Die Johannisloge Eleusis zur Verschwiegenheit ist eine humanitäre (also religiös neutrale) Freimaurerloge in Bayreuth und gehört der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland an.

Die Eleusis ging aus den zwei Logen hervor, die 1741 von Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth als Schlossloge (Januar, französischsprachig, Matrikel-Nummer: 6) und als Stadtloge (Dezember, deutschsprachig) gegründet worden waren und ist neben der Loge Absalom zu den drei Nesseln in Hamburg (1737, Matrikel-Nummer: 1), der Loge Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute in Dresden (1738, Matrikel-Nummer: 3) und der Loge Aux trois Globes in Berlin (1740, Matrikel-Nummer: 5, aus der sich dann die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ entwickelte) eine der ältesten noch arbeitenden Freimaurerlogen in Deutschland.

Der Eleusis zur Verschwiegenheit gehören heute mehr als 80 Mitglieder (Brüder) an.

Gegenwart/Aktivitäten der Loge Im Internetauftritt der Eleusis zur Verschwiegenheit ist Folgendes zu lesen:

Demzufolge trifft sich die Bruderschaft regelmäßig zu Vortragsabenden (in denen nicht nur freimaurerische Themen bearbeitet werden, sondern auch Philosophie, Ethik, Geschichte, Religionen, Psychologie, Kultur, Umwelt und Natur als Gegenstand der Betrachtung dienen) mit anschließendem Gedankenaustausch, gemeinsamem Nachdenken und brüderlichem Gespräch, sozusagen das laut Denken mit dem Freund, sowie zu den rituellen freimaurerischen Arbeiten.

Beides, die Vortragsabende und die rituellen Arbeiten, dient der freimaurerischen Selbsterziehung, die bei einem selbst beginnt und dann nach außen, in die menschliche Gesellschaft hinein wirken soll. Diese Selbsterziehung ist ein offener Prozess, eine sich schrittweise entfaltende Lebenskultur.

Die Eleusis zur Verschwiegenheit gehört als Mitgliedsloge der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland von ihrer philosophischen Ausrichtung bzw. ihrer freimaurerischen Lehrart her zu den humanitären Freimaurerlogen. „Humanitär“ im Sinne von religiös neutral bedeutet aber nicht anti-religiös oder atheistisch; vielmehr gibt es keine Festlegung auf eine bestimmte Religion oder Konfession; die individuellen Vorstellungen von Gott mögen alle verschieden sein, jeder Bruder Freimaurer soll den Glauben leben können und dürfen, der ihm als richtig erscheint, und ebenso soll er seinen Bruder in dessen Glauben tolerieren.

Daher kann die Freimaurerei insgesamt als solche auch keine Religion oder Religionsersatz sein, sie will es nicht und sie ist es auch nicht. Freimaurer erkennen in der Welt, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein der Menschen einen Schöpfergeist voll Weisheit, Stärke und Schönheit, ein weltordnendes Prinzip, das jeder Bruder individuell füllen kann.

In der Loge als Freundschaftsbund organisieren die Brüder gemeinsame kulturelle, gesellige und sportliche Unternehmungen (Ausflüge, Radtouren, Sommerfest, …).

Humanitätspreis Die Freimaurerloge Eleusis zur Verschwiegenheit verleiht den mit 3000 € dotierten „Humanitätspreis“ an Personen oder Organisationen in Stadt und Landkreis Bayreuth, die sich durch überdurchschnittliches Engagement für ihre Mitmenschen auszeichnen. Dabei muss ihr Handeln der Menschenwürde und dem Gemeinwohl verpflichtet sein. Die Auszeichnung soll nicht nur humanitäres Engagement würdigen und unterstützen, sondern auch für grundlegende gesellschaftliche Werte werben und aufzeigen, wie humanitäres Engagement im Einzelfall aussehen kann. 2018 verlieh die Loge den Preis dem Frauenhaus Bayreuth.

Geschichte 1741–1791: Markgräfliche Zeit mini|Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth, der Stifter der beiden Bayreuther Schloss- und Stadtlogen und Meister vom Stuhl bzw. Großmeister derselben von 1741 bis 1763

Am 21. Januar 1741 stiftete Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth eine in französischer Sprache arbeitende Schlossloge in Bayreuth und erhob sie zur „Großen Mutterloge“.Albert Redlich: Geschichte der Grossloge zur Sonne, Teil 1. In: Die Bauhütte, 5. Mai 1866, No. 19, IX. Jahrgang. Der Markgraf war und blieb deren Meister vom Stuhl bis zu seinem Tod. Im selben Jahr, am 4. Dezember 1741, wurde eine in deutscher Sprache arbeitende „Stadtloge“ eingesetzt. Beide Logen bekamen vom Markgrafen den Beinamen „Zur Sonne“ und beide bearbeiteten von Beginn an das Ritual des „einfachen altenglischen Systems“. Später arbeitete die Schlossloge für ein paar Jahre in einem „französischen Hochgradsystem“ mit 15 Graden (einer zeitweisen Vorliebe des Markgrafen folgend).

