Die Liste schwerer Seeunfälle 1851–1875 verzeichnet Unglücke der Seefahrt, bei denen Tote oder hohe Sachschäden zu beklagen waren.
Liste Datum Name Tote Hergang 4. Januar 1852 Amazon 104 180 km südwestlich der Scilly-Inseln brach auf dem neuen britischen Raddampfer Amazon der Royal Mail Line, der sich auf seiner Jungfernfahrt zu den Westindischen Inseln befand, ein unkontrollierbares Feuer aus. Nur zwei Rettungsboote konnten zu Wasser gelassen werden, bevor das Schiff explodierte und unterging. 104 der 163 Menschen an Bord starben. 26. Februar 1852 HMS Birkenhead 445 Der britische Truppentransporter lief vor Danger Point (Südafrika) auf Grund und sank. Es kamen 445 Personen (alles Männer) ums Leben; 193 überlebten, darunter alle Frauen und Kinder. 21. Januar 1854 Tayleur 362 Der eiserne Klipper Tayleur der White Star Line lief in der Irischen See bei Sturm und Nebel auf die Felsen vor Lambay Island. 362 der 652 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. 15. April 1854 Powhattan200–365 (?) Der 17 Jahre alte amerikanische Schoner Powhattan lief auf einer Fahrt nach New York bei Beach Haven (New Jersey) im Sturm auf Felsen und zerschellte. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord kamen ums Leben. Nach unterschiedlichen Quellen waren zwischen 200 und 365 Menschen an Bord. Mai 1854 City of Glasgow 480 Der Passagierdampfer City of Glasgow der britischen Reederei Inman Line lief am 1. Mai 1854 aus dem Hafen von Liverpool in Richtung New York aus und verschwand mit 480 Menschen an Bord spurlos. Bis heute gibt es keine Hinweise auf seinen Verbleib oder den Grund des Verlusts. 27. September 1854 Arcticetwa 350 Der Passagierdampfer Arctic der amerikanischen Collins Line kollidierte bei Cape Race vor Neufundland mit dem französischen Dampfer Vesta und sank während des vergeblichen Versuchs, die Küste zu erreichen. Aufgrund der Panik an Bord war keine organisierte Rettung möglich. Die Angaben über die Opfer schwanken zwischen 285 und 372 Opfern, am wahrscheinlichsten dürften etwa 350 Tote sein, darunter alle Frauen und Kinder an Bord. 25. Oktober 1854 Forerunner 33 Der 1852 gebauter Segel-Dampfer der African Steam Ship Company lief an der Ostküste von Madeira vor der Ponta de São Lourenço auf Grund und sank. Drei Passagiere und elf Besatzungsmitglieder starben, zehn Passagiere und 23 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. 5. November 1854 Johanne 77 Vor Spiekeroog strandete bei Nordweststurm die mit 216 Auswanderern und 13 Besatzungsmitgliedern besetzte Bark Johanne. Das Fehlen geeigneter Rettungsmittel auf der Insel führte zum Tod von 77 Menschen. Die Übrigen konnten sich bei einsetzender Ebbe an den Strand retten. Die völlig unzureichenden Rettungsmittel auf der Insel führten zu ersten Rufen zur Gründung des deutschen Seenotrettungswesens. 1. Januar 1855 George Canning 164 Der Hamburger Segler George Canning strandete in der Neujahrsnacht 1854/55 in einem Orkan auf dem Großen Vogelsand in der Elbmündung. Alle 164 Passagiere und Besatzungsmitglieder kamen bei dem Untergang ums Leben.Deister- und Weserzeitung Hameln vom 23. Januar 1855 15. Februar 1855 La Sémillante 693 Die mit Truppen und Ausrüstung für den Krimkrieg beladene französische Fregatte La Sémillante wurde in der Straße von Bonifacio zwischen Sardinien und Korsika von einem Orkan überrascht, auf die Felsen der Îles Lavezzi getrieben und von der Brandung zerschlagen. Von den 693 Seeleuten und Soldaten an Bord überlebte niemand. 23. Januar 1856 Pacific 186 Der amerikanische Raddampfer Pacific der Collins Line war mit 186 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord auf dem Weg von Liverpool nach New York, als er kurz nach der Abfahrt spurlos verschwand. Erst 1991 wurde an der Küste von Wales das Wrack des Schiffs gefunden. Bis heute ist die Unglücksursache unklar. 