Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der nordirischen Fußballnationalmannschaft bei Weltmeisterschaften. Nordirland nahm an drei WM-Endrunden teil, nach 1986 konnte sich die Mannschaft aber nicht mehr qualifizieren. Bis 1998 war Nordirland der flächenmäßig kleinste WM-Teilnehmer (13.843 km²) und wurde dann von Jamaika (10.991 km²) abgelöst. In der ewigen Tabelle liegen die Nordiren auf Platz 43, einen Platz hinter der Republik Irland, die sich seit 1990 ebenfalls dreimal qualifizieren konnte.
Übersicht
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1930Uruguay nicht teilgenommen 1934 Italien nicht teilgenommen 1938Frankreich nicht teilgenommen 1950Brasilien nicht qualifiziert in der Qualifikation an England und Schottland, das auf die Teilnahme verzichtete, gescheitert 1954Schweiz nicht qualifiziert in der Qualifikation an England und Schottland gescheitert 1958Schweden Viertelfinale Frankreich 8. Peter Dohertyzweitbeste britische Mannschaft 1962 Chile nicht qualifiziert in der Qualifikation an Deutschland gescheitert 1966 England nicht qualifiziert in der Qualifikation an der Schweiz gescheitert 1970 Mexiko nicht qualifiziert in der Qualifikation an der UdSSR gescheitert 1974 Deutschland nicht qualifiziert in der Qualifikation an Bulgarien gescheitert 1978 Argentinien nicht qualifiziert in der Qualifikation an den Niederlanden gescheitert 1982 Spanien Zwischenrunde Österreich, Frankreich9. 1986 Mexiko Vorrunde Algerien, Spanien Brasilien21. 1990 Italien nicht qualifiziert in der Qualifikation u. a. an Spanien und Irland gescheitert 1994 USA nicht qualifiziert in der Qualifikation u. a. wieder an Spanien und Irland gescheitert 1998 Frankreich nicht qualifiziert in der Qualifikation u. a. an Deutschland gescheitert 2002 Südkorea/Japan nicht qualifiziert in der Qualifikation u. a. an Dänemark und Tschechien, das in den Playoffs der Gruppenzweiten scheiterte, gescheitert 2006 Deutschland nicht qualifiziert in der Qualifikation u. a. an der England und Polen gescheitert 2010 Südafrika nicht qualifiziert in der Qualifikation u. a. an der Slowakei und Slowenien gescheitert 2014 Brasilien nicht qualifiziert in der Qualifikation u. a. an Russland und Portugal gescheitert 2018 Russland nicht qualifiziert In der Qualifikation wurde Nordirland in einer Gruppe mit Titelverteidiger Deutschland, Tschechien, Norwegen, Aserbaidschan und San Marino Zweiter und scheiterte in den Playoffs der Gruppenzweiten an der Schweiz. 2022 Katar nicht qualifiziert In der Qualifikation an der Schweiz und Italien gescheitert 2026 Kanada/Mexiko/Nordirland nicht qualifiziert Im Play-off-Halbfinale der Qualifikation an Italien gescheitert.
mini|Platzierung der nordirischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle
Statistik (Angaben inkl. Qualifikation 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet)
Nicht qualifiziert: 17-mal (73,9 %; 1950, 1954, 1962, 1966, 1970, 1974, 1978, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006, 2010, 2014, 2018, 2022 und 2026) Teilnahmeverzicht: dreimal (13,0 %; 1930, 1934 und 1938) Sportliche Qualifikation: dreimal (13,0 % bzw. 15,0 % der Versuche) Vorrunde: einmal (4,3 %; 1986) Zwischenrunde mit 12 Teilnehmern: einmal (4,3 %; 1982) Viertelfinale: einmal (4,3 %; 1958)
WM-Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay bis 1938 in Frankreich In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg waren die britischen Fußballverbände noch nicht damit einverstanden, dass Profi-Spieler an Fußball-Weltmeisterschaften teilnehmen. Die nordirische Nationalmannschaft nahm deshalb weder an der WM 1930 noch an den Qualifikationswettbewerben für die WM-Endrunden 1934 und 1938 teil.
1950 in Brasilien 1950 wollten die britischen Mannschaften erstmals teilnehmen und als Qualifikation dienten die British Home Championships. Die FIFA bot den ersten beiden Mannschaften an, an der Endrunde in Brasilien teilzunehmen, Schottland wollte allerdings nur als Sieger zur WM fahren. Nordirland wurde zusammen mit Wales Dritter und konnte sich nicht qualifizieren. England fuhr als Sieger zur WM, Schottland verzichtete wie angekündigt als Zweiter.
