mini|hochkant=1.6|Dorf Stoffeln um 1891 (W ↔ E) Stoffeln ist eine Wüstung in den Düsseldorfer Stadtteilen Bilk, Oberbilk und Wersten in den Stadtbezirken 3 und 9. An der Stelle des früheren Dorfes befinden sich heute ein an den Düsseldorfer Südpark angrenzendes Kleingartengelände, ein Teil des Stoffeler Friedhofs und neuere Wohnbebauung nördlich und südlich der heutigen Werstener Straße. Auf der im Grundbuch weiterhin existierenden „Gemarkung Stoffeln“Vgl. → Liste der Gemarkungen in Nordrhein-Westfalen. liegen Teile des Südparks und des Campus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie das Universitätsklinikum Düsseldorf.

Lage Das kleine Dorf Stoffeln lag in einem Bogen am rechten Ufer des Brückerbachs, eines Mündungsarms der Südlichen Düssel, der in Höhe der Harffstraße von dieser abzweigte, bis südlich der heutigen Werstener Straße in Höhe des Kastanienhofs über dem Universitätstunnel der A 46. Die alte Dorfstraße verlief ungefähr dort, wo heute zwischen Stoffeler Kapellenweg und In den Großen Banden ein kleines Teilstück der Werstener Straße von der B 8 nach Nordnordost abzweigt, das seine Entsprechung in einer gedachten Verlängerung in der Stoffeler Straße (zwischen Siegburger Straße und Markenstraße) in Oberbilk findet.

1908 wurde das Bachbett des Brückerbachs vom Spaltwerk Wersten am Scheidlingsmühlenweg an nach Süden verlegt. Das alte Bachbett ist östlich neben der Christophstraße teilweise noch erkennbar.

Name Die Bezeichnung „auf den Stoffeln“ bezieht sich auf die beim Roden eines Sumpfwalds stehengebliebenen Baumstümpfe.Vgl. Peter Eschbach: Ortsnamen des Kreises Düsseldorf. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Band 6, 1892, S. 1–19, bes. S. 14 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). Nach einer anderen Theorie wurde „Stoffeln“ nach der dortigen Kapelle des Heiligen „Christophorus“ benannt.

Gemarkung Das Gebiet der Gemarkung Stoffeln wurde durch den Stoffeler Damm in einen nördlichen Teil um die Hundsburg (entspricht der späteren Flur 19) und einen südlichen Teil um das Dorf Stoffeln (Flur 20) geteilt.Vgl. zum Folgenden bes. Karl Bone: Die Districtnamen des Kreises Düsseldorf. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Band 7, 1893, S. 354–428, bes. S. 358–368 und Karte (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf); Franz Kremer: Plan des Stadtkreises Düsseldorf. Mit Straßenverzeichnis. Voss, Düsseldorf o. J. [ca. 1891] (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf).

Die Grenze des nördlichen Teils zur Gemarkung Unterbilk (Flur 18) wurde durch den Stoffeler Damm und eine Linie parallel zur Himmelgeister Straße ungefähr im Verlauf der heutigen Fabriciusstraße über das Flurstück Auf’m Hennekamp (einschließlich) und die heutige Mecumstraße bis zur Düssel gebildet. Die Grenze der Gemarkung Stoffeln zu Oberbilk, Lierenfeld und Eller (Fluren 15/14, 13 und 3) war die Düssel. Später bildeten Himmelgeister Straße und Brunnenstraße die Ostgrenze und die Eisenbahnlinien nach Neuss und Köln die Nordgrenze des statistischen Bezirks Stoffeln.Vgl. Übersichtsplan der Stadt Düsseldorf. In: Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeinde-Angelegenheiten der Stadt Düsseldorf für den Zeitraum vom 1. April 1910 bis 31. März 1911. Fr. Dietz, Düsseldorf o. J. (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf).

