Die Großloge Zur Sonne war eine von acht von der Londoner Großloge anerkannten deutschen Freimaurer-Großlogen vor dem Zweiten Weltkrieg und gehörte zu den humanitären (also religiös neutralen) Freimaurer-Großlogen.
Sie wurde 1829 in Bayreuth gegründet und hat ihren Ursprung in der Großen Mutterloge (1741) und in der Großen Provinzialloge Zur Sonne (1810), die beides ihre Vorgängerinnen waren. Um einem Verbot durch die nationalsozialistischen Machthaber zuvorzukommen, löste sie sich 1933 auf und wurde nach dem Krieg 1945/1948 als Großloge Zur Sonne für Bayern wiedergegründet. 1949 ging sie in der Vereinigten Großloge von Deutschland (heute Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland) auf.
Geschichte Große Mutterloge: 1741–1810 mini|Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth, der Stifter der beiden Bayreuther Schloss- und Stadtlogen und Großmeister derselben von 1741 bis 1763
Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth stiftete am 21. Januar 1741 eine in französischer Sprache arbeitende Schlossloge (Matrikel-Nummer 6) in Bayreuth und erhob sie sogleich zur Großen Mutterloge.Albert Redlich: Geschichte der Grossloge zur Sonne, Teil 1, in: Die Bauhütte, 5. Mai 1866, No. 19, IX. Jahrgang. Im gleichen Jahr, am 4. Dezember 1741, wurde ebenfalls in Bayreuth eine in deutscher Sprache arbeitende Tochterloge gegründet und Stadtloge genannt. Beide Logen bekamen vom Markgrafen den Beinamen Zur Sonne.
1751 wurde von in Bayreuth lebenden Franzosen eine Loge eingerichtet, die aber von der Schlossloge nicht anerkannt und 1752 als Winkelloge erklärt wurde. Ein von dieser französischen Loge 1753 eingereichtes Ersuchen auf ein Constitutionspatent beim Markgrafen wurde abgelehnt, die daraufhin angestrebte Vereinigung mit der Stadtloge scheiterte aufgrund zu großer innerer Unterschiede und Verschiedenheiten.Gottfried Joseph Gabriel Findel: Geschichte der Grossloge zur Sonne in Bayreuth, Leipzig 1897.
Ebenfalls von 1751 bis 1753 bestand in Bayreuth wahrscheinlich auch eine Mopsloge oder eine androgyne Loge, welcher die Markgräfin Wilhelmine als Großmeisterin vorstand.Roland Martin Hanke: Mops und Maurer: Betrachtungen zur Geschichte der Mopsgesellschaft, Bayreuth 2009.
Durch einen Schlossbrand 1753 verlor die Schlossloge ihr Logenlokal. Je nach Quellenlage arbeiteten danach beide Logen eng zusammen, wobei Markgraf Friedrich jährlich 60 Reichsthaler als Miete für die Nutzung des Logenlokals an die Stadtloge zahlte und die Schlossloge nach dem Tod des Markgrafen Friedrich 1763 in der Stadtloge aufging („mit Übertragung aller Rechte“), oder fusionierten beide Logen bereits zum Johannisfest 1753 miteinander, wobei der Meister vom Stuhl der Stadtloge weiterhin der Meister vom Stuhl der vereinigten Loge und Markgraf Friedrich weiterhin der Großmeister der Großen Mutterloge blieben.Dieter Heinold: Die Geschichte der Großloge „Zur Sonne“, Vortrag am 2. April 2004 in der Loge „Zum Morgenstern“ in Hof.Peter Nemeyer: Chronik der Bijous der Tochterlogen der Großloge „Zur Sonne“, Bayreuth 2007. Die so oder so resultierende Loge nahm den Namen Freimaurerloge Zur Sonne in Bayreuth an.
Am 24. September 1757 wurde die Tochterloge Libanon zu den drei Cedern (Matrikel-Nummer 34) in Erlangen und am 8. Mai 1758 die Tochterloge Alexander zu den drei Sternen (Matrikel-Nummer 35) in Ansbach gegründet.
1764/1765 gingen die drei Logen in Bayreuth, Erlangen und Ansbach, die bisher im einfachen altenglischen System gearbeitet hatten, zum System der Strikten Observanz über. Dies belebte kurzfristig die Logenarbeit, führte aber letztendlich zu einem Ruhen bzw. Zerfall der Logen für mehrere Jahre mit offizieller Wiederaufnahme der Arbeiten in der zweiten Hälfte der 1770er Jahre.Albert Redlich: Geschichte der Grossloge zur Sonne, Teil 2, in: Die Bauhütte, 12. Mai 1866, No. 20, IX. Jahrgang.
