß Poserin und Karow an Matthias von Linstow, dem Damerow, Grog und Klein Poserin und Hahnenhorst gehörten. Die von Linstow blieben bis zum Tode von Reiner von Linstow im Jahr 1708 in Damwerow und Poserin. Seine Grabplatte steht in der Kirche zu Groß Poserin. Im Jahr 1721 kam es zwischen dem Poseriner Pastor Johann Peter Rümker und dem Kammerjunker Hinrich Hartwig von Linstow zu einem Prozess, weil von Linstow die Beerdigung einer Leiche aus Sandhof auf dem Kirchhof zu Groß Poserin verhindern wollte.Pfarrarchiv Woosten, Akte vom 11. Juli 1721. Auf ein Bittschreiben des Pastors Rümker vom 5. März 1736 an Kammerjunker von Linstow zur Reparatur des baufälligen Pfarrhauses bekam er zur Antwort: Er möchte nun erst den Kirchhoff dicht machen, daß die Schweine die Todten nicht aus der Erde wühlten, dann wolle Er das Ihm gehöre zu thun. Am 7. Januar 1738 wollte nun der Pastor Jonas Christoph Rümker das Nachläuten der Glocken von täglich zwei Stunden für die am 31. Dezember 1737 Frau Kammerjunker Anna Elisabeth, geborene von Kerkingen verbieten lassen, da der Kammerjunker von Linstow die Pulse noch nicht bezahlt hatte.Pfarrarchiv Woosten, Brief vom 7. Januar 1738.

In den nachfolgenden Jahren gab es verschiedene Wechsel im Kirchenpatronat. Nach Levin Philipp von Holstein kamen Ernst Sigismund und Hans Reimar von Walsleben auf Leistenow und Buschmühlen. Er hat sich mit seiner Gemahlin auf der Wetterfahne des Kirchturms verewigt. 1743 war Matthias Melchor von Behr auf Nustrow Kirchenpatron. Seine Witwe steht auf den Glockeninschriften der Poseriner Kirche. Von Behrs blieben bis 1788. Bis 1791 war dann der 1788 in den Adelsstand erhobene Kammerrat Otto von Hahn Besitzer und Kirchenpatron. Danach kaufte der aus Westfalen stammende Reichsgraf Georg von Münster auf Schade und Meinhövel die Güter. Ab 1798 waren der Kriegsrat und Comital-Gesandter Baron Franz von Reden und sein Schwager Kammerherr Baron Ernst Friedrich Christian von Lenthe aus Hannover in Groß Poserin. Beide ließen auch um 1800 das Herrenhaus Karow als ihren Hauptsitz erbauen.

Baugeschichte Zur Baugeschichte der Feldsteinkirche ist wenig bekannt, denn Groß Poserin war dem Kuppentiner Pfarrsprengel zugehörig. Die Feldsteinkirche soll am 24. Juni 1453 geweiht worden sein. Sie wurde vielfach verändert, so dass von ihrer Ursprünglichkeit manches verloren ging. Der im Westen vorgelagerte Turm entstand erst nach dem Bau des Kirchenschiffs, wie an dem Mauerwerksverbund beider Bauteile zu erkennen ist. Ab etwa 1750 bis ins späte 19. Jahrhundert ist eine rege Bautätigkeit nachweisbar. Die Kirche muss auch den Dreißigjährigen Krieg unbeschadet überstanden haben, was die dendrologischen Untersuchungen der Sparren des Langhausdaches von 1592 bestätigen.Deutsches Archäologisches Institut Berlin: Gutachten, Groß Poserin, Kirche. 29. September 1998.

1818 wurden Reparaturen am Turm und an der Kirchen-Uhr durchgeführt. Weitere Reparaturen folgten 1846 am schadhaften Dach und an den Strebepfeilern durch den Goldberger Maurermeister Johannes Fründt. Bei einem Sturm 1914 wurde das Langhaus so stark beschädigt, dass der Gottesdienst im Schulhaus stattfinden musste. Eine große Platane war auf der Nordseite auf die Kirche gestürzt und hatte den Dachstuhl durchschlagen. Der Altar und die Kanzel wurden stark beschädigt und das Kruzifix dabei zerschlagen. Die Reparaturen verzögerten sich durch den Ersten Weltkrieg. Der Ostgiebel wurde neu aufgemauert.OKR Schwerin, Patronatsbauakten, Geistliche Bauten III. zu Poserin.

Nach 1930 ging mit der Neusiedlung der Ortschaft Neu Poserin das Kirchenpatronat an die in Berlin ansässige Reichsumsiedlungsgesellschaft. Als 1936 der Ziegelfußboden im Bereich der beschädigten Gruft einbrach, schwächte der Bauleiter der Reichsumsiedlungsgesellschaft die Bauschäden als „Kaninchenlöcher“ ab. Die letzten großen Renovierungsarbeiten erfolgten 1938.

1958 wurden die Stützpfeiler wieder erneuert. Als Baumaterial nahm man Ziegel der Pfarrhausscheune und alte Grabsteine. 1959 wurde, wie schon in der Dorfkirche Woosten, nun auch in Poserin die neugotische Innenausstattung von 1876 mit dem Kanzelaltar entfernt. Hinter dem Altarblock brachte man an der Ostwand ein großes schlichtes Eichenkreuz an. Mit der Ausmalung des gesamten inneren Kirchenraumes war im Dezember 1960 die Renovierung abgeschlossen.

