The Gold Experience ( für Die Gold-Erfahrung) ist das 17. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 25. September 1995 bei NPG Records / Warner Bros. Records und ist das erste Album, das er unter seinem unaussprechbaren Symbol als Pseudonym veröffentlichte. In den Massenmedien erklärte Prince damals, „Prince“ sei tot. Aufgrund eines Streits zwischen ihm und Warner erschien The Gold Experience erst elf Monate nach seiner Fertigstellung.

Die Musik ist den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop und Rock zuzuordnen; die Liedtexte behandeln überwiegend Liebe, Sex und zwischenmenschliche Beziehungen. Als Gäste wirkten das Blechbläserquintett Hornheads, Mayte Garcia und Nona Gaye mit. Außerdem sind Lenny Kravitz und Ophélie Winter vertreten, die beide in den Liner Notes jedoch nicht genannt werden. Musikkritiker bewerteten The Gold Experience teilweise sehr positiv und sahen es überwiegend als Prince’ bestes Album seit Sign “☮” the Times (1987). Kommerziell erreichte das Album in mehreren Ländern Goldstatus.

Die Tournee zum Album entwickelte sich zu einem Tiefpunkt in Prince’ Karriere. Sie fand bereits sechs Monate vor der Veröffentlichung von The Gold Experience statt und umfasste nahezu alle damals weitgehend unbekannten Albumsongs. Mehrere Konzerte waren nicht ausverkauft; zudem bewertete die Mehrheit der Musikkritiker die Tournee aus künstlerischer Sicht als die schwächste seiner Laufbahn.

Entstehung Alle zwölf Songs von The Gold Experience nahm Prince zwischen Dezember 1992 und Oktober 1994 in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen (Minnesota) auf. Am 28. Dezember 1992 spielte er den Track Endorphinmachine ein, den er ursprünglich auf seinem Album Come platzierte. Zwei Tage später nahm er Dolphin auf. Die meisten Titel entstanden 1993, darunter The Most Beautiful Girl in the World (20. September), Now und Shy (10. Oktober), Gold (15. Oktober), 319 (25. Oktober), 18x18px Hate U (3. Dezember) sowie Billy Jack Bitch (26. Dezember).Uptown (2004), S. 154. In Billy Jack Bitch übernahm Lenny Kravitz die Backing Vocals, wurde in den Liner Notes jedoch nicht genannt, da er damals bei Virgin Records unter Vertrag stand. Mehrere Songs werden von Rain Ivana in der Rolle der „NPG Operator“ eingeführt. Ihre Stimme wurde Ende 1993 oder Anfang 1994 im Tonstudio Record Plant in Los Angeles aufgenommen, wo sie an der Rezeption arbeitete; Prince nutzte das Studio bis 1994 regelmäßig.

Anfang 1994 überarbeitete Prince The Most Beautiful Girl in the World; diese Version ist auf The Gold Experience enthalten. Die im Februar 1994 ausgekoppelte Single unterscheidet sich lediglich durch eine leicht abweichende Abmischung. Zudem überarbeitete er Shhh, das er bereits 1991 aufgenommen und an Tevin Campbell weitergegeben hatte, der es im Oktober 1993 auf seinem Album I’m Ready veröffentlichte; Campbells Version weicht nur geringfügig von der Prince-Fassung ab. Im Mai 1994 präsentierte Prince Warner Bros. Records eine erste Tracklist von The Gold Experience, in der die Titel Dolphin, Endorphinmachine und Shhh noch fehlten.Uptown (2004), S. 156.Uptown (2004), S. 162. #TitelVeröffentlichung1NPG Operator #11995: The Gold Experience2Interactive (längere Version)1998: Crystal Ball3NPG Operator #2bis heute (2026) unveröffentlicht4Days of Wild1998: Crystal Ball (als Liveversion)5NPG Operator #31995: The Gold Experience6The Most Beautiful Girl in the World1995: The Gold Experience7NPG Operator #41995: The Gold Experience8Now1995: The Gold Experience9Acknowledge Me1998: Crystal Ball10Ripopgodazippa1998: Crystal Ball11NPG Operator #51995: The Gold Experience123191995: The Gold Experience13NPG Operator #61995: The Gold Experience14Shy1995: The Gold Experience15Billy Jack Bitch1995: The Gold Experience1618x18px Hate U1995: The Gold Experience17NPG Operator #71995: The Gold Experience18Gold1995: The Gold Experience Im Sommer 1994 überarbeitete Prince die im Mai präsentierte Tracklist und nahm am 3. Juli We March auf; der Aufnahmeort ist nicht bekannt. Am 25. Juli spielte er P Control im Paisley Park Studio ein. Im August stellte Prince Warner Bros. Records erneut eine Version von The Gold Experience vor, in der die Titel Acknowledge Me, Days of Wild, Interactive und Ripopgodazippa fehlten, während Dolphin, Endorphinmachine, P Control, Shhh und We March neu aufgenommen wurden.Uptown (2004), S. 167.