Nachdem die Bayreuther Markgrafenlinie 1769 erlosch, ging das Fürstentum Bayreuth an die Ansbacher Linie der fränkischen Hohenzollern über. Der Ansbacher Markgraf Markgraf Carl Alexander von Brandenburg-Ansbach-Bayreuth verlegte auch die Oberaufsicht über die Logen nach Ansbach.
Ende 1776 schloss Carl Alexander einen Subsidien-Vertrag mit dem britischen Königshaus für sechs Jahre und stellte zwei Regimenter (eines aus Ansbachern, eines aus Bayreuthern) zur Unterstützung der britischen Armee in den Amerikanischen Befreiungskriegen. Viele Offiziere der beiden fränkischen Regimenter waren Freimaurer und gründeten 1781 eine Feldloge (die Feldloge 215 beim 2. Regiment), die von der Großloge in London patentiert wurde.Peter Nemeyer: Deutsche Feldlogen, Bayreuth 2009.
Aufgrund des Verkaufs der Markgraftümer Ansbach-Bayreuth an Preußen 1791 kamen auch Bayreuth und seine Logen unter „Berliner Aufsicht“. Mit dem Königlich-preußischen Edikt vom 20. Oktober 1798 zur Verhütung und Bestrafung geheimer Verbindungen mussten sich alle Logen innerhalb des Preußischen Herrschaftsgebiets einer der drei anerkannten Berliner Mutterlogen unterordnen. Die Loge Zur Sonne in Bayreuth schloss sich am 4. Juli 1800 dem System der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ an. Dabei übernahm sie auch das Feßlersche System.Robert Freke Gould: Gould’s History of Freemasonry throughout the World, 1882–1887, Vol. III, Ch. III Freemasonry in the German Empire, Sec. VI The Grand Lodge Sun at Bayreuth.
Die beiden anderen Logen, Libanon zu den drei Cedern in Erlangen und Alexander zu den drei Sternen in Ansbach, entschieden sich für die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“.
1806 wurde das ehemalige Markgraftum Bayreuth von französischen Truppen besetzt und 1807 im Frieden von Tilsit an das französische Kaiserreich angegliedert, die bestehenden Verbindungen nach Berlin dadurch unterbrochen. Da abzusehen war, dass Franken nicht mehr nach Preußen zurückkehren würde, wurden seitens der Loge Zur Sonne in Bayreuth vertrauliche Absprachen mit der Loge zum Morgenstern (gegründet 1799, Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“) und der Loge zur goldenen Waage (gegründet 1804, Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland genannt „Freimaurerorden“), beide in Hof, und der Loge zur Wahrheit und Freundschaft (gegründet 1803, Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“) in Fürth unternommen, die Großloge Zur Sonne wieder zu reaktivieren. Am 4. Dezember 1807 wurde dann auch der Loge Zur Sonne seitens der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ ein Konstitutionspatent als Große Provinzialloge ausgestellt, für den Fall, dass sich die fränkischen Logen von Berlin trennen müssten.
Dies geschah 1810, als das Fürstentum Bayreuth mit Erlangen und Hof an das Königreich Bayern fiel und am 30. Juni desselben Jahres von diesem in Besitz genommen wurde (das Fürstentum Ansbach und Fürth gingen bereits 1806 in Bayern auf).
Als Konsequenz lockerte die Loge Zur Sonne in Bayreuth mit Schreiben vom 20. Juli 1810 ihre Bindung zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“.
Große Provinzialloge Zur Sonne: 1810–1829 Die Loge Zur Sonne in Bayreuth konstituierte sich am 27. September 1810 als Große Provinzialloge Zur Sonne unter Berufung auf das erteilte Patent durch die Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ und übersendete am 27. November 1810 den Logen in Hof und in Fürth den Entwurf einer Vereinigungsakte. Diese wurde in einer Konferenz am 24. Januar 1811 von allen vier Logen angenommen, die Vereinigung der vier Logen unter dem Dach einer gemeinsamen Großloge geschah zur gegenseitigen Garantie ihrer Rechte. Als Ritual behielt die neue Großloge das Feßlersche System bei. Da die neugegründete Großloge den Namen der Bayreuther Loge übernahm, benötigte diese nun einen neuen Namen. Die Bayreuther Brüder entschieden sich für Eleusis zur Verschwiegenheit.