19. Februar 1856 John Rutledge 135 Das Segelschiff John Rutledge (ca. 1600 t) der New York & Liverpool Packet Company, das drei Tage zuvor mit 120 Passagieren und 16 Mannschaftsmitgliedern an Bord unter dem Kommando von Kapitän Kelly in Liverpool mit Ziel New York abgelegt hatte, rammte in einem Sturm einen Eisberg und wurde aufgegeben. Alle Personen an Bord konnten das Schiff verlassen, doch im Sturm verschwanden die Rettungsboote spurlos. Der Schotte Thomas W. Nye wurde am 28. Februar von der Germania gefunden und nach New York gebracht. Er war der einzige Überlebende des Unglücks. Februar 1856 Ocean Queen 123 Der Klipper Ocean Queen der amerikanischen Reederei London and New York Line verließ mit 90 Passagieren und 33 Besatzungsmitgliedern an Bord am 8. Februar 1856 London zu einer Atlantiküberquerung nach New York. Nach einer Sichtung vor der Isle of Wight am 15. Februar wurde nie wieder etwas von dem Schiff gehört. Februar 1856 Driver 372 Der britische Klipper Driver (1.594 t) lief mit 28 Mannschaftsmitgliedern und 344 Passagieren unter dem Kommando von Kapitän Nicholas Hobberton am 12. Februar 1856 in Liverpool aus und verschwand auf hoher See. Das Schiff wurde nie wieder gesehen. Februar 1856 Umea 20 Das erst im Vorjahr gebaute schwedische Dampfschiff Umea (Länge 44 m) ging in einem Schneesturm auf der Fahrt von Sundsvall nach Stockholm unter. 15 Personen konnten in einem Rettungsboot auf eine verlassene Insel flüchten und wurden nach drei Tagen gerettet. 20 Personen ertranken. Grund für den Untergang war vermutlich zu schwere Fracht an Deck. 24. September 1856 Niagara60–70 Auf dem Raddampfer Niagara brach auf dem Michigansee wenige Meilen vor Port Washington ein Feuer im Bereich des Maschinenraums aus. Der Dampfer brannte komplett aus und ging unter. In der Panik wurden die Rettungsboote gestürmt, von denen alle bis auf eines kenterten. Von den etwa 175 Passagieren und Besatzungsmitgliedern kamen zwischen 60 und 70 ums Leben (die Zahlen weichen in den Quellen voneinander ab). 2. November 1856 Lyonnais 130 Das französische Dampfschiff Lyonnais, das am Vortag New York verlassen hatte, kollidierte 50 Seemeilen südöstlich des Feuerschiffs von Nantucket mit der amerikanischen Bark Adriatic und sank. Von den 146 Passagieren und Besatzungsmitgliedern überlebten nur 16 auf einem Floß, das von der deutschen Bark Elise gefunden wurde. Die anderen Rettungsboote wurden nie gefunden. 13. Februar 1857 Tempest 150 Nach dem Ablegen in New York verschwand der Dampfer Tempest der britischen Anchor Line spurlos auf dem Nordatlantik. Er wurde nie wieder gesehen. 20. August 1857 Dunbar 121 Am Eingang zum Hafen von Sydney kam es an Bord des britischen Segelschiffs Dunbar bei heftigen Winden und starkem Regenfall zu einer navigatorischen Fehleinschätzung, sodass das Schiff auf Felsen lief und zerschellte. Von den 122 Menschen an Bord überlebte nur ein einziges Besatzungsmitglied. 12. September 1857 Central America 425 Der Schaufelrad-Segel-Passagierdampfer Central America versank mit 425 Menschen nach Wassereinbruch und tagelangem Kampf gegen einen Sturm. Das Schiff war mit 477 Passagieren und 101 Crew-Mitgliedern auf den Weg von Panama nach New York City, mit einem Zwischenaufenthalt in Havanna. Es hatte eine große Ladung Gold an Bord. Durch den Verlust des Goldes wurde die Wirtschaftskrise von 1857 verschärft. Das Wrack wurde 1987 geortet und große Mengen Gold gehoben. 22. September 1857 Lefort 825 Das russische Linienschiff Lefort geriet auf der Fahrt von Reval nach Kronstadt zwischen den Inseln Gogland und Bolschoi Tjuters in eine Querbö, kenterte und sank. Bis auf einen Matrosen, der in Gogland an Land gespült wurde, kamen alle 825 Personen an Bord ums Leben. 13. Juni 1858 Pennsylvania200–250 Auf dem Mississippi River explodierten in der Nähe von Memphis die Kessel des Raddampfers Pennsylvania. Von den etwa 450 Menschen an Bord kamen unterschiedlichen Quellen zufolge zwischen 200 und 250 ums Leben, darunter Henry Clemens, der Bruder von Mark Twain. Twain war selbst bis wenige Tage zuvor ein Mitglied der Besatzung des Dampfers gewesen. 