Am 13. Oktober 1994 stellte Prince The Gold Experience mit endgültiger Tracklist fertig. Zwar war Days of Wild zu diesem Zeitpunkt erneut enthalten, wurde jedoch aus unbekannten Gründen kurz vor der Veröffentlichung im September 1995 ersatzlos gestrichen. Von den insgesamt zwölf Albumsongs spielte Prince bei Now, P Control, The Most Beautiful Girl in the World, Shy und We March nahezu alle Musikinstrumente selbst ein; an den übrigen sieben Titeln wirkte seine Begleitband The New Power Generation mit.

Der Streit im Jahr 1994 mini|Das unaussprechbare Symbol Aufgrund eines Streits mit Warner Bros. Records änderte Prince im Juni 1993 seinen Namen in ein unaussprechbares Symbol, das er als Pseudonym verwendete. Ein zentraler Streitpunkt war die Veröffentlichung von The Gold Experience. Der Konflikt wurde teilweise öffentlich über die Massenmedien ausgetragen. Prince sah seine künstlerische Freiheit eingeschränkt und warf Warner vor, ausschließlich an Marketing und finanziellen Interessen orientiert zu sein; die Musik selbst spiele keine Rolle.Jones (1997), S. 185. Warner distanzierte sich zunehmend von Prince, obwohl dieser noch bis zum 31. Dezember 1999 unter Vertrag stand. Infolge des Konflikts erschien The Gold Experience erst elf Monate nach Abschluss der Aufnahmen.

Am 1. Februar 1994 beendete Warner Bros. Records die Zusammenarbeit mit Prince’ Musiklabel Paisley Park Records, das er 1985 mit finanzieller Beteiligung Warners gegründet hatte. Beide Labels gaben die Vertragsauflösung am selben Tag bekannt. Bob Merlis, damaliger Vizepräsident von Warner, betonte, diese sei „im gegenseitigen Einverständnis“ erfolgt; Prince wolle „seinen eigenen Weg gehen“.Ro (2011), S. 252. Als Partner investierte Warner jährlich rund fünf Millionen US-Dollar in Paisley Park Records. Abgesehen von Prince’ eigenen Alben und Pandemonium (1990) von The Time erreichten Veröffentlichungen des Labels jedoch keine Top-Ten-Platzierungen. Laut Merlis verkauften sich Alben von Paisley-Park-Künstlern wie George Clinton und Mavis Staples höchstens 175.000, meist jedoch „weniger als 100.000“ Exemplare. Prince entgegnete, Künstler wollten in erster Linie Musik machen und nicht für Vermarktung oder Radioeinsätze verantwortlich sein.Ro (2011), S. 251–252. Noch im Februar 1994 gründete er sein neues Label NPG Records, das bis heute (2026) besteht und eine Tochtergesellschaft von Paisley Park Enterprises ist. Seit Prince’ Tod im April 2016 wird NPG Records offiziell von The Prince Estate („Der Prince-Nachlass“) weitergeführt.

Am 9. Februar veröffentlichte NPG Records in Kooperation mit dem Independent-Label Bellmark Records die Single The Most Beautiful Girl in the World im Einvernehmen mit Warner Bros. Records. Als Interpret ist „Symbol“ angegeben; Prince war für Vertrieb und Musikpromotion selbst verantwortlich. Warner hatte keinen Einfluss auf das Marketing und besitzt auch keine Urheberrechte an dem Song.Hahn (2006), S. 254. Die Single wurde zu einem der kommerziell erfolgreichsten Hits in Prince’ Karriere.

Im Mai 1994 erklärte Prince dem US-Magazin Vibe, er habe The Gold Experience fertiggestellt, ohne dass Warner davon Kenntnis hatte. Zudem kündigte er an, auf Livekonzerten neue Songs zu spielen, da „Musik in jedem Falle uneingeschränkt frei sein“ sollte.Jones (1997), S. 178. Ende Mai schlug Prince Warner Bros. Records vor, sein parallel fertiggestelltes Album Come unter „Prince“ und The Gold Experience unter „Symbol“ zu veröffentlichen. Beide Alben sollten am 7. Juni 1994 erscheinen, seinem 36. Geburtstag, genau ein Jahr nach der Namensänderung. Außerdem sollten sie zu den insgesamt sechs Alben zählen, die er Warner seit Vertragsabschluss 1992 schuldete. Der Vorschlag überzeugte Warner jedoch nicht; das Label erklärte, man freue sich über eine Veröffentlichung von The Gold Experience, jedoch zu passender Gelegenheit.Draper (2011), S. 130.Hahn (2006), S. 256.