Am 13. September 1814 erschien eine königliche Verordnung, die allen Staatsdienern die Mitgliedschaft in geheimen Gesellschaften verbot. Dadurch verloren die Logen fast die Hälfte ihrer Mitglieder, die Loge zur goldenen Waage in Hof musste wegen zu geringer Mitgliederzahl ihre Arbeit sogar einstellen, die übrig gebliebenen Brüder schlossen sich am 15. Juni 1815 der Loge zum Morgenstern an.
Die ehemalige „Bayreuther Tochterloge“ Libanon zu den drei Cedern in Erlangen wollte weiter in ihrem gewohnten sogenannten rektifizierten System arbeiten und trat in die Große Provinzialloge Anacharsis zum erhabenen Zweck in Ansbach ein, in der auch schon die andere ehemalige „Bayreuther Tochterloge“ Alexander zu den drei Sternen war. Diese Große Provinzial Mutterloge der königl. bair. Provinzen in Franken „Anacharsis zum erhabenen Zweck“ hatte ihr Konstitutionspatent 1807 von der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ erhalten.
Großloge Zur Sonne: 1829–1933 mini|Johann Caspar Bluntschli in späteren Jahren, Großmeister von 1872 bis 1878; Reproduktion aus Zürich – Geschichte Kultur Wirtschaft. Gebrüder Fretz: Zürich, 1932
Die Große Provinzialloge Zur Sonne änderte am 29. September 1829 ihren Status, d. h., sie beendete in gegenseitigem Einvernehmen das förmliche Abhängigkeitsverhältnis zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ und nahm wieder ihre alten Rechte unter dem Namen Großloge Zur Sonne an, anerkannt von den deutschen Großen Logen als ebenbürtige Schwester. Zu dieser Zeit gehörten ihr die vier aktiven Johannislogen Eleusis zur Verschwiegenheit (Bayreuth), Zum Morgenstern (Hof), Zur Wahrheit und Freundschaft (Fürth) und Zur Freimüthigkeit am Rhein (Frankenthal) an.
Am 31. August 1847 nahm eine Konferenz der Großen Loge den Antrag der Mannheimer Loge Carl zur Eintracht an, die Aufnahme von Nichtchristen (= Juden) zu gestatten; der Antrag, das Wahlrecht auf alle Brüder auszudehnen, also auch Nichtchristen in den Beamtenräten zuzulassen, wurde allerdings abgelehnt.Albert Redlich: Geschichte der Grossloge zur Sonne, Teil 3, in: Die Bauhütte, 19. Mai 1866, No. 21, IX. Jahrgang. Einige Jahre später (1857?) erfolgte die Bestätigung der Aufnahmefähigkeit von Schwarzen und die Anerkennung ihrer Logen.
Die Bayreuther Loge Eleusis zur Verschwiegenheit stellte in der Konferenz der Großen Loge vom 28. Dezember 1862 den Antrag, die Rituale und Gesetze der Großloge zu überarbeiten.Albert Redlich: Geschichte der Grossloge zur Sonne, Teil 4, in: Die Bauhütte, 26. Mai 1866, No. 22, IX. Jahrgang. Dieser Antrag wurde angenommen, die nun anstehende Revision dem Bruder Johann Caspar Bluntschli aus Heidelberg übertragen. Am 11. Oktober 1868 wurden diese neue Verfassung und die überarbeiteten Rituale von der Großlogen-Konferenz angenommen. Mit dieser neuen Verfassung galt die Großloge Zur Sonne dann als eine der liberalsten Großlogen in Deutschland.
1893 errichtete die Großloge Zur Sonne für ihre norwegischen Tochterlogen die Provinzial-Großloge Polarstjernen und erteilte dieser am 8. Mai 1920 das Konstitutionspatent zur selbständigen Großloge Den Norske Storloge Polarstjernen mit Sitz in Trondheim/Norwegen.
Auf dem Großlogentag in Konstanz im Mai 1902 wurde die Anregung des Meisters vom Stuhl der Bayreuther Loge, dem Buchhändler Georg Niehrenheim, aufgenommen und genehmigt, im Bayreuther Logenhaus das Bayreuther Großlogenmuseum, das heutige Deutsche Freimaurer-Museum zu gründen; die dort aus älterer Zeit stammenden und gesammelten 168 freimaurerischen Gebrauchsgegenstände/Masonica dienten dabei als Grundstock. Durch einen regen Austausch von Geschenken mit allen deutschen Logen bzw. Bitten um Gaben für das Museum zählte die Sammlung im Jahre 1903 bereits 650 Exponate.Rudi Birkle: Biographien bekannter Freimaurer der Bayreuther Logen, Bayreuth 2012.