13. September 1858 Austria 471 Der Passagierdampfer Austria der HAPAG geriet auf dem Weg von Hamburg in die USA mit 538 Menschen an Bord in Brand, als der Schiffsarzt die Zwischendecks ausschwefeln ließ. An Bord brach Panik aus, eine geordnete Rettung war unmöglich. Nur 61 Überlebende konnten sich mit einem Rettungsboot von dem sinkenden Schiff retten und wurden von der französischen Bark Maurice aufgenommen, 471 Passagiere und Besatzungsmitglieder starben. 27. April 1859 Pomona 391 Auf dem Weg von Liverpool nach Amerika strandete bei Sturm und Dunkelheit der amerikanische Klipper Pomona auf einer Sandbank sieben Meilen vor Ballyconigar an der Küste der irischen Grafschaft Wexford. Während das Schiff festsaß und der Starkwind zunahm, gelang es kaum, die Rettungsboote ordnungsgemäß zu Wasser zu lassen. Die meisten gingen in den stürmischen Wellen unter. 18 Männer der Besatzung und drei Passagiere, alles Männer, schafften es lebend an Land, während 391 Passagiere und Mannschaftsmitglieder ums Leben kamen. 26. Oktober 1859 Royal Charter 449 Der Klipper Royal Charter, der Passagiere und Fracht von Liverpool nach Australien brachte, geriet vor Anglesey in einen schweren Sturm. Das Schiff wurde gegen die Felsen geschleudert, brach auseinander und sank. Nur 39 Menschen überlebten, alles Männer. 449 Personen starben, darunter alle Frauen und Kinder an Bord. Der Untergang der Royal Charter ist bis heute das schwerste Schiffsunglück an der Küste von Wales. 19. Februar 1860 Hungarian 205 Das Dampfschiff Hungarian der Allan Line strandete auf den Felsen von Cape Ledge vor Cape Sable Island an der Küste von Nova Scotia (Kanada) und sank mit allen Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord. 8. September 1860 Lady Elginca. 400 Bei Dunkelheit und stürmischer See wurde der Raddampfer Lady Elgin, die so genannte „Königin der Großen Seen“, auf dem Michigansee von dem unbeleuchteten Schoner Augusta gerammt und sank innerhalb von 20 Minuten. Über 400 Menschen kamen durch das bis heute schwerste Schiffsunglück auf den Großen Seen ums Leben. Unter den Toten waren viele Deutsche und Iren. 10. September 1860 Alliancemindestens 9 Auf dem Borkum vorgelagerten Hohen Riff strandete die Brigg Alliance. Dabei kam die gesamte Besatzung nach langem Todeskampf vor den Augen der untätigen Bevölkerung, die es nur auf die Ladung des Schiffes abgesehen hatte, ums Leben. Das Verhalten der Bevölkerung sowie das Nichtvorhandensein von Rettungsmitteln an der Küste sorgte überregional für große Empörung und führte zur Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger im Jahre 1865. 20. September 1860 (?) Levant 190 Die amerikanische 20-Kanonen-Brigg Levant mit 190 Besatzungsangehörigen verschwand auf dem Weg von Hawaii nach Panama aus ungeklärten Gründen im östlichen Pazifik. Vermutlich war das Schiff, das Hawaii am 18. September verlassen hatte, um den 20. September in einen Hurrikan geraten und gesunken. Von der Besatzung überlebte niemand. Im Juni 1861 wurden auf Hawaii Trümmerstücke angespült, die dem Schiff zugeordnet werden konnten, was die These, dass das Schiff in einem Sturm sank, bestätigen würde. 8. Oktober 1860 Sesia 42 Das für den Personentransport umfunktionierte Kanonenboot der sardischen Marine Sesia ging am 8. Oktober 1860 nach einer Kesselexplosion auf dem Gardasee vor Limone sul Garda verloren. Von den 60 Personen an Bord überlebten nur 18. Der Untergang der Sesia ist der größte Schiffsunfall auf einem italienischen Binnengewässer. 4. Juni 1861 Canadian 35 Der Passagierdampfer Canadian der Allan Line lief in der Belle Isle-Straße zwischen der Labrador-Halbinsel und Neufundland acht Seemeilen vom Land entfernt auf Eis. Das Schiff wurde auf voller Länge aufgerissen und sank eine halbe Stunde nach der Kollision. Zwar konnten in der Zwischenzeit alle an Bord befindlichen Menschen das Schiff verlassen, aber eines der Rettungsboote kenterte und alle 35 Insassen ertranken. 266 Überlebende wurden geborgen. 20. August 1861 Herzogin Marie 0 Die frachtgehende mecklenburgische Bark Herzogin Marie schlug vor Aveiro (Portugal) im Atlantik leck un