Mitte August 1994 veröffentlichte Warner das Album Come, das zum Vertrag von 1992 zählte. Im September trafen Prince und Warner eine mündliche Vereinbarung: The Gold Experience sollte eine Woche vor Weihnachten 1994 erscheinen und in den USA über Tommy Boy Records vertrieben werden. Für andere Länder war East West Records zuständig – beide Labels gehören zum Warner-Konzern. Die Vereinbarung sah außerdem vor, dass Prince für Marketingstrategie und Musikpromotion des Albums eigenverantwortlich sei, unabhängig von Warners Entscheidungen. Letztlich hielt Prince sich jedoch nicht an die Absprache, da The Gold Experience nicht zu den noch ausstehenden fünf Alben zählen sollte, die er Warner schuldete.Uptown (2004), S. 168. mini|links|Prince, 1993 Am 13. Oktober veröffentlichte Prince eine Pressemitteilung, in der er erklärte, er habe im Konflikt mit Warner einen „Point of no Return“ erreicht und The Gold Experience werde daher niemals veröffentlicht. Er kündigte jedoch an, die noch ausstehenden Alben an Warner zu übergeben, da die Situation für ihn Stress verursache. Kurz darauf verbreitete NPG Records online Nachrichten über The Gold Experience mit dem Veröffentlichungstag „never“ und bat Prince-Fans, eine Petition gegen Warner fortzuführen, um das Album „zu befreien“.Uptown (2004), S. 169.

Am 25. Oktober legte Warner Bros. Records Prince einen Vertrag vor, der die Veröffentlichung von The Gold Experience auf Anfang 1995 terminiert. Die Verhandlungen scheiterten erneut, da Prince eine höhere Summe als von Warner vorgeschlagen verlangte. Da sein damaliger Manager anderer Meinung war und ihm zur Unterschrift riet, entließ Prince ihn und engagierte den damals 28-jährigen Rechtsanwalt L. Londell McMillan – seinen sechsten Anwalt seit Vertragsbeginn bei Warner 1977. Ein weiterer Grund war ein Führungswechsel bei Warner: Die Verträge von Mo Ostin und Lenny Waronker (* 3. Oktober 1941), beide seit 1977 bei Warner, liefen aus und wurden nicht verlängert. Die Verhandlungen für The Gold Experience wurden auf den 12. Mai 1995 verschoben, um unter der neuen Warner-Führung stattfinden zu können.

Prince zeigte sich skeptisch: „Ich glaube nach wie vor, dass The Gold Experience nie veröffentlicht wird“.Jones (1997), S. 185. Unterdessen machte sich das US-Magazin Billboard über die Verhandlungen lustig: „Vielleicht wissen Manager von Warner momentan gerade nicht, wie man nach ihm namentlich fragt, wenn sie ihn telefonisch erreichen wollen.“Jones (1997), S. 212. Artdirector Michael van Huffel bestätigte nach Prince’ Tod 2016 die Vermutung: „Er nahm die Sache mit dem geänderten Namen wirklich wahnsinnig ernst. Wenn man fragte, wer dran [Telefon] war, legte er sofort auf. Das passierte einige Male, bis wir uns die Frage verkniffen.“Azhar (2016), S. 73

Am 13. Dezember spielte Prince in der US-Talkshow Late Show with David Letterman den damals unveröffentlichten Song Dolphin. Moderator David Letterman erklärte, das Stück stamme von The Gold Experience und „mir wurde gesagt, dass diese CD niemals veröffentlicht wird.“ Nach dem Auftritt täuschte Prince seinen eigenen Tod vor und ließ sich von der Bühne tragen.Hahn (2006), S. 259.Ro (2011), S. 264.

Ende 1994 schlug Prince Warner Bros. Records vor, die Single Purple Medley – ein Zusammenschnitt seiner erfolgreichsten Hits – unter seinem Namen „Prince“ zu veröffentlichen. Im Gegenzug würde er Warner die Mastertapes von The Gold Experience überlassen. Warner stimmte zu und veröffentlichte Purple Medley im März 1995; die Single spielte international keine bedeutende Rolle und erschien auf keinem Album.Ro (2011), S. 264–265.

Der Streit im Jahr 1995