1954 in der Schweiz Wieder waren die British Home Championship 1953/54 gleichzeitig die Qualifikation für die WM-Endrunde und die Mannschaft wurde erstmals von einem Trainer, Peter Doherty zusammengestellt, zuvor war dafür ein Auswahlkomitee zuständig. Nordirland konnte sich als Dritter aberr erneut nicht qualifizieren, während Schottland diesmal als Zweitplatzierter zusammen mit der siegreichen englischen Mannschaft teilnahm. Doherty blieb aber bis 1962 im Amt.
1958 in Schweden mini|Szene aus dem ersten WM-Spiel der Nordiren gegen die Tschechoslowakei
Erstmals trat Nordirland in der Qualifikation gegen andere europäische Mannschaften an und setzte sich überraschend gegen Italien und Portugal durch. Dabei profitierten die Nordiren auch vom Londoner Nebel, denn dieser verhinderte, dass am 4. Dezember 1957 der für das Qualifikationsspiel gegen Italien angesetzte Schiedsrichter in Belfast eintreffen konnte. Das Spiel wurde dann zum Freundschaftsspiel deklariert, da es von einem nordirischen Schiedsrichter geleitet wurde, und für den 15. Januar 1958 neu angesetzt. Mit dem 2:2 im Freundschaftsspiel wäre Nordirland ausgeschieden gewesen. So hatte Nordirland durch das 2:1 am 15. Januar 1958 einen Punkt mehr als die Italiener.
Bei der Endrunde, für die sich bis heute zum einzigen Mal auch alle anderen britischen Mannschaften qualifiziert hatten und jede in eine andere Gruppe gelost wurde, traf Nordirland im ersten WM-Spiel auf die Tschechoslowakei und gewann durch das von Wilbur Cush erzielte erste nordirische WM-Tor mit 1:0. Im zweiten Spiel trafen die Nordiren auf Südamerikameister Argentinien und gingen bereits in der dritten Minute mit 1:0 durch ein Tor von Peter McParland in Führung. Die Südamerikaner konnten aber in der 38. Minute durch einen verwandelten Strafstoß ausgleichen und in der zweiten Halbzeit das Spiel mit 3:1 für sich entscheiden. Im letzten Spiel trafen die Nordiren auf Titelverteidiger Deutschland und mussten trotz zweimaliger Führung durch McParland ein 2:2 hinnehmen. Damit waren sie nach drei Spielen punktgleich mit den Tschechoslowaken und da weder die erzielten Tore noch der direkte Vergleich Einfluss hatten, gab es ein Entscheidungsspiel, das die Nordiren mit 2:1 nach Verlängerung gewannen, wieder durch zwei Tore von McParland. Bereits zwei Tage später trafen sie im Viertelfinale auf Frankreich und gingen – auch bedingt durch die kurze Rekonvaleszenzzeit – mit 0:4 unter. Damit verabschiedete sich Nordirland für 24 Jahre von der WM-Bühne. Mit fünf Toren war McParland zusammen mit Vavá viertbester Torschütze. Da alle Mannschaften, die über Entscheidungsspiele das Viertelfinale erreicht hatten, dort ausschieden, wurde diese Regel bei der nächsten WM gestrichen und die Tordifferenz als Entscheidungskriterium eingeführt. In der ewigen Rangliste starteten die Nordiren auf Platz 20, ihre bis dato beste Platzierung.
1962 in Chile Für die dritte WM in Südamerika konnte sich Nordirland nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Deutschland und Griechenland gewannen die Deutschen alle Spiele, während Nordiren und Griechen nur die Heimspiele gegeneinander gewannen. Nach der verpassten WM wurde Bertie Peacock neuer Nationaltrainer.
1966 in England Für die WM in England sollten sich die Nordiren in einer Gruppe mit der Schweiz, der Niederlande und Albanien qualifizieren. Die Nordiren gewannen alle ihre Heimspiele und holten auch in Rotterdam durch ein torloses Remis einen Punkt, verspielten die Qualifikation am letzten Spieltag durch ein 1:1 in Albanien, wodurch sie einen Punkt weniger als die Schweizer hatten, gegen die sie in Lausanne verloren hatten. Da sich auch Schottland und Wales nicht für die WM qualifizieren konnten, waren die automatisch qualifizierten Engländer der einzige britische WM-Teilnehmer.
