miniatur|Friemersheimer Mühle von 1871 miniatur|Werktor 1 des ehemaligen Hüttenwerks Rheinhausen miniatur|links|Siegelmarke Gemeindekasse Friemersheim miniatur|Dorf Friemersheim: Kirchplatz mit evangelischer Dorfkirche miniatur|Dahlingstraße, Friemersheim-Dorf miniatur|links|Kaiserstraße in Friemersheim, um 1915 (mit Schienen der Straßenbahnlinie 2) miniatur|Alte Dorfschenke miniatur|Kruppsee miniatur|hochkant|Kronprinzenstraße mit St. Josef miniatur|Beamtensiedlung Bliersheim miniatur|hochkant|St. Laurentius, Eisenbahnsiedlung miniatur|Wasserturm Hohenbudberg, Ansicht von der Rheinaue

Friemersheim ist ein Stadtteil von Duisburg im Stadtbezirk Rheinhausen. Der Stadtteil hat 12.247 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2025).

Geschichte Frühgeschichte und Mittelalter Friemersheim gehört zu den ältesten Ansiedlungen der ehemaligen Grafschaft Moers. Davon zeugen Grabfunde des 6./7. Jahrhunderts im Bereich Rheingoldstraße.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1989, S. 293–295. Thesen, nach denen schon Karl der Große hier einen Reichstag abgehalten habe, gehen auf eine Urkunde zurück, die heute als Fälschung gilt.Erich Wisplinghoff: Der Raum von Friemersheim. Schriftenreihe der Stadt Rheinhausen 2. Rheinhausen 1961. Die erste echte nicht gefälschte Urkunde ist vom 11. Mai 898. In dieser bestätigt König Zwentibold der Abtei Werden die Schenkung des Reichsgutes Friemersheim, die vermutlich bereits zwischen 809 und 814 erfolgte.

Mit der Zeit gelang es einem ortsansässigen Adelsgeschlecht, den Edlen von Vrymersheim, als Lehensnehmer der Werdener die örtliche Herrschaft zu übernehmen. In einer Urkunde von 1315 einigten sich Abt und Convent von Werden mit „Ritter Wilhelm von Friemersheim“, dass das Schloss Friemersheim mit dem zugehörigen Grundstück je zur Hälfte Besitz von Werden und Wilhelm von Friemersheim sind.Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln, Urkunde 147, 1853, Teil 3, 1301–1400, S. 109. Onlinefassung 1366 verpfändete der Ritter Bovo von Friemersheim die „Herrlichkeit Friemersheim“ an Johann von Moers. Da das Pfand nicht eingelöst wurde, vergab der Abt von Werden die Herrlichkeit 1385 als Lehen an die Grafen von Moers. Nach dem zusätzlichen Kauf von Grundstücken durch die Grafen von Moers wurde die „Herrlichkeit Friemersheim“ 1392 Bestandteil der Grafschaft Moers.Margret Wensky, in: Moers, Geschichte von Frühzeit bis Gegenwart, Böhlau Verlag Köln, 2000, Band 1, ISBN 3-412-04600-0, S. 71–73.

Mit dem Dreißigjährigen Krieg wurden die Einwohner der Rheinhauser Vorgängergemeinden protestantisch, wobei nicht die lutherische, sondern die calvinistisch-protestantische Religion Vorrang hatte. Heinrich Bommel wurde 1560 Pfarrer in Friemersheim und führte dort 1561 auf landesherrlichen Befehl die Reformation ein.

18. und 19. Jahrhundert Bis 1707 gehörte Friemersheim zur Grafschaft Moers, danach bis zur Eroberung des gesamten linken Niederrheines Ende des 1794 durch die Franzosen zum Fürstentum Moers. Im französischen Département de la Roer wurde die Ortschaft von 1798/1801 bis 1814 im Arrondissement de Crévelt (Krefeld) ein Dorf im Kanton Uerdingen. Unter den Preußen ab 1815 wurde die Bürgermeisterei Friemersheim im Kreis Krefeld gebildet. Zu der damaligen „Sammtgemeinde Friemersheim“ gehörten neben Friemersheim die evangelischen Dörfer Bliersheim, Op de Geist, Rumeln mit den Weilern Hochfeld und Sittard, sowie die zu dieser Zeit rein katholischen Dörfer Kaldenhausen und Hohenbudberg.Beschreibung des Regierungsbezirkes Düsseldorf nach seinem Umfange, seiner Verwaltungs-Eintheilung und Bevölkerung, Stahl, 1817, S. 117.Digitalisierte Ausgabe der ULB Düsseldorf 1823 wurde der Kreis Rheinberg aufgelöst und in den Kreis Geldern eingegliedert. Die Kirchengemeinde Friemersheim mit vier Dörfern verblieb im Kreis Krefeld und wurde im Gegensatz zum nördlichen größeren Rest der „Herrlichkeit Friemersheim“ mit 14 Dörfern nicht dem Kreis Geldern zugeteilt.Johann Georg von Viebahn (Hrsg.): Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf, Erster Theil, Düsseldorf 1836, S. 53 Nach einer erneuten Umstrukturierung wurde aus dem Kreis Geldern 1857 der Kreis Moers herausgelöst, zu dem dann auch das Kirchspiel Friemersheim bis zu dessen Auflösung Ende 1974 gehörte.

