Die Belagerung von Montpellier war Teil des von Louis XIII durchgeführten Feldzuges zur Niederwerfung der Hugenotten-Rebellion.
Hintergrund Louis XIII. hatte nach der Regentschaft seiner Mutter Maria de’ Medici 1617 die Herrschaft über sein Königreich übernommen. In dieser Zeit hatten mehrere protestantischen Regionen Frankreichs, angeführt von Henri II. de Rohan, den Herrschaftsanspruch des Königs zurückgewiesen, sodass dieser sich ab 1619 gezwungen sah, sich mit militärischer Gewalt durchzusetzen.
Nach der vergeblichen Belagerung von Montauban im Jahre zuvor änderte Louis XIII. seine Taktik und begann zunächst die weniger stark befestigten Hugenottenstädte anzugreifen und niederzuwerfen. Nach der Befriedung des Poitou und der Saintonge überließ er die Belagerung von La Rochelle seinem Cousin Louis de Bourbon-Soissons und marschierte mit seiner Truppe in Richtung auf das Languedoc. Nach dem Massaker von Nègrepelisse, in dem Ludwig alle männlichen Einwohner hinrichten ließ, und der Belagerung von Saint-Antonin marschierte er auf Montpellier. Die Stadt war eines der Zentren der Rebellion der Hugenotten im 17. Jahrhundert. mini|Henri II. de Bourbon, prince de Condé
Vorgeschichte Im Februar 1622 reagierte Henri II. de Rohan auf die Bedrohung durch die königlichen Truppen und begann, mögliche strategische Stützpunkte im Norden von Montpellier zu zerstören. Er belagerte das Château de Montlaur und sprengte es nach der Einnahme in die Luft. Das Gleiche passierte den Schlössern in Beaulieu (Hérault), Castries und am 29. März dem Château de Sommières. Gleichzeitig nahm auf der anderen Front Henry de Montmorency, Lunas, und das Fort de Graissessac ein und erschien am 11. Februar vor Bédarieux.
Nach verschiedenen Scharmützeln verließ Montmorency sein Lager und zog vor Frontignan und Villeneuve-lès-Maguelone. Nach der Einnahme der beiden Orte wurden, sozusagen im Vorbeimarsch, noch die protestantischen Dörfer Soumartre et de Faugères erobert. Danach vereinigte er sein Korps mit dem von Gaspard III. de Coligny duc de Châtillon, der ebenfalls erst vor kurzem eingetroffen war. Diese Armee nahm am 7. April Cournonsec ein und marschierte auf Lavérune an der Mosson, in dessen Richtung sich auch die Armee von Rohan bewegte. Es kam allerdings zu keiner Kampfhandlung, da die beiden Armeen auf unterschiedlichen Wegen unterwegs waren. Rohan nahm dann Saint-Georges-d’Orques ein, da die dortige katholische Garnison für Montpellier äußerst lästig war und die Stadt durch Nadelstiche wie die Gefangennahme von Reisenden oder Bauern ständig beunruhigt hatte. Montmorency ging dann nach Villeneuve-lès-Maguelone und der Herzog von Châtillon auf Aigues-Mortes. Unterwegs zerstörte Châtillon die Stiftskirche Notre-Dame de Grâce in Gignac und wendete sich gegen die Bergfestung „Château de Montferrand“ in Saint-Mathieu-de-Tréviers. Nachdem es ihm nicht gelungen war, die Burg einzunehmen, zog er sich zunächst auf die Höhe von Uzès zurück und wendete sich dann nach Aigues-Mortes.
Als Rohan von der Belagerung von Saint-Antonin erfahren hatte, verließ er Millau und marschierte nach Castres, da er herausgefunden hatte, dass sich Louis XIII. mit Montmorency vereinigen wollte, um Montpellier anzugreifen. Er setzte sich mit einer Truppe in Bewegung, um die Besatzung von Montpellier zu verstärken.