Der südliche Teil der Gemarkung Stoffeln grenzte ab der Scheidlings-Mühle (südwestliche Ecke der Kreuzung Kölner Landstraße / Harffstraße) an die Gemarkung Wersten (Flur 2). Die Grenze zog sich zickzackförmig durch den heutigen Südpark ungefähr entlang des Werstener Ziegeleiweges (ausschließlich) bis zur Nordhälfte des jetzigen Botanischen Gartens (einschließlich; hier lag das Stoffeler Broich). Die Grenzlinie folgte dort etwa 250 Meter in südliche Richtung dem Verlauf des Brückerbachs, der in einen früheren Entwässerungsgraben verlegt wurde. Das Bewässerungsrecht aus dem Wasserlauf („uijss der bech“) stand hier, wo er Grenzfluss war, den Bürgern Düsseldorfs und dem Herrn von Schloss Eller gemeinsam zu.Vgl. Urkunden vom 15. Juli 1498 und 25. Oktober 1525; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1, Haupturkundenarchiv, U 2/14845 und U 1/16354). Die Grenze knickte dann in westliche Richtung ab und führte ungefähr bis in den Bereich der heutigen Bushaltestelle Universität Süd. Von dort folgte sie dem Verlauf des Himmelgeister Communalweges (heute parallel Münchener Straße), dessen beide Straßenseiten schon zur Gemarkung Flehe (Flur 21) gehörten, bis zum Stoffeler Damm.

Acker- und Weideland der Gemarkung waren u. a. das Stoffeler Feld nordwestlich und das Stoffeler Bruch bzw. BroichVgl. dazu Friedrich Everhard von Mering: Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden …, Band III. F. C. Eisen, Köln 1836, S. 80 (Google-Books). südöstlich des Dorfes, das als Straßenname am Südufer des Unisees erhalten geblieben ist. Die weiter südöstlich davon liegenden Flurstücke Gansbruch und Rott, die ebenfalls als Straßennamen erhalten sind (Am Gansbruch, Auf’m Rott), lagen bereits auf der Gemarkung von Wersten. Holzungen befanden sich vor allem in den Flurstücken Auf den Kleinen Banden und In den Großen Banden (heute Straßenname).

Geschichte Ende des 19. Jahrhunderts wurden bei Stoffeln in einem Hügelgräberfeld Graburnen gefunden, die in der Fundzeit germanischen Gruppen aus dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. zugeordnet wurden.Vgl. Jakob Schneider: Die ältesten Wege mit ihren Denkmälern im Kreise Düsseldorf. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins. Band 4, 1889, S. 1–10, bes. S. 2 und 10 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf) = Sonderdruck. F. Bagel, Düsseldorf 1889, S. 4 und 12; Albert Kiekebusch: Der Einfluss der römischen Kultur auf die germanische im Spiegel der Hügelgräber des Niederrheins. (Studien und Forschungen zur Menschen- und Völkerkunde 3). Strecker & Schröder, Stuttgart 1908, S. 32f. Auf dem Gebiet der Gemarkung fanden sich Reste alter Grenzbefestigungen (Landwehren), die keinen bekannten historischen Grenzverläufen entsprechen und wahrscheinlich aus dem 1. Jahrtausend n. Chr. stammen.Vgl. Jacob Schneider: Localforschungen über die alten Denkmäler des Kreises Düsseldorfs. In: Jahres-Bericht über das Königliche Gymnasium zu Düsseldorf für das Schuljahr 1873–74. Stahl, Düsseldorf 1874, S. 3–12, bes. S. 7 (Google-Books) = Die alten Gränzwehren (Landwehren) im Kreise Düsseldorf. (Neue Beiträge zur alten Geschichte und Geographie der Rheinlande 14). F. Bagel, Düsseldorf 1890, mit Karte (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf).

