Dichlorethin ist eine organische Chlorkohlenstoffverbindung, die als chloriertes Derivat des Ethins angesehen werden kann.

Geschichte Eine erste Erwähnung der Verbindung als Zwischenprodukt erfolgte im Jahr 1918 bei einer Synthese von Tolan mit den Ausgangsstoffen Calciumcarbid, Chlor und Benzol.Clinton Davidson: Tolane chlorides from calcium carbide, chlorine and benzene. In: Journal of the American Chemical Society. 40, Nr. 2, 1918, S. 397–400, doi:10.1021/ja02235a009. Die ersten Herstellungen wurden 1930 zum einen aus Trichlorethen in Gegenwart von Kaliumhydroxid und Calciumoxid bei 130 °CErwin Ott, Walter Ottemeyer, Kurt Packendorff: Über das Dichlor-acetylen. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft (A and B Series). 63, Nr. 8, 1930, S. 1941–1944, doi:10.1002/cber.19300630810. und zum anderen aus Ethin und Chlor beschrieben.

rahmenlos|hochkant=2.0|zentriert|Synthese von Dichlorethin aus Trichlorethen

Gewinnung und Darstellung Eine Vielzahl von Darstellungsvarianten von Dichlorethin basieren auf der Einwirkung von Alkalihydroxiden bzw. Alkalilaugen auf Trichlorethen. Die Dehydrohalogenierung von Trichlorethen gelingt auch mittels Lithium-bis(trimethylsilyl)amid bei −78 °C. Diese Synthese in Gegenwart von Diethylether ergibt ein stabileres 1:1-Addukt.Kende, A.S.; Fludzinski, P.: A Convenient Laboratory Synthesis of Dichloroacetylene. In: Synthesis. 1982, 455–456. doi:10.1055/s-1982-29831. Eine Herstellung mit hoher Ausbeute kann durch die Umsetzung von Trichlorethen mit Kaliumhydrid in Gegenwart einer katalytischen Menge an Methanol in Tetrahydrofuran erfolgen.Jean Noel Denis, Albert Moyano, Andrew E. Greene: Practical synthesis of dichloroacetylene. In: The Journal of Organic Chemistry. 52, Nr. 15, 1987, S. 3461–3462, doi:10.1021/jo00391a059. Die direkte Chlorierung von Ethin gelingt mittels Kaliumhypochlorit.Fritz Straus, Leo Kollek, Walther Heyn: Über den Ersatz positiven Wasserstoffs durch Halogen. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft (A and B Series). 63, 1930, S. 1868–1885, doi:10.1002/cber.19300630739.

rahmenlos|hochkant=2.0|zentriert|Synthese von Dichlorethin durch direkte Chlorierung von Ethin

Die Pyrolyse von Dichlormaleinsäureanhydrid bei 850 °C ergibt ebenfalls die Verbindung.R.M. Trifu: Homopolymers of Dihaloacetylenes. Dissertation, University of Illinois at Chicago 1999, ISBN 978-0-549-39503-4 ().

Eigenschaften Dichlorethin ist eine sehr flüchtige Flüssigkeit, die unter Normaldruck schon bei 32 °C siedet. Die molare Verdampfungsenthalpie beträgt 27,4 kJ·mol−1Jeffrey A. Manion: Evaluated Enthalpies of Formation of the Stable Closed Shell C1 and C2 Chlorinated Hydrocarbons. In: Journal of Physical and Chemical Reference Data. 31, Nr. 1, 2002, S. 123–172, doi:10.1063/1.1420703. Mit einer molaren Bildungsenthalpie von 199 kJ·mol−1 handelt es sich um eine stark endotherme Verbindung, die zum explosiven Zerfall neigt und sich an der Luft spontan entzündet.P.G. Urben; M.J. Pitt: Bretherick's Handbook of Reactive Chemical Hazards. 6. Edition, Vol. 1, Butterworth/Heinemann 1999, ISBN 0-7506-3605-X, S. 229. Eine stabile 1:1-Verbindung mit Diethylether mit einem Gehalt von 55,4 % Dichlorethin ist nicht explosiv und an der Luft stabil.Erwin Ott: Über das Dichloracetylen, III. Mitteil.: Darstellung und einige Vorlesungsversuche mit der gefahrlos zu handhabenden Molekülverbindung mit Äther. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft (A and B Series). 75, Nr. 12, 1942, S. 1517–1522, doi:10.1002/cber.19420751215.

Verwendung Die Verbindung wird wegen der hohen gesundheitsschädlichen Wirkung und der chemischen Instabilität kommerziell nicht genutzt. In der organischen Synthese kann das 1:1-Addukt mit Diethylether zur Einführung einer Vinyl-, Ethinyl- oder Dichlorvinylfunktion in organische Moleküle verwendet werden. Die Umsetzung z. B. mit Imidazol ergibt das N-(1,2-Dichlorvinyl)-imidazol.

rahmenlos|hochkant=2.5|zentriert|Umsetzung von Dichlorethin mit Imidazol

Toxikologie Der Stoff ist nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 905 als krebserzeugend für den Menschen in der Kategorie K1B eingestuft.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Alkin Kategorie:Organochlorverbindung