Friemersheim blieb bis Ende des 19. Jahrhunderts bäuerlich strukturiert und wuchs nur sehr langsam. Im Rheinhauser Stadtwappen ist das Wappen des früheren freiherrlichen Geschlechts von Vrymersheim enthalten. Dem Löwen wurde der Eimer aus dem Kirchensiegel von Hochemmerich in die Pranken gegeben.

20. Jahrhundert Durch den Zuzug tausender Menschen nach dem Bau des Krupp’schen Hüttenwerks um 1900 veränderte sich nicht nur die traditionelle Lebensart, sondern auch die Landschaft. Ein neues Wohn- und Geschäftszentrum entstand nordöstlich des gewachsenen Dorfkerns zwischen Kaiserstraße und Kronprinzenstraße. Hierzu gehört auch der Anfang des 20. Jahrhunderts angelegte, nach Auguste Viktoria benannte Viktoriapark, in dem sich ab 1905 ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal befand. 1902 wurde die Sparkasse Friemersheim gegründet, 1903 die Freiwillige Feuerwehr Friemersheim, 1919 der Spar- und Bauverein Friemersheim.

Während der Rheinlandbesetzung ereignete sich am 17. März 1923 ein schwerer Eisenbahnunfall in der Gemarkung, als auf der Bahnstrecke Duisburg-Ruhrort–Mönchengladbach eine Lokomotive mit einem Militärzug zusammenstieß. 40 Menschen starben, eine große Zahl wurde darüber hinaus verletzt. Die Strecke wurde während der Rheinlandbesetzung als Regiebetrieb französischer Feldeisenbahner geführt.Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd. 1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 84.

Die Gemeinde Friemersheim wurde am 6. April 1923 mit Hochemmerich zur neuen Gemeinde Rheinhausen zusammengeschlossen.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1923, S. 159 Zeitgleich wurden auch die beiden Bürgermeistereien Friemersheim und Hochemmerich zur Bürgermeisterei Rheinhausen vereinigt, die neben der Gemeinde Rheinhausen die Gemeinden Hohenbudberg-Kaldenhausen und Rumeln umfasste, ab 1. Januar 1928 als „Amt Rheinhausen“ bezeichnet.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1923, S. 299

Der Gemeinde Rheinhausen wurden am 1. Juli 1934 die Stadtrechte verliehen. Die Stadt Rheinhausen entwickelte sich in dem 1857 geschaffenen Kreis Moers zur stärksten wirtschaftlichen Kraft mit ca. 70 000 Einwohnern. Durch die am 1. Januar 1975 vollzogene kommunale Neuordnung wurde Rheinhausen Teil der Montanstadt Duisburg. In der Folge verlor Rheinhausen – auch im Zug des Niederganges des Hüttenwerkes – an wirtschaftlicher Strahlkraft.

In den 1980er Jahren begann eine Zeit des gewerblichen Niedergangs. Zuerst endete Ende 1982 die Produktion im Walzwerk; das Hüttenwerk insgesamt wurde 1993 geschlossen. 1986 wurde der Rangierbahnhof Hohenbudberg außer Betrieb genommen und im gleichen Jahr endete die seit 1823 bestehende Geschichte der Rheingold-Brauerei an der gleichnamigen Straße; dort wurde neben dem Altbier Rheingold Alt auch ein Pils gebraut sowie zeitweise das Rheintreue-Tafelwasser hergestellt.

In den letzten Jahren wurde der Duisburger Westen mit Rheinhausen und Rumeln-Kaldenhausen zu einem der wenigen wachsenden Teile Duisburgs, da an der Peripherie zahlreiche Neubaugebiete entstanden. In Friemersheim stand diesem Trend die weitestgehend geschlossene Bebauung entgegen. Auf dem ehemaligen Hüttenwerksgelände sowie dem früheren Rangierbahnhof Hohenbudberg (nahe der ehemaligen Eisenbahnsiedlung) wurden indes neue Gewerbeflächen ausgewiesen.