In der DDR war die Kirche Jahrzehnte lang nicht mehr nutzbar, durch unzureichende Reparaturen musste sie im Jahr 1980 endgültig geschlossen werden. Im Zustandsbericht ist zu lesen: „Die Fenster sind vernagelt, der südliche Strebepfeiler hängt lose, die Nordwand beult aus, der Turm reißt vertikal, die Laterne fault, tot und leer ist das Innere, die Kirche versackt im Erdboden und wüst ist der Friedhof.“Reinhard Schaugstat: Groß Poserin. 2003, S. 31. 1996 begannen die ersten Notsicherungsmaßnahmen und bis 2005 konnte die Kirche komplett saniert werden. Die Finanzierung erfolgte vorwiegend durch Mittel der Marlies-Kressner-Stiftung. Die Wiedereinweihung fand am 6. Juli 2003 statt.

Äußeres mini|Dorfkirche Groß Poserin, Südseite Die Kirche ist ein einschiffiger rechteckiger Bau und steht auf einem Feldsteinfundament. Die Nord-, Ost- und Südseiten des Kirchenschiffs wurden zum Teil in behauenen Feldsteinen von einem Meter Dicke hergestellt. Sämtliche Öffnungen wie Fenster- und Portallaibungen sowie alle Gebäudeeckbereiche sind aus Backsteinen errichtet. Der Ostgiebel ist in Holzfachwerk ausgeführt und mit Backsteinen ausgemauert. Das an der Ostseite abgewalmte Satteldach wurde mit Biberschwanzdachziegeln eingedeckt. Das einst zugemauerte Halbbogenfenster am Ostgiebel hat man 2005 mit Buntglasmotiven versehen. Die drei zweibahnigen neogotischen Spitzbogenfenster mit einer Rautenbleiverglasung an der Süd- und Nordwand des Kirchenschiffs sind Zutaten von 1755. Die Tür zur ehemaligen Sakristei auf der Südseite ist zugemauert. Die drei an der Nord- und Südwand sowie an der nordöstlichen Gebäudeecke während der ständigen Reparaturen im 19. Jahrhundert angesetzten Strebepfeiler konnten nach Abschluss der Sicherungsarbeiten entfernt werden.

Turm und Haube Der eingezogene Westturm mit seinen 1,50 Meter dicken Wänden und dem Satteldach hat einen achtseitigen glockenförmig geschweiften Turmhelm, auch Welsche Haube genannt. Der Turm wurde an das Kirchenschiff angesetzt und der Oberbau besteht aus dem Dachstuhl und dem Glockenstuhl, dem Turmaufsatz und dem Giebel. An der Westseite befindet sich ein eingezogenes Eingangsportal mit Spitz- und Rundbogen und im oberen ausgemauerten Giebeldreieck hat man drei schmale zugemauerte Fensternischen zur Ausschmückung eingebracht. Pastor Balthasar Alheit machte schon 1667 auf den schlechten Zustand aufmerksam: „Die Kirche großen Poserin … ist ganz baufällig … der Glockenturm stehet in den letzten Zügen …“ Die Reparaturen müssen aber erst um 1700 erfolgt sein, denn die eingebauten Kiefersparren und Eichenständer des Tumaufsatzes datieren von 1699.Claus Asam, Thomas Fleischer, Sandra Göbel: Die Dorfkirche zu Groß Poserin. Dendrochronologie, 1998, S. 35. Die Turmhaube war mit 3000 Dachsponen, auch Holzschindeln genannt, eingedeckt. Heute ist das Turmdach mit einer einfacher Biberschwanzdeckung und der Turmhelm mit Holzschindeln versehen.

Der damalige Kirchenpatron Rittmeister von Walsleben ließ 1755 die Kugel, das Kreuz und die Wetterfahne mit den Initialen Hans Reimar von Walsleben und Margarethe Elisabeth von Walsleben und der Jahreszahl 1755 anbringen. Die zwiebelförmige Turmhaube wurde 1755 erneuert.

Die 1772 durch Mittel der gnädigen Frau Hauptmannin von Behr angeschaffte Kirchen-Uhr befand sich in der heute noch erkennbaren rechteckigen Vertiefung der Westseite des Turmes. 1818 reinigte der Uhrmacher Voss sie und fertigte ein neues Zifferblatt an. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Uhr noch vorhanden, wie die Kirchenrechnungsbücher von 1884 belegen. Auch der Küster wurde jährlich für das Aufziehen der Uhr und ihre Wartung entlohnt.Pfarrarchiv Woosten, Akte I 6.

Inneres mini|Innenraum Der kleine Feldsteinsaal wird heute von einer Holztonne überwölbt. Die Holzkonstruktion des Kirchenschiffs besteht aus zwei zeitlich und konstruktiv eigenständigen Bauteilen, dem Dachwerk und der Gewölbekonstruktion. Das Dachwerk wurde 1593 als einfaches Sparrendach mit dreifacher Kehlbalkenlage errichtet.Claus Asam, Thomas Fleischer, Sandra Göbel: Die Dorfkirche zu Groß Poserin. Holzkonstruktion des Schiffs. 1998, S. 59. Durch den Einbau eines Holztonnengewölbes nach französischer Bauweise sollte das ursprünglich flachgedeckte Kirchenschiff eine besondere Raumwirkung erhalten.

Die Holztonnenkonstruktion