Durch einen Schlossbrand 1753 verlor die Schlossloge ihr Logenlokal. Markgraf Friedrich zahlte an die Stadtloge jährlich 60 Reichstaler als Miete für die Nutzung ihres Logenlokals. Zum weiteren Miteinander der beide Logen finden sich in den Quellen voneinander abweichende Darstellungen: entweder ging die Schlossloge nach dem Tod des Markgrafen 1763 in der Stadtloge auf („mit Übertragung aller Rechte“)Albert Redlich: Geschichte der Grossloge zur Sonne, Teil 1. In: Die Bauhütte, 5. Mai 1866, No. 19, IX. Jahrgang.Gottfried Joseph Gabriel Findel: Geschichte der Grossloge zur Sonne in Bayreuth, Leipzig 1897. oder beide Logen fusionierten bereits zum Johannisfest 1753, wobei der Meister vom Stuhl der Stadtloge weiterhin der Meister vom Stuhl der vereinigten Loge und Markgraf Friedrich weiterhin der Großmeister der Großen Mutterloge blieben.Dieter Heinold: Die Geschichte der Großloge „Zur Sonne“, Vortrag am 2. April 2004 in der Loge „Zum Morgenstern“ in Hof.Peter Nemeyer: Chronik der Bijous der Tochterlogen der Großloge „Zur Sonne“. Bayreuth 2007. So oder so, die nun einzige Loge führte fortan den Namen „Freimaurerloge Zur Sonne“ in Bayreuth.

Von 1763 bis 1769 herrschte Markgraf Friedrich Christian, der Onkel des verstorbenen Markgrafen Friedrich, in Bayreuth. Er galt als religiöser „Schwärmer“ und war misstrauisch, seine Amtsgeschäfte waren verworren. Am 29. Dezember 1764 nahm die Loge das System der Strikten Observanz an. Da die Bruderschaft dies zwar beschlossen hatte (ob auf persönliches Betreiben des amtierenden Großmeisters und auf äußeren Druck), jedoch mit der damit verbundenen Kontrolle durch das altschottische Direktorium nicht einverstanden war, wurden die rituellen Arbeiten und förmlichen Tätigkeiten von Juli 1765 bis Januar 1779 eingestellt. Zwar hielten die Brüder insgeheim Versammlungen ab, führten aber kein Protokollbuch mehr. Ab 1779 arbeitete die Loge wieder offiziell und regelmäßig entsprechend den alten englischen Verordnungen.Albert Redlich: Geschichte der Grossloge zur Sonne, Teil 2, in: Die Bauhütte, 12. Mai 1866, No. 20, IX. Jahrgang. 1769 fiel das Markgrafentum Bayreuth an das Fürstentum Ansbach, der dortige Markgraf Alexander zog die Bayreuther Offiziere der Garde – und damit viele Brüder in leitenden Logenfunktionen – nach Ansbach ab, in Bayreuth blieben nur wenige Brüder übrig.

1791–1810: Unter preußischer Obödienz Mit dem Verkauf der Markgraftümer Ansbach-Bayreuth an Preußen 1791 kam Bayreuth zum Königreich Preußen. Dem königlich-preußischen Edikt vom 20. Oktober 1798 folgend, demgemäß sich alle Logen innerhalb des Preußischen Herrschaftsgebiets einer der drei anerkannten Berliner Mutterlogen unterordnen mussten, schloss sich die Loge „Zur Sonne“ in Bayreuth am 4. Juli 1800 dem System der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ an. Dabei übernahm sie das „Feßlersche System“,Robert Freke Gould: Gould’s History of Freemasonry throughout the World, Band 3. J.C. Yorston, New York 1884, Kapitel III: Freemasonry in the German Empire, Abschnitt VI: The Grand Lodge Sun at Bayreuth. das von Johann Gottlieb Fichte und Ignaz Aurelius Feßler für die Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ erstellt worden war.