Bis 1384 gehörte Stoffeln mit Bilk zum Amt Monheim im Herzogtum Berg, dann kam es zum Amt Düsseldorf.Vgl. Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf, Band I/1 Darstellung. U. Bagel, Düsseldorf 1921, S. 242. Bei dem verheerenden Rhein-Hochwasser im Januar 1573 wurden Hamm, Bilk, Stoffeln und Volmerswerth überschwemmt, die Menschen mussten mit Booten versorgt werden.Vgl. 1573 große Überschwemmung. Hochwasser in Hamm (2010) ( des Fördervereins Düsseldorf-Hamm e. V.; abgerufen am 16. Mai 2019).

Im Landsteuerbuch von 1632 werden in „Stoffen“ 26 steuerpflichtige Parteien genannt, von denen vier Hofstellen an anderen Orten veranschlagt wurden oder nicht besetzt waren. 1792 gehörte das Dorf Stoffeln mit der Honschaft und Wasserburg Bilk, der Honschaft Oberbilk, der Honschaft Flehe und dem Dorf Lierenfeld zum Kirchspiel Bilk, das insgesamt 2035 Einwohner hatte. In unmittelbarer Nähe von Stoffeln lag die Grenze zu Wersten im Amt Benrath. Der Zehnt in Stoffeln stand bis zum Ende des Alten Reiches der kurfürstlichen Stiftung des Hubertus-Spitals zu.Vgl. Akten zur Verpachtung 1814/15; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Generalgouvernement Berg, 1813–1816, Nr. 66 (Altsignatur: II, 29 b)); Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf, Band I/1 Darstellung. U. Bagel, Düsseldorf 1921, Band I/1, S. 227.

mini|links|hochkant|Stoffeler Kapelle Das „Stoffeler Kapellchen“ oder „die Kapelle auf den so genannten Stoffelen“ war dem Hl. Kreuz und den Vierzehn Nothelfern geweiht.

Unter den „Vierzehn Nothelfern“ wurde an diesem Ort besonders der Heilige Christophorus verehrt. Ihm hat die aus dem Süden vom Brückerhof zu der Wallfahrtskapelle führende Christophstraße ihren Namen zu verdanken. Aus Oberbilk zog man bei Prozessionen über den Bittweg (Teil eines Kreuzwegs oder Wegs der Sieben Fußfälle) oder über die Stoffelner Straße (südlicher Abschnitt 1931 in Stoffeler Kapellenweg umbenannt) zur Stoffeler Kapelle. Auch die Reichsstraße (früher: Krautstraße) – Reichsgasse (bis 1892: Reichsstraßengässchen) in Unterbilk soll Teil eines Prozessionsweges von der Kraut-Mühle / Wasserburg Bilk zum Stoffeler Kapellchen gewesen sein.Vgl. Henning Schmidt: Düsseldorf-Bilk. Sutton, Erfurt 2013, S. 11. Von Thal-Bilk (heute um den Karolingerplatz) aus führte der Stoffeler WegVgl. Weistum über die Bilker Triftwege nach den Stoffen und die Bilker Trift. 1537. In: Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf, Band I/2 Urkunden und Akten. U. Bagel, Düsseldorf 1921, Nr. 323, S. 158. (später umbenannt in Werstener Straße, ab 1925 zu Ehren von Oskar Witzel Witzelstraße) zu Kapelle und Dorf Stoffeln.Vgl. Der Campus der Universität Düsseldorf im Jahre 1891 und heute. In: Jahrbuch der Universität Düsseldorf. 10 (1980/81), S. 10 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). Möglicherweise fanden die Prozessionen auf einem Rundweg statt.Vgl. ausführlich Ulrich Brzosa: Die Geschichte der katholischen Kirche in Düsseldorf. Von den Anfängen bis zur Säkularisation. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2001, S. 530f Anm. 182.

Im Ersten Koalitionskrieg soll der französische General François-Joseph Lefebvre 1795 versucht haben, die Mündung des Brückerbachs zu verstopfen, um das Gelände um Stoffeln unter Wasser zu setzen und dadurch einen Angriff auf seine Stellung vor Düsseldorf zu erschweren.