Die 8,8-cm-KwK 36 war eine Kampfwagenkanone mit der Kaliberlänge L/56, welche als modifizierte Version einer Flugabwehrkanone (8,8-cm-FlaK 18/36/37) die Hauptbewaffnung des Panzerkampfwagens VI Tiger darstellte.
Konstruktion Die Kampfwagenkanone 36 wurde aus der bekannten 8,8-cm-Fliegerabwehrkanone FlaK 36/37 entwickelt und für den Einsatz im beengten Turm eines Panzerfahrzeugs umkonstruiert.
Teile der KwK 36 waren bauähnlich zu den 5-cm-KwK und 7,5-cm-KwK, die bereits in einigen deutschen Panzerkampfwagen verwendet wurden. So bestand der Verschlusskeil der Kanonen aus zwei Teilen zu je 320 mm. Das vertikal angeordnete Verschlussstück der Kanone selbst funktionierte halbautomatisch. Nach dem Abschuss des Projektils wurde die Granathülse automatisch ausgeworfen, wobei Verschlusskeil und Spanner offen blieben und somit für das Einführen der nächsten Granate vorbereitet waren. Der folgende Nachladevorgang musste dann per Hand ausgeführt werden.
Die Kaliberlänge L/56 bedeutet eine Länge der Kanonenrohrs (88 mm × 56 Kaliber = 4928 mm) von etwa 493 cm beim Einbau im Panzerkampfwagen Tiger I. Da die bei längerem Rohr auch länger anhaltende Gasdruckeinwirkung dem Projektil eine höhere Mündungsgeschwindigkeit (v0 in m/s) verleiht, wodurch letztlich die Durchschlagsleistung gesteigert werden kann, wurden größere Kaliberlängen angestrebt. Dies führte zur Entwicklung der 8,8-cm-KwK 43 mit einer Kaliberlänge von L/71 (Rohrlänge = 6248 mm), die unter anderem als Hauptbewaffnung des Tiger II diente. Sie erzielte hohe Treffergenauigkeit und Durchschlagskraft.
Munitionsarten + Mittlere Durchschlagskraft gegen homogene, gewalzte Panzerstahlplatten bei einem Auftreffwinkel von 30° zur Vertikalen des Panzerfahrzeugs. Munition Typ MasseProjektil Mündungs-geschwindigkeit() Entfernung zum Ziel in Metern (m) 100 500 1000 1500 2000 PzGr. 39 Panzergranate 1939: Wuchtgeschoss, panzerbrechend, mit Kappe und ballistischer Haube - hochexplosiv - Leuchtspur (heute APCBC-HE-T) 10,2 kg 773 m/s 120 mm100 %1 110 mm100 %1 100 mm100 %1 91 mm98 %1 84 mm87 %1 120 mm100 %2 110 mm100 %2 99 mm93 %2 91 mm74 %2 83 mm50 %2 PzGr. 40 Panzergranate 1940: Hartkerngeschoss mit Wolfram-Karbid-Hartkern, panzerbrechend, mit ballistischer Haube (heute APCR) 7,3 kg 930 m/s 170 mm100 %1 155 mm100 %1 138 mm100 %1 122 mm97 %1 110 mm89 %1 120 mm100 %2 110 mm100 %2 99 mm93 %2 91 mm74 %2 89 mm47 %2 Gr. 39HL Granate 1939 Hohlladung: panzerbrechend mit (hochexplosiver) Hohlladung zur Panzerabwehr (high-explosive anti-tank warhead, HEAT) 7,56 kg 600 m/s Eindringtiefe 90 mm 100 %1 100 %1 94 %1 72 %1 52 %1 100 %2 98 %2 94 %2 62 %2 34 %2
Erläuterungen Wahrscheinlichkeitswert (1–100) %1: Versuchsweise erreichte Eindringtiefe, Zielfläche 2,5 m × 2,9 m Wahrscheinlichkeitswert (1–100) %2: im Gefecht / Panzerkampf erreichte Eindringtiefe PzGr: Panzergranate HL: Hohlladung
Trägerplattformen SdKfz 181 Panzerkampfwagen VI Ausfertigung H später E „Tiger“ auch „Tiger I“ Mit 8,8-cm-KwK 36 ausgerüstete Kampfwagen
Literatur Thomas L. Jentz: Germany’s TIGER Tanks - Tiger I and II. Combat Tactics, ISBN 0-7643-0225-6.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Geschütz Kaliber 50 mm bis 100 mm Kategorie:Kampfwagenkanone (Wehrmacht) Kategorie:Krupp