1806 wurde das ehemalige Markgraftum Bayreuth von französischen Truppen besetzt und 1807 im Frieden von Tilsit an das französische Kaiserreich angegliedert, die bestehenden Verbindungen nach Berlin dadurch unterbrochen. Da abzusehen war, dass Franken nicht mehr nach Preußen zurückkehren würde, wurden seitens der Loge „Zur Sonne“ in Bayreuth vertrauliche Absprachen mit der Loge „Zum Morgenstern“ (gegründet 1799) und der Loge „Zur goldenen Waage“ (gegründet 1804), beide in Hof, und der Loge „Zur Wahrheit und Freundschaft“ (gegründet 1803) in Fürth unternommen, um die Großloge Zur Sonne wieder zu reaktivieren. Am 4. Dezember 1807 wurde dann auch der Loge „Zur Sonne“ seitens der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ ein Konstitutionspatent als „Große Provinzialloge“ ausgestellt und am 6. Februar 1808 übersandt, für den Fall, dass sich die fränkischen Logen von Berlin trennen müssten. Dies geschah 1810, als das ehemalige Fürstentum Bayreuth an das Königreich Bayern fiel, das am 30. Juni desselben Jahres davon Besitz nahm. Als Konsequenz lockerte die Loge „Zur Sonne“ in Bayreuth mit Schreiben vom 20. Juli 1810 ihre Bindung zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“.

1810–1933: In der Großen Provinzialloge/Großloge Zur Sonne Die Loge „Zur Sonne“ in Bayreuth konstituierte sich – unter Berufung auf das durch die Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ erteilte Patent – am 27. September 1810 als „Große Provinzialloge Zur Sonne“, und gründete Anfang 1811 mit den Logen in Hof und in Fürth die Große Provinzialloge Zur Sonne. Da die neugegründete Großloge den Namen der Bayreuther Loge übernahm, benötigte diese nun einen neuen Namen. Die Bayreuther Brüder entschieden sich für Eleusis zur Verschwiegenheit.

Mittels einer königlichen Verordnung vom 13. September 1814 wurde allen Staatsdienern die Mitgliedschaft in „geheimen Gesellschaften“ verboten. Dadurch verlor die Eleusis zur Verschwiegenheit etwa 50 Brüder, darunter den amtierenden Meister vom Stuhl und einen Großteil der Beamten. Am 29. September 1829 änderte die „Große Provinzialloge Zur Sonne“ ihren Status und ihren Namen von einer „Großen Provinzialloge“ in eine „Großloge“ und nahm unter Anerkennung der deutschen Großen Logen wieder ihre alten Rechte unter dem Namen Großloge „Zur Sonne“ an.

Auf Antrag der Bayreuther Loge Eleusis zur Verschwiegenheit in der Konferenz der Großen Loge vom 28. Dezember 1862Albert Redlich: Geschichte der Grossloge zur Sonne, Teil 4. In: Die Bauhütte, 26. Mai 1866, No. 22, IX. Jahrgang. wurden die Rituale und Gesetze der Großloge Zur Sonne von Bruder Johann Caspar Bluntschli aus Heidelberg überarbeitet und ab 1868 verwendet.

Seit langem waren auch Juden Mitglieder der Loge. Der Kaufmann Heinrich Cahn, der ein Geschäft in der Richard-Wagner-Straße betrieb, gehörte ab 1910 dazu und wurde 1913 in den Meistergrad erhoben. Seite an Seite mit christlichen Soldaten kämpft er im Ersten Weltkrieg als Angehöriger des Bayreuther Landsturm-Bataillons in Belgien.Nazi-Terror, der in den Tod trieb. In: Nordbayerischer Kurier vom 9. September 2021, S. 12. Während des Ersten Weltkriegs gründeten deutsche Freimaurer die Feldloge „Zum eisernen Kreuz“ in Lüttich. Adolf Hetzel und Heinrich Cahn, die Mitglied der Eleusis zur Verschwiegenheit waren, besuchten gemeinsam die Logen des belgischen Großorients in Lüttich. Diesen Besuch nahm der Autor Friedrich Hasselbacher in seiner Schrift Hoch- und Landesverrat der Feldlogen im Weltkriege zum Anlass, um den Freimaurern mangelndes Nationalbewusstsein und die Mitgliedschaft von Juden in ihren Reihen zu unterstellen (siehe auch:Feldlogen im Kontext der Dolchstoßlegende).

1933–1945/1947: „Dunkle“ Zeit Ab der zweiten Hälfte der 1920er Jahre kam es immer wieder zu Anfeindungen der Freimaurerei in der Gesellschaft, z. B. durch die Deutsche Adelsgesellschaft, durch die Deutschen Burschenschaften oder durch sogenannte völkische Gruppierungen. Einer der Hauptagitatoren war der ehemalige General Erich Ludendorff.Internetloge, aufgerufen am 19. Januar 2015.