1970 in Mexiko Für die erste WM-Endrunde in Mittelamerika waren die UdSSR und die Türkei den Nordiren als Qualifikationsgegner zugelost worden. Nordirland, das seit Oktober 1967 von Billy Bingham trainiert wurde, gewann zwar die beiden ersten Spiele gegen die Türkei, kam aber im Heimspiel gegen die UdSSR trotz pausenloser Angriffe nur zu einem torlosen Remis und verlor das entscheidende Spiel um den Gruppensieg in Moskau mit 0:2.
1974 in Deutschland Wieder konnte sich Nordirland, das seit 1971 von Terry Neill trainiert wurde, nicht für die WM-Endrunde qualifizieren. In einer Gruppe mit Bulgarien, Portugal und Zypern wurde nur Platz 3 belegt und dabei sogar in Zypern verloren, wodurch Zypern erstmals ein WM-Qualifikationsspiel gewann.
1978 in Argentinien Auch für die vierte WM in Südamerika konnte sich Nordirland, das seit 1976 von Danny Blanchflower trainiert wurde, nicht qualifizieren. Diesmal scheiterten die Nordiren an Vizeweltmeister Niederlande und Belgien und verloren sogar gegen den Gruppenletzten Island, für den das der erste Sieg in einem WM-Qualifikationsspiel war.
Turniere mit 24 Teilnehmern 1982 in Spanien Erstmals wurde die europäische Qualifikation überwiegend in Fünfergruppen durchgeführt, wobei sich die beiden Gruppenbesten für die Endrunde qualifizierten. Nordirland, das seit 1980 wieder von Billy Bingham trainiert wurde, konnte sich als Gruppenzweiter hinter Schottland und vor Schweden, Portugal und Israel qualifizieren. Perfekt gemacht wurde die Qualifikation am letzten Spieltag durch ein 1:0 gegen Israel.
In Spanien erkämpften die Nordiren im ersten Gruppenspiel ein 0:0 gegen höher eingeschätzte Jugoslawen. Im zweiten Spiel mussten sie sich mit einem 1:1 gegen WM-Neuling Honduras begnügen. Im letzten Gruppenspiel gewannen sie aber erstmals gegen Gastgeber Spanien (1:0), wurden damit überraschend Gruppensieger und erreichten die nur bei dieser WM durchgeführte Zwischenrunde mit Dreiergruppen (2. Finalrunde). Hier trafen sie im ersten Spiel auf Österreich und kamen zu einem 2:2. Drei Tage später verloren sie dann mit 1:4 gegen die Franzosen, die nach ihrem ersten Spiel sechs Tage Pause hatten. Nachdem sie zwischenzeitlich in der ewigen Rangliste auf Platz 27 gefallen waren, konnten sie sich noch einmal auf Platz 22 verbessern. Bingham führte die Nordiren auch in die drei folgenden WM-Qualifikationen.
1986 in Mexiko Für die zweite WM in Mexiko qualifizierte sich Nordirland als Gruppenzweiter hinter England vor Rumänien, Finnland und der Türkei. Die Qualifikation gelang erst am letzten Spieltag durch ein torloses Remis in London gegen die bereits qualifizierten Engländer.
In Mexiko kamen die Nordiren im ersten Gruppenspiel nicht über ein 1:1 gegen Algerien hinaus, verloren dann mit 1:2 gegen Spanien und am Ende mit 0:3 gegen Rekordweltmeister Brasilien. Damit schieden sie punktgleich mit Algerien als schlechtester Gruppendritter aus und verabschiedeten sich für mindestens 40 Jahre von der WM-Bühne. Es war die bisher letzte WM an der drei britische Mannschaften teilnahmen. Wie Nordirland schied auch Schottland in der Vorrunde aus, England dagegen im Viertelfinale auch durch die Hand Gottes gegen den späteren Weltmeister Argentinien.
1990 in Italien Die Qualifikation für die zweite WM in Italien beendeten die Nordiren als Gruppenvierter hinter Spanien, Irland und Ungarn. Nur gegen Malta konnten noch beide Spiele gewonnen werden, zudem wurde mit einem 0:0 im Heimspiel gegen den südlichen Nachbarn, der sich erstmals für die WM qualifizierte, ein Punkt erkämpft. Mehr war nicht drin.
1994 in den Vereinigten Staaten