Ortsteile Friemersheim-Dorf Aus heutiger Sicht glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass das als Gesamtbereich unter Denkmalsatzung gestellte „Dorf Friemersheim“ weitgehend ursprünglich erhalten blieb und seinen Charakter bewahren konnte. Hierzu zählen vornehmlich die (seit der Reformation) evangelische Dorfkirche (urkundlich auf das Jahr 1147 zurückgeführt) und das alte Lehrerhaus aus dem Jahre 1800, das heute ein Heimatmuseum beheimatet, welches vom Freundeskreis Lebendige Grafschaft betrieben wird. Nahe dazu liegt die ehemalige Dorfschenke. Stattliche alte Bauerngehöfte, wertvoller Baumbestand und die nahegelegene, naturgeschützte Rheinaue mit kilometerlangen, gepflegten Rad- und Wanderwegen machen Friemersheim heute zu einem beliebten Freizeit- und Erholungsgebiet.

1979 wurde das Überschwemmungsgebiet entlang des Rheins zum Naturschutzgebiet Rheinaue Friemersheim ausgewiesen. Es reicht heute vom Rheinhauser Hafen im Norden bis zur Stadtgrenze zu Krefeld im Süden und umfasst den Altrheinarm „De Roos“ sowie den Werthschenhof.

Als sich die Belegung des alten Friedhofs an der Dahlingstraße im Dorf Friersheim abzeichnete, entschloss sich die Bürgermeisterei Friemersheim 1904 zur Anlegung einer weiteren Begräbnisstätte an der Ackerstraße. Nach dem Ankauf eines dafür geeigneten Geländes an der Friedhofallee und dessen Herrichtung erfolgte im Jahre 1907 die Einweihung. Zur gleichen Zeit wurde auch die Friedhofskapelle fertiggestellt. Erst im Jahre 1949 konnte mit dem Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Kapelle begonnen werden. Dabei wurde sie nicht wieder in ihrem alten Zustand errichtet, sondern wesentlich eindrucksvoller ausgestaltet. 2009 wurde der alte ehemalige Friedhof Dahlingstraße aus Mitteln des Konjunkturpakets II grundlegend saniert.

Friemersheim-Zentrum Das o. g. Geschäftszentrum von Friemersheim besteht aus dem Karree um den Friemersheimer Marktplatz, der Kaiserstraße mit vielen Geschäften einschl. des früheren Bürgermeisteramtes, der Kronprinzenstraße mit der 1907 eingeweihten kath. Kirche St. Joseph (mit Kindergarten und Kinderheim), dem Viktoriaplatz, dem Walther-Rathenau-Platz und der Windmühlenstraße, an der sich der Bahnhof Rheinhausen befindet. Westlich angrenzend befindet sich der aus einem alten Baggersee hervorgegangene Kruppsee (mit Freibad) und der kommunale Friedhof an der Friedhofsallee.

Bliersheim Die ehemalige Gemeinde Bliersheim, die 1910 noch 2135 Einwohner zählte, musste Anfang des letzten Jahrhunderts größtenteils den Friedrich-Krupp-Hüttenwerken weichen. Abseits der Arbeitersiedlungen, aber in unmittelbarer Nähe zum Werk, errichtete die Gussstahlfabrik von Friedrich Krupp AG eine sogenannte Beamtenkolonie. Die Häuser der Siedlung wurden vom Essener Architekten Robert Schmohl im Cottage-Stil errichtet. In der Mitte der im Jahre 1903 errichteten parkähnlichen Anlage erreicht man über einen Wegering das Haus des Direktors mit nebenstehendem Kutscherhaus und einer Wagenremise. Um den Ring herum und an den Erschließungsstraßen gruppieren sich die großzügig mit sieben bis acht Zimmern ausgestatteten Villen der Betriebsleiter und deren Assistenten, von denen kein Objekt dem anderen gleicht. Die Meisterhäuser mit fünf bis sieben Zimmern liegen etwas abseits am Gaterweg. Zur gleichen Zeit wurde das „Kruppsche Kasino“ gebaut, das als Restaurant für leitende Angestellte und zur Bewirtung der Gäste diente. Die Gemeinde Bliersheim wurde 1920 in die Gemeinde Friemersheim eingemeindet.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1920, S. 240

Eisenbahnsiedlung