Obwohl Henri IV. den Protestanten Montpellier als sicheren Platz überlassen hatte, war an den Befestigungen wenig geschehen. Bis 1620 waren lediglich zwei neue Bastionen errichtet worden. Allerdings hatte der protestantische Ingenieur Pierre de Conty d’Argencour 1621 mit intensiven Fortifikationsarbeiten begonnen. Er ließ die Vorstädte abbrechen und verstärkte die Stadtumwallung, sodass sich die Belagerer einer befestigten Stadt mit 16 Bastionen, verbunden durch Kurtinen, davorliegenden Halbmonden und Gräben gegenübersahen. Rohan ließ in der Stadt einige Edelleute seines Gefolges zurück, so auch seinen persönlichen Lieutenant (zur damaligen Zeit war ein Lieutenant nicht nur ein Dienstgrad, sondern auch eine Dienststellung. Die militärischen Ränge waren bei weitem nicht so klar definiert wie heute) Depuy (Lieutenant particulier), der schon bei der Belagerung von Montauban dabei gewesen war. In der Stadt stellte er die Verteidigungstruppe aus insgesamt vier Regimentern und acht bis zehn selbstständigen Kompanien (sans Mestre de camp – also von einem Offizier des mittleren oder unteren Ranges kommandiert) regulärer Truppe, sowie drei Milizregimentern aus den Bürgern der Stadt auf.
Die königliche Armee bewegte sich unaufhaltsam vorwärts und nahm dabei auf ihrem Weg einige kleinere Ortschaften ein. Der Maréchal de Praslin nahm und zerstörte Bédarieux, Mauguio, und Sommières. Montmorency eroberte Marsillargues am 3. August mit drei Regimentern Infanterie, (verstärkt durch das Régiment de Normandie) sechs Geschützen und einer Feldschlange.
Die Belagerung von Lunel begann am 2. August und obwohl die Besatzung um 830 Mann aus dem Cévenol verstärkt worden war, kapitulierte die Stadt bereits am 7. August vor 3.000 Infanteristen, 300 Reitern und zwei Feldschlangen des Prince de Condé. Nach der Zurücklassung von sechs Kompanien in Lunel unter dem Kommando von Colonel de légion Jean de La Croix, baron de Castries, vereinigten sich die königlichen Truppen am 12. August vor Sommières, das am 17. August angegriffen wurde, an der Spitze das Régiment de Picardie mit seinem Mestre de camp Roger du Plessis-Liancourt.
Am 22. August übergab Gaspard III. de Coligny, duc de Châtillon, das befestigte Aigues-Mortes kampflos Louis XIII., was ihm eine Belohnung von 5.000 Livres und den Marschallstab einbrachte.
Vorbereitung der Belagerung Die ersten Truppen unter dem Kommando von Henri II. de Montmorency, Gouverneur des Languedoc, erschienen im Juli 1622 vor der Stadt, in der Hoffnung, diese kampflos einnehmen zu können. In Lavérune sollten Übergabeverhandlungen geführt werden, allerdings waren der Prince de Condé und Bassompierre dagegen und rieten zur Belagerung. Inzwischen hatte Rohan um Verstärkung durch die Montagnards geschickt, außerdem dauerte die Aufstellung der Truppen in den Cevennen an, die zur Hilfe eilen sollten, bevor sich die Hauptarmee des Königs mit der von Montmorency vereinigt hätte.
Durch Vermittlung des Maréchal Lesdiguières (er war zum Katholizismus übergetreten, hatte die Dauphiné unterworfen und dafür den Ordre du Saint-Esprit und das Schwert eines Connétable erhalten) wurde am 22. August zwischen dem hugenottischen Anführer, Henri de Rohan, und Louis XIII. ein Übergabevertrag unterzeichnet. Allerdings lehnten es die Einwohner am folgenden Tag ab, den königlichen Truppen die Tore zu öffnen, da sie Repressionen und Schlimmeres durch die Männer des Prince Henri de Condé befürchteten.Chronologie du siège de Montpellier de 1622 en 10 dates Sie stellten dem König demütigende und somit für diesen unannehmbare Bedingungen, unter denen er in die Stadt einziehen dürfe.Jack Alden Clarke, Google Livres Huguenot Warrior: The life and times of Henri de Rohan, 1579–1638, Springer, 31. Juli 1967, ISBN 978-90-247-0193-3, S. 126
Somit blieb in der Region lediglich noch Montpellier als Stützpunkt der Hugenotten übrig, das ab dem 31. August von einer 10.000 Mann starken königlichen Armee belagert wurde.
deren Kommando Condé übernahm, da Louis XIII. der von den Bedingungen der Bürger Montpelliers beleidigt war, das Lesdiguières anlastete und ihn deshalb von seinen Ämtern enthob.
Schlachtordnung mini|Der Maréchal Lesdiguières handelte den Frieden zwischen dem König und Montpellier aus. Als am 31. August Montpellier völlig eingeschlossen war, nahm der aus Béziers kommende König sein Hauptquartier in einem Bauernhaus nahe Castelnau-de-Montmiral im Norden von Montpellier, das Étienne Aimeric, dem Kommandanten von Montpellier gehörte. Von hier aus konnte er die Belagerung verfolgen.
Die Belagerungsarbeiten wurden von dem italienischen Ingenieur Joseph Gamorini beaufsichtigt, der schnellstens einen Annäherungsgraben bei der linken Kolonne gegen die vermeintlich schwächste Stelle der Befestigung richten ließ; die Blancarie, zwischen dem Tour des Carmes (Karmelitertum) und dem Tour de Saint-Gély.
Der Angriff erfolgte in zwei Kolonnen: Linke Kolonne: nahe dem Hauptquartier des Königs, wurde vom Maréchal de Praslin in der Eigenschaft als Lieutenant général befehligt. François de Bassompierre und Jacques d’Estampes de Valençay waren die Maréchaux de camp denen die Regimenter Gardes françaises, Gardes suisses, de Navarre, de Piémont, de Normandie, d'Estissac und de Saint-Chamont unterstanden.
Die rechte Kolonne wurde vom Prince de Condé als Lieutenant général kommandiert, unterstützt wurde er vom Maréchal de camp Jean Zamet (wurde am 5. September von einer Kanonenkugel verwundet und ist am 8. September daran verstorben) und Louis de Marillac, mit den Regimentern „de Normandie“, „de Nérestang“, vier Regimenter aus dem Languedoc von Henri de Montmorency: „de Vendôme“, „de Fabrègues“, „de La Roquette“ und „de Saint-Brez“, sowie ein weiteres, das Condé ursprünglich in Berry zurückgelassen hatte.
Die Belagerungsarmee bestand insgesamt aus den folgenden Regimentern die Liste ist möglicherweise nicht komplett 25px|class=noviewer Régiment d’Annevoux Régiment de Bressieu 25px|class=noviewerRégiment de Chappes 25px|class=noviewerRégiment d'Estissac Régiment de Fabrègues 25px|class=noviewerRégiment des Gardes françaises 25px|class=noviewerRégiment des Gardes suisses, 25px|class=noviewer Régiment d'Hocquincourt Régiment de La Baume d'Hostun Régiment de La Douze Régiment de La Grange Régiment de La Roquette Régiment de Lauzun Régiment de Montespan Régiment de Montmorency 25px|class=noviewerRégiment de Navarre 25px|class=noviewerRégiment de Normandie 25px|class=noviewerRégiment de Piémont 25px|class=noviewerRégiment de Picardie Régiment de Puyserguier Régiment de Ragny Régiment de Saint-Brez Régiment de Saint-Bris Régiment de Saint-Chamont Régiment de Sainte-Croix Régiment de Sault Régiment de Soyecourt Régiment de Toulouse Régiment de Tournon Régiment de Vendôme
Die Verteidiger unter dem Kommandanten Étienne d'Americ und dem Gouverneur Baron de Calonges hatten zur Verfügung: 1 Régiment zu 4 Kompanien 3 Regimenter zu je 5 Kompanien 8 bis 10 Kompanien ohne Mestre de camp 3 Regimenter aus den Einwohnern der Stadt gebildet.
Die Belagerung Die Belagerungsoperationen wurden an den Stellen angesetzt, an denen die Verteidigungsanlagen noch unvollendet waren und so die schwächsten Punkte darstellten.Siége de Montpellier : estampeLa Vraye representation du siege, plan, assiette et fortifications, tant vieilles que nouvelles de la ville de Montpellier. Assiégée par le tres-chrestien Louys XIII Roy de France et de Navarre Trotzdem war die Angelegenheit für die königlichen Truppen mit großen Schwierigkeiten verbunden. Montpellier hatte über einen längeren Zeitraum Gelegenheit gehabt, sich über die Absichten von Louis XIII. im klaren zu werden und war deshalb gut vorbereitet. Die mittelalterliche Stadtmauer konnte der modernen Artillerie nicht standhalten, man hatte daher die Vorstädte niedergelegt und einen starken Befestigungsring gebaut. Bei der Ankunft der Belagerungsarmee waren die Arbeiten weitestgehend abgeschlossen.Gérard Cholvy(dir.), Histoire de Montpellier, Privat, rééd. 2001, S. 120 ff.
Am 1. September wurden die Redouten im Osten am Ufer des Lez von den Regimentern „de Normandie“, „de Navarre“, „de Piémont“, „d'Estissac“, „de La Roquette“, „de Fabrègues“ und „de Saint-Brez“ angegriffen und eingenommen. Die eroberten Werke blieben von den beiden letzteren Regimentern unter dem Kommando von Jacques d'Estampes